Romneys Nummer Zwei : Paul Ryan ist ein Extremist der Marktwirtschaft

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney will mit ihm eine neue Wirtschaftsordnung schaffen
Mitt Romneys Vize-Kandidat: Paul Ryan © Marc Piscott/Getty Images

Für den Rivalen von Barack Obama , Mitt Romney , war es ein langer Sommer in der Defensive. Der frühe Wahlkampf um das Präsidentenamt drehte sich kaum um ernsthafte Sachthemen: Es ging um Romneys außerordentlichen Reichtum, seine exotischen Steueroasen und seine Rolle als angeblicher Jobvernichter mit seinem Unternehmen Bain Capital. Höchste Zeit für einen Befreiungsschlag. Höchste Zeit, dass mal wieder jemand über Romneys Lieblingsthema redet: die Lage der Wirtschaft im Land.

Dieser Moment ist jetzt offenbar gekommen, weil Romney seinen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten auserkoren hat: Paul Ryan, einen Abgeordneten aus Wisconsin . Das ist weit mehr als eine Personalentscheidung. Romney hat damit eine klare öffentliche Botschaft zu seinem politischen Programm abgegeben. Eine Botschaft, die radikaler kaum sein könnte.

Ryan gehört zu den extremsten Verfechtern von freier Marktwirtschaft und Sozialabbau, die Washington zu bieten hat. Der 42-Jährige hatte schon 2010 mit seinem Vorschlag provoziert, den staatlichen Gesundheitsdienst Medicare von einem beitrags- und umlagefinanzierten System in ein privates System umzuwandeln. Medicare stellt eine Basis-Krankenversicherung für Amerikaner ab 65.

Ryan hat dafür gute Gründe. Der amerikanische Staat ächzt unter hohen Kosten, die Staatsverschuldung steigt, und Medicare gehört neben Social Security, der staatlichen Rentenversicherung, und den Verteidigungsausgaben zu den großen Blöcken im Budget. Doch Medicare und Social Security sind zugleich auch die beliebtesten staatlichen Leistungen. Bis Ryan kam, hatten sich beide Parteien vor einer Debatte über Kürzungen in diesem Bereich gedrückt.

Doch Ryan ist eben der Mann für radikale Reformen in Staat und Wirtschaft. Mit einer nie dagewesenen Schrumpfkur für Washington will Ryan das Haushaltsbudget, das derzeit rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht, bis 2050 auf nur noch knapp vier Prozent zurechtstutzen. Gleichzeitig propagiert Ryan Steuersenkungen, größtenteils für Besserverdiener und Unternehmen – da stimmt er mit Romney klar überein. Niedrigststeuern und weitestgehende Liberalisierung sollen Innovation und Investition ankurbeln. Die Mittelschicht soll entlastet werden und Jobs in der wieder aufblühenden Wirtschaft finden.

Ryans Vorschlag sieht vor, dass quasi alle Bundesausgaben mit Ausnahme der Verteidigung gestrichen würden: Dabei verschlingt der Verteidigungshaushalt heute allein fast fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nicht einmal Ausgaben für die grundlegende Infrastruktur wie Autobahnen oder Flughäfen, die Ryan ausdrücklich gutheißt, wären dann noch finanzierbar.

Nun hat sich Mitt Romney, der seine Karriere akkuraten Zahlenanalysen verdankt, bereits vorsichtig von Ryans Budgetplan distanziert. Sein eigener 59-Punkte-Plan sieht allerdings ebenfalls drastische Sparmaßnahmen vor, wenn auch nur eher vage.

In diesem Stadium geht es wohl aber nicht nur darum, ob die Vorschläge Romneys oder Ryans oder beider gemeinsam allesamt sachlich stimmig oder gar konkret realisierbar seien. Ryan selbst hat eingeräumt, seine Pläne seien lediglich "eine Basis für eine Debatte unter Erwachsenen" über die fundamentalen Probleme des Landes und wie sie zu lösen sind. Da zählen vor allem die Signale, wohin die Reise gehen soll, und diese Signale sind eindeutig: Ryan bekennt sich zu einer freien Marktwirtschaft in der möglichst reinsten Form.  

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Kommentare

122 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

"vorbild" ronald reagean

"Niedrigststeuern und weitestgehende Liberalisierung sollen Innovation und Investition ankurbeln. Die Mittelschicht soll entlastet werden und Jobs in der wieder aufblühenden"

genau das passiert nicht: es findet nur weiterhin die verteilung von unten nach oben statt.
reagean hatte dieses rezept anfang der achtziger jahre ausprobiert und damit angefangen.
die auswirkungen sind die, die wir heute sehen.
manchmal frage ich mich-ob wir aus geschichte wirklich lernen wollen.

Staat abschaffen = Gesellschaft abschaffen

genau das passiert nicht: es findet nur weiterhin die verteilung von unten nach oben statt.

"Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden."
John Maynard Keynes

Nicht nur Reagan ist damit gescheitert, auch Schröders Agenda-Politik, welche sich heute zum zehnten Mal jährt, hat hierzulande damit den sozialen Kitt der Gesellschaft weitgehend aufgelöst.

Diese Marktgläubigkeit an die bereits wissenschaftlich widerlegte "unsichtbare Hand", die alles zum Besten aller regelt, ist das Feigenblatt für puren Sozialdarwinismus zugunsten derer, die ihn sich leisten können und dementsprechend propagieren - weiter nichts.

manchmal frage ich mich-ob wir aus geschichte wirklich lernen wollen.

„Die Geschichte lehrt die Menschen, daß die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“
Mahatma Gandhi

Die USA sind ein noch junger Staat. Der Sezessionskrieg ist scheinbar lange her und vergessen. Die treibenden Kräfte bereiten offenbar einen "Reset" und Neustart des "ewigen Wirtschaftswachstums" vor, der es in sich hat. New World Order.

Gleichzeitig steigt damit die Gefahr für einen beispiellosen Weltkrieg, denn 500 Milliarden Dollar Wehr-Etat kann man gar nicht nur im Inland einsetzen.

Daß bald die Hälfte der Amerikaner diesem Kurs folgt, sagt viel über das dortige Bildungsniveau und die Macht der Medien aus.

Dystopisch.
Idiocracy.
Und eine Richtungswahl, in der Tat.

Das übliche US-Bashing

Schröders Agenda-Politik sorgte für vergleichsweise moderate Staatsverschuldung und eine sehr niedrige Arbeitslosenrate. Vor allem sorgte sie dafür, dass Deutschland (zumindest noch nicht) so an der Wand steht, wie es bei fast allen anderen Nationen Europas der Fall ist. Diese anderen Nationen haben das realisiert, was links-grüne Politik immer forderte und stehen damit vor dem Staatsbankrott. Das führt in diesen Ländern auch sozial zu großen Tragödien.

Die Marktgläubigkeit hat sich also ganz offensichtlich mal wieder als richtig erwiesen. Je mehr ein Land sich marktwirtschaftlich orientiert, desto besser geht es ihm und breit gefächert seinen Bürgern. Die Umkehrung gilt ebenso.

Die Gefahr für einen "beispiellosen Weltkrieg" steigt nicht aufgrund hoher Verteidigungsetats in Demokratien. Weltkriege wurden stets nur von Dikaturen und Monarchien ausgelöst. Also aufgrund von Fanatismen und Fundamentalismen. Ich persönlich fühle mich bei einem höheren Verteidigungsetat der USA sicherer und nicht bedrohter.

Dass die Hälfte der Amerikaner dem Kurs folgt besagt vor allem, dass sie Gerechtigkeit mit Freiheit und Eigenverantwortung verbinden und auch schätzen.

