Elektromobilität : Abgasfreier Bote

Elektroroller können sich auszahlen. Ein Beispiel.

Hamburger Pizzaboten liefern Argumente für einen großen Plan der Bundesregierung: Eine Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 in Deutschland wünscht sich Kanzlerin Angela Merkel; auch die EU-Kommission plant fest damit, dass bis 2050 ausschließlich elektrisch betriebene Fahrzeuge durch Europas Stadtzentren rollen. Ernüchternd dagegen die Realität: Gerade einmal 1600 dieser Autos wurden seit Jahresbeginn in Deutschland verkauft. Die Deutschen misstrauen ihnen noch, sie scheuen die langen Ladezeiten, fürchten, mit leerem Akku liegen zu bleiben, und ärgern sich über die hohen Preise. Zu Recht?

Joey’s Pizza, Marktführer im Bereich Lieferservice von Pizzen, hat in den vergangenen Monaten eine Umstellung seines Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge getestet – und festgestellt, dass sich der Wechsel lohnen kann.

Im April stattete die Firma eine Filiale in der Hamburger Innenstadt mit sechs Elektrorollern und einem Elektroauto aus. Die Boten fahren ihre Ware seitdem geräusch- und emissionsarm aus, denn getankt wird Ökostrom. Nach 100 Tagen ziehen die Pizzalieferanten von Joey’s eine positive Bilanz: Die Fahrzeuge seien zuverlässig, die Reichweiten mit etwa 80 Kilometern ausreichend, und lange Ladezeiten könnten mit Wechselakkus umgangen werden.

Seit Gründung der Firma vor fast 25 Jahren sei Elektromobilität immer mal wieder ein Thema gewesen, sagt Geschäftsführer Karsten Freigang. Regelmäßig hieß es: »nicht ausgereift«. Nicht nur das hat sich geändert. Hinzu kommt nun das Argument: Die elektrisch betriebenen Scooter sind im Betrieb sogar billiger als Zweiräder mit Verbrennungsmotor. Zwar liegt der Anschaffungspreis eines tauglichen Elektrorollers mit rund 4.000 Euro um über 2.500 Euro höher als beim Benziner – dafür hat Joey’s bei einer angenommenen Lebensdauer von 24 Monaten und aktuell geltenden Sprit- und Strompreisen Verbrauchskosten von nur 315 Euro pro Jahr (Elektro) gegenüber 1.730 Euro (Benzin) errechnet. Nach etwa 20 Monaten könne sich ein Elektroroller also amortisieren.

Bei den Pizzaboten geht der Trend ohnehin zu einem Fuhrpark ohne Autos; mit aufmontiertem Spezialkoffer können die Scooter von Joey’s bis zu acht Pizzen mitnehmen. Erst bei Großbestellungen oder größeren Entfernungen steigen die Boten ins Auto.

Eine »schöne Sache« nennt der Automobilwirtschaftsexperte Ferdinand Dudenhöffer den Pizza-Feldversuch. Momentan sei die Lieferbranche wegen der kurzen Fahrtwege »einer der wenigen realistischen Einsatzorte für Elektromobilität«. Doch in der Gesamtschau sehe es düster aus: »Im Autobereich herrscht tote Hose, da bewegt sich gar nichts.« Die bescheidene Zahl an Zulassungen sei »alles andere als lustig«, sagt der Experte.

