Atheismus "Mama? Bist du da?"

Wie geht man als ungläubige Tochter mit dem Tod der eigenen Mutter um? Ein Erfahrungsbericht

Wir fahren an diesem 15. März im Zug durch die Nacht, beide auf dem Heimweg, die Klimaanlage surrt, es ist viel zu kalt hier drin. Ich erzähle meinem Freund Carlo, den ich zufällig im Zug getroffen habe, vom letzten Besuch bei meiner Mutter Elisa. Davon, wie schwach sie ist, dass sie seit ein paar Tagen so schwer atmet, als ob sie Treppen hochrennen müsste, dass sie heute Nachmittag ganz weiß war um Nase und Mund und diese blauen Flecken hatte an den Händen. Zeichen des nahenden Todes, wie sie selbst mir damals erklärt hatte, als meine Großmutter im Sterben lag. »Und jetzt soll sie sterben? Mit 62 Jahren schon?« Mein Telefon piepst.

SMS Niko: Ich denke die ganze Zeit an Elisa. Obwohl sie und ich so wenig gemeinsam hatten, macht mich das sehr traurig. Ich hoffe, sie merkt, dass ihr da seid.

Das hoffe ich auch. Vorher, als ich mit meiner Schwester Maja nochmals bei ihr war, haben wir plötzlich angefangen, ihr für alles zu danken. Wir haben ihr gesagt, sie sei eine wunderbare Mutter gewesen, haben sie um Verzeihung gebeten dafür, dass wir ihr manchmal das Leben schwer gemacht haben. Sie hat nicht mehr darauf reagiert. »Manchmal, Carlo, stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn wir alle mit gefalteten Händen an ihrem Bett stehen würden, während der Pfarrer ihr das Sterbesakrament spendet. Ein Kreuz stünde auf ihrem Nachttisch, und Kerzen würden brennen, es würde ein bisschen nach Kirche riechen. Manchmal frage ich mich, wie es wäre, wenn wir alle an diesen Gott glauben könnten, darauf vertrauen könnten, dass er uns beisteht, dass er das so will.« Mein Telefon klingelt. Mein Vater. Noch bevor er etwas sagt, weiß ich, was geschehen ist.

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Beim nächsten Halt des Zuges setzt sich Carlo mit mir ins nächste Taxi. Draußen zieht die dunkle Welt vorbei. Etwas in mir drin reißt mir ein Loch ins Herz. Carlo hält mich im Arm und lässt mich erst im Pflegeheim wieder los, vor der Tür.

Es ist dunkel im Zimmer, auf ihrem Nachttisch stehen zwei Kerzen, aber es gibt kein Kreuz. Und es riecht auch nicht nach Kirche, sondern nach verbrauchter Luft. Niemand betet. Es ist kein Pfarrer da, aber mein Vater, der zusammengesunken am Fuß ihres Bettes sitzt. Meine Mutter liegt genauso da wie vorher und doch ganz anders. »Sie ist jetzt bei Gott im Himmel. Sie ist in die Ewigkeit eingegangen und ruht jetzt in Frieden.« Solche Sätze würde der Pfarrer jetzt wohl sagen. Ich sehe nur ihren toten Körper. Ihre Hände sind kalt, aber ihre Stirn ist noch warm. Wenn ich sie festhalte, dauert es dann länger, bis auch dieser letzte Rest von Leben aus ihr weicht? Ich kann meine Hände lange nicht von Mutter wegnehmen. »Papa, gibt mir dein Telefon, bitte, ich muss sie fotografieren.« Ich mache drei Bilder. Wenn mein Vater seltsam findet, was ich tue, so sagt er wenigstens nichts.

Kaum dass ich fertig bin, kommen zwei Pflegerinnen ins Zimmer, um sie zu waschen und ihr die Kleider anzuziehen, die wir vorher ausgewählt haben. Eine von ihnen köpft eine der vielen Orchideen, die in Vasen hier am Fenster stehen. Sie legt die Hände meiner Mutter übereinander und steckt die Blume dazwischen. »Oder war sie sehr gläubig? Soll ich ihr die Hände falten?« – »Nein. Ist gut so.« Wir sollen das Fenster kippen, ehe wir gehen, sagen sie und lassen uns wieder allein. Später fragt mich eine Freundin: »Und? War das Fenster offen?« – »Ja.« – »Gut. Das muss so sein. Damit die Seele rauskann.« Und ich hatte gedacht, das mache man so wegen des Geruchs.