Kriegsgefahr ...

ging in den letzten Jahren objektiv zunehmend von den USA aus, das werden Sie nicht abstreiten können. Sie schreiben "Weltkriege wurden stets nur von Dikaturen und Monarchien ausgelöst. Also aufgrund von Fanatismen und Fundamentalismen." Warten wir doch mal ab, wie sich der US-"Pazifismus" weiterentwickeln wird, wenn es wirklich mal zur gravierenden Verknappung des Primärenergiespenders Öl kommt. Einer der Fundamentalismen der USA, neben freiem Waffenbesitz, ist ganz offensichtlich die Freiheit zum beliebigen Energieverbrauch. Ich bin in sehr großer Sorge, dass -jedenfalls unter Menschen wie Romney und Ryan- dieses Staatenkonglomerat seine Energie-Interessen global mit Gewalt durchsetzen wird. Angefangen haben sie ja schon damit. Selbst wenn man ihrem "US-Bashing" insofern zustimmt, als hier in Europa stark gefilterte Informationen verbreitet werden, steht doch fest, dass die USA über ein gerüttelt Maß an Fanatismus und Fundamentalismus verfügen...
Sie schreiben weiter "Dass die Hälfte der Amerikaner dem Kurs folgt besagt vor allem, dass sie Gerechtigkeit mit Freiheit und Eigenverantwortung verbinden und auch schätzen." Wenn wir mal optimistisch annehmen, dass Durchschnitts-Amerikaner genau so viel Ahnung haben von Politik (und den Vorgängen hinter den Kulissen) wie der europäische Durchschnittswähler, nämlich so gut wie gar keine (es könnte aber schlimmer sein), dann ist Ihre Einschätzung des "Folgens" leider nur allzu passiv, nämlich als "Hinterherdackeln" zu verstehen.

Realsatire? Troll? Meinen Sie das wirklich ernst??

Schröders Agenda-Politik sorgte für vergleichsweise moderate Staatsverschuldung und eine sehr niedrige Arbeitslosenrate.
.. durch massive Ausweitung des Niedriglohnsektors. Dank der Agenda-Politik haben wir Millionen von Arbeitnehmern, welche trotz Vollzeitarbeit und Transferleistungen am Existenzminimum leben, und auf die sichere Altersarmut zusteuern.

Die einzigen, die hier profitiert haben, sind Vermögende und Arbeitgeber. Wieviel soziale Ungleichheit hält eine Gesellschaft aus?

Deutschland steht in Europa noch vergleichsweise gut da, weil wir eine Exportnation und gerade mal wieder Exportweltmeister geworden sind, hurra. Durch das Euro-Konstrukt mit einer gemeinsamen Binnenwährung, welche Leistungsbilanzunterschiede nicht mehr durch Kursgefälle kompensieren kann, halten wir uns auf Kosten aller anderen oben auf dem Boot, in dem wir sitzen und welches wir gemeinsam versenken.

Je mehr ein Land sich marktwirtschaftlich orientiert, desto besser geht es ihm und breit gefächert seinen Bürgern.
"breit gefächert", soso.
Den Endsieg marktwirtschaftlich orientierter Gesellschaften erleben wir seit 2007. Täglich in den Nachrichten.

Die Gefahr für einen "beispiellosen Weltkrieg" steigt nicht aufgrund hoher Verteidigungsetats in Demokratien.
Warum "verteidigen" wir uns dann laufend auf dem Grund und Boden anderer Staaten?

Fanatismus und Fundamentalismus haben wir doch: die Marktradikalen des 21. Jahrhunderts, die den Zeitgeist dieser Tage vorgeben.

......

[Schröders Agenda-Politik sorgte für vergleichsweise moderate Staatsverschuldung und eine sehr niedrige Arbeitslosenrate.]

Vor allem schaffte es Arbeitsplätze für den Export. Und Exportüberschüsse unseres Landes, sind die Schulden anderer Staaten.

[Vor allem sorgte sie dafür, dass Deutschland (zumindest noch nicht) so an der Wand steht, wie es bei fast allen anderen Nationen Europas der Fall ist.]

Nur wenn Europa unter geht, geht auch Deutschland unter. Über 50 % unseres Exportes geht in die EU.

[was links-grüne Politik [...] und stehen damit vor dem Staatsbankrott.]

Links-Grün? Seit wann ist die SPD links gewesen? Mit Schröder ist die SPD nach rechts gerrückt. CDU/CSU/SPD/FDP/Grüne sind eine Einheitspartei geworden!

