Mantel von Céline, 2.600 Euro © Peter Langer

Es gibt eine Gesetzmäßigkeit in der Mode, die so konstant ist wie die Haarfarbe von Karl Lagerfeld . Sommer: weiß – Winter: schwarz. Wenn in Mailand die Outfits für den nächsten Frühling vorgestellt werden, wandern auffällig viele luftige weiße Kleider, Marlene-Hosen und Jäckchen über die Laufstege. Man fühlt sich in die Werbung von Ferreros Raffaello der neunziger Jahre zurückversetzt. Der Winter hingegen ist oft so sehr von schwarzen Mänteln und Stiefeln geprägt, dass man sich am Rande des Laufstegs auf der dunklen Seite der Macht glaubt.

Nun aber: Die Farbe des nächsten Winters ist Weiß! Wie denn das? Ob bei Proenza Schouler, Acne, Phillip Lim, Cacharel, Valentino, Chanel , Max Mara, Chloé – überall war Weiß, Weiß, Weiß zu sehen. Weiße Miniröcke, weiße Strumpfhosen, weiße Kleidchen – als hätten alle Designer plötzlich daran gedacht, uns unsichtbar im Schnee zu machen. Doch spätestens wenn man den reinweißen Mantel von Céline gesehen hat, denkt man, dass Weiß eigentlich ganz wunderbar zum Winter passt. Und fragt sich: Warum war der Winter eigentlich nicht immer schon weiß in der Mode?

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Nun hat dunkle Kleidung in den kalten Jahreszeiten ihre eigene Geschichte – und die hat nichts damit zu tun, dass Menschen aussehen wollten wie Schneehasen. Der Feind des Weißen war schon immer der Schmutz. Und die Herbst- und Wintermonate sind mit ihrem Morast und Schlamm die allerschmutzigsten. So bedeutet weiße Kleidung seit je, dass ihr Träger im besten Sinne sauber bleibt. Wer weiße Talare trug, signalisierte seiner Umwelt, dass er es nicht nötig hat, auf die Straße zu gehen, um dort für seinen Lebensunterhalt zu sorgen, sondern sich Personal leisten kann, das sich für ihn die Hände schmutzig macht. Der noch heute übliche weiße Kragen wurde deswegen zum Statussymbol, weil er zeigt, dass sich sein Träger jeden Tag ein frisches Hemd leisten kann.

In diesem Sinne ist ein schneeweißer Céline-Mantel der konsequenteste Weg, diese Tradition wieder aufzunehmen. Denn er zeigt nicht nur, dass sein Besitzer in der Lage ist, in nicht unerheblichem Maße in den Kauf von Kleidung zu investieren – er kann es sich offenbar auch erlauben, das gute Stück jede Woche wieder in die Reinigung zu bringen.