Homosexualität Ich bin es leid

Wir dürfen Kranke heilen, als Soldaten unser Leben riskieren und Deutschland bei der Olympiade vertreten. Nur heiraten und Kinder großziehen dürfen wir nicht. Warum eigentlich?

Ich bin es leid, begründen zu müssen, warum ich und alle, die so lieben und begehren wie ich, als Gleiche behandelt werden wollen. Warum müssen wir begründen, dass Schwule und Lesben und Transsexuelle gleiche Achtung verdienen, dass unsere Beziehungen und unsere Familien denselben Schutz des Staates brauchen und dass Kinder zu uns gehören wie zu anderen Eltern auch? Warum?

Wir dürfen als Ärztinnen und Krankenpfleger andere behandeln, wir dürfen als Hebammen die Kinder heterosexueller Paare zur Welt bringen, als Sozialarbeiterinnen oder als Therapeuten uns um die kümmern, die Hilfe oder Orientierung brauchen, wir dürfen in Hospizen Sterbebegleitung leisten, bei Olympia die Sportnation vertreten und an den Universitäten Forschung betreiben, die späteren Generationen zugutekommt, wir dürfen Organe spenden oder Blut, an den Schulen, Gerichten und in den Medien als Lehrerinnen, Richter und Journalistinnen arbeiten und Werte wie Gerechtigkeit und Menschlichkeit verteidigen, wir dürfen Straßen bauen, Gärten anlegen und in Afghanistan oder Somalia, im Kongo oder vor der libanesischen Küste in Auslandseinsätzen der Bundeswehr unser Leben riskieren. Das alles gilt als selbstverständlich.

Wir alle sind zudem jemandes Kind, Geschwister, Nichte, Neffe, Tante, Cousin, Nachbarin, Kollege oder Freundin, und als solche werden wir gerufen bei Liebeskummer oder Finanzchaos, wir dürfen helfen bei Wohnungsrenovierungen oder Prüfungsängsten, wir springen ein zum Babysitten oder zum Krisengespräch, wir dürfen auf Geburtstagsfeiern die Festreden halten oder den Heranwachsenden als Karriere-Vorbild dienen, wir pflegen unsere Mütter oder Großväter, und auch das gilt alles als selbstverständlich.

Carolin Emcke
Carolin Emcke

45, Journalistin, schreibt für das ZEITmagazin und die ZEIT. Zuletzt erschien ihr Buch Wie wir begehren.

In allen diesen Hinsichten spielt unsere Art zu lieben, unsere sexuelle Identität, keine Rolle. Wir werden als genauso kompetent und vertrauenerweckend genutzt und geschätzt wie andere auch. Wir werden in diesen Lebensbereichen als verbindlich, chaotisch, ernsthaft, lustig, streitbar, verletzbar, spießig und widerspenstig, eben als normale, liebenswert-unausstehliche Menschen mit individuellen Gaben wahrgenommen und gebraucht wie andere auch.

All das gilt als selbstverständlich – nur dass wir heiraten und mit Kindern leben wollen, das darf nicht selbstverständlich sein. Warum? Warum sollte unsere Art, zu lieben und zu begehren, die in allen anderen Zusammenhängen bedeutungslos zu sein scheint, auf einmal einen Unterschied ausmachen? Warum sollten wir nicht genauso heiraten dürfen, mit allen Rechten und Pflichten, wie andere Liebende, die sich binden wollen, auch? Weil wir dankbar sein sollen für all die Toleranz, die uns schon zuteilgeworden ist?

Mehr als die Hälfte der bürgerlichen Ehen und Familien zerbricht im Schnitt, im Jahr 2009 kamen laut Statistischem Bundesamt auf 378.439 Eheschließungen 185.817 Scheidungen. Aber nach wie vor soll die Institution der Ehe beschränkt bleiben auf heterosexuelle Paare, als würden Homosexuelle, die heiraten möchten, die Ehe unterwandern und nicht Heterosexuelle, die die Ehe auflösen.

Gewiss, mit der Eingetragenen Lebenspartnerschaft wurde im Jahr 2001 eine rechtliche Form gefunden, die homosexuellen Beziehungen symbolische und soziale Anerkennung gewährt. Das war ein ambivalenter historischer Erfolg. Denn das allseits verwendete Wort von der "Homo-Ehe" verschleierte, dass es eben genau das nicht war und nicht sein sollte. Nicht nur durfte dieses Institut ausdrücklich nicht "Ehe" heißen, weil die Ehe heterosexuellen Paaren vorbehalten sein sollte; auch beschränkte sich die Eingetragene Lebenspartnerschaft in ihren zivilrechtlichen Regelungen vor allem auf die eheähnlichen Pflichten der Partner, die eine Beistands- und Verantwortungsgemeinschaft bilden, aber sagte wenig über deren Rechte aus.

Die Ungleichbehandlung von homosexuellen und heterosexuellen Paaren wurde mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz also keineswegs aufgehoben, sondern im Gegenteil in bestimmten Bereichen nachgerade verfestigt. Das ist der Grund, warum die letzten Jahre eine beispiellose Serie an Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs (2008) und des Bundesverfassungsgerichts gesehen haben, in denen die Richter den Gesetzgeber aufforderten, Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen von Homosexuellen zu korrigieren. So kritisierte das Bundesverfassungsgericht die Ungleichbehandlung von homosexuellen Lebenspartnern hinsichtlich der Hinterbliebenenrente von Beamten im öffentlichen Dienst (2009), der Erbschaft- und Schenkungsteuer (2010), des beamtenrechtlichen Familienzuschlags (2012) und schließlich der Grunderwerbsteuer (2012).

Das kann natürlich auch so weitergehen. Die Bundesregierung kann gedankenreiche Tatenarmut praktizieren, sie kann daran festhalten, dass Homosexuellen die Ehe verwehrt wird, die Eingetragene Lebenspartnerschaft kann weiterhin im Steuer- und Adoptionsrecht gegenüber der Ehe benachteiligt werden, Lebenspartner dürfen weder das Ehegattensplitting veranschlagen, noch dürfen homosexuelle Paare fremde Kinder adoptieren – und wir warten dann einfach darauf, dass das Bundesverfassungsgericht eine Diskriminierung nach der anderen, eine Ungleichbehandlung von Lebenspartnern gegenüber Ehegatten nach der anderen kassiert.

Aber was soll das? Ist es nicht jetzt schon beschämend genug für alle, die immer noch nach Gründen suchen, warum die Ungleichbehandlung von homosexuellen Paaren angeblich gerechtfertigt sei?

"Es verstößt gegen den Gleichheitssatz", heißt es in den Leitsätzen zum jüngsten Beschluss des Ersten Senats vom 18. Juli 2012, "dass eingetragene Lebenspartner vor Inkrafttreten des Jahressteuergesetzes 2010 nicht wie Ehegatten von der Grunderwerbssteuer befreit sind." Was das Gericht dann über die Ungleichbehandlung von Ehegatten und Lebenspartnern bei der Grunderwerbsteuer ausführt, klingt bereits wie ein historisches Versprechen auf eine grundsätzliche Gleichbehandlung von homosexuellen und heterosexuellen Paaren. Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes, erläutert der Erste Senat, verlangt, alle Menschen vor dem Gesetz gleich zu behandeln, also wesentlich Gleiches gleich und wesentlich Ungleiches ungleich. Das Gericht argumentiert, dass der Gesetzgeber, der bestimmte Personengruppen steuerrechtlich begünstigt und andere Personengruppen von dieser Begünstigung ausschließt, solche Differenzierungen rechtfertigen muss. Die Differenzierung qua sexueller Orientierung, die der Gesetzgeber implizit vornimmt, reicht dem Gericht nicht als Rechtfertigung einer Ungleichbehandlung. Es bedarf, schreibt der Erste Senat, "hinreichend gewichtiger Unterschiede zwischen diesen beiden Formen einer auf Dauer angelegten, rechtlich verfestigten Partnerschaft, um die konkrete Ungleichbehandlung zu rechtfertigen".

Wenn aber keine gewichtigen Unterschiede zwischen Ehe und Eingetragener Partnerschaft zu erkennen sind, dann lässt sich nicht nur fragen, warum sie ungleich zu behandeln sein sollen, sondern auch, warum sie überhaupt als separate Institute bestehen müssen. Wenn sie im Wesentlichen gleich sind, wozu braucht es dann die Unterscheidung zwischen Ehe und Eingetragener Partnerschaft? Worum geht es dann noch bei dem Aufrechterhalten des Eheverbots für Homosexuelle? Um die Verteidigung der Ehe oder um die Verteidigung des eigenen Vorurteils? Geht es um Werte der gegenseitigen Verantwortung und des wechselseitigen Beistands, die in einer Ehe realisiert werden, oder geht es nur um die Ehe als leere Begriffshülle? Die Oppositionsparteien SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Linke plädieren deshalb schon seit letztem Jahr für eine Öffnung der Ehe. Die SPD forderte die Bundesregierung im Dezember auf, einen Gesetzesentwurf vorzulegen, "der die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare öffnet". Der Gesetzentwurf der Grünen (Drucksache 17/6343) sieht eine schlichte Ergänzung von §1353 des Bürgerlichen Gesetzbuchs vor, Absatz 1 Satz 1 hieße demnach: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen."

Natürlich kann die Bundesregierung weiterhin darauf beharren, dass die Ehe nun einmal historisch zwischen Mann und Frau geschlossen werde. Das ist zutreffend, sagt allerdings nichts über die Legitimität dieser historischen Übereinkunft. Schließlich waren auch Ehen zwischen Katholiken und Protestanten einmal verboten. Im Übrigen gibt es legale gleichgeschlechtliche Ehen bereits. Durch das Gesetz zur Änderung des Transsexuellen-Gesetzes aus dem Jahr 2009 hat das Bundesverfassungsgericht eine Vorschrift für unzulässig erklärt, durch die ein verheirateter Transsexueller sich erst scheiden lassen musste, bevor seine Personenstandsänderung rechtlich gültig werden konnte. Das Gericht fand es unzumutbar, dass ein Paar, das ausdrücklich verheiratet bleiben wollte, auch wenn sich die Geschlechtsidentität eines Partners geändert hatte, genötigt werden sollte, sich scheiden zu lassen.

Die Bundesregierung kann auch weiterhin darauf beharren, dass die Ehe die Keimzelle der Familie sei – was allerdings nicht zutreffend ist. Artikel 6 Absatz 1 des Grundgesetzes formuliert lediglich den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung, den Ehe und Familie genießen. Die steuerliche Bevorzugung der Ehe selbst ist aber entkoppelt vom Vorhandensein von Kindern, weswegen kinderlose heterosexuelle Ehen ebenso geschützt werden wie Ehen mit Kindern.

Ich bin nicht sicher, ob mir das gesellschaftliche Interesse an der steuerlichen Privilegierung der Ehe einleuchtet. Möglicherweise wäre es sinnvoller, einfach Haushalte mit Kindern staatlicher Unterstützung zu versichern, ganz gleich, ob in diesen Familien zwei Männer ein Kind aufziehen oder eine alleinerziehende Mutter, ein Vater und eine Großmutter, zwei Mütter und ein Vater oder ein Vater und eine Mutter. Aber solange Ehen als langfristige Beistands- und Verantwortungsgemeinschaften ausgezeichnet werden, so lange sollten Lebenspartnerschaften dieselben Vorzüge beanspruchen können.

