Der Börsengang von Facebook war vielleicht das größte Insidergeschäft in der Geschichte der Wall Street – nicht im streng juristischen Sinne, aber in fast jeder anderen Hinsicht.

Wie in anderen Fällen ist die Zahl der Akteure klein, und wie in anderen Fällen weist das Geld den Weg. Jim Breyer und seine Firma Accel Partners, ein Fonds, der in viele Dutzend Internetfirmen in den USA investiert hat, erlösten beim Börsengang mehr als zwei Milliarden Dollar. Bei Facebook waren sie fast von Anfang an dabei.

Peter Thiel, auch er einer der ersten Facebook-Investoren, bekam beim Börsengang zunächst 638 Millionen Dollar. Diese Woche wurde bekannt, dass er nach Ablauf einer Sperrfrist das Gros seiner übrigen Anteile für weitere 400 Millionen Dollar abgestoßen hat.

Als Nächster erzielte die US-Investmentbank Goldman Sachs , die vor zwei Jahren eingestiegen war, fast eine Milliarde Dollar. Auch Morgan Stanley und dessen Starbanker Michael Grimes haben als Betreuer des Börsengangs satt verdient.

Banker und Wagniskapitalgeber: Mit diesen Akteuren wird man im Rückblick das Ende der Internet-Euphorie an der Börse verbinden.

Was aber ist der Unterschied zwischen einem Facebook-Insider und einem illegalen Insider? Letzterer ist einer, der unzulässigerweise Informationen hat, an die nur Eingeweihte herankommen, und diesen Vorsprung nutzt, um mit Aktien zu handeln. Das ist nach quasi allen internationalen Börsenregeln verboten. Wer sich erwischen lässt, wird hart bestraft.

Die Facebook-Insider gingen anders zu Werke. Angefangen hat es mit der Privatplatzierung von Facebook-Anteilen. Auf Handelsplattformen wie SecondMarket und SharesPost, die in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen haben, konnten Kapitalgeber und Facebook-Angestellte erste Aktien losschlagen, ohne wie früher auf den eigentlichen Börsengang warten zu müssen. Die Aufsicht über diese Märkte ist entspannt, um nicht zu sagen lax.

Ein Schlaglicht darauf wirft ein Fall vom März dieses Jahres, als die Börsenaufsicht SEC den Betreiber von SharesPost und zwei Fondsverwalter unter anderem wegen des Verdachts auf fehlende Brokerlizenzen und Irreführung verklagte. Die Fonds hatten 70 Millionen Dollar eingesammelt und angeblich versprochen, auf Insiderplattformen Facebook-Anteile zu beschaffen. Für diese Plattformen gelten weder die strengen Offenlegungsrichtlinien noch die Verpflichtung, mit Warnhinweisen versehene Prospekte zu verteilen. Ein Fonds bestreitet die Vorwürfe noch. Die anderen Beteiligten haben sich verglichen.

In so einem Treibhaus entwickelten sich die ersten Facebook-Kurse, wobei die Käufer so gut wie keinen Einblick in das Unternehmen und kaum Anhaltspunkte für eine angemessene Bewertung erhielten. Zugleich stieg der auf Grundlage der Graumarkt-Geschäfte hochgerechnete Marktwert von Facebook im Jahr 2010 rasend schnell von 30 Milliarden auf mehr als 60 Milliarden Dollar.