Vater und ich gehen schweigend nebeneinanderher. Weiter oben im Dorf wartet der Rest der Familie auf uns, in unserem Elternhaus, das jetzt Maja und ihrer Familie gehört. Sie wollten nicht zur toten Mutter kommen. Konnten nicht. Ich fühle mich als Halbwaise, obwohl ich längst zu alt bin dafür. Über uns am schwarzen Himmel funkeln die Sterne. Da oben soll sie jetzt sein? »Sag mal, Papa, glaubst du an Gott?« – »Ich weiß nicht. ›Gott‹ würde ich es nicht nennen. Aber ich glaube schon, dass es etwas gibt, das größer ist als wir.« Damit ist er in guter Gesellschaft. Ich habe es nachgelesen: 64 Prozent der Schweizer Bevölkerung glauben nicht an Gott.

Leser-Kommentare
    • pappel
    • 31.08.2012 um 9:30 Uhr

    habe ich in sofern, dass einige wirklich zu wissen glauben, dass die Menschen kein Halt und keine Moral mehr haben wenn sie Atheisten sind. Der Umkehrschluss ist daher, dass man sie überzeugen MUSS dass es Gott gibt.
    Ich für mich finde es großartig, dass alles recycled wird! Es erfreut mich sehr, dass ich zu einigen atomaren Teilen schon mal als Dinosaurier über die Welt gewandelt bin, oder vielleicht auch schon mal ein Furunkel am Hintern irgendeines Diktators war.
    Außerdem ist es nicht phantastisch, dass unsere Bausteine aus den Glutöfen der Sterne entstanden sind? Ich bin da jedesmal beeindruckt wenn ich daran denke!

    Ich selbst halte immer noch innerlich Zwiesprache mit meinem toten Vater. Er ist vor zwei Jahren gestorben und wir sind beide prima ohne Gott ausgekommen.
    Mein derzeitiges Lieblingszitat ist von Jonas Jonasson aus dem Buch: Der Hunderjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand.
    "Was den Glauben anging, war er schon immer der Meinung gewesen, wenn man etwas nicht mit Sicherheit wissen könne, sei es nicht sonderlich sinnvoll, sich aufs Raten zu verlegen."

    4 Leser-Empfehlungen
    • _bla_
    • 31.08.2012 um 9:31 Uhr
    58. @42 :

    Viel Gerede und alles, was dabei herauskommt ist, dass man nichts Genaues nicht weiß. So weit war schon Sokrates.
    Nur blöd, dass es schlicht immer noch stimmt. Es ist verständlich, dass dies ein unbefriedigender Zustand ist, aber es ist eine Scheinlösung, wenn man sich angesichts dieser Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit einfach die Sache so umdefiniert, dass sie bequem widerlegbar werden.

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    • PGMN
    • 31.08.2012 um 10:53 Uhr

    "...es ist eine Scheinlösung, wenn man sich angesichts dieser Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit einfach die Sache so umdefiniert, dass sie bequem widerlegbar werden."

    1. Niemand spricht davon, Gott zu widerlegen. Das mag möglich sein, ist aber eine völlig andere Diskussion.

    2. Mit den "Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit" argumentieren meiner Erfahrung nach Leute, die wissen, dass es keinen rationalen Grund für ihren Standpunkt gibt. Behauptungen in der Richtung "Das können wir nicht wissen, also habe ich Recht." helfen schlicht Niemandem weiter.

    • PGMN
    • 31.08.2012 um 10:53 Uhr

    "...es ist eine Scheinlösung, wenn man sich angesichts dieser Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit einfach die Sache so umdefiniert, dass sie bequem widerlegbar werden."

    1. Niemand spricht davon, Gott zu widerlegen. Das mag möglich sein, ist aber eine völlig andere Diskussion.

    2. Mit den "Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit" argumentieren meiner Erfahrung nach Leute, die wissen, dass es keinen rationalen Grund für ihren Standpunkt gibt. Behauptungen in der Richtung "Das können wir nicht wissen, also habe ich Recht." helfen schlicht Niemandem weiter.

    • _bla_
    • 31.08.2012 um 10:00 Uhr
    59. @46 :

    Ihr Religiösen habt nicht die Wahrheit exklusiv gepachtet. Vergesst das nie.

    Das gilt aber genauso auch für Atheisten. Die meisten Religiösen ebenso wie die meisten Atheisten können gut damit leben, das andere Menschen andere Sichtweisen haben. Die unangenehme Sichtweise, die eigene Weltsicht sei die einzig richtige ist in diesem Land unter Atheisten wohl deutlich verbreiteter, häufig verbunden mit der falschen Darstellung der eigenen Wertvorstellungen als objektiv oder wissenschaftlich.
    Sie liefern dafür gleich ein deutliches Beispiel ab:
    Ich habe ihr kein Kreuz aufs Grab gestellt, sondern Blumen.
    Ich habe niemals gebetet, sondern versuche ihr Vermächtnis weiterzuführen. Damit halte ich sie tausendmal mehr in Ehren.

    Auch religiöse Menschen stellen Blumen auf die Gräber ihrer Angehörigen und führen Vermächtnisse fort. Und für einen Menschen Beten kann eine sehr intensive Form der Erinnerung an die Lebensleistung eines Menschen sein. Und da maßen Sie sich an darüber zu urteilen, welche Form der Erinnerung ehrenvoller ist als eine andere? Und nicht nur das sie sind gleich der Meinung das ihre Form tausendmal besser ist, als die sehr persönliche Art anderer Menschen mit dem Thema umzugehen?

    Die UdSSR hatte nichts mit Atheismus zu tun, sondern mit einer Pseudoreligion
    Man kann die UdSSR als politische Religion sehen, nur negiert dies keineswegs den Atheismus dieses Systems.

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Nein."
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    war alles mögliche, aber nicht atheistisch. Nur weil die kommunistischen Führer der Christengott abgelehnt haben, waren sie deshalb nicht atheistisch. Sie haben sich (übrigens genauso wie die Christen und alle anderen Religionen) ihre eigenen Götter zurecht geschnitzt. Eine Ideologie, die ihre toten Führer einbalsamiert um ihnen "ewiges Leben" zu verleihen, muss an ein "Leben nach dem Tod" glauben, ansonsten wäre das ganze Theater lächerlich und sinnfrei. Christen machen oft den Fehler, atheistisch zu nennen, was ihren Gott nicht anerkennt.
    Vielleicht sollten sich die Atheisten deshalb Naturalisten nennen, denn das waren die Bolschewiken ganz sicher nicht.

    war alles mögliche, aber nicht atheistisch. Nur weil die kommunistischen Führer der Christengott abgelehnt haben, waren sie deshalb nicht atheistisch. Sie haben sich (übrigens genauso wie die Christen und alle anderen Religionen) ihre eigenen Götter zurecht geschnitzt. Eine Ideologie, die ihre toten Führer einbalsamiert um ihnen "ewiges Leben" zu verleihen, muss an ein "Leben nach dem Tod" glauben, ansonsten wäre das ganze Theater lächerlich und sinnfrei. Christen machen oft den Fehler, atheistisch zu nennen, was ihren Gott nicht anerkennt.
    Vielleicht sollten sich die Atheisten deshalb Naturalisten nennen, denn das waren die Bolschewiken ganz sicher nicht.

  1. Wie soll man an die Liebe glauben? Glauben Sie an das Wasser, die Luft oder den Hass? Ich finde es anmaßend, eine Verhaltensweise (Liebe) für eine Religion bzw. ein Gottesbild zu vereinnahmen. Was dabei rauskommt sieht man bei Nonnen und Mönchen. Indem sie sich völlig dieser einen Verhaltensweise hingeben wollen, negieren sie alles andere, was das Leben sonst noch ausmacht. Heraus kommt eine sehr unglückliche Lebensweise, die das Leben an sich verneint.

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    Antwort auf "Gott ist Liebe. "
  2. Man beachte die Anführungszeichen beim zweiten "Kult"...