[Je mehr ein Land sich marktwirtschaftlich orientiert, desto besser geht es ihm und breit gefächert seinen Bürgern. Die Umkehrung gilt ebenso.]

Schon interessant, dass man alles andere aus dem Auge verliert. Ein Wirtschaftssystem und eine Gesellschaft braucht beides.

[ Weltkriege wurden stets nur von Dikaturen und Monarchien ausgelöst. ]

Wirklich? Hätte Hitler überhaupt an die Macht kommen können, wenn die Banken, die Unternehmen und der Adel hier mitgespielt hätten? Wohl kaum!

Wer ist hier wohl radikal?

[Dass die Hälfte der Amerikaner dem Kurs folgt besagt vor allem, [...] Eigenverantwortung verbinden und auch schätzen.]

Eigenverantwortung?

Mit dieser Argumentation zerstören Sie Eigenverantwortung. Wo bleibt die Eigenv. für die Gesellschaft?

@ 39 duck michnicht weg

Wenn die Gemeinschaft einen Vertrag schliesst und Andere aus ihrer Mitte beauftragt, die Ordnung zu pflegen, und die die nicht können zu unterstützen, habe ich meinen Beitrag mit der Erwirtschaftung und der Zahlung des Vereinbarten geleistet. Meine Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft ist erfüllt, wobei meine Verpflichtung auch das Erwirtschaften ist. Aber nicht nach Plan, sondern aus den Möglichkeiten, die da Freiheit heisst.

Wenn aber die Beauftragten sich plötzlich als die Gemeinschaft ausgeben und mir eine Verantwortung ihnen gegenüber aufdrücken wollen, ist das was anderes. Ein Wechsel der Kategorie "Gemeinschaft".

Frage dich nicht was das Land (Gemeinschaft) für dich tut, sondern frage dich, was du fürs Land tun kannst. Das Land auszuwechseln durch Staat, wie das Schröder, glaube ich, getan hat, ist was Anderes. Und auch der Konflikt zwischen Freiheit und Verantwortung ein anderer geworden.

Wenn ich mich für die Gemeinschaft einsetze, heisst das noch lange nicht, dass der Staat damit zufrieden ist. Zu wenig Geld oder die falsche Gemeinschaft, alles kann er einwenden.

So ist dann aus der Verantwortung für die Gemeinschaft die Verantwortung gegenüber dem Staat geworden. Solange es noch nicht wieder verboten ist (noch ist der Staat ja nicht gleich König, Kaiser oder Diktator oder ein System), mache ich da einen Unterschied.

@Markus Meier, Nr. 16 und Nr. 21

Wenn Sie sagen wir einmal als Iraker im Irak, als Afghane in Afghanistan, als Pakistani in Pakistan, früher beispielsweise als (linker) Chilene in Chile oder als sozialdemokratischer Brasilianer in Brasilien, etwas näher in den Zeitäuften würde auch ein Mittelschicht-Ägypter unter Mubaraks von den USA geschmiertem Regime reichen, von den Lateinamerikanern sonder Zahl zu schweigen, welche es bis hin zu Reagonomics und Bush jr.- "Freiheit" in Bürgerkriegen aushalten mussten, weil sie von der "Vormacht" nach Monroe-Doktirn behandelt wurden, dann würde Sie niemals die Feststellung treffen, sich unter "Amerika" sicher zu fühlen. Von so etwas Exotischem wie Laos, Vietnam oder auch Indonesien mal ganz abgesehen oder von noch Exotischerem wie Bürgerrechtsfragen in den USA selber.
Kurz:
Ihre Sichtweise sei ihnen gegönnt, ihre US-Verteidigung ebenfalls. Was nun allerdings nicht bedeutet, dass jene, welche kritische Anmerkungen zur Allgegenwart amerikanischer "Sicherheitsbedürfnisse" weltweit üben, deshalb böses oder verwerfliches "Amerika-Bashing" betreiben. Wenn schon, haben diese kritischen Stimmen mindestens so viel realen Stoff für ihre Kritikinhalte, wie Sie welche für ihre Amerikaideologiegläubigkeit vorbringen können.

