Air BerlinSparen, sparen, sparen

Immer neue Hürden erschweren die Sanierung von Air Berlin. von 

Es sollte der große Befreiungsschlag sein. Als Hartmut Mehdorn im vergangenen Dezember den neuen Partner von Air Berlin präsentierte, Etihad Airways, hofften die rund 9.300 Mitarbeiter auf bessere Zeiten für Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft. Doch leichter ist seitdem nichts geworden, auch nicht für den umtriebigen 70-jährigen Manager.

»Mehdorns Kampf ist ehrenvoll, hat aber schon Don Quichottsche Züge«, urteilt Jürgen Pieper, Flugbranchenexperte beim Bankhaus Metzler. Mit einem Unterschied: Die Widerstände, gegen die Mehdorn kämpfen muss, sind real.

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Da sind Billigflieger wie Ryanair oder Easyjet, mit denen sich Air Berlin in der Vergangenheit harte Preiskämpfe geliefert hat. Zugleich startet die Lufthansa in diesen Monaten einen Angriff auf den Heimatmarkt in Berlin.

Zudem leidet Air Berlin wie keine zweite Fluggesellschaft unter der verspäteten Eröffnung des neuen Berliner Flughafens. Dort wollte Mehdorn zusammen mit neuen Allianzpartnern und Etihad ein Drehkreuz für die Langstrecke etablieren. Am bisherigen Stammflughafen Tegel nämlich kann eine Ausweitung des Streckennetzes nur mit Mühe abgewickelt werden. Bis der neue Hauptstadtflughafen Willy Brandt öffnet, rechnen Branchenkenner mit fünf Millionen Euro zusätzlichen Kosten für Air Berlin – Monat für Monat.

In der ganzen Branche ist die Lage derzeit so schwierig wie seit Jahren nicht. Höhere Treibstoffpreise, Fluggaststeuer und Kosten für den europäischen Emissionshandel belasten das Unternehmen so wie andere auch. Mehdorn schimpft zurzeit viel auf die Politik, bleibt aber insgesamt ein Optimist: Schon 2013 werde Air Berlin wieder schwarze Zahlen schreiben, sagte er kürzlich. Da hatte er gerade zuvor einen Verlust von 169 Millionen Euro fürs Halbjahr bekannt gegeben.

Ein Jahr ist Mehdorn jetzt auf seinem Posten. Mit einem Sparprogramm, das vor Dienstwagen und Betriebsfesten nicht Halt macht, will er Air Berlin wieder zum Erfolg führen. 230 Millionen Euro sollen bis Ende des Jahres gespart werden.

Es gibt auch erste Erfolge. Analysten wie Pieper bleiben trotzdem skeptisch: »Schon die Buchungszahlen im Juli waren schwächer als erwartet. Gut möglich, dass Etihad mit einer weiteren Kapitalspritze aushelfen muss.« Das Unternehmen aus Abu Dhabi ist schon jetzt mit fast 30 Prozent an Air Berlin beteiligt. Die Scheichs stellten auch einen 255-Millionen-Dollar-Kredit bereit. 80 Prozent davon sind schon ausgeschöpft.

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