Er warnt: »Die Elektromobilität in Deutschland ist auf dem besten Wege zu scheitern.« Die Eine-Million-Marke der Bundesregierung, die Verkehrsminister Peter Ramsauer erst vor wenigen Wochen noch einmal als Ziel bestätigte, sei spätestens seit diesem Jahr Makulatur. Dudenhöffers Prognose: »Wenn wir 2020 nur zehn Prozent davon erreichen, ist das schon ein dolles Ergebnis.«

Die Pizzalieferanten von Joey’s wollen den Einsatz der Elektrofahrzeuge hingegen ausweiten. Ob sich das für alle Filialen lohnt, ist fraglich: Die erweiterte Praxistauglichkeit sollen nun Tests in Liefergebieten fernab der Innenstädte und in hügeliger Topografie zeigen. Und es gilt, den Winter abzuwarten: Weil Kälte die Speicherkapazität von Batterien vermindert, kann die Reichweite von elektrisch betriebenen Fahrzeugen bei minus fünf Grad Celsius um mehr als die Hälfte sinken, hat die Prüforganisation Dekra gemessen.

Kommentare

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Realistische Einsatzorte und unrealistische Preise

"Einer der wenigen realistischen Einsatzorte für Elektromobilität" - Das sehe ich anders. Berufspendler fahren selten mehr als 80 km pro Tag (allein das ist ein riesiger Markt), Zweitautos werden meist auch nur wenig bewegt.
Das Hindernis zu einem vernünftigen Marktanteil von E-Autos in Deutschland ist fast ausschließlich der völlig überzogene Preis, der sich für den Privatnutzer eben nicht amortisiert - und den ich, nebenbei erwähnt, auch nicht nachvollziehen kann: Ein E-Smart für 20.000 EUR ohne Batterie? Das Smart-Umrüstkit von Benziner auf E-Auto kostet gerade mal 7- 8 TEUR und bei einem reinen E-Auto spart der Hersteller doch die gesamten Benzin-Einbauten.
Ich befürchte, dass die deutsche Autoindustrie gerade einen Wandel verschläft, die asiatischen Marken sind gegenwärtig schon weiter.

Legen Sie 5.000,- € drauf ...

... und nehmen Sie einen Renault Fluence Z.E.

Gewinnt keinen Schönheitspreis (der SMART sicher auch nicht!), aber ist ein richtig großes, vollwertiges und ordentlich ausgestattetes Zweckauto, das ausschließlich elektrisch angetrieben ist und dessen Akkurisiko der Hersteller trägt.

Zum Pendeln im Grunde genommen ideal.

Das Ding ist jetzt am Markt verfügbar. Es wird aber nur verfügbar bleiben, wenn es auch Kunden gibt, die es kaufen!

wechselakkus

bei zweirädern mögen wechselakkus noch möglich sein und sinn machen ... bei autos sieht die sache anders aus!

auch wenn (soweit ich weiss) Renault so etwas (autos mit wechselakkus inkl. einer automatisierten wechselstation) vorgestellt hat, ist die technik & infrastruktur dazu so teuer / aufwendig und eine einigung aller hersteller zu einer einheitlichen akkutechnologie und -größe absolut utopisch.

die zukunft kann nur der brennstoffzelle gehören ... also der stromerzeugung durch das fahrzeug selbst ... es sei denn es geschieht bzgl. akku-technik ein wunder (aber das gab es in hundert jahren nicht und wird es auch in zukunft nicht geben).

Wechselakkus sind sinnvoll !

Die Firma Better Place ist gerade dabei zu beweisen, dass die Wechselakku Technik auf jeden Fall sinnvoll ist und dass das Gesamtsystem aus Auto + Wechselakku + Ladestationen + Akku-Wechselstationen + System-Management + Kundenservice
hervorragend funktioniert.

Wer sich mal über das Gesamtsystem informieren will schaue hier nach: http://www.betterplace.co...

Das System ist in Israel bereits landesweit verfügbar und wird weiter ausgebaut. In Dänemark und Holland gibt es auch schon die ersten Wechselstationen. Zudem wird ein Korridor von Kopenhagen bis Amsterdam geschaffen, in dem Akku-Wechselstationen verfügbar sind.
Wenn genügend Kunden bei Better Place einen Vertrag abschließen dann können auch die ignoranten deutschen Automobilhersteller nicht mehr länger verhindern, dass daraus ein erfolgreiches Geschäft entsteht. Das Geschäftsmodell ist einfach (und) genial.

Und zum Thema Brennstoffzelle wäre interessant wie Sie die Überlegenheit dieser Technologie begründen. Der Gesamtwirkungsgrad der Kette von Stromerzeugung Wasserstofferzeugung durch Elektrolyse - Speicherung im Auto mit 700 bar Druck - Umwandlung in Strom durch die Brennstoffzelle - Fahrzeug bewegen - scheidet schon mal aus.

Es ist offensichtlich dass die Kette Stromerzeugung - Speicherung im Auto-Akku - Fahrzeug bewegen - wesentlich effizienter ist. Und je dichter das Netz aus Ladestationen und Wechselstationen ist umso kleiner kann der Akku sein -> Weniger Gewicht -> Weniger Verbrauch.

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"Das Geschäftsmodell ist einfach (und) genial."
Das Geschäft beruht auf der Bildung eines Monopols. Wenn erstmal genügend mitmachen werden wir uns über steigende Preise an den Wechselstationen freuen. Schließlich ist man ja vertraglich gebunden.

"Es ist offensichtlich dass die Kette Stromerzeugung - Speicherung im Auto-Akku - Fahrzeug bewegen - wesentlich effizienter ist."

Die Effizienz istt nicht das einzigste Kriterium. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist entscheidend. Hier schneiden E-Autos bisher misserabel ab. Die Nutzbarkeit in anderen Fahrzeugen ist auch ein Kriterium. Brennstoffzellen lassen sich in praktisch allen Fahr- und Flugzeugen einsetzen die heute mit einem Verbrenner ausgestattet sind. Beim rein elektrischen Antrieb sieht es da kümmerlicher aus (Flugzeuge, Schiffe, LKW´s, Baumaschinen).
Dazu kommt das Problem der Akkus (Reichweite, Lebensdauer, Ladezeiten, Kosten, Gewicht). Hier mag es Lösungsansätze geben, aber noch lange keine serienreifen Lösungen.
So gibt es Schnellladestationen, aber die verschlechtern den Wirkungsgrad und reduzieren die Lebensdauer des Akkus. Wechselstationen haben die bekannten Probleme (ohne vertragliche Bindung des Kunden an die Tankstelle wird das nichts). usw.

Der Transrapid kommt!!!

So etwas fällt mir immer ein, wenn ich etwas über die Brennstoffzelle lese.
die Technik ist markreif. Nur haben will die keiner.

Grundsätzlich leiden sowohl der akku-Betrieb, als auch die Brennstoffzelle an dem gleichen Problem:
Unsere Automobilindustrie verdient ihr Geld mit den (nutzlosen) Zusatzaggregaten. Da wird seit Jahren der SUV mit dem Allrad-Antrieb massiv beworben, weil hier die Margen so schön hoch sind.

Bei einem Elektroauto gehen alle diese Spielereien auf Kosten der Reichweite. Der Kunde könnte ja zum Umdenken kommen und ein Auto fordern, das wirklich nur das enthält, was unbedingt notwendig ist.

Kein Monopol sondern Unabhängikeit vom Öl

Dann sind Sie mit unserer Abhängigkeit vom Erdöl in der jetzigen Form also voll zufrieden ? Haben wir nicht ein Quasi-Monopol der Öl exportierenden Staaten und bei den Öl-Firmen die das ganze an uns weiterverkaufen.
Der Umstieg auf Elektrizität macht unsere Wirtschaft unabhängiger von der Entwicklung beim Ölpreis.
Nach jedem Ölpreis-Schock gab es wirtschaftliche Krisen. Und der nächste Ölpreis-Schock befindet sich gerade in Vorbereitung.

