Grüne Energie : Lüge auf der Stromrechnung

Von wegen grüne Energie ist teuer. Die Politik ist schuld an hohen Preisen.

Er wird die Kanzlerin des Wortbruchs überführen, bald ist es so weit. Er wird dann eine Zahl nennen, und es wird eine andere sein, als die Kanzlerin versprach. »Rein mathematisch«, sagt er, sei die Sache längst klar. Bloß geht es bei dieser Sache nicht um Mathematik und irgendeine Zahl, sondern um das größte Vorhaben der Regierung. Und deswegen befindet er sich mitten in einem veritablen politischen Konflikt.

Denn er ist der Mann, der den Strompreis mitbestimmt.

Claus Hodurek, 53 Jahre, gelernter Elektroingenieur: Er berechnet den Aufschlag, den jeder Stromkunde in Deutschland für den Ausbau der erneuerbaren Energien bezahlen muss. Seitdem die schwarz-gelbe Bundesregierung den Atomausstieg beschloss, ist dieser Aufschlag zum Maßstab für bezahlbare Strompreise geworden – und damit für das Gelingen der Energiewende insgesamt. Als die Kanzlerin im Sommer 2011 vor dem Bundestag die Energiewende erklärte, sprach sie auch über den Aufschlag, die sogenannte EEG-Umlage. Merkel versicherte, dass diese Umlage nicht »über die heutige Größenordnung« steigen werde. Da lag sie bei 3,5 Cent.

Es sind nur noch sechs Wochen, dann wird Hodurek den neuen Aufschlag nennen. Eine konkrete Zahl kann er noch nicht beziffern, und selbst wenn er könnte, würde er es nicht tun. Aber realistisch ist eine Umlage zwischen 4,8 und 5,3 Cent. Das wären fast 50 Prozent mehr.

Claus Hodurek ist kein Mitglied der Regierung, kein Beamter des Verwaltungsapparats. Er arbeitet bei 50 Hertz, einem von vier Unternehmen, die für den Betrieb der Hochspannungsleitungen und die Berechnung der EEG-Umlage verantwortlich sind. Am 15. Oktober wird die neue Umlage feststehen, und auch wenn Hodurek und seine Kollegen so etwas nie sagen würden: Natürlich macht die Regierung Druck, den Anstieg so gering wie möglich zu halten.

Man könnte jetzt also die Geschichte von Claus Hodurek und der Kanzlerin erzählen, vom Mann der Zahlen und der Frau des Wortbruchs. Man könnte beschreiben, wie furchtbar teuer die Energiewende wird: wie sie die Industrie zu ruinieren droht und die Bürger in die Armut treibt – und das nur, weil in Deutschland immer mehr Strom aus Solarkraftwerken und Windparks kommen soll.

Aber das wäre eine verlogene Geschichte.

Denn es stimmt zwar, dass der Strompreis in Deutschland steigen wird – aber er steigt nicht in erster Linie wegen der Energiewende. Hinter dem Streit um die EEG-Umlage steckt mehr: Es ist ein Machtkampf zwischen den Befürwortern und Gegnern der Energiewende, zwischen neuen Anbietern und den etablierten Stromkonzernen. Ihnen und ihren Helfern geht es darum, die Energiewende zu verzögern, zu blockieren, umzukehren. Der Strompreis ist dabei nur Mittel zum Zweck.

Dies ist die Geschichte der Strompreislüge.

Man muss weit zurückgehen, um sie zu erzählen, bis ins Jahr 1988. Damals beschrieben Wissenschaftler im Auftrag der EU erstmals detailliert, dass der herkömmliche Strom aus Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken im Grunde viel zu günstig sei. Unberücksichtigt bliebe nämlich, was die Gesellschaft an Folgekosten zu tragen habe – etwa die Umweltverschmutzung durch die Abgase der Kraftwerke. Oder die Gefahr für die menschliche Gesundheit. Würde man diese Schäden auf den Preis draufschlagen, schrieben die Wissenschaftler, müsste herkömmlicher Strom fast ein Drittel teurer sein. »Die Energiekonsumenten von heute leben auf Kosten künftiger Generationen«, hieß es 1992 in einer Expertise des Prognos-Instituts für das Bundeswirtschaftsministerium.

Nimmt man die damaligen Berechnungen der Wissenschaftler zum Maßstab, wäre der Strom aus Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken heute rund sieben Cent teurer. Es gäbe kaum noch einen Unterschied zu Sonne, Wind oder Biogas.

Anstatt aber die herkömmliche Energie teurer zu machen, entschied sich die Politik damals, den grünen Strom zu fördern. Niemand wollte den etablierten Energiekonzernen am Zeug flicken. Deshalb schuf die schwarz-gelbe Koalition unter Helmut Kohl im Jahr 1990 das Stromeinspeisegesetz; die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder machte im Jahr 2000 daraus das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es räumt allen Grünstromerzeugern zwei Privilegien ein: erstens eine Absatzgarantie für ihren Strom – und zweitens den Anspruch auf einen festen, von den Stromverbrauchern zu zahlenden Cent-Betrag pro Kilowattstunde. Daraus entsteht dann die EEG-Umlage.

Es ist die Zahl, die Claus Hodurek berechnet.

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Kommentare

235 Kommentare Seite 1 von 27 Kommentieren

Da darf ich bitte einspringen.

Die Vergütung für den EE-Strom betrug 2011 zwischen 16 und 17 Mrd. Euro.
Das ist mehr als 2004 die gesamte konventionelle Stromerzeugung gekostet hat.
Renditen zwischen 8 und 18%, die in Anzeigen für PV und Windstrom versprochen werden kommen nicht von nichts.
Von diesen 17 Milliarden müssen die Bürger, um die Wirtschaft vor Wettbewerbsnachteilen zu schützen, ca. 6 Mrd. stemmen, obwohl sie nur gut ein Viertel des Stromes verbrauchen.
Bei 37 Millionen Haushalten sind das 162 Euro pro Haushalt und Jahr.
Der Durchschnittshaushalt hat 2,2 Personen. Und verbraucht gut 3800 Kwh. Das sind 74 Euro pro Person für das EEG.
Ein Vierpersonenhaushalt in einer Etagenwohnung wird von den Versorgern mit 4500 Kwh kalkuliert. Nicht mit 3500.
Und hat dementsprechend eine Belastung von 296 Euro im Jahr und nicht von 125, wie immer vorgelogen wird.
Gut, dass es das stat. Bundesamt gibt.

Toller Beitrag!

Da haben Sie aber schwer in den Diskussionsforen geräubert. So viele "Wahrheiten" - wohl eher Halbwahrheiten wie das Märchen von Sonne und Wind, die keine Rechnung schicken.

Kein Wort von negativen Strompreisen, Netzausbau und Kapazitätsmarkt. Soll der Artikel nur provozieren oder ist der wirklich ernst gemeint?

Typischer Zeit-Beitrag

Das ist eben ein typischer Beitrag, wie man ihn von ZO gewohnt ist. Eine sachliche Diskussionen ist mit 99% der Autoren hier nicht möglich, denn es passt nicht in die simplen Gut-Böse-Schemata, die die meisten Autoren hier pflegen, dass auch Menschen mit anderen Meinungen gute Gründe für ihre abweichenden Meinungen haben. Hier werden Andersdenkenden ja auch gleich Lobbyinteressen angeheftet, es wird ihnen unterstellt, es ginge gar nicht um ein besseres Management der Energiewenden sondern um ihre Beendigung etc.

Komischerweise haben natürlich die ganzen Unternehmen, die ihr Geld mit erneuerbaren Energien verdienen, nie finanzielle Interessen, denn das sind ja die Guten. Komischerweise werden immer die Folgekosten anderer Energieträger bemüht, aber niemand fragt nach den Kosten der Entsorgung von Solaranlagen. Und natürlich werden nur die Materialien für bewährte Energiequellen teurer, aber ausgerechnet die Ressourcen für Solar- und Windkraftanlagen sollen nicht steigen?

Dass man dann noch Krokodilstränen darüber weint, dass "die anderen" verkürzt und unsachlich argumentieren würden, ruft dann auch nur noch schallendes Gelächter hervor.

Konstrukte vs. Realität

"Kein Wort von negativen Strompreisen, Netzausbau und Kapazitätsmarkt. Soll der Artikel nur provozieren oder ist der wirklich ernst gemeint?"

Die Sorge, dass Deutschland den Umstieg von der Fossilen auf die Regenerative Energiegewinnung verschläft, treibt mich mehr um als die konstruierten Börsenkurse am Strommarkt. Zumal sehrwohl auf die Preisfindung zur EEG eingegangen wird.

"Komischerweise werden immer die Folgekosten anderer Energieträger bemüht, aber niemand fragt nach den Kosten der Entsorgung von Solaranlagen." Stefan Balker

Kein Problem, 90% der eingesetzten Rohstoffe können heute wiedergewonnen werden.
http://www.mugv.brandenbu...

"Und natürlich werden nur die Materialien für bewährte Energiequellen teurer, aber ausgerechnet die Ressourcen für Solar- und Windkraftanlagen sollen nicht steigen?" Stefan Balker

Nochmal: Öl, Kohle, Uran verbrauchen sich und sind nur in begrenzten Mengen vorhanden (Peak Öl bereits überschritten)
Silizium (Solarzellen) gibt es wie Sand am Meer ;) Fiberglas sollte auch nicht so schnell ausgehen.
Sonne und Wind werden uns ebenfalls noch ein paar Jahrmilliönchen begleiten (kostenlos!).

In einem muss ich dem Author absolut Recht geben: Wer seinen Standpunkt nur durch Erläuterung klar machen kann, wird immer gegen den verlieren, der nur ein Schlagwort braucht.

Verschleierungstaktiken

"Komischerweise haben natürlich die ganzen Unternehmen, die ihr Geld mit erneuerbaren Energien verdienen, nie finanzielle Interessen, denn das sind ja die Guten."

Ich glaube, niemand verlangt von einem Unternehmen, dass es keine finanziellen Interessen verfolgen sollte. Deswegen verwundert mich Ihr Kommentar. Aber da sie fragen, ja:

1. Solar- und Windkraftanlagen zu bauen ist ethisch sauberer als weiter Atommüll und CO2 zu produzieren.

2. Die, die mehr Strom verbrauchen, sollen auch entsprechend mehr bezahlen.

Manchmal ist es sinnvoll, sich der grundlegenden Axiome zu besinnen, anstatt die Menschen mit absurden Rechenspielen und Panikmache hinters Licht zu führen.

jeh nun

"Und natürlich werden nur die Materialien für bewährte Energiequellen teurer, aber ausgerechnet die Ressourcen für Solar- und Windkraftanlagen sollen nicht steigen?"

der stahl für windkraftanlage steigt genauso im preis wie der für fossilbrenner
die magneten für beide des gleichen
allein die fossilen co2 speicher machen den unterschied

das ganze kann man auch für pv durchdeklinieren
nur das deren grundstoffe etwas verfügbarer sind

Gut dass Sie das ansprechen

Die Entsorgungskosten von Solaranlagen sind gering und von einem Rücknahmesystem bereits gedeckt! Da könnten sie doch jetzt zufrieden sein?
Die Entsorgungskosten von Atommmüll, einstürzenden Kohlezechen und Wiederherstellung von Braunkohlegruben nicht annähernd!

Und richtig alle Unternehmen haben Interessen und deswegen würde ich auch nichts darauf geben was Solarworld zu sagen hat, sondern nur offizielle Statistiken und unabhängig gewonnene Informationen.

Also meine Energie kommt von den Guten.

Firma: EnBW, oberster Chef W. Kretschmann, in grüner (Ex?) Kommunist. Der würde doch nie zulassen, dass dieser Konzern
zum Monopokapitalprofitgierler mutiert.
Den Privatstrom bekomme ich von der EV-Offenbach. Eine ausgespochene Sozi-Stadt.

Wieso ist dann der Strom genauso teuer wie von den Manchesterkapital-Profitmaximier-Wendeblockierern?
Das müsste mir mal einer der Blogger auf leicht fassliche Art erklären. Oder einer der Redagdöre?

Danke!

Danke, denn man kann die Aussagen zur ungerechten Preisgestaltung über die Strompreise ernst nehmen.
Ich bin lange davon ausgegangen, dass man in der "Zeit" sachlich Argumente austauschen kann. Deswegen erschreckt mich das niedrige Niveau der Leute, die sich hier zu Wort melden, um den Autoren dieses fundierten, kritischen Artikels über die Gestaltung der Strompreise zu schmähen.

Es gibt bereits die Lösung all dieser Probleme aus Papenburg(!):

diese will aber keiner, nur die Saudis... komisch warum wohl???

Siehe hier:

http://www.egm-internatio...

besonders Seite 28 (30), Kapitel 7, 2. Absatz:

"Thus the production of fuels from water and CO2, as it is already running at EGM on a laboratory scale,
environmentally certainly a better alternative. Also, the incorporation of CO2 in water used as fertilizer,
as it has been tested by EGM, can help to improve the humus layer and the water holding capacity of
soils sustainably, and so make a really constructive contribution to climate stabilization."

Daraus folgt: Es ist technisch heute bereits möglich Wasser mit CO2 zu verwirbeln, dass daraus ein neuer Stoff mit neuen Eigenschaften wird, der als neuer, effizienter und 100% umweltfreundlicher Brennstoff taugt. Dies ist bei der vorliegenden Technik auch im Industriemaßstab möglich.

Jedoch: Die Saudis nutzen dies jetzt und können so langfristig weiter ihr Öl teuer verkaufen in den sie es in nicht all zu ferner Zukunft strecken.

Nur:
Die Deutschen wissen von nichts.
Die Bundesregierung weiß davon verhindert aber die Technik.
Die deutsche Energie-Industrie sind Raffzähne und wollen nicht teilen.

Und Die Zeit kennt die Technik auch nicht bzw. will diese auch nicht unterstützen. Dabei wird sie bereits in Malaysia industriell, allerdings leider mit der Zugabe von Öl, verwendet: http://www.youtube.com/wa...

dort ist auch dies zu finden:

"Gutachten

Die Wirbelwandlertechnologie war Gegenstand mehrerer Gutachten und Stellungnahmen.

Dirk Freese von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus erstellte ein Gutachten. Freese ist gleichzeitig (wie auch Konstantin Meyl) als wissenschaftlicher Berater ("Scientific Advisors") für die EGM-International tätig. Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus machte Messungen mit der "Wirbelwandler-Technologie" und bescheinigte der Firma die Richtigkeit ihrer Angaben. Allerdings kann die Hochschule die Wirkungsweise des Verfahrens nicht erklären.
Die Universität der Vereinigten Arabischen Emirate in Abu Dhabi erstellte ebenfalls ein Gutachten.
Messbericht der Ingenieurgesellschaft Zech aus Lingen. Nach Angaben der Ingenieurgesellschaft Zech lasse sich mit dem Wirbelwandlerverfahren Rapsöl mit Wasser im Verhältnis 1:3 mischen. Die Ingenieure schlussfolgern auf Seite 33 ihres Berichts: ..Die Ergebnisse dieser Versuche sind nach physikalischen und chemischen Grundsätzen von uns nicht erklärbar"..[12]

Read more: http://psiram.com/ge/inde..."

Es gibt also drei Nachweise, dass die Technik funktioniert. Weil es theoretisch aktuell nur eingeschränkt erklärbar ist, sind die Messungen falsch und das praktisch Geschehene auch falsch? Also ist es schlecht und herkömmlicher Kohle- und Atomstrom besser und viel sauberer. Aha.

Oft behauptet, trotzdem gibt es bereits logische Gegenargumente

"Glaubt man den Behauptungen der Firma EGM international, würde es dabei jedoch zu einem Verstoß gegen den allgemein in der Physik anerkannten Energieerhaltungssatz kommen.

Read more: http://psiram.com/ge/inde..."

die Gegenargumente werden im genannten Gutachten ( http://www.egm-internatio... )bereits genannt und zeigen warum die Technik auch physiktheoretisch möglich ist. Gerade dieses Gutachten geht auf die Argumente der Energieerhaltung ein und zeigt Argumente warum der Wirbelwandler dies einhält ... aber ist ja auch egal, Baggern wir lieber noch ein bisschen Landschaft im Osten für Braunkohle ab, verpressen CO2 in die Böden (als Abfall, statt als Rohstoff) und machen noch lieber ein bisschen Atommüll, an den Polen sind ja auch noch ein paar Rohstoffe, schon klar ...