Grüne EnergieLüge auf der Stromrechnung

Von wegen grüne Energie ist teuer. Die Politik ist schuld an hohen Preisen. von , und

Er wird die Kanzlerin des Wortbruchs überführen, bald ist es so weit. Er wird dann eine Zahl nennen, und es wird eine andere sein, als die Kanzlerin versprach. »Rein mathematisch«, sagt er, sei die Sache längst klar. Bloß geht es bei dieser Sache nicht um Mathematik und irgendeine Zahl, sondern um das größte Vorhaben der Regierung. Und deswegen befindet er sich mitten in einem veritablen politischen Konflikt.

Denn er ist der Mann, der den Strompreis mitbestimmt.

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Claus Hodurek, 53 Jahre, gelernter Elektroingenieur: Er berechnet den Aufschlag, den jeder Stromkunde in Deutschland für den Ausbau der erneuerbaren Energien bezahlen muss. Seitdem die schwarz-gelbe Bundesregierung den Atomausstieg beschloss, ist dieser Aufschlag zum Maßstab für bezahlbare Strompreise geworden – und damit für das Gelingen der Energiewende insgesamt. Als die Kanzlerin im Sommer 2011 vor dem Bundestag die Energiewende erklärte, sprach sie auch über den Aufschlag, die sogenannte EEG-Umlage. Merkel versicherte, dass diese Umlage nicht »über die heutige Größenordnung« steigen werde. Da lag sie bei 3,5 Cent.

Es sind nur noch sechs Wochen, dann wird Hodurek den neuen Aufschlag nennen. Eine konkrete Zahl kann er noch nicht beziffern, und selbst wenn er könnte, würde er es nicht tun. Aber realistisch ist eine Umlage zwischen 4,8 und 5,3 Cent. Das wären fast 50 Prozent mehr.

Claus Hodurek ist kein Mitglied der Regierung, kein Beamter des Verwaltungsapparats. Er arbeitet bei 50 Hertz, einem von vier Unternehmen, die für den Betrieb der Hochspannungsleitungen und die Berechnung der EEG-Umlage verantwortlich sind. Am 15. Oktober wird die neue Umlage feststehen, und auch wenn Hodurek und seine Kollegen so etwas nie sagen würden: Natürlich macht die Regierung Druck, den Anstieg so gering wie möglich zu halten.

Man könnte jetzt also die Geschichte von Claus Hodurek und der Kanzlerin erzählen, vom Mann der Zahlen und der Frau des Wortbruchs. Man könnte beschreiben, wie furchtbar teuer die Energiewende wird: wie sie die Industrie zu ruinieren droht und die Bürger in die Armut treibt – und das nur, weil in Deutschland immer mehr Strom aus Solarkraftwerken und Windparks kommen soll.

Aber das wäre eine verlogene Geschichte.

Denn es stimmt zwar, dass der Strompreis in Deutschland steigen wird – aber er steigt nicht in erster Linie wegen der Energiewende. Hinter dem Streit um die EEG-Umlage steckt mehr: Es ist ein Machtkampf zwischen den Befürwortern und Gegnern der Energiewende, zwischen neuen Anbietern und den etablierten Stromkonzernen. Ihnen und ihren Helfern geht es darum, die Energiewende zu verzögern, zu blockieren, umzukehren. Der Strompreis ist dabei nur Mittel zum Zweck.

Dies ist die Geschichte der Strompreislüge.

Man muss weit zurückgehen, um sie zu erzählen, bis ins Jahr 1988. Damals beschrieben Wissenschaftler im Auftrag der EU erstmals detailliert, dass der herkömmliche Strom aus Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken im Grunde viel zu günstig sei. Unberücksichtigt bliebe nämlich, was die Gesellschaft an Folgekosten zu tragen habe – etwa die Umweltverschmutzung durch die Abgase der Kraftwerke. Oder die Gefahr für die menschliche Gesundheit. Würde man diese Schäden auf den Preis draufschlagen, schrieben die Wissenschaftler, müsste herkömmlicher Strom fast ein Drittel teurer sein. »Die Energiekonsumenten von heute leben auf Kosten künftiger Generationen«, hieß es 1992 in einer Expertise des Prognos-Instituts für das Bundeswirtschaftsministerium.

Nimmt man die damaligen Berechnungen der Wissenschaftler zum Maßstab, wäre der Strom aus Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken heute rund sieben Cent teurer. Es gäbe kaum noch einen Unterschied zu Sonne, Wind oder Biogas.

