Das Kinesio-Tape ist bei den Sportlern im Sommer 2012 so präsent wie vor einigen Jahren das Nasenpflaster, das sang- und klanglos verschwand, nachdem es sich als unwirksam erwies. Ob der italienische Torjäger Mario Balotelli bei der Fußball-EM oder die Beachvolleyballer bei den Olympischen Spielen in London – viele Athleten präsentieren stolz die schrillbunten Baumwoll-Klebebänder.

Nicht nur Sportler schwören auf die bunten Bänder, viele Physiotherapeuten bekleben auch ihre Patienten damit, um Schmerzen zu mildern und die Durchblutung zu verbessern.

Ihr Erfinder, der japanische Chiropraktiker Kenzo Kase erklärte 1979 die tatsächliche oder vermeintliche Wirkung damit, dass die oberste Hautschicht durch die Bänder angehoben werde und so die Schmerzrezeptoren gereizt und der Blut- und Lymphfluss zwischen den Hautschichten verbessert würden.

Aber geht ihre Wirkung tatsächlich über die mechanische Stabilisierung von Gelenken hinaus, die man auch mit herkömmlichen Bändern erreicht?

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Im Februar 2012 erschien in der Zeitschrift Sports Medicine eine Metastudie, in der alle bisherigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema untersucht wurden. Nur eine Handvoll davon erfüllt überhaupt wissenschaftliche Kriterien, und diese wenigen Studien berichteten von kaum messbaren oder aber lediglich vorübergehende Wirkungen, die man als einen Placeboeffekt ansehen musste.

So bleibt vorerst nur die Erklärung: Die farbenfrohen Tapes fühlen sich gut an auf der Haut – und sehen, geschickt platziert, verdammt gut aus.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio