Der erstaunlichste Effekt des grünen Stroms bleibt den Bürgern verborgen: Die aus Sonne, Wind und Wasser erzeugten Kilowattstunden sorgen an der Strombörse für niedrigere Preise. Gäbe es die Erneuerbaren nicht, würde jede Kilowattstunde rund einen halben Cent mehr kosten.

Dafür sorgt die Mechanik der Preisbildung am Strommarkt. Sie folgt der simplen Maxime, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Die Kraftwerke werden deshalb in einer bestimmten Reihenfolge ans Netz geschaltet: die billigsten zuerst, die teuersten zum Schluss. Die letzte nachgefragte Kilowattstunde entstammt immer dem teuersten Kraftwerk. Dessen Kosten bestimmen den Börsenpreis.

Aber was sind hier überhaupt Kosten? In der Logik des Marktes zählen nur die Ausgaben für Brennstoffe und für die Rechte zum Ausstoß von Klimagas (die Emissionszertifikate). Im Gegensatz zur Bedienung von Schulden, die man für den Bau des Kraftwerks gemacht hat, sind diese Kosten variabel und nur von der Produktionsmenge abhängig. Sie sind es, die der Erlös des Stromverkaufs unbedingt decken muss, sonst wird kein Strom produziert. Auf die Deckung der anderen Kosten können Kraftwerksbetreiber verzichten, jedenfalls vorübergehend. Zinsen für geliehenes Geld müssen sie so oder so zahlen, ob sie Strom produzieren oder nicht.

Darin liegt der Grund für den Börseneffekt der grünen Energie: Ihre Erzeugung ist zwar insgesamt deutlich teurer als die Stromproduktion in Gas- oder Kohlekraftwerken; das liegt aber ausschließlich an den hohen Kosten für den Bau neuer Solaranlagen oder Windparks. Sind diese jedoch erst einmal errichtet, dann produzieren sie Strom fast zum Nulltarif. Die Sonne schickt eben tatsächlich keine Rechnung.

Weil die variablen Kosten der Stromerzeugung durch Wind- und Solarkraftwerke so niedrig sind, wird die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke verändert. Billiger grüner Strom verdrängt teureren Strom aus Gas- oder Kohlekraftwerken.

Dieser Effekt macht Forschern zufolge rund 0,5 Cent pro Kilowattstunde aus. Entsprechend wächst der Abstand des Börsenpreises zum staatlich garantierten Einspeisepreis der Erneuerbaren. Konsequenz: Die sogenannte EEG-Umlage steigt.