@ joG

http://en.wikipedia.org/w...
http://www.tradingeconomi...

Reagan erbte die niedrigste US-Schuldenquote der Nachkriegszeit.
Unter Reagan stieg die Quote in acht Jahren von 32% auf 52% (!) des GDP, ohne Weltfinanzkrise, Ölkrise, Irak- oder Afghanistan-Kriege.
In acht Jahren relativer weltwirtschaftlicher Ruhe und spottbilliger Energiepreise hat es Reagan also geschafft, ein Defizit in Höhe von 20% der volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit anzuhäufen.
Selbst das Argument, dass die Privatwirtschaft die Überschüsse der Steuernachlässe erst mit einiger Verzögerung investiert, zieht nicht - die Verschuldung stieg unter Bush sen. noch weiter an.

Ich werde mich hier nicht auf eine Debatte zur sozialen Dimension von Reagans Politk einlassen - diese ist in der Tat "indiskutabel" - es geht mir, wie im obigen Artikel, nur um die Mär der "Haushaltssanierung" mit diesen Methoden.

Wen jemand ernsthaft glaubt, die USA kämen mit den Taschenspielertricks von Reagan von ihrem gewaltigen Defizit runter, wenn Reagan bereits das Gegenteil bewiesen hat, als dessen Politik ein Gutteil dieses Defizits angehäuft hat - dann kann man genauso gut darüber reden, ob die Erde eine Scheibe ist.

@ elfer-uli

Sie vergessen zu erwähnen, WIE Reagan das Defizit anhäufte:
indem er die damalige UdSSR zu Tode rüstete.
Die Militärmaschine, Waffenproduzenten und Konsorten haben
damals massiv verdient, und das sollen sie, nach den Plänen
dieses Ryan, wieder tun:
Sozialleistungen sollen massivst abgebaut werden, dafür
die Militärausgaben in noch nie dagewesene Höhen geschraubt werden.
Da fragt man sich doch - so als "Unbeteiligter":
was soll mit dem ganzen dann angehäuften Waffenarsenal geschehen ?
Man wird es ja nicht aus Jux und Dollerei angeschafft haben, man will es auch "ausprobieren" dürfen ...
Nachtigall, ick hör' dir trapsen !!!

Steinzeitmensch

Ryan und Romney wollen kein neues Wirtschaftsystem, sondern ein sehr altes Gesellschaftssystem. Ein System in dem ausschließlich das Recht des (wirtschaftlich) stärkeren gilt, der stärkere den schwächeren gnadenlos ausbeuten kann, letztlich ein Gesellschaft wie in der Steinzeit, frei von allen ethischen und sozialen Errungenschaften der Menschheit.

Wutgesteuerte Republikaner

Das System der radikal-freien Marktwirtschaft funktioniert interessanter Weise nur in diktatorischen Regimen - und auch dort nur eine begrenzte Zeit lang. Es gibt nämlich ein kleines, aber feines Problem: ein Gesellschaftssystem, das auf gnadenlose Ungleichheit und Faustrecht setzt, hat irgendwann ein Problem mit Aufständen und kann nur mit Gewalt aufrechterhalten werden.

Die Vertreter der Republikaner sind einfach nur Wutgesteuert; in ihren Reihen schwingen Rassisten, Rechtsradikale und religiöse Eiferer aus den Reihen der Evangelikalen das Zepter. Unter letzteren gibt es nicht wenige, die sogar ausdrückglich daran glauben sogar dass Gott habe die Welt und die Erde in fünf Werktagen geschaffen. Es dürfte Barack Obama in den kommenden Monaten nicht schwer fallen, Romney und Ryan als gefährliche Spinner darszustellen und die Wahl sicher zu gewinnen. Romney macht nämlich im Moment all die Fehler, die 1964 schon Barry Goldwater getan hat.

Man sollte sich nichts vormachen: Herr Ryan und Herr Romney treten nur für eine radikal-liberales Wirtschaftssystem ein - ein liberales Gesellschaftssystem lehnen sich nicht nur rundweg ab, sie verachten es.

Na, Na, Na !

