Grün ist teuer, lautet das Vorurteil. Doch Tatsache ist: Mehr grüner Strom wirkt sich kaum auf die Kosten der Stromerzeugung aus. Und »kaum« lässt sich auch beziffern. Die Energietechnische Gesellschaft im Verband der Elektrotechnik (VDE) hat es gerade getan. Sie orientiert sich an dem Ziel der Bundesregierung, dass im Jahr 2050 vier Fünftel des Stromes aus erneuerbaren Quellen kommen sollen.

Ergebnis: Die Erzeugungskosten pro Kilowattstunde müssen nur um 0,6 Cent steigen. Das sind nicht einmal zehn Prozent mehr als heute.

Im Jahr 2010, also vor der Reaktorkatastrophe von Fukushima und vor dem Beschluss des deutschen Parlaments, den Atomausstieg zu beschleunigen, steuerten die Erneuerbaren knapp 17 Prozent zur Stromerzeugung bei, Kohle und Kernenergie aber rund 65 Prozent. Mit diesem Kraftwerkspark Strom zu erzeugen kostete 7,8 Cent pro Kilowattstunde. Ein Drittel davon waren Brennstoffkosten, zwei Drittel die jährlich notwendigen Investitionen, um den Kraftwerkspark zu erhalten. Der Börsenpreis deckte die vollen Kosten nicht.

Hielte man an der alten Technik fest, dann würde Strom bei steigenden Brennstoffpreisen noch teurer werden. Im Vergleich dazu wird die Stromerzeugung billiger, je grüner sie ist. Denn Sonne und Wind gibt es kostenlos, die Brennstoffkosten sind also gleich null.

Im VDE-Szenario ändern sich die Höhe und die Zusammensetzung der Investitionen schon bei einem Anteil der Erneuerbaren von 40 Prozent. Da die besonders kapitalintensive Kernenergie wegfällt, sinken die Investitionskosten per saldo etwas, während die Beschaffung von Brennstoffen für die nach wie vor dominierende konventionelle Stromerzeugung teurer wird. Unterm Strich steigen die Kosten der Stromerzeugung zwar – aber eben nur um 0,1 Cent auf 7,9 Cent pro Kilowattstunde. Und ist man dann bei einem Anteil von 80 Prozent grünem Strom, belaufen sich die Kosten nach derselben Logik auf 8,4 Cent pro Kilowattstunde – per saldo sind die Stromerzeugungskosten also auch dann kaum höher als heute.

Welche Annahmen stecken in dieser Rechnung? Laut VDE werden Windparks oder Solarpaneele bei gleicher Leistung immer billiger, während Kohle- und Gaskraftwerke in etwa gleich teuer bleiben. Die Preise für die Brennstoffe Kohle und Gas dürften sich demnach langfristig verdoppeln. Mehr grünen Strom zu produzieren wäre damit eine Art Versicherung gegen den Kostenanstieg.

Und was ist mit den Kosten, die anfallen, um den unstet erzeugten grünen Strom zwischenzuspeichern? Tatsächlich braucht man Speicher, wenn die grüne Energie erst einmal große Anteile erreicht hat – laut VDE jenseits von 40 Prozent. Doch diese Kosten sind in der Schätzung bereits enthalten.

Und was ist mit den Kosten fürs Stromnetz, das für die Energiewende erneuert werden muss? Investitionen von rund 40 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren würden den Strom um rund 0,7 Cent pro Kilowattstunde verteuern – vorausgesetzt, die Kosten würden gleichmäßig auf alle Netznutzer umgelegt.

Selbst damit aber halten sich die Kostensteigerungen für die Stromerzeugung im engen Rahmen. Doch Vorsicht: Kosten sind nicht gleich Preis. Der bildet sich im Großhandel durch Angebot und Nachfrage. Hinzu kommen Abgaben, Steuern und Gebühren für die Nutzung des Netzes.