Damit ist schließlich das größte Tabu berührt: Homosexuelle mit Kindern. Nach wie vor ist es in Deutschland, anders als in Andorra, Argentinien, Belgien, Dänemark, Großbritannien, Irland, Island, den Niederlanden, in Norwegen, Schweden, Spanien und Südafrika, Schwulen und Lesben nicht gestattet, gemeinsam ein fremdes Kind zu adoptieren. Seit dem 1. Januar 2005 dürfen Homosexuelle das biologische Kind ihres Partners/ihrer Partnerin adoptieren, aber das ist auch alles. Auf den Vorschlag der damaligen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), homosexuellen Paaren das volle Adoptionsrecht zu geben, entgegnete Volker Kauder (CDU) noch im Sommer 2009, es gehe bei dem Vorschlag allein um die Selbstverwirklichung von Lesben und Schwulen und "nicht um das Wohl des Kindes".

Ich weiß nicht, aus welchen Gründen heterosexuelle Paare Kinder bekommen, aber warum sollten die Wünsche homosexueller Eltern das Wohl ihrer Kinder gefährden? Warum sollten sie ihre Kinder nicht lieben und fördern wie alle anderen Eltern auch? Was an dieser Sehnsucht, ein Kind aufwachsen zu sehen, es durchs Leben zu begleiten, soll denn verwerflich sein? Warum sollte das Kind dadurch beschädigt werden? Weil seine Eltern lesbisch sind? Nicht die homosexuellen Eltern sind ein Problem des Kindes, sondern diejenigen, die die Homosexualität der Eltern für ein Problem halten. Wer sich um das Wohl der Kinder sorgt, der sollte dafür Sorge tragen, dass rechtlich alles getan wird, damit sie und ihre Eltern gleichgestellt und geschützt werden. Die Studie Die Lebenssituation von Kindern in Lebenspartnerschaften, die das Bundesjustizministerium 2009 veröffentlichte, zeigt, dass Kinder in Regenbogenfamilien genau dieselbe Fürsorge und Aufmerksamkeit erfahren wie Kinder mit heterosexuellen Eltern. Entgegen den Befürchtungen der Gleichstellungsgegner stellen diese und ähnliche internationale Studien auch keinerlei besondere Neigung dieser Kinder fest, ihre sexuelle Identität anders zu entwickeln als Kinder anderer Familien. Eine Mehrzahl von Sachverständigen, die der Rechtsausschuss des Bundestages im Juni 2011 anhörte, bemängelte ebenfalls die Ungleichbehandlung von Homosexuellen im Adoptionsrecht.

Nicht nur die gemeinsame Adoption von Kindern ist homosexuellen Paaren nicht gestattet. Auch künstliche Befruchtung durch einen fremden Samen ist in Deutschland, anders als beispielsweise in den USA, Dänemark oder Israel, erschwert, weil Ärzte, die solche "assistierte Reproduktion" durchführen, gegen Richtlinien der Bundesärztekammer verstoßen. Während heterosexuelle Paare, die keine Kinder bekommen können, sich mittels künstlicher Befruchtung durch einen fremden Samenspender ihren Kinderwunsch erfüllen können, schließt die Bundesärztekammer in den Kommentaren zur Richtlinie für assistierte Reproduktion lesbische Paare ausdrücklich aus.

Wie lange müssen wir noch warten, bis sich das ändert?

Müssen wir wirklich noch begründen, dass wir nicht schlecht für ein Kind wären? Müssen wir wirklich begründen, dass wir genauso aufgeregt und beglückt, unsicher und stolz wie alle anderen Eltern wären und dass diese Kinder all unsere Liebe und Unterstützung bekämen?

Die Wahrheit ist: Wir sind auch Familie. Wir leben längst mit und in Familien. Ich bin umgeben von Kindern meiner schwulen und lesbischen Freunde, angenommenen oder ausgetragenen Kinder, und meine Freunde sorgen sich um sie wie alle anderen Eltern. Wenn ich an die Kinder in meinem Freundeskreis denke, dann fällt mir ein, wie sie die eleganten Hemden ihrer Väter vollgesabbert haben, ich denke an die Bar-Mizwa und die Tränen der beiden Mütter, ich denke an das alte Klavier, auf dem schon die vorherige Generation versagte, oder an die Väter, die nachts noch die schönsten Kostüme für den Karneval im Kindergarten gebastelt und geklebt haben, ich denke an das Märchenbuch mit dem Prinzen, der die Prinzessin befreien muss, und unser aller Lachen, als wir die Geschichte dieser klassischen Liebe wieder und wieder vorlesen mussten. Ich denke an all das, was dieses magische, anstrengende Glück eines Lebens mit Kindern ausmachen kann, und nicht daran, woher sie stammen, wie sie gezeugt wurden oder ob ihre Eltern schwul oder lesbisch sind.

Es wäre schön, wenn das eines Tages gleichgültig wäre, weil wir vielleicht nicht gleichartig, aber gleichwertig sind.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Carolin Emcke irrt. Nein Homosexuelle dürfen in diesem Land kein Blut spenden, das erfährt man an jedem gewöhnlichen DRK-Stand, sollte sie eigentlich wissen...

    2 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Doch, Blut spenden dürften wir Schwulen - es darf nur nicht benutzt werden. Wenn man ordnungsgemäß ankreuzt, dass man "gleichgeschlechtliche Kontakte" hatte (wenn ich mich recht erinnere steht das in der gleichen Zeile wie Drogenabhängigkeit ...) wird das Blut vernichtet. So jedenfalls war es vor einigen Jahren. Und ich vermute, es hat sich nichts wesentliches geändert.

    Die Frage-Formulare zum Blutspenden sind meines Wissens nach geändert worden bzw. sollen geändert werden. So das nicht mehr die Frage der sexuellen Idendität eine Rolle spielt sondern die Frage nach der Häufigkeit der wechselden Sexpartner egal ob Hetero oder Homo.