Zudem wird niemand daran gehindert ebenfalls Wechselstationen und Ladestationen usw. wie Better Place zu entwickeln und aufzubauen. Bei den Ladestationen gibt es schon viele Anbieter, die auch alle vorhaben, dass jeder Kunde bei allen anderen Anbietern von Ladestationen den Akku aufladen können soll (Roaming wie bei den Mobil-Netzen)

Wenn Benzin nicht zu bekommen ist oder extrem teuer, dann ist das Kosten-Nuzten-Verhältnis eines elektrisch betriebenen Fahrzeuges relativ gut.
Und Strom kann man aus (fast) allem erzeugen...

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"Dann sind Sie mit unserer Abhängigkeit vom Erdöl in der jetzigen Form also voll zufrieden ?"

Nicht zufrieden aber es ist auch kein Monopol. Bei weitem nicht. Und aus meiner Sicht ist es egal ob ich ein bisheriges Monopol gegen ein neues austausche. Tatsächlich ist das alte mir sogar lieber denn da weiß ich was ich habe.

"Der Umstieg auf Elektrizität macht unsere Wirtschaft unabhängiger von der Entwicklung beim Ölpreis."
Und macht uns damit abbhängiger vom Erdgas. So steht es ja auch in den Regierungspapieren zur Energiewende.
Wissen sie wer der größte Erdgasproduzent ist?
Es ist Russland.
Und wissen sie auch wer der größte Erdölproduzent ist?
Das ist auch Russland. Super oder.

"Zudem wird niemand daran gehindert ebenfalls Wechselstationen und Ladestationen usw. wie Better Place zu entwickeln und aufzubauen."
Das ist zu begrüßen. Es bleibt das Problem, das man sich bei Wechselstationen vertraglich an den Inhaber binden muss. Wenn ich bei jeder beliebigen Station wechseln könnte wäre das toll aber unrealistisch. Dazu müsste man schonmal die Akkus standardisieren.

Des neuen Feind sind die ewig Gestrigen...

@tobmat
"Nicht zufrieden aber es ist auch kein Monopol. Bei weitem nicht. "
Für mich fühlt es sich aber an wie ein Monopol. Wie begründen Sie die aktuellen Preissprünge an der Tanke von 10 ct/Liter und mehr. Bestimmt mit "Der Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage" Zum Lachen ist das!

"Und macht uns damit abhängiger vom Erdgas."
Mit Erdgas wird nur sehr wenig Strom erzeugt. Die Grundlast tragen die Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke. Und den Spitzenlaststrom steuert sehr oft die Sonne bei.
Wenn erst mal die Windparks in der Nordsee am Netz sind, haben wir Strom genug. Dann fallen auch eine Mio EVs nicht ins Gewicht.

"Das ist zu begrüßen. Es bleibt das Problem, das man sich bei Wechselstationen vertraglich an den Inhaber binden muss. Wenn ich bei jeder beliebigen Station wechseln könnte wäre das toll aber unrealistisch. Dazu müsste man schonmal die Akkus standardisieren."
Fakt ist, dass die Wechselstationen von Better Place mehrere Fahrzeugtypen und damit Akku-Bauformen unterstützen können. Der Akku muss sich nur von unten auswechseln lassen. Den Rest kann man per Software einstellen.
Und was wäre an einer Standardisierung von mehreren Varianten (für unterschiedliche Fahrzeugtypen) des Wechselmechanismus so schlimm ?

Bei ganz vielen Produkten führt nur die Standardisierung zum Erfolg und zum Aufbau eines Marktes.
Die Autohersteller konnten sich ja auch auf einen genormten Tankstutzen einigen und ein paar andere unbedeutende Dinge.

Nächstes Jahr geht es los

Zur Zeit ist doch von den Großherstellern nur ein Wagen von Nissan auf dem Markt. Renault bringt Anfang nächsten Jahres mit dem Zoe ein ansehnliches Auto heraus, ein Wagen etwa von der Größe eines VW Polo mit 200 km Reichweite und für 20 -22.000 Euro. Die Batterie wird geleast für 79 Euro im Monat (soviel wie eine Benzintankfüllung), so dass das Risiko der Dauerhaltbarkeit beim Hersteller bleibt. Die Energiekosten liegen bei etwa 25% verglichen mit einem Benzinmotor. Ich werde dabei sein und für lange Fahrten meinen dann 4 Jahre alten Golf behalten. Wann immer es geht, wird mit dem Zoe gefahren.