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    Antwort auf "@6 :"
  3. 62. Antwort

    "Wenn die lebendige Beziehung zur Welt Gott genannt werden kann, dann ist Atheismus, der radikale, die Abwesenheit derselben"

    Non sequitur. Warum sollte die "lebendige Beziehung zur Welt" "Gott" genannt werden? Das klingt für mich wieder nur nach einem verzweifelten Versuch, das Wort "Gott" irgendwie pseudo-philosophisch umzudefinieren. Sie sollten sich vielleicht einmal anschauen, was genau mit "Theismus" gemeint ist, dann werden Sie vielleicht nicht auf einen alten Mann mit Bart im Himmel treffen, aber nichtsdestotrotz auf einen persönlichen Schöpfer, der allmächtig und allwissend ist, und in das Schicksal der Menschen eingreift. Genau daran glaubt ein Atheist nicht. Punkt. Mehr gibt es da nicht hinein zu interpretieren.

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    Antwort auf "Sinn ...,"
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    dass ein unzutreffendes Bild der eine glaubt, der andere nicht. Sie werden schon gemerkt haben, dass ich den landläufigen Begriff Gott für wenig brauchbar halte. Dieses Bild zu verwerfen hindert mich nicht daran, Realitäten anzuerkennen, die dieses Bild, wenn auch unzureichend aus meiner Sicht, transportiert. Nehmen wir ein naheliegendes Beispiel: Meine Existenz liegt im Bereich des Möglichen. Keine Wissenschaft dieser Erde jedoch kann bisher meine Existens als zwingend notwendig herleiten. Dennoch bin ich da. Alles was geschieht kann im Nachhinein mit Erklärungen bedacht werden. Die Tatsache, dass es geschieht liegt im Bereich des Möglichen. Zwingend ist es nicht. Dennoch geschieht es. Sich zu streiten über mehr oder weniger zutreffende Bilder flickt bestenfalls am Bild. Sich auf das Unverstandene selbst unvoreingenommen einzulassen ist aus meiner Sicht der klügere, weil realitätsnähere Weg. Im einen Fall diskutieren wir die Farbe der Erde als Scheibe. Im anderen entdecken wir eventuell, dass die Erde eine Kugel ist.

    Habe ich richtig verstanden, dass der amtliche Atheist das landläufig transportierte Gottesbild zwar ablehnt, aber eine wie auch immer geartete Transzendenz für zulässig erachtet? Insofern müsste ich mich selbst als Atheisten bezeichnen. Nach meiner bisherigen Auffassung ist es jedoch so, dass der Atheist eben diese Transzendenz letztlich ablehnt. Das halte ich für wenig klug. Weshalb sollte ich mir ein Auge zukleben, wo ich doch ohnehin schlecht sehe.

    dass ein unzutreffendes Bild der eine glaubt, der andere nicht. Sie werden schon gemerkt haben, dass ich den landläufigen Begriff Gott für wenig brauchbar halte. Dieses Bild zu verwerfen hindert mich nicht daran, Realitäten anzuerkennen, die dieses Bild, wenn auch unzureichend aus meiner Sicht, transportiert. Nehmen wir ein naheliegendes Beispiel: Meine Existenz liegt im Bereich des Möglichen. Keine Wissenschaft dieser Erde jedoch kann bisher meine Existens als zwingend notwendig herleiten. Dennoch bin ich da. Alles was geschieht kann im Nachhinein mit Erklärungen bedacht werden. Die Tatsache, dass es geschieht liegt im Bereich des Möglichen. Zwingend ist es nicht. Dennoch geschieht es. Sich zu streiten über mehr oder weniger zutreffende Bilder flickt bestenfalls am Bild. Sich auf das Unverstandene selbst unvoreingenommen einzulassen ist aus meiner Sicht der klügere, weil realitätsnähere Weg. Im einen Fall diskutieren wir die Farbe der Erde als Scheibe. Im anderen entdecken wir eventuell, dass die Erde eine Kugel ist.

    Habe ich richtig verstanden, dass der amtliche Atheist das landläufig transportierte Gottesbild zwar ablehnt, aber eine wie auch immer geartete Transzendenz für zulässig erachtet? Insofern müsste ich mich selbst als Atheisten bezeichnen. Nach meiner bisherigen Auffassung ist es jedoch so, dass der Atheist eben diese Transzendenz letztlich ablehnt. Das halte ich für wenig klug. Weshalb sollte ich mir ein Auge zukleben, wo ich doch ohnehin schlecht sehe.