    • Elite7
    • 24.08.2012 um 9:05 Uhr

    Entfernt. Verzichten Sie auf als faktisch dargestellte Behauptungen. Die Redaktion/mak

    • sneug
    • 24.08.2012 um 9:50 Uhr

    na, bei solchen behauptungen wäre es doch schön, wenn sie diese auch belegen könnten!

    Wie schon guidoffm in Kommentar Nr. 5 geschrieben hat, ist die Blutspende nur homosexuellen Männern nicht erlaubt.

    Es wurmt mich schon seit langem, dass in deutschen Medien "homosexuell" und "schwul" fast immer gleichgesetzt werden, und wir Lesben sozusagen unter den Tisch fallen. Ein Dank an Carolin Emcke für diesen Artikel aus der Frauenperspektive!

    Zu diesem konkreten Thema:

    Die Gefahr, mit HIV infiziert zu sein, ist bei Lesben besonders niedrig, niedriger als bei heterosexuellen Frauen.

    In meisten Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern sind diese Lesbenpaare.

    Doch, Blut spenden dürften wir Schwulen - es darf nur nicht benutzt werden. Wenn man ordnungsgemäß ankreuzt, dass man "gleichgeschlechtliche Kontakte" hatte (wenn ich mich recht erinnere steht das in der gleichen Zeile wie Drogenabhängigkeit ...) wird das Blut vernichtet. So jedenfalls war es vor einigen Jahren. Und ich vermute, es hat sich nichts wesentliches geändert.

    Die Frage-Formulare zum Blutspenden sind meines Wissens nach geändert worden bzw. sollen geändert werden. So das nicht mehr die Frage der sexuellen Idendität eine Rolle spielt sondern die Frage nach der Häufigkeit der wechselden Sexpartner egal ob Hetero oder Homo.

    • Elite7
    • 24.08.2012 um 9:05 Uhr

    Entfernt. Verzichten Sie auf als faktisch dargestellte Behauptungen. Die Redaktion/mak

    • sneug
    • 24.08.2012 um 9:50 Uhr

    na, bei solchen behauptungen wäre es doch schön, wenn sie diese auch belegen könnten!

    Wie schon guidoffm in Kommentar Nr. 5 geschrieben hat, ist die Blutspende nur homosexuellen Männern nicht erlaubt.

    Es wurmt mich schon seit langem, dass in deutschen Medien "homosexuell" und "schwul" fast immer gleichgesetzt werden, und wir Lesben sozusagen unter den Tisch fallen. Ein Dank an Carolin Emcke für diesen Artikel aus der Frauenperspektive!

    Zu diesem konkreten Thema:

    Die Gefahr, mit HIV infiziert zu sein, ist bei Lesben besonders niedrig, niedriger als bei heterosexuellen Frauen.

    In meisten Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern sind diese Lesbenpaare.

  2. Doch, Blut spenden dürften wir Schwulen - es darf nur nicht benutzt werden. Wenn man ordnungsgemäß ankreuzt, dass man "gleichgeschlechtliche Kontakte" hatte (wenn ich mich recht erinnere steht das in der gleichen Zeile wie Drogenabhängigkeit ...) wird das Blut vernichtet. So jedenfalls war es vor einigen Jahren. Und ich vermute, es hat sich nichts wesentliches geändert.

    8 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "bitte was?"
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    Da erwähnt wurde, dass Menschen die gleichgeschlechtliche Liebe praktizieren ein Kreuz beim Blutspenden machen müssen.

    Hier geht es nicht um Diskriminierung sondern um den Ausschluss des Infektionsrisikos durch Spender mit erhöhtem Übertragungsrisiko. Darum muss man ein Kästchen ankreuzen was neben einem Kästchen steht, das nach Drogenkosum fragt. Beides sind bekannte und statistisch belegte Risikofaktoren. Die die sicher wissen, dass sie gesund sind, müssen es ja nicht machen.

    Da erwähnt wurde, dass Menschen die gleichgeschlechtliche Liebe praktizieren ein Kreuz beim Blutspenden machen müssen.

    Hier geht es nicht um Diskriminierung sondern um den Ausschluss des Infektionsrisikos durch Spender mit erhöhtem Übertragungsrisiko. Darum muss man ein Kästchen ankreuzen was neben einem Kästchen steht, das nach Drogenkosum fragt. Beides sind bekannte und statistisch belegte Risikofaktoren. Die die sicher wissen, dass sie gesund sind, müssen es ja nicht machen.

  3. "Nicht die homosexuellen Eltern sind ein Problem des Kindes, sondern diejenigen, die die Homosexualität der Eltern für ein Problem halten."
    Mehr gibt es nicht zu sagen.

    41 Leser-Empfehlungen
  4. Die Frage-Formulare zum Blutspenden sind meines Wissens nach geändert worden bzw. sollen geändert werden. So das nicht mehr die Frage der sexuellen Idendität eine Rolle spielt sondern die Frage nach der Häufigkeit der wechselden Sexpartner egal ob Hetero oder Homo.

    Antwort auf "bitte was?"
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    ... allerdings nicht unbedingt zum Vorteil, denn nun reicht ein _einmaliger_ Intimkontakt mit einem Mann für einen lebenslangen "Makel".

    Ich habe mir gestern den Fragebogen bei der Blutspendezentrale geholt. Da heißt es wörtlich:

    "Bluttransfusionen können jedoch auch schwere Komplikationen zur Folge haben; beispielsweise dann, wenn infektiöse Mikroorganismen (u.a. HIV) mit der Blutkonserve übertragen werden. Um dies zu verhindern, ist es unabdingbar, dass Blutspender ein Risikoverhalten für
    sich ausschließen können.
    Hierzu zählen:
    - AIDS-Kranke und HIV positive Personen
    - Personen, die in den letzten 4 Monaten ungeschützten Intimkontakt mit einem neuen Partner hatten
    - Männer, die schon einmal Intimkontakt mit einem anderen Mann hatten
    ... "

    ... allerdings nicht unbedingt zum Vorteil, denn nun reicht ein _einmaliger_ Intimkontakt mit einem Mann für einen lebenslangen "Makel".