Verunglimpfen Sie uns mal nicht die Menschen der Steinzeit. :D

Die waren sehr wohl, sehr sozial und gewissermaßen Prä-medicare "unterwegs", wie man aus der Untersuchung von Fundstätten unserer Ahnen weiß. (Z.B. sehr gut versorgte und behandelte Frakturen)

Hier wurde niemand zurückgelassen.

Man wünscht den Amerikanern, nach den jahrzehntelangen rücksichtslosen Raubzügen der "old boys", die nachhaltige Einsicht, das Typen wie Ryan, der sein Engagement in der Politik, ausschließlich dazu benutzt, sein Geld durch das Privileg des Insiderwissen, aufs richtige Feld zu stellen, keinen Applaus verdienen.

[...]

Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/ls

Ryan könnte Romney sogar schaden

Der Extremist Ryan steht sogar noch weiter rechts als Romney selbst, und Romney sieht sich dadurch jetzt gezwungen, einige seiner früheren Äußerungen zurück zu nehmen. Romney wählte ihn nur, um die Teaparty-Extremisten auf seine Seite zu bringen. Aber wie so oft, verfeindet sich ein Politiker eine Wählergruppe, indem er eine andere zu gewinnen sucht.

.....................

nein, sie gehen es nur nicht konsequent zu ende. liberalisieren kann man, nur muss man dann auch gleichzeitig die haftung ausweiten. stellen sie sich vor, dass alle, welche an unternhemen beteiligt sind bzw. für dessen führung verantworlich, mit ihmrem privatvermögen haften würden (ausnahmen sind kleinaktionäre oder kommanditisten).
wenn freier markt, dann auch keine beschränkung der haftung. gibt ja auch keine beschränkung der gewinnmöglichkeiten.
je mehr für einen persönlich auf dem spiel steht, desto vorsichtiger agiert man.
glaube nicht, dass der vorstand einer bank solche wagnisse eingegengen wäre, hätte er im verlustfall sagen wir 80% seines privatvermögens aufbringen müssen um für fehlinvestitionen zu haften.

Was immer man von den Thesen Ryans halten mag

Die Amerikaner haben wenigsten noch Unterschiede die die politischen Lager doch ziemlich deutlich voneinander abgrenzen.
Ich würde das hier in Deutschland auch als erfrischend empfinden, statt dem Einheitsbrei, den wir hier jeden Tag vorgesetzt bekommen.
Die USA sind hier wie so oft ein Vorbild.

Lagerdenken ist von gestern

Das sehe ich anders. Mir geht es nicht um Lagerdenken, sondern um die Sache. Und wenn Merkel Positionen der Grünen vertritt, ist das für mich in Ordnung. Nur eine Position deswegen zu vertreten, weil sie einer politischen Ideologie abstammt, ist aus meiner Sicht von gestern, wenn nicht von vorgestern.

Alle regen sich auf, wenn Seehofer Positionen vertritt, die der Bedienung seiner angestammten Altwählerschaft geschuldet sind. Mir wäre es lieber, wer würde Positionen vertreten, die der Allgemeinheit dienen. Ich würde ihn so oder so nicht wählen, sondern immer das Original dessen, was meine politische Überzeugung betrifft. Wenn die Gegenseite diese nicht um der Macht Willen torpediert, ist das aus meiner Sicht ein Vorteil, kein Nachteil.

geteiltes Land

Das Problem Amerikas ist die Spaltung in "zwei Staaten", die sich fast unversöhnlich gegenüber stehen. Vereinfacht könnte man sie "küstenamerika" und "Binnenamerika" nennen. Diese Spaltung zieht sich tatsächlich durch die ganze amerikanische Geschichte. Doch in früheren Zeiten gab es zwischen den politischen Gegnern nach den Wahlen immer wieder Ausgleichsmöglichkeiten. Bricht man es auf die Parteien herunter, so gab es konservative Südstaatendemokraten, die ganz gut mit den Republikanern konnten, und es gab liberale Ostküsten Republikanern, die sich den Demokraten verbunden fühlten. Ein fähiger Präsident jeder Partei konnte damit Mehrheiten "across the aisle" gewinnen.
Seit einigen Jahren scheint diese Fähigkeit zum Kompromiss abhanden gekommen zu sein. Romney beweist dies gerade durch die Auswahl seines Vize. Früher galt ja gerade die Auswahl des Vize als ein Zeichen des Ausgleichs, in dem man eine Person wählte, die ins gegnerische Lager ausstrahlte. Von daher erscheint Ryan als Fehlbesetzung. Aber für Romney hatte wohl das "Schließen der eigenen Reihen" oberste Priorität. Ob er die Wahl gewinnt, entscheidet sich wieder in den 4,5 battle-ground-states. Also von Florida, über Ohio bis Wisconsin.
Aber egal, wie die Wahl ausgehen wird, die Gräben dürften sich weiter vertiefen.