    • kyon
    • 31.08.2012 um 10:40 Uhr

    "Weil wir ihn als liebenden Vater erleben, können wir alles mit ihm teilen, und bei Dingen, die uns belasten, seinen Trost empfangen." (gkh)

    Fragen Sie mal in anderen Religionen (z.B. Judentum, Islam, Hinduismus) nach, was die Gläubigen dort von Ihrem "liebenden Vater" halten.

    Seien Sie froh, dass es die alten Griechen gegeben hat: Die haben durch ihre philosophisch-ethische Vorarbeit den jüdischen alttestamentarischen Gott über die Evangelisten und Paulus durch die hellenistischen Einflüsse humanisiert.

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    • gkh
    • 01.09.2012 um 7:09 Uhr

    "Fragen Sie mal in anderen Religionen (z.B. Judentum, Islam, Hinduismus) nach, was die Gläubigen dort von Ihrem "liebenden Vater" halten."

    Das ändert doch nichts daran, wie ich ihn erlebe. Und zumindest im alten Testament haben andere Menschen Gott ebenfalls so erlebt (1. Samuel 1, Ps 23, 1. Könige 18).

    "Seien Sie froh, dass es die alten Griechen gegeben hat: Die haben durch ihre philosophisch-ethische Vorarbeit den jüdischen alttestamentarischen Gott über die Evangelisten und Paulus durch die hellenistischen Einflüsse humanisiert."

    Noch so ein humanistisches Klischee.
    Können Sie das belegen?

    • gkh
    • 01.09.2012 um 7:09 Uhr

    "Fragen Sie mal in anderen Religionen (z.B. Judentum, Islam, Hinduismus) nach, was die Gläubigen dort von Ihrem "liebenden Vater" halten."

    Das ändert doch nichts daran, wie ich ihn erlebe. Und zumindest im alten Testament haben andere Menschen Gott ebenfalls so erlebt (1. Samuel 1, Ps 23, 1. Könige 18).

    "Seien Sie froh, dass es die alten Griechen gegeben hat: Die haben durch ihre philosophisch-ethische Vorarbeit den jüdischen alttestamentarischen Gott über die Evangelisten und Paulus durch die hellenistischen Einflüsse humanisiert."

    Noch so ein humanistisches Klischee.
    Können Sie das belegen?

  4. Ich muss sagen, ich komme nicht umher, ihren Kommentar (zumindest den letzten Absatz) als leicht pietätlos zu empfinden.
    Die eigene Meinung zu äußern ist absolut in Ordnung, aber jemandem nahezulegen, sich mit Religion zu befassen, da sie ja so viel bereichender sei (was ich , und das ist meine !!MEINUNG!!, nicht bestätigen kann); entschuldigung, aber ich finde das in einer solchen Situation unangebracht.
    Wie viele hier schon vor mir Kommentiert haben: Ein Jeder hat seine eigenen Mittel und Wege, mit einem Trauerfall umzugehen, und keiner ist schlechter oder besser als der andere. Es ist jedem selbst zu überlassen, wie er mit der Trauer umgeht (solange er den sich selbst und den Menschen in seiner Umgebung nicht schadet).
    Die einen finden Trost und Hilfe in der Religion, die anderen in der Familie, ihren Kindern oder sogar mithilfe von Haustieren (mir persönlich haben mein Vater und meine beiden Hunde und Papageien mehr geholfen, als es irgendein Gott es jemals hatte können), andere vllt. auch im Beruf.
    Ob das gesund oder ungesund, richtig oder falsch ist, kann niemand beanspruchen beantworten zu können, den es ist jedem selbst zu überlassen, wie er trauert.
    Trauer ist etwas höchst persönliches und intimes, und als solches hat sich nichts und niemand ungefragt (ausser im weiter oben genannten Sonderfall) darin einzumischen. Alles was man machen kann und darf als Aussenstehender, ist höflichst Fragen, ob und wie man helfen kann/darf.

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