    Ich habe mir gestern den Fragebogen bei der Blutspendezentrale geholt. Da heißt es wörtlich:

    "Bluttransfusionen können jedoch auch schwere Komplikationen zur Folge haben; beispielsweise dann, wenn infektiöse Mikroorganismen (u.a. HIV) mit der Blutkonserve übertragen werden. Um dies zu verhindern, ist es unabdingbar, dass Blutspender ein Risikoverhalten für
    sich ausschließen können.
    Hierzu zählen:
    - AIDS-Kranke und HIV positive Personen
    - Personen, die in den letzten 4 Monaten ungeschützten Intimkontakt mit einem neuen Partner hatten
    - Männer, die schon einmal Intimkontakt mit einem anderen Mann hatten
    ... "

  5. @unabhängiger Journalist, ich muß Sie da korrigieren, es wird nach der Zugehörigkeit oder den Kontakten zu einer HIV Risikogruppe gefragt, diese werden im Vorfeld genauer defin iert, und da ganz klar "homosexuelle Männer", Lesben sind davon nicht betroffen sie gehören nicht zu einer HIV-Risikogruppe,stellen aber etwa 50% der Homosexuellen... :-)

    noch eine Bemerkung zu obigem Artikel:

    Chapeau... der beste Beitrag, den ich seit "Jahren" ! gelesen habe, klar, differenziert, auf den Punkt, aber trotzdem mit Gefühl... ganz vielen Dank :-)

    15 Leser-Empfehlungen
  6. 6. Danke

    nicht nur an sie für ihren Artikel, der mir aus dem Herzen spricht, sondern auch der Chefredaktion, die diesen Artikel ermöglicht hat. Gut zu wissen, dass es in Deutschland noch eine funktionierende Presse gibt. Ich gebe zu, dass ich in den letzten Jahren, in Bezug auf mein schwul-sein, politisch etwas träge geworden war. Die letzten Tage und die widerliche Polemisierung des Themas, mal wieder angeführt von der Springer-Presse, haben mich wieder wachgerüttelt.

    22 Leser-Empfehlungen
  7. Ein sehr schweres Thema, bei dem ich mich von keinerlei Seite mit einfachen Antworten zufrieden geben kann.

    Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass Menschen nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden dürfen. Dies gilt insbesondere für Bereiche, wo sie für ihren PArtner eine gewisse Fürsorge übernehmen oder auch als Erbe des gemeinsamen Hauses in Betracht gezogen werden.

    Jetzt kommt das "große Aber" (bitte nehmen Sie es mir nicht übel, aber das sind einige Gedanken von mir, die ich in Worte zusammenfassen will):

    Ich denke, es ist unstreitig, dass Homosexualität - sowohl bei Mensch, als auch bei Tier - zur Natur gehört. Jedoch hat die Natur es nicht vorgesehen, dass homosexuelle Pärchen/Paare gemeinsam Kinder bekommen können, auch wenn der Kinderwunsch bei beiden Partner weiterhin bestünde. Demzufolge behilft man sich Tricks, wie der künstl. Befruchtung und der Adoption, um so den natürlichen Gang zu umgehen.

    Es stellt sich somit die Frage inwieweit solche Hilfsmittel im Einklang mit der Natur stehen können. Hierfür werden gerne als Beispiele die Adoption kinderlose heterosexueller Ehepaare oder Alleinerziehender genommen. Auf der einen Seite macht es durchaus Sinn einen solchen Vergleich aufzustellen, andererseits soll mit der Adoption eine analoge Kompensation für paare geschaffen werden, die aufgrund medizinischer Umstände keine Kinder bekommen können.

    Ich glaube, dass die Gesellschaft als ganzes (weltweit) erst in 2-3 Generationen soweit ist.

    7 Leser-Empfehlungen
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    Die Natur hat auch vieles anderes nicht vorgesehen. Wenn Sie argumentieren, dass sie es nicht vorgesehen hat, dass Homosexuelle Lebewesen keinen Nachwuchs bekommen, dann auch nicht, dass Menschen durch Medikamente etc. ihr Leben immer mehr verlängern, und und und und - quasi alles, was der Mensch macht, aber eben "nicht natürlich" ist. ;-)

    Jedenfalls ist das ein sehr schöner, persönlicher, und doch allgemeingültiger Artikel, der vielleicht den ein oder anderen doch noch überzeugen kann. Wobei ich mir fast sicher bin, dass denjenigen, die heute noch etwas gegen Homos/Trans haben und ihnen nicht die gleichen Rechte zusprechen wollen, eh nicht mehr zu helfen ist. Da kann man argumentieren wie man will, es bringt nichts. Das ist wie mit dem streng Gläubigen, der kein achso gutes Argument zählen lässt.

    • DrNI
    • 24.08.2012 um 8:28 Uhr

    Zunächst einmal: "Es stellt sich somit die Frage inwieweit solche Hilfsmittel im Einklang mit der Natur stehen können." - Nunja, Frauen könnten ja auch ohne solche Hilfsmittel zu einer Schwangerschaft kommen. Rein technisch ist Geschlechtsverkehr mit einem Mann für eine homosexuelle Frau ja nicht unmöglich. Das wäre dann doch ganz natürlich.

    Aber das mit der Natur ist sowieso eine seltsame Sache. Jegliche Verhütung ist gegen die Natur, Antibiotika sind gegen die Natur, ja am Ende sind Flugzeuge gegen die Natur (der Mensch kann nicht fliegen), Schwimmflügelchen genauso wie Fahrräder.

    Der Mensch beschäftigt sich eben schon seit Jahrtausenden damit, seine "natürlichen" Grenzen zu überschreiten. Deswegen ist die Frage nach der "Natur des Menschen" generell nicht sinnvoll.