Als Hauptursache sehe ich vor allem den drohenden Machtverlust der WASPs durch die demographische Entwicklung, welche viele Amerikaner zutiefst verunsichert.

Die Thesen sind nicht von Ryan, sondern von Ayn Rand und

Ökonomen der Neoklassisk, wobei beide egtl. etwas anderes gesagt haben und gemeint haben, als Ryan versteht.

Allein, dass er Staatsdiener geworden ist, die bei Rand grds. nur Korruption, Inkompetenz, Gier und Selbstsucht symbolisieren, zeigt, dass er nichts verstanden hat.

Wenn schon neoklassische Wirtschaftsordnung, dann NACH einer Zerschlagung der Mono- und Oligopole. Danach wäre dieses Wirtschaftssystem klar zu bevorzugen ggü. allen anderen.
Bleiben diese Mono- und Oligopole jedoch bestehen und führt eine libertäre Wirtschaftsordnung ein, kommt man von einem bislang noch relativ verschleierten Korporatismus hin zu einem offenen Korporatismus, also einer Welt, in der die Konzerne regieren.
Gut, tun sie jetzt egtl. auch schon, nur eben noch nicht für jedermann sichtbar.

......

Die neoklassische Ordnung ist ein Betrugssystem.

Es gibt keinen Liberalismus in diesem System (zumindest nicht mit diesem Geldsystem). Auch wenn Sie die Monopole und Oligopole zerschlagen, auch wenn Sie weniger Staat fordern, wird es unausweichlich zu Konzernbildungen kommen.

Unser Geldsystem basiert auf Schulden und dem Zins. Und genau diese Verbindung (da Geld aus einem Kredit entsteht und mit einer Schuld belegt wird), macht die Konzernbildung noch lukrativer.

Die breite Masse trägt die Schuld, wobei der Zins der ausschlagende Faktor ist. Durch den Zins (in diesem Geldsystem) gibt es keine Möglichkeit die "Schuld" von der breiten Masse zu tilgen, weil der Zins einem immer in die Quere kommt (und der Zins kann in diesem System nur mit weiteren Krediten versorgt werden - da er bei Kreditaufnahme nicht in den Wirtschaftskreislauf eingespeist wird!).

Schulden und Zins sind Probleme, die

nicht in direktem Zusammenhang mit neoklassischer Wirtschaftsordnung stehen.
Das eine sind monetäre Probleme, das andere eine Wirtschaftsordnung.

Bin voll und ganz dabei, wenn sie ein Zins und Inflation für Instrumente der Umverteilung von unten nach oben halten, weil das sind sie nachgewiesernermaßen.

Hier sollte man nach Alternativen suchen (Herr Gesell hat da vor einiger Zeit einmal ein paar interessante Ansätze aufgezeigt) und nicht die Neoklassik verteufeln.

Diese hatte idR noch immer recht, wenn es um ökonomische Fragen ging, BEVOR die Rockefellers dieser Welt auftauchten.
Das System ist nicht vollkommen, sondern müsste erweitert/modifiziert werden.