Anstatt aber die herkömmliche Energie teurer zu machen, entschied sich die Politik damals, den grünen Strom zu fördern. Niemand wollte den etablierten Energiekonzernen am Zeug flicken. Deshalb schuf die schwarz-gelbe Koalition unter Helmut Kohl im Jahr 1990 das Stromeinspeisegesetz; die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder machte im Jahr 2000 daraus das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es räumt allen Grünstromerzeugern zwei Privilegien ein: erstens eine Absatzgarantie für ihren Strom – und zweitens den Anspruch auf einen festen, von den Stromverbrauchern zu zahlenden Cent-Betrag pro Kilowattstunde. Daraus entsteht dann die EEG-Umlage.

Es ist die Zahl, die Claus Hodurek berechnet.

Der Mann, der den künftigen Strompreis kalkuliert, ist kompakt, trägt Karohemd und baut in seine Sätze gern Kalenderweisheiten ein. Ende September wird Hodurek mit seiner Zahl im Gepäck nach Bonn reisen. Dort, im Gebäude der Bundesnetzagentur, werden er und seine Kollegen von den anderen Netzbetreibern zwei Tage lang mit Vertretern des Umweltministeriums die endgültige Höhe des Preisaufschlags besprechen und festlegen.

Im Kern geht es bei Hodureks Arbeit darum, eine Prognose darüber abzugeben, wie viel Strom in den kommenden zwölf Monaten aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden wird. Denn das ist das Konstruktionsprinzip der EEG-Umlage: Für jede Kilowattstunde des grünen Stroms garantiert der Staat den Herstellern mehr Geld, als der Verkauf dieser Kilowattstunde an der Strombörse bringt. Diese Differenz zwischen Börsenpreis und Garantiepreis wird durch die EEG-Umlage aufgefüllt.

Es ist paradox: Weil der Ausbau der erneuerbaren Energien den Börsenpreis des Stroms sinken lässt, muss die EEG-Umlage steigen, je mehr grünen Strom es gibt. Wenn man so will, sind die erneuerbaren Energien ein Opfer des eigenen Erfolgs.

Wenn aber der Strompreis an der Börse sinkt: Warum haben die Verbraucher dann nichts davon? Rein rechnerisch müssten sie doch weniger zahlen, – schließlich sinkt der Börsenpreis stärker, als die Umlage steigt. Rund 13,5 Milliarden Euro betrug das Gesamtaufkommen der EEG-Umlage im vergangenen Jahr. Das Problem: Nicht alle mussten sich gleichmäßig daran beteiligen, der Staat ließ vor allem für große Industrieunternehmen zahlreiche Ausnahmen zu. Doch was die Privilegierten nicht zahlen, müssen die anderen mitbezahlen – kleinere Unternehmen und alle privaten Haushalte. Deswegen steigt der Strompreis für die Bürger überproportional stark.

Das ist die Ungerechtigkeit, gegen die Bernd Drechsel jetzt klagt.

Am Anfang von Drechsels Betrieb steht ein Dampfkessel, den sich sein Großvater lieh, 62 Jahre ist das her. Der Großvater färbte Teppichgarne. Heute leitet der Enkel die Textilveredlung im oberfränkischen Selb. Fast 140 Mitarbeiter beschäftigt er. In den vergangenen Jahren hat Bernd Drechsel in neue Anlagen investiert, er hat den Betrieb leistungsfähiger und zugleich energieeffizienter gemacht. »Umweltbezogene Aspekte«, schrieb er in seine Firmenrichtlinien, »sind in die Entscheidungs- und Handlungsstruktur unseres gesamten Managementsystems integriert.« Doch ausgerechnet diese Umweltfreundlichkeit kommt Drechsel teuer zu stehen. Denn er zahlt die EEG-Umlage, von der andere, schmutziger produzierende Betriebe befreit sind.