    Zur Natur des Menschen scheint es zu gehören, sich über seine Natur permanent hinwegzusetzen.

    Der Sinn der Adoption besteht _nicht_ darin, dass Paare, die aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen können, welche adoptieren dürfen. Quasi als Ausgleich. Die Adoption ist eine Einrichtung, die sich ausschließlich am Kindeswohl orientiert. Kinder, die ganz sicher nicht bei und mit ihren leiblichen Eltern aufwachsen können, sollen rechtlich umfassend leiblichen Kindern gleichgestellt sein, damit sie und ihre Eltern Sicherheit haben.

    Insofern spricht nichts dagegen, Paaren gleich welcher Zusammenstellung und sogar auch Alleinstehenden die Adoption zu ermöglich, solange das Kindeswohl geahrt bleibt. Es gibt ja auch Paare, die Kinder adoptiert haben, obwohl sie auch leibliche Kinder haben, also welche bekommen konnten.

    Überhaupt ist die Anzahl der Adoptionen in D so gering und seit Jahren rückläufig, dass schon jetzt die Adoptionswilligen deutlich mehr sind, als adoptierbare Kinder vorhanden sind. Es beträfe also ohnehin nur einen kleinen Teil der homosexuellen Paare.

    Ja, was ist dann aber mit heterosexuellen Eheparen, bei denen es mit der Fortpflanzung nicht klappt?

    Offensichtlich hat die Natur dann auch nicht vorgesehen, dass Kinder entstehen. Es würde aber niemand auch nur annähernd in Erwägung ziehen, solche Pärchen nicht heiraten zu lassen oder ihre Ehe zu annulieren.

    Das wäre undenkbar und auch aus meiner Sicht nicht wünschenswert. Aber ginge es bei der ganzen Diskussion um die Homo-Ehe wirklich nur um das mit dem Kinderkriegen, dann müsste man konsequenterweise beide Situationen gleich behandeln. Das tut man jedoch nicht.

    • raflix
    • 24.08.2012 um 11:31 Uhr

    Das gibt es sehr wohl in der Natur. Z.B. bei Pinguinen: http://www.dradio.de/dkul...

    Ich möchte nur kurz darauf hinweisen, dass die Aussage etwas sei "natürlich" im Sinne von von der Natur vorgesehen für sich genommen keinerlei argumentatives Gewicht besitzt, bzw. nicht als Anhaltspunkt dienen kann, dass etwas moralisch gut sei. Man geht hier von der These aus, dass die Natur bzw. das natürliche Funktionieren intrinsisch gute Eigenschaften besitzen. Das jedoch ist ein rein menschlich, philosophisches Konstrukt. Es gibt genauso Meinungen in der Philosophie, die in der Natur all das sehen, was wir als Menschen durch unsere Moral und Ethik auslöschen oder verhindern wollen: Rücksichtsloses Töten, Diskriminierung usw.

    Ich stelle mich hier auf keine der beiden Seiten. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass viele Leute fälschlicherweise meinen, durch die Aussage etwas sei "natürlich" gleichzeitig zum Ausdruck bringen zu können, dass etwas a priori gut sei. Sie müssten dann zumindest noch erklären, warum dem ihrer Meinung nach so ist.

    Zum Thema des Artikels möchte ich nur sagen, dass ich es schade finde wie immer noch für solche - für mich selbstverständliche - Rechte gestritten werden muss. Eine bedingungslose Gleichberechtigung sollte heute selbstverständlich sein.

    3 Fragen stellen sich mir zu Ihrer Argumentation:

    - ist "natürlich" gleichzusetzen mit "gut"?

    - ist es überhaupt feststellbar, was "natürlich" ist, nach mehreren tausend Jahren Kulturgeschichte?

    - angenommen, es sei so, daß Kinder mit homosexuellen Paaren als Eltern dadurch Nachteile haben, halten Sie dies für schlimmer und traumatischer, als im (am besten noch katholischen) Kinderheim?

    ... hat auch nicht vorgesehen, dass sich lebensgefährlich entzündete Blinddarme aus dem Körper entfernen, nur so als Beispiel. "Demzufolge behilft man sich Tricks", wie der künstlichen Entfernung durch einen chirurgischen Eingriff. "Es stellt sich somit die Frage inwieweit solche Hilfsmittel im Einklang mit der Natur stehen können."

    Willkommen im Jahr 1372!

    Ich bedanke mich bei Ihnen allen, die Sie auf meinen Post reagiert haben. Das waren einige sehr erfreuliche Anstöße und Gedanken.

    Es wurde gefragt, ob ich "natürlich" mit gut gleichsetze, aber darauf wollte ich nicht hinaus. Ich habe es rein evolutionär betrachtet - sowohl beim Menschen als auch beim Tier.

    Gibt es eigentlich Theorien weshalb es Homo- bzw. Heterosexualität gibt?

    Die Natur hat auch vieles anderes nicht vorgesehen. Wenn Sie argumentieren, dass sie es nicht vorgesehen hat, dass Homosexuelle Lebewesen keinen Nachwuchs bekommen, dann auch nicht, dass Menschen durch Medikamente etc. ihr Leben immer mehr verlängern, und und und und - quasi alles, was der Mensch macht, aber eben "nicht natürlich" ist. ;-)

    Jedenfalls ist das ein sehr schöner, persönlicher, und doch allgemeingültiger Artikel, der vielleicht den ein oder anderen doch noch überzeugen kann. Wobei ich mir fast sicher bin, dass denjenigen, die heute noch etwas gegen Homos/Trans haben und ihnen nicht die gleichen Rechte zusprechen wollen, eh nicht mehr zu helfen ist. Da kann man argumentieren wie man will, es bringt nichts. Das ist wie mit dem streng Gläubigen, der kein achso gutes Argument zählen lässt.