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"Ich werde dabei sein und für lange Fahrten meinen dann 4 Jahre alten Golf behalten. Wann immer es geht, wird mit dem Zoe gefahren."

Dann scheinen sie über deutlich mehr finanziellen Spielraum zu verfügen als die meisten Deutschen.

"Die Batterie wird geleast für 79 Euro im Monat (soviel wie eine Benzintankfüllung),"
Nur das das E-Auto ja auch geladen werden muss. Oder fahren sie nicht mehr als 80 km im Monat? Dazu kommt das bei den meisten Leasingvarianten es Beschränkungen für die Jahreskilometer-Zahl gibt. In der Regel steigt die Leasingrate wenn sie mehr als 10.000 km im Jahr fahren.

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Eines geht in dem Artikel etwas unter, auch wenn es direkt im Teaser steht. Was sich beim Pizzaboten rechnet sind die Elektroroller. Die E-Autos rechnen sich dagegen nicht. Deswegen verstehe ich nicht so ganz warum im Artikel beständig auf die E-Autos und die damit zusammenhängenden Ziele eingegangen wird. Momentan gibt es kein Szenario bei dem sich E-Autos rechnen.

Alle Autos ...

... bis auf das Allergünstigste würden sich nach Ihrer Argumentation nicht rechnen und, das wollen Sie wohl vermitteln, würden deswegen nicht gekauft werden.

Nun blicken Sie aber doch mal auf die Straßen in Deutschland. Dort fahren ca. 42 Millionen PKW rum. Das sind meist keine Minimalautos a la Aygo oder Citroen C1 Diesel.

Folglich könnte eine ganz erkleckliche Anzahl davon ohne Mehrkosten gegen E-Mobile ausgetauscht werden, sofern die Verbraucher dies möchten.

Sie können viel erzählen, dass die Leute sich dies nicht leisten könnten. Die Autos besagten sind aber trotzdem da. Sie brauchen nur auf die Straße zu gehen und nachzusehen.

Was sagen Sie denn nun zu diesen Fakten? Wo soll da das finanzielle Hindernis sein?

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" Alle Autos ...

... bis auf das Allergünstigste würden sich nach Ihrer Argumentation nicht rechnen und, das wollen Sie wohl vermitteln, würden deswegen nicht gekauft werden."

Lesen sie einfach nochmal den Kommentar und den Artikel und sie werden sehen, das ich genau das nicht gesagt habe. E-Autos rechnen sich im Vergleich zu konventionellen PKW´s nicht. Das ist eine Tatsache. Autos die ca. 20.000 € Kosten plus ca. 10.000 € für den Akku und das bei geringer Leistung und Ausstattung im Vergleich gleich teurer Verbrenner können sich nicht rechnen. Und beim Pizzalieferranten rechnen sich Autos allgemein kaum. Genau das steht ja im Artikel.

"Folglich könnte eine ganz erkleckliche Anzahl davon ohne Mehrkosten gegen E-Mobile ausgetauscht werden, sofern die Verbraucher dies möchten."
Ohne Mehrkosten? Rechnen sie das doch bitte mal vor. Natürlich bei vergleichbarer Ausstattung und Leistung. Oder wollen sie vorschlagen eine E-klasse gegen einen Twizzy zu tauschen?

Beispiel für Tausch (1)

"Oder wollen sie vorschlagen eine E-klasse gegen einen Twizzy zu tauschen?"