1) Schwundgeld statt Inflation
2) Abschaffung des Zinses (Schuld x +Zins = Geldvermögen im Umlauf ist halt einfach eine falsche Aussage und kann langfristig nicht gutgehen) bzw. eine Modifizierung dieses Faktors
3) Zerschlagung von Monopolen und Oligopolen, hier darf der Staat dann gerne einmal aktiv werden
4) Einsetzung klarer Richtlinien um erneute Monopolbildung zu verhindern, notfalls muss der Staat ab einer gewissen Größe des Konzerns wieder aktiv werden. Das Recht hierfür sollte er behalten.
5) Einführung einer neoklassischen/libertären Grundordnung.
6) von mir aus Einführung einer Grundsicherung, die jedoch nur den Grundbedarf des Menschen decken sollte. Die Anreizwirkung muss erhalten bleiben.

Mag illusorisch sein durchzuführen, aber dies wäre IMO das effizienteste und irgendwo auch fairste Wirtschaftssystem.

Man kann kein Wirtschaftssystem

etablieren, wenn man dazu kein passendes Geldsystem hat.

Da können die Neoklassiker und Keynsianer noch so etwas fordern - es würde nicht funktionieren!

Denn:

Jedes Unternehmen ist vom Kapital abhängig. Jeder der die Macht des Kapitals in sich vereinen kann, hat eine unbeschreibliche Machtposition. Jedes Unternehmen und jedes System müssen dem Kapital folge leisten (und somit dem, der es beherrscht).

Amerika als Vorbild

Auch wenn wir hier ein wenig vom Thema abweichen. (Die Redaktion möge mir verzeihen)
Natürlich ist Amerika ein Vorbild: Nicht nur wegen seiner kulturellen, gesellschaftlichen, militärischen und wirtschaftlichen Leistungen die seit mehr als 50 Jahren erbringt. Auch und grade wegen seiner demokratischen Streitkultur. Ich spreche hier nicht von seinem Wahlrecht oder der gesetzlichen Organisation, sondern von der Bürgergesellschaft, die ihre Auseinandersetzungen in wesentlich klarerer Form austrägt, als das Hierzulande üblich ist. Stellen wir uns einmal vor ein Mann wie Hr. Ryan mit seinen Thesen würde hier zu irgendeiner gesellschaftlichen Auseinandersetzung antreten – da bräuchten wir nicht lange zu warten, bis zum ersten Mal des Wort …radikal oder unsozial fällt, und der Mann versucht wird Mundtot zu machen.
Amerika ist uns hier schon wenn nicht ein Vorbild, sondern ein Beispiel, das Demokratie auch anders funktionieren kann, als bei uns mit seiner sozialen Marktwirtschaft und seiner Regulierungswut – bitte verstehen sie das nicht miss – ich bin kein Gegner des Sozialstaates – aber Amerika zeigt uns, das es auch anders geht – und wir nicht den alleinseligmachenden Weg zu Heil gefunden haben..
Über den Grad an Durchgeknalltheit der Amis brauchen wir nicht zu streiten… schließlich haben viele von denen Deutsche Vorfahren. :-)

Romney Problem war,...

... dass keiner der moderateren Republikaner mit auf sein Ticket wollte, da sie ihm keine Siegchancen zugestehen (und die sahen schon von Anfang an ziemlich mau aus) und weil sie von der lauten rechten Minderheit in der Partei niedergeschrien worden wären.

Seine Mitbewerber um die Kandidatur zeigten ja, wie es um die GOP bestellt ist: Zwei religiöse Fundamentalisten (Bachmann, Santorum), ein Marktradikaler (Paul), ein Komme-Was-Wolle-Machtgeiler (Gingrich) sowie zwei allgemein Unfähige (Cain, Perry). Der einzige ernstzunehmende moderate Mitkandidat im Rennen war Huntsman, der in dem Feld völlig unterging.

Was für Unterschiede sind das denn?

Sie sollten sich ein bisschen mehr damit beschäftigen und nicht nur den Mainstream Media wie NYT oder die ZEIT Beachtung schenken. Der größte Unterschied ist naemlich, dass es Leute gibt, die aus irgendeinem Grund denken, die Demokraten wären irgendwie anders und besser als die Republikaner. Man lässt Obama auch Sachen durchgehen, Dieben Bush für einen Riesenaufschrei gesorgt hätten. Nicht dass ich ein Fan von Junior wäre.