    • DrNI
    • 24.08.2012 um 8:28 Uhr

    Zunächst einmal: "Es stellt sich somit die Frage inwieweit solche Hilfsmittel im Einklang mit der Natur stehen können." - Nunja, Frauen könnten ja auch ohne solche Hilfsmittel zu einer Schwangerschaft kommen. Rein technisch ist Geschlechtsverkehr mit einem Mann für eine homosexuelle Frau ja nicht unmöglich. Das wäre dann doch ganz natürlich.

    Aber das mit der Natur ist sowieso eine seltsame Sache. Jegliche Verhütung ist gegen die Natur, Antibiotika sind gegen die Natur, ja am Ende sind Flugzeuge gegen die Natur (der Mensch kann nicht fliegen), Schwimmflügelchen genauso wie Fahrräder.

    Der Mensch beschäftigt sich eben schon seit Jahrtausenden damit, seine "natürlichen" Grenzen zu überschreiten. Deswegen ist die Frage nach der "Natur des Menschen" generell nicht sinnvoll.

    Zur Natur des Menschen scheint es zu gehören, sich über seine Natur permanent hinwegzusetzen.

    Der Sinn der Adoption besteht _nicht_ darin, dass Paare, die aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen können, welche adoptieren dürfen. Quasi als Ausgleich. Die Adoption ist eine Einrichtung, die sich ausschließlich am Kindeswohl orientiert. Kinder, die ganz sicher nicht bei und mit ihren leiblichen Eltern aufwachsen können, sollen rechtlich umfassend leiblichen Kindern gleichgestellt sein, damit sie und ihre Eltern Sicherheit haben.

    Insofern spricht nichts dagegen, Paaren gleich welcher Zusammenstellung und sogar auch Alleinstehenden die Adoption zu ermöglich, solange das Kindeswohl geahrt bleibt. Es gibt ja auch Paare, die Kinder adoptiert haben, obwohl sie auch leibliche Kinder haben, also welche bekommen konnten.

    Überhaupt ist die Anzahl der Adoptionen in D so gering und seit Jahren rückläufig, dass schon jetzt die Adoptionswilligen deutlich mehr sind, als adoptierbare Kinder vorhanden sind. Es beträfe also ohnehin nur einen kleinen Teil der homosexuellen Paare.

    Ja, was ist dann aber mit heterosexuellen Eheparen, bei denen es mit der Fortpflanzung nicht klappt?

    Offensichtlich hat die Natur dann auch nicht vorgesehen, dass Kinder entstehen. Es würde aber niemand auch nur annähernd in Erwägung ziehen, solche Pärchen nicht heiraten zu lassen oder ihre Ehe zu annulieren.

    Das wäre undenkbar und auch aus meiner Sicht nicht wünschenswert. Aber ginge es bei der ganzen Diskussion um die Homo-Ehe wirklich nur um das mit dem Kinderkriegen, dann müsste man konsequenterweise beide Situationen gleich behandeln. Das tut man jedoch nicht.

    • raflix
    • 24.08.2012 um 11:31 Uhr

    Das gibt es sehr wohl in der Natur. Z.B. bei Pinguinen: http://www.dradio.de/dkul...

    Ich möchte nur kurz darauf hinweisen, dass die Aussage etwas sei "natürlich" im Sinne von von der Natur vorgesehen für sich genommen keinerlei argumentatives Gewicht besitzt, bzw. nicht als Anhaltspunkt dienen kann, dass etwas moralisch gut sei. Man geht hier von der These aus, dass die Natur bzw. das natürliche Funktionieren intrinsisch gute Eigenschaften besitzen. Das jedoch ist ein rein menschlich, philosophisches Konstrukt. Es gibt genauso Meinungen in der Philosophie, die in der Natur all das sehen, was wir als Menschen durch unsere Moral und Ethik auslöschen oder verhindern wollen: Rücksichtsloses Töten, Diskriminierung usw.

    Ich stelle mich hier auf keine der beiden Seiten. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass viele Leute fälschlicherweise meinen, durch die Aussage etwas sei "natürlich" gleichzeitig zum Ausdruck bringen zu können, dass etwas a priori gut sei. Sie müssten dann zumindest noch erklären, warum dem ihrer Meinung nach so ist.

    Zum Thema des Artikels möchte ich nur sagen, dass ich es schade finde wie immer noch für solche - für mich selbstverständliche - Rechte gestritten werden muss. Eine bedingungslose Gleichberechtigung sollte heute selbstverständlich sein.

    3 Fragen stellen sich mir zu Ihrer Argumentation:

    - ist "natürlich" gleichzusetzen mit "gut"?

    - ist es überhaupt feststellbar, was "natürlich" ist, nach mehreren tausend Jahren Kulturgeschichte?

    - angenommen, es sei so, daß Kinder mit homosexuellen Paaren als Eltern dadurch Nachteile haben, halten Sie dies für schlimmer und traumatischer, als im (am besten noch katholischen) Kinderheim?

    ... hat auch nicht vorgesehen, dass sich lebensgefährlich entzündete Blinddarme aus dem Körper entfernen, nur so als Beispiel. "Demzufolge behilft man sich Tricks", wie der künstlichen Entfernung durch einen chirurgischen Eingriff. "Es stellt sich somit die Frage inwieweit solche Hilfsmittel im Einklang mit der Natur stehen können."

    Willkommen im Jahr 1372!

    Ich bedanke mich bei Ihnen allen, die Sie auf meinen Post reagiert haben. Das waren einige sehr erfreuliche Anstöße und Gedanken.

    Es wurde gefragt, ob ich "natürlich" mit gut gleichsetze, aber darauf wollte ich nicht hinaus. Ich habe es rein evolutionär betrachtet - sowohl beim Menschen als auch beim Tier.

    Gibt es eigentlich Theorien weshalb es Homo- bzw. Heterosexualität gibt?

