RyanairLeere Tanks, volle Kassen

Ryanair ist wirtschaftlich erfolgreich. Aber ist die Fluggesellschaft auch sicher? von 

Hat Ryanair seine Piloten angewiesen, weniger zu tanken, um Kerosin zu sparen? Nimmt Sparfuchs Michael O’Leary die Gefährdung der Passagiere in Kauf, um noch mehr Geld aus den Billigfliegern zu saugen? Zu diesen Vorwürfen war der ansonsten so präsente Unternehmenschef zu Beginn der Woche kurzfristig nicht zu sprechen, wie seiner Pressestelle wissen ließ.

So viel ist unbestritten: Drei Ryanair-Maschinen wichen Ende Juli nach einem Unwetter über Madrid gen Valencia aus. Am Ende mussten die Piloten notlanden, da die Boeing 737 kaum mehr Kerosin in den Tanks hatten. Nun streitet sich das Unternehmen mit den spanischen Aufsichtsbehörden darüber, wie lange die Maschinen zusätzlich in der Luft waren.

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Unklar ist, ob die Stellungnahme tatsächlich zutrifft, die Ryanair nach Bekanntwerden der Vorwürfe verbreiten ließ: »Alle drei Maschinen landeten normal und mit ausreichend Kerosinvorräten (für circa 30 Minuten Flugzeit oder 300 Flugmeilen) im Tank.« Die spanische Sicherheitsbehörde Aesa untersucht die Vorfälle derzeit. Stimmen die Gerüchte, wonach Piloten angewiesen wurden, möglichst effizient – also mit möglichst wenig Kerosin im Tank – unterwegs zu sein, dann wäre das Ansehen von Ryanair massiv beschädigt.

Für Jan-Arwed Richter wäre das eine große Überraschung, denn eine Geschäftspolitik zulasten der Sicherheit stünde »im Kontrast zu dem, was wir langfristig gemessen haben«. Richter betreibt in Hamburg das Flugunfallbüro Jacdec und analysiert weltweit Flugunfälle. »Trotz des enormen Wachstums ist Ryanair sehr sicher unterwegs«, sagt Richter. So habe das Unternehmen in seiner 25-jährigen Geschichte nicht einen Absturz gehabt. Tag für Tag starten 1500 Ryanair-Flieger innerhalb Europas. Keine andere europäische Fluggesellschaft wächst so rasant wie das irische Unternehmen.

Von April bis Juni flogen 22,5 Millionen Passagiere mit Ryanair, sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: Air Berlin hatte in den ersten sieben Monaten 2012 gut 19 Millionen Passagiere. Zugleich hat Ryanair in den drei Monaten 99 Millionen Euro nach Steuern verdient – und das, obwohl die Kerosinkosten um 117 Millionen Euro stiegen.

Was Ryanair von Lufthansa und Air Berlin unterscheidet, ist die Konsequenz des Geschäftsmodells. Ryanair fliegt nur von Punkt zu Punkt mit einem Flugzeugtyp. Das spart Kosten und Zeit. Die deutschen Fluggesellschaften wickeln den Verkehr vor allem über ihre Drehkreuze ab und setzen auch auf die lukrative Langstrecke. Innerhalb Europas geraten sie mit dieser Strategie jedoch ins Hintertreffen.

Dennoch sieht sich O’Leary an einem kritischen Punkt. Aus Protest gegen die deutsche Fluggaststeuer ließ er das Flugangebot von und nach Deutschland radikal zusammenstreichen – und verzichtete damit auf drei Millionen potenzielle Passagiere. Selbst in Berlin reduzierte Ryanair das Angebot um bis zu 50 Prozent und betreibt heute sechs statt zwölf Strecken.

In anderen Ländern wiederum wird das Wachstum zusehends härter erkämpft. Das Unternehmen stößt an natürliche Grenzen. Der europäische Markt ist weitgehend aufgeteilt. Weitere Passagierströme soll nun die Übernahme des irischen Rivalen Aer Lingus garantieren. Bisher scheiterte der Plan stets am Veto der EU-Kommission. Sie fürchtet zu viel Marktmacht für Ryanair.

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