Damit Betriebe aus energieintensiven Branchen wie Chemie und Stahl am Standort Deutschland bleiben, werden sie von der EEG-Umlage nahezu freigestellt oder müssen nur einen ermäßigten Satz abführen. Entscheidend ist die Höhe des Stromverbrauchs (von 2013 an mindestens ein Gigawattstunden pro Jahr) sowie der Anteil der Stromkosten an der Bruttowertschöpfung (mindestens 14 Prozent). Im vergangenen Jahr haben knapp 600 Unternehmen – die zusammen fast 20 Prozent des Stromverbrauchs ausmachen – davon profitiert. Der Wert dieser Vergünstigungen: mehr als zwei Milliarden Euro. »Die Großindustrie kann massiv vom niedrigen Börsenpreis für Strom profitieren«, sagt Klaus Müller, der Chef der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. »Börsenstrom ist heute deutlich günstiger als noch vor einem Jahr.«

121.000 Euro hat Textilunternehmer Drechsel nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr an EEG-Umlage gezahlt. Ähnlich viel gab er fürs Energiesparen aus – für effizientere Maschinenantriebe und bessere Lampen. Was Drechsel dadurch an Stromkosten einsparte, musste er für die Umlage wieder ausgeben. Das findet er absurd. Noch absurder findet Drechsel: Hätte er nicht in effizientere, umweltfreundlichere Anlagen investiert, würde sein Betrieb wahrscheinlich als »energieintensiv« gelten – und müsste viel weniger Umlage zahlen. Deswegen hat Drechsel seinen Stromlieferanten jetzt auf Rückzahlung der Umlage verklagt. »Ich kann nicht abhauen und den Standort ins Ausland verlagern, meine Kunden sitzen vor allem hier in der Region, und wir sind Teil der hiesigen Wertschöpfungskette«, sagt er. Bernd Drechsel ist nicht gegen die Energiewende. Er will nur Gerechtigkeit.

»Alle Unternehmen und Verbraucher, die es könnten, sollten auch die EEG-Umlage zahlen«, fordert Jochen Flasbarth, der Chef des Umweltbundesamtes (UBA). »Dann würden die Kosten auf mehr Schultern verteilt, und die Umlage würde sinken.«

Die Realität sieht anders aus. Bernd Drechsel erzählt von einem Unternehmer aus Oberfranken, der in den freien Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr die Maschinen nonstop habe laufen lassen, um den Stromverbrauch nach oben zu treiben – und auf diese Weise noch in den Genuss der EEG-Privilegien zu kommen. Man erzählt sich viele solcher Geschichten in Unternehmerkreisen. Denn auch das ist absurd: Um den Zuschlag zu umgehen, mit dem der Ausbau umweltfreundlichen Stroms finanziert wird, lassen Firmen ihre Maschinen länger laufen als notwendig – und schädigen damit die Umwelt.

Es ist nicht so, dass man Geschichten wie diese in Berlin nicht kennen würde. Warum verschont die Politik die großen Industrieunternehmen, während sie den Privathaushalten zusätzliche Kosten aufbürdet? Warum akzeptiert man die Konstruktionsfehler der EEG-Umlage? Und wenn der herkömmliche Strom aus Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken eigentlich zu billig ist: Müsste dann nicht dieser Strom teurer werden, statt grünen Strom teuer zu fördern?

Auch Thomas Bareiß kennt diese Fragen. Er ist der energiepolitische Koordinator der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und weil man kritische Fragen besser beantwortet, bevor zu viele sie stellen, schrieb er seinen Fraktionskollegen Ende Juli einen mahnenden Brief. »Die politische Auseinandersetzung zum Thema Strompreise verschärft sich zunehmend«, schrieb Bareiß. »Dabei spielen die Ausnahmetatbestände deutscher Unternehmen von den Stromkosten und der EEG-Umlage eine zentrale Rolle.«

Bareiß, 37, ist einer der unionsinternen Kritiker der Energiewende. Er gehört zu den wenigen Abgeordneten, die sich überhaupt noch kritisch über die Kanzlerin äußern. Sein Wort hat bei den Unzufriedenen Gewicht. Zwei Wochen nach der Atomkatastrophe von Fukushima sagte er im Bundestag, der Betrieb der deutschen Kernkraftwerke sei »nach wie vor verantwortbar«. Bareiß stammt aus dem Südwesten Deutschlands, sein Wahlkreis ist landwirtschaftlich geprägt, dazu kommen viele mittelständische Industriebetriebe. Und so warnte er in seinem Brief an die Fraktionskollegen, die Ausnahmen für die Industrie seien »unverzichtbar«.