  8. Zuerst einmal muss man Sui Generis recht geben. Homosexualität kommt sowohl bei Mensch als auch bei Tier vor. Jedoch gibt es Studien die zu dem Ergebniss kommen, dass diese Tiere (vor allem bei Vögelschwärmen, Herdentieren usw.) den heterosexuellen Schwarm- bzw. Herdenmitgliedern bei der Aufzuccht des Nachwuches helfen, oder sich ihm annehmen wenn die biologischen Eltern sterben. Der Rest des Kommentars bezüglich "einklangs der Natur", ist eine ziemliche Milchmädchenrechung, der eine reproduktiv-essentialistische heteronormative Argumentationsebene zugrunde liegt. Als Gegenargument könnte man hier anbringen, dass man Paaren die aus medizinischen Gründen keine Kinder zeugen können sowohl den Zugang zu Reproduktionstechniken als auch das Adoptionsrecht entziehen muss, weil die Natur es eben nicht vorgesehen hat, dass solche Paare Kinder bekommen sollen. Somit wäre auch das Kompensationsargument widerlegt (bei dem es sich übrigens um eine institutionalisiertes Verständnis von Familie handelt). An diesem Beispiel zeigt sich deutlich - was der Artikel auch hervorragend impliziert- dass es bei der kontra Position um Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften sowie des Adoptionsrechtes für gleichgeschlechtliche Paare um Regelementierungsmaßnahmen jener Personen geht, die Homosexualität, Transsexualität, Bisexulität und Intersexualität in ihren Argumentationen immer noch als widernatürlich deklarieren.

    13 Leser-Empfehlungen
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    Vielen Dank, dass Sie das gern gebrauchte Argument der "Natur", die angeblich immer irgendetwas "vorgesehen hat", so gut entkräftet haben. Es stimmt nämlich: dann dürften Paare, die aufgrund von Unfruchtbarkeit keine Kinder bekommen können, auch nicht von künstlicher Befruchtung profitieren, denn das hat ja "die Natur nicht vorgesehen" .

    "...Der Rest des Kommentars bezüglich "einklangs der Natur", ist eine ziemliche Milchmädchenrechung, der eine reproduktiv-essentialistische heteronormative Argumentationsebene zugrunde liegt..."

    Hmmm. Warum ist das eine Milchmädchenrechnung? Im Prinzip ist es doch so, dass eine natürliche Reproduktion nur durch Sexualverkehr zwischen Frau und Mann möglich ist, oder etwa nicht?

    Und darin kann man eine "...wesentliche Ungleichheit..." im Sinne der Verfassungsrechtsprechung sehen, die etwa Institutionen wir das Ehegattensplitting rechtfertigen könnte, da die heterosexuelle Partnerschaft in Deutschland nach wie vor die Ausgangslage für den Fortbestand unserer Gesellschaft schafft.

    Dass es Paare gibt, die entgegen ihrem Wunsch kinderlos bleiben oder sich scheiden lassen, widerspricht dieser Grundannahme zunächst mal nicht.
    Allerdings kann man natürlich die Frage aufwerfen, ob das Ehegattensplitting an sich sinnvoll ist.

    Trotz meiner teilweise abweichenden Einstellung finde ich diesen Artikel bemerkenswert. Denn in der Tat ist die Erfahrung des Vater-Seins nicht auf den Zeugungsakt zu reduzieren. Das wäre geradezu absurd.
    Und in der Tat stellt sich die Frage, warum ein homosexuell orientierter Mensch ein schlechterer Vater sein sollte als ich. Auch das ist doch völlig klar: die sexuelle Orientierung ist völlig unerheblich für die Vater-Kind-Beziehung (solange sie nicht von der Gesellschaft problematisiert wird, was aber eher der Gesellschaft als dem Vater zuzurechnen wäre).

    Vielen Dank, dass Sie das gern gebrauchte Argument der "Natur", die angeblich immer irgendetwas "vorgesehen hat", so gut entkräftet haben. Es stimmt nämlich: dann dürften Paare, die aufgrund von Unfruchtbarkeit keine Kinder bekommen können, auch nicht von künstlicher Befruchtung profitieren, denn das hat ja "die Natur nicht vorgesehen" .

    "...Der Rest des Kommentars bezüglich "einklangs der Natur", ist eine ziemliche Milchmädchenrechung, der eine reproduktiv-essentialistische heteronormative Argumentationsebene zugrunde liegt..."

    Hmmm. Warum ist das eine Milchmädchenrechnung? Im Prinzip ist es doch so, dass eine natürliche Reproduktion nur durch Sexualverkehr zwischen Frau und Mann möglich ist, oder etwa nicht?

    Und darin kann man eine "...wesentliche Ungleichheit..." im Sinne der Verfassungsrechtsprechung sehen, die etwa Institutionen wir das Ehegattensplitting rechtfertigen könnte, da die heterosexuelle Partnerschaft in Deutschland nach wie vor die Ausgangslage für den Fortbestand unserer Gesellschaft schafft.

    Dass es Paare gibt, die entgegen ihrem Wunsch kinderlos bleiben oder sich scheiden lassen, widerspricht dieser Grundannahme zunächst mal nicht.
    Allerdings kann man natürlich die Frage aufwerfen, ob das Ehegattensplitting an sich sinnvoll ist.

    Trotz meiner teilweise abweichenden Einstellung finde ich diesen Artikel bemerkenswert. Denn in der Tat ist die Erfahrung des Vater-Seins nicht auf den Zeugungsakt zu reduzieren. Das wäre geradezu absurd.
    Und in der Tat stellt sich die Frage, warum ein homosexuell orientierter Mensch ein schlechterer Vater sein sollte als ich. Auch das ist doch völlig klar: die sexuelle Orientierung ist völlig unerheblich für die Vater-Kind-Beziehung (solange sie nicht von der Gesellschaft problematisiert wird, was aber eher der Gesellschaft als dem Vater zuzurechnen wäre).

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