So ähnlich, nur nicht so ein Extrembeispiel. Nehmen wir einen Nissan Leaf. Kostet ca. 35.000,- €. Jetzt kann man die Preislisten durchblättern, was es sonst noch so für 35.000,- € gibt. Vermutlich einen gut ausgestatteten Golf oder eine vollkommen nackte C-Klasse in Minimalmotorisierung.

Mal davon abgesehen, dass der Leaf wie fast alle Japaner ein eigenartiges Design hat, ist das jetzt nicht wirklich ein großer Unterschied zum Golf und eine Spar C-Klasse reist einen auch nicht vom Hocker. Da kann man sicher nochmal 10.000,- bis 15.000,- € an Sonderaustattung drin versenken.

So, jetzt kann jeder noch selber versuchen die totalen Lebenszykluskosten inkl. Sprit, Steuer, Versicherung, Verschleißteile, etc. abzuschätzen. Das ist mir jetzt hier fürs Forum zu mühsam, aber rein als estimated guess würde ich schätzen, dass die eben gerade nicht zum Nachteil des Leaf ausfallen werden.

Beispiel für Tausch (2)

Beispiel C-Klasse/Leaf:

9 l/100 km Benzin auf 150.000 km bei 1,75 €/l = 23675,- €
16 kWh / 100 km Strom auf 150.000 km bei 0,30 €/kWh = 7200,- €

Das reicht für einen neuen Akku und da sind noch keine ausgebrannten Auspuffe, Katalysatoren, Zahnriemenwechsel (Benz hat Kette, aber andere Autos immer noch Riemen), etc.

Die laufenden Kosten bei einem Verbrenner sind halt schweineteuer, gehen aber gegenüber dem Einstandspreis unter, da sie sich über Jahre verteilen.

Was bleibt ist die Reichweiteneinschränkung. Damit kann man entweder leben, dann kann man das E-Auto kaufen oder man kann nicht damit leben, dann kauft man den Verbrenner. Take it or leave it.

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"So ähnlich, nur nicht so ein Extrembeispiel. Nehmen wir einen Nissan Leaf. Kostet ca. 35.000,- €."
Der Nissan Leaf beginnt bei 36.990,- €. Nur so zur Info.

Und für den Preis bekomm ich nicht einfach einen gut ausgestatteten Golf sondern einen mit Vollausstattung und maximaler Motorisierung. Bei den Ausstattungsvarianten die VW selbst vorschlägt ist die teuerste bei 30.850,- €
http://www.volkswagen.de/...
Und da erhält man 253 PS und nicht 109 PS. Klar ist Leistung nicht alles. Wenn ich aber ein Golf mit Vergleichbarer Leistung wähle und Serienausstattung (wie beim Leaf) bin ich ohne Probleme 10.000 - 15.000 € günstiger.

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"9 l/100 km Benzin auf 150.000 km bei 1,75 €/l = 23675,- €
16 kWh / 100 km Strom auf 150.000 km bei 0,30 €/kWh = 7200,- €"

Ich finde interessant wie sie sich das schön rechnen. Der Nissan leaf hat laut Herstellerangaben einen Verbrauch von 17,3 kwh und eine C-Klasse (C 200 mit Benziner) einen Verbrauch von 6,6-7l. Die C-Klasse ist mit Serienausstattung nebenbei immer noch 2.000 € günstiger als der Nissan.
Als Diesel sinkt der Verbrauch auf unter 5l.

Im Vergleich zum Golf wird der Unterschied deutlicher. Einen von der Leistung und Ausstattung vergleichbaren Golf bekommt man für ca. 22.000 €. Bei einem Verbrauch von ca. 6,4 l Benzin landen wir in ihrer Berechnung bei einem Kostenunterschied im Verbrauch von ca. 9.000 €. In Summe kostet sie der Nissan also 6.000 € mehr. Wenn man das über die Nutzungsdauer aufzinst (6 Jahre, 5 % Zinsen) ist der Kostenunterschied sogar 8.000 €

Dabei reden wir hier noch von vergleichsweise teuren Herstellern. Bei Skoda gibts das ganze noch weit billiger.

.(1).

Ich habe Ihnen ja gesagt, dass ich hier keine genaue Durchrechnung mache, sondern nur die Größenordnung abschätze. Schön gerechnet wird von mir hier gar nichts. Wenn Sie aber schon genau rechnen wollen, dann bringt es auch nix mit Herstellerangaben zu rechnen, die für die Praxis nichts taugen. Und wenn ich von ca. 35.000 € spreche, dann sind da 36990,- € in der Spanne inkludiert, das ist doch wohl klar.

Hier noch ein paar Daten:

Flottenverbrauch C 200 Benziner: ca. 9 l/100 km http://www.spritmonitor.d...

Leaf, der Einzige, der in der Datenbank ist: 16 kWh/100 km

http://www.spritmonitor.d...

Flottenschnitt E-Autos, wegen des MiEV sehr niedrig mit 14 kWh/100km:

http://www.spritmonitor.d...

Ich habe das vorher nur geschätzt und genauer kann man ja wohl nicht treffen, wenn ich das nun im Nachhinein so nachsehe.

Einen 122 PS Golf habe ich mal kurz durchkonfiguriert und bin irgendwo bei 34.000,- € und ein paar Zerquetschte gelandet. Und da geht noch mehr rein, wenn man will. Und selbst wenn es dafür auch einen Golf mit 253 PS gibt, dann heißt das noch lange nicht, dass das jeden interessieren muß. Für einen E-Auto Interessenten wird die maximale Nennleistung wohl das allerletzte Kriterium sein, nach welchem er sein Auto auswählt.

.(2).

Und um es nochmal deutlich zu machen: Viele Leute interessiert es nicht die Bohne, ob so ein Auto nun ein paar tausend Euro teurer ist oder nicht.

Wer sich kein E-Auto Neuwagen leisten kann, der kann immer noch einen kleinen Verbrenner in Minimalversion oder einen Gebrauchtwagen kaufen oder gleich Bus und Bahn fahren. Darum geht es hier aber nicht.

Wie dem auch sei: Die Straßen sind knackevoll von Autos deren Neupreis >= demjenigen des Leaf oder eines vergleichbaren E-Autos ist. D.h. eine Umstellung scheitert nicht am Preis. Entweder man will ein E-Auto kaufen oder man will es nicht und läßt es folglich bleiben.

Eigentlich ziemlich einfach.

......

"Wenn Sie aber schon genau rechnen wollen, dann bringt es auch nix mit Herstellerangaben zu rechnen, die für die Praxis nichts taugen. "

Die Herstellerangaben sind aber die einzigen vergleichbaren. Nur die werden nach klaren Richtlinien erhoben. auch wenn die meist im Bereich Märchenstunde zu verorten sind, sind sie das zumindest bei allen Herstellern.

Der Spritmonitor ist nicht geeignet. Sie vergleichen dort nämlich nicht einfach nur die Fahrzeuge sondern auch das Fahrverhalten.
Klar ist aber das die meisten Käufer von E-Autos sehr umweltbewusst sind und dementsprechend auch fahren. Die meisten Käufer von C-Klassen fahren halt nicht umweltbewusst. Das sie auch noch den Wert eines einzigen Nissan Leaf nehmen und dem über 1.000 C-Klasse-Fahrzeuge gegenüber stellen spricht ja für sich.
Und dazu eine Frage: Warum sollte sich das Fahrverhalten eines C-Klasse-Besitzers ändern wenn er ein E-Auto fährt?

"Für einen E-Auto Interessenten wird die maximale Nennleistung wohl das allerletzte Kriterium sein, nach welchem er sein Auto auswählt."
Damit kommen aber die Besitzer von C-Klasse und Golf mit Vollausstattung aber nicht in Frage. Die achten nämlich auf die Nennleistung.