Oft, sehr oft kommt der Hinweis auf Wettbewerbsnachteile der Unternehmen. Doch energieintensive Betriebe stehen nicht automatisch in scharfer Konkurrenz mit dem Ausland. Schon 1992 hieß es in der Prognos-Expertise für das Bundeswirtschaftsministerium, der ständige Hinweis auf Wettbewerbsnachteile für die heimischen Grundstoffindustrien solle »nicht überstrapaziert werden«. In einer aktuellen Untersuchung für das Bundesfinanzministerium steht, Firmen müssten »trotz höherer Energiepreise nicht an Absatz einbüßen«. Es sei sogar beobachtet worden, dass zusätzliche Investitionen getätigt wurden, »gerade in Regionen mit hohen Energiepreisen«.

UBA-Chef Flasbarth fordert deshalb, nur noch solche Unternehmen bei der EEG-Umlage zu privilegieren, »die andernfalls gravierende Nachteile im internationalen Wettbewerb hätten«. Der deutsche Gesetzgeber aber hat sich anders entschieden: hohe Energiekosten, hoher Wettbewerbsdruck – so einfach soll das sein.

Und so erweist sich die Geschichte vom teuren grünen Strom nach und nach als Lüge. Denn es ist vor allem die Politik, die ihn teurer macht.

Johannes van Bergen ist eine elegante Erscheinung, große Nase, perfekter Scheitel, das Grau der Haare nur eine Nuance heller als der Zweireiher, den er trägt. Ein Mann, der dem biederen Ambiente der Stadtwerke Schwäbisch Hall unternehmerische Grandezza verleiht. »Nichts macht erfolgreicher als Erfolg«, sagt van Bergen über van Bergen. Seit 22 Jahren ist er Geschäftsführer der Stadtwerke, sein Name ist in der deutschen Energiewirtschaft ein Begriff: Van Bergen war Präsident des Bundesverbands Kraft-Wärme-Kopplung, er hat an einem energiepolitischen Eckpunktepapier für die Große Koalition unter Angela Merkel mitgeschrieben. Als Gerhard Schröder regierte, nannte er den Kanzler öffentlich einen Spinner. Schröder hatte van Bergens Branche damals die Zukunft abgesprochen: Die Stadtwerke würden verschwinden, stattdessen werde es nur noch wenige große Player geben.

Schröders Kanzlerschaft ist längst Vergangenheit, die deutschen Stadtwerke sind es nicht. 1.400 existieren bundesweit, ihre Geschäfte laufen meist bestens, so wie in Schwäbisch Hall. Van Bergen hat seinen Laden konsequent auf Wachstum getrimmt, er hat die Mitarbeiterzahl verfünffacht, die Beteiligungen erweitert und den Erlös gesteigert. Doch nun ist der Mann, der jahrelang investierte, zum Bremser geworden. In Sindelfingen hatten die Stadtwerke den Bau eines Gaskraftwerks geplant, 750 Millionen Euro Investitionssumme. Dieses Vorhaben hat van Bergen gestoppt.

Man könnte diesen Mann für einen Hardliner halten, für einen Gegner der Energiewende. Denn trotz des Ausbaus der Erneuerbaren wird Deutschland auch künftig Gaskraftwerke brauchen – sie liefern den Strom, wenn keine Sonne scheint oder der Wind nicht bläst. Was wäre also einfacher, als die Energiewende zu torpedieren, indem man den Bau solcher Kraftwerke blockiert?

Doch Johannes van Bergen ist kein Hardliner. Er kalkuliert nur hart. Und ein neues Kraftwerk zu bauen, rechnet sich für ihn derzeit nicht.

Van Bergens Baustopp führt zu einer grundsätzlichen Frage der Energiewende: wie teuer der Ausbau der grünen Stromerzeugung wirklich ist. Die Gegner der Wende sagen, der Strom werde auch deshalb teurer, weil jedes neue Windrad, jede neue Solaranlage so viel koste. Das stimmt – wenn man die Kosten für diese neuen Anlagen mit den alten, fossilen Kraftwerken vergleicht, die in der Ära der Energiemonopole geplant und gebaut wurden, die schon lange laufen und betriebswirtschaftlich abgeschrieben sind. Wie falsch das Argument von den teuren Solaranlagen und Windparks ist, offenbart sich, wenn man die Kosten von neuen Kraftwerken miteinander vergleicht. Da erweist sich auf einmal auch ein neues Gaskraftwerk als ziemlich teuer. So teuer, dass Johannes van Bergen den Bau ökonomisch nicht verantworten mag: Denn was er durch den Verkauf von Strom einnehmen könnte, würde die Kosten der Stromerzeugung nicht decken. Er wisse von »mindestens 20 Gaskraftwerken«, die fertig geplant seien, deren Bau sich aber nicht lohnen würde, sagt van Bergen.

Man könnte die Geschichte vom steigenden Strompreis also auch ganz anders erzählen. Man könnte erzählen, dass der Börsenpreis für Strom inzwischen so günstig ist, dass ausgerechnet im Industrieland Deutschland zu wenig neue Kraftwerke gebaut werden – was in wenigen Jahren zu ernsthaften Ausfällen führen könnte. Man könnte beschreiben, wie sinnvoll es ist, beim Kraftwerksneubau auf grünen Strom zu setzen, denn Sonne und Wind gibt es kostenlos – im Gegensatz zu Kohle, Gas oder Uran. Rund 20 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms stammten zuletzt aus erneuerbaren Energiequellen. Bis 2020 sollen es 35 Prozent sein. Man könnte also die große wirtschaftliche Chance der Energiewende benennen: Deutschland wird unabhängiger von fossilen Brennstoffen, die bald immer teurer werden.

Bloß erzählt die Geschichte kaum jemand so. Stattdessen wird Angst geschürt: vor der Überforderung des Landes. Und davor, dass Energie unbezahlbar wird. Kein Wort davon, dass die steigende EEG-Umlage die Stromrechnung für einen Dreipersonenhaushalt im kommenden Jahr um kaum mehr als fünf Euro pro Monat verteuert – inklusive Mehrwertsteuer.

»Die Bezahlbarkeit von Strom hat oberste Priorität«, sagt Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). »Auch soziale Gerechtigkeit ist wichtig. Deshalb dürfen wir mit den Energiekosten nicht leichtfertig umgehen«, warnt CDU-Fraktionschef Volker Kauder. »Die Energiewende kostet Geld, und zwar mehr, als die meisten gedacht haben«, meint CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs. Seitdem die Bundesregierung den beschleunigten Atomausstieg beschloss, macht ein Wort Karriere: »Energiearmut«. Vor Kurzem zeigten die Tagesthemen in einem Bericht eine junge Mutter, auf dem einen Arm das Baby, in der anderen Hand die Stromrechnung. »Keine Energie fürs Babyfläschchen«, raunte eine Stimme aus dem Off. Die »neue Energiearmut« sei eine »Folge der Energiewende«.

Tatsächlich können manche Menschen ihre Strom- und Gasrechnung nicht mehr bezahlen. Nach Schätzung der Verbraucherzentralen sind es deutschlandweit rund 600.000 Haushalte. Allerdings ist Stromarmut kein neues Phänomen. Bereits 2008, lange vor der schwarz-gelben Energiewende, veröffentlichten die Verbraucherschützer ein Eckpunktepapier zur Stromrechnung einkommensschwacher Haushalte. Sie empfahlen »ein Maßnahmepaket aus finanzieller Förderung, Stärkung der Verbraucherrechte und Anreizen zur Energieeffizienz«. Die Regierung reagierte darauf ziemlich desinteressiert.

In gewisser Weise ist die Geschichte von der Strompreislüge auch ein Lehrstück darüber, wie es so zugeht in der Politik. Leicht hat es, wessen Botschaft in eine Zeitungsschlagzeile passt – und das Wort von der Energiearmut ist besonders schlagzeilentauglich. Wer aber argumentieren, erklären, einordnen muss, der hat meist schon verloren.

Peter Altmaier verliert nicht gern, und deswegen ist der neue Umweltminister gleich nach seinem Amtsantritt in die Offensive gegangen. Er selbst hat davon gesprochen, dass der Strom demnächst teurer werde. Dass der 15. Oktober der »Tag der Wahrheit« sei. Altmaier wollte das Problem möglichst großreden, er wollte Glaubwürdigkeit gewinnen und auf keinen Fall derjenige sein, der die Erwartungen enttäuscht. Man kennt das aus seiner Zeit als Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Auch da beschrieb Altmaier eine Sache gern möglichst problembeladen – um hinterher mit einer Lösung zu überraschen.

Nur: Dieses Mal hat er vermutlich keine.

Das erwies sich bereits vor wenigen Tagen. Am 28. August trafen sich die Spitzenfunktionäre von Gewerkschaften, Industrie- und Arbeitgeberverbänden im Kanzleramt, um über die Energiewende zu reden. Ursprünglich war das Treffen geplant, um die Kommunikation »konstruktiver« werden zu lassen, wie Angela Merkel im kleinen Kreis gesagt haben soll. Später war nur noch vom »Strompreisgipfel« die Rede. Herauskommen ist dabei nichts.

Da sind zum einen die Interessen der etablierten Stromkonzerne RWE, E.on, EnBW und Vattenfall. Die Energiewende ist auch ein Angriff auf ihr bisheriges Geschäftsmodell, auf ihre Alleinherrschaft bei der Stromerzeugung. Wenn jeder Bürger ein Windrad oder eine Solaranlage aufstellen kann, dann können plötzlich sehr viele den großen vier ins Geschäft pfuschen: Energiegenossenschaften und Bürgerwindparks, ganze Dörfer und Städte, die sich von RWE & Co. abnabeln.

Für die Konzerne ist diese Vorstellung ein Gräuel. Schon jetzt verlieren sie Marktanteile. »Niemand in der Branche ist mehr gegen die Erneuerbaren«, sagt ein hochrangiger Strommanager. »Aber nun entscheidet sich, wer damit das Geschäft macht.« Die Konzerne wollen die Wende auf ihre Art, mit ihren Windparks und ihren Biogasanlagen. Dafür brauchen sie Zeit. Es würde ihnen nutzen, sollte sich wegen der Preisdebatte der Ausbau des grünen Stroms verlangsamen.

Da ist aber auch der Widerstand in den Regierungsfraktionen von CDU/CSU und FDP. Vor allem bei der Union brodelt es. Mindestens ein Drittel der Abgeordneten, heißt es, habe sich mit dem Atomausstieg nicht abgefunden. Tief in ihrem Innersten sind die wenigsten Parlamentarier von der Energiewende überzeugt. Sie fürchten den Bundestagswahlkampf 2013, bei dem es für die Union mit grünem Strom nichts zu gewinnen gibt. So wird dieser Tage über einen Energiewende-Soli geredet, über die Abschaffung der Stromsteuer, über eine geringere Mehrwertsteuer auf den ansteigenden Förderbetrag für Strom aus Sonne und Wind. Aber all das wird Kosmetik bleiben, weil die grundsätzlichen Probleme tabu sind: der zu billige herkömmliche Strom, die Privilegien für die Großverbraucher und, ja, auch die Konstruktionsfehler des EEG. Bleibt das Gesetz, wie es ist, wird es den Weg zu einer fast vollständigen Versorgung mit grünem Strom kaum ebnen.

Dies ist die Geschichte der Strompreislüge – und wie jeder Blockbuster wird auch sie bald eine Fortsetzung haben. Die Gegner der Energiewende arbeiten bereits daran, für den Herbst, wenn es draußen kälter wird und drinnen die Heizungen angehen. Dann werden sie die Angst vor Stromausfällen schüren. Das ist dann: der Blackout-Bluff.

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Leserkommentare
  1. der Grünen.

    Gekürzt. Bitte begründen Sie Ihre Kritik mit sachlichen Gegenargumenten. Danke. Die Redaktion/sh

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    Die Vergütung für den EE-Strom betrug 2011 zwischen 16 und 17 Mrd. Euro.
    Das ist mehr als 2004 die gesamte konventionelle Stromerzeugung gekostet hat.
    Renditen zwischen 8 und 18%, die in Anzeigen für PV und Windstrom versprochen werden kommen nicht von nichts.
    Von diesen 17 Milliarden müssen die Bürger, um die Wirtschaft vor Wettbewerbsnachteilen zu schützen, ca. 6 Mrd. stemmen, obwohl sie nur gut ein Viertel des Stromes verbrauchen.
    Bei 37 Millionen Haushalten sind das 162 Euro pro Haushalt und Jahr.
    Der Durchschnittshaushalt hat 2,2 Personen. Und verbraucht gut 3800 Kwh. Das sind 74 Euro pro Person für das EEG.
    Ein Vierpersonenhaushalt in einer Etagenwohnung wird von den Versorgern mit 4500 Kwh kalkuliert. Nicht mit 3500.
    Und hat dementsprechend eine Belastung von 296 Euro im Jahr und nicht von 125, wie immer vorgelogen wird.
    Gut, dass es das stat. Bundesamt gibt.

  2. Da haben Sie aber schwer in den Diskussionsforen geräubert. So viele "Wahrheiten" - wohl eher Halbwahrheiten wie das Märchen von Sonne und Wind, die keine Rechnung schicken.

    Kein Wort von negativen Strompreisen, Netzausbau und Kapazitätsmarkt. Soll der Artikel nur provozieren oder ist der wirklich ernst gemeint?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das ist eben ein typischer Beitrag, wie man ihn von ZO gewohnt ist. Eine sachliche Diskussionen ist mit 99% der Autoren hier nicht möglich, denn es passt nicht in die simplen Gut-Böse-Schemata, die die meisten Autoren hier pflegen, dass auch Menschen mit anderen Meinungen gute Gründe für ihre abweichenden Meinungen haben. Hier werden Andersdenkenden ja auch gleich Lobbyinteressen angeheftet, es wird ihnen unterstellt, es ginge gar nicht um ein besseres Management der Energiewenden sondern um ihre Beendigung etc.

    Komischerweise haben natürlich die ganzen Unternehmen, die ihr Geld mit erneuerbaren Energien verdienen, nie finanzielle Interessen, denn das sind ja die Guten. Komischerweise werden immer die Folgekosten anderer Energieträger bemüht, aber niemand fragt nach den Kosten der Entsorgung von Solaranlagen. Und natürlich werden nur die Materialien für bewährte Energiequellen teurer, aber ausgerechnet die Ressourcen für Solar- und Windkraftanlagen sollen nicht steigen?

    Dass man dann noch Krokodilstränen darüber weint, dass "die anderen" verkürzt und unsachlich argumentieren würden, ruft dann auch nur noch schallendes Gelächter hervor.

    "Kein Wort von negativen Strompreisen, Netzausbau und Kapazitätsmarkt. Soll der Artikel nur provozieren oder ist der wirklich ernst gemeint?"

    Die Sorge, dass Deutschland den Umstieg von der Fossilen auf die Regenerative Energiegewinnung verschläft, treibt mich mehr um als die konstruierten Börsenkurse am Strommarkt. Zumal sehrwohl auf die Preisfindung zur EEG eingegangen wird.

    "Komischerweise werden immer die Folgekosten anderer Energieträger bemüht, aber niemand fragt nach den Kosten der Entsorgung von Solaranlagen." Stefan Balker

    Kein Problem, 90% der eingesetzten Rohstoffe können heute wiedergewonnen werden.
    http://www.mugv.brandenbu...

    "Und natürlich werden nur die Materialien für bewährte Energiequellen teurer, aber ausgerechnet die Ressourcen für Solar- und Windkraftanlagen sollen nicht steigen?" Stefan Balker

    Nochmal: Öl, Kohle, Uran verbrauchen sich und sind nur in begrenzten Mengen vorhanden (Peak Öl bereits überschritten)
    Silizium (Solarzellen) gibt es wie Sand am Meer ;) Fiberglas sollte auch nicht so schnell ausgehen.
    Sonne und Wind werden uns ebenfalls noch ein paar Jahrmilliönchen begleiten (kostenlos!).

    In einem muss ich dem Author absolut Recht geben: Wer seinen Standpunkt nur durch Erläuterung klar machen kann, wird immer gegen den verlieren, der nur ein Schlagwort braucht.

    Was soll dieser Leserbrief, der im Unterschied zu dem beanstandeten Artikel keine Argumente enthält, die die Aussagen des Artikels widerlegen könnten? Natürlich ist der Artikel ernst gemeint und ich nehme ihn auch ernst, da alle Aussagen gut begründet sind.

    Danke, denn man kann die Aussagen zur ungerechten Preisgestaltung über die Strompreise ernst nehmen.
    Ich bin lange davon ausgegangen, dass man in der "Zeit" sachlich Argumente austauschen kann. Deswegen erschreckt mich das niedrige Niveau der Leute, die sich hier zu Wort melden, um den Autoren dieses fundierten, kritischen Artikels über die Gestaltung der Strompreise zu schmähen.

  3. diese will aber keiner, nur die Saudis... komisch warum wohl???

    Siehe hier:

    http://www.egm-internatio...

    besonders Seite 28 (30), Kapitel 7, 2. Absatz:

    "Thus the production of fuels from water and CO2, as it is already running at EGM on a laboratory scale,
    environmentally certainly a better alternative. Also, the incorporation of CO2 in water used as fertilizer,
    as it has been tested by EGM, can help to improve the humus layer and the water holding capacity of
    soils sustainably, and so make a really constructive contribution to climate stabilization."

    Daraus folgt: Es ist technisch heute bereits möglich Wasser mit CO2 zu verwirbeln, dass daraus ein neuer Stoff mit neuen Eigenschaften wird, der als neuer, effizienter und 100% umweltfreundlicher Brennstoff taugt. Dies ist bei der vorliegenden Technik auch im Industriemaßstab möglich.

    Jedoch: Die Saudis nutzen dies jetzt und können so langfristig weiter ihr Öl teuer verkaufen in den sie es in nicht all zu ferner Zukunft strecken.

    Nur:
    Die Deutschen wissen von nichts.
    Die Bundesregierung weiß davon verhindert aber die Technik.
    Die deutsche Energie-Industrie sind Raffzähne und wollen nicht teilen.

    Und Die Zeit kennt die Technik auch nicht bzw. will diese auch nicht unterstützen. Dabei wird sie bereits in Malaysia industriell, allerdings leider mit der Zugabe von Öl, verwendet: http://www.youtube.com/wa...

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    Vielleicht liegt es ja daran, dass dieses chemisch und physikalisch bisher unerklärbare Verfahren sicherlich nicht die Lösung auf die Energieprobleme der Menschheit darstellt.

    Eine kritische Beurteilung dazu ist hier zu finden:
    http://psiram.com/ge/inde...

    "Gutachten

    Die Wirbelwandlertechnologie war Gegenstand mehrerer Gutachten und Stellungnahmen.

    Dirk Freese von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus erstellte ein Gutachten. Freese ist gleichzeitig (wie auch Konstantin Meyl) als wissenschaftlicher Berater ("Scientific Advisors") für die EGM-International tätig. Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus machte Messungen mit der "Wirbelwandler-Technologie" und bescheinigte der Firma die Richtigkeit ihrer Angaben. Allerdings kann die Hochschule die Wirkungsweise des Verfahrens nicht erklären.
    Die Universität der Vereinigten Arabischen Emirate in Abu Dhabi erstellte ebenfalls ein Gutachten.
    Messbericht der Ingenieurgesellschaft Zech aus Lingen. Nach Angaben der Ingenieurgesellschaft Zech lasse sich mit dem Wirbelwandlerverfahren Rapsöl mit Wasser im Verhältnis 1:3 mischen. Die Ingenieure schlussfolgern auf Seite 33 ihres Berichts: ..Die Ergebnisse dieser Versuche sind nach physikalischen und chemischen Grundsätzen von uns nicht erklärbar"..[12]

    Read more: http://psiram.com/ge/index.php/EGM_international#ixzz25917WNBj"

    Es gibt also drei Nachweise, dass die Technik funktioniert. Weil es theoretisch aktuell nur eingeschränkt erklärbar ist, sind die Messungen falsch und das praktisch Geschehene auch falsch? Also ist es schlecht und herkömmlicher Kohle- und Atomstrom besser und viel sauberer. Aha.

    "Glaubt man den Behauptungen der Firma EGM international, würde es dabei jedoch zu einem Verstoß gegen den allgemein in der Physik anerkannten Energieerhaltungssatz kommen.

    Read more: http://psiram.com/ge/index.php/EGM_international#ixzz25951JLWX"

    die Gegenargumente werden im genannten Gutachten ( http://www.egm-internatio... )bereits genannt und zeigen warum die Technik auch physiktheoretisch möglich ist. Gerade dieses Gutachten geht auf die Argumente der Energieerhaltung ein und zeigt Argumente warum der Wirbelwandler dies einhält ... aber ist ja auch egal, Baggern wir lieber noch ein bisschen Landschaft im Osten für Braunkohle ab, verpressen CO2 in die Böden (als Abfall, statt als Rohstoff) und machen noch lieber ein bisschen Atommüll, an den Polen sind ja auch noch ein paar Rohstoffe, schon klar ...

  4. ... ist da wohl der unterschwellig rasisstisch motivierte Gedanke.

    Der Weste muss aufpassen, dass Asien ihn nicht bald komplett überholt und davon abhängig ist wie heute schon beim Euro, wo China aushelfen soll/muss...

  5. Da ich als Hochschullehrer 20 Jahre lang Kostenrechnung gelehrt habe, kann ich nur feststellen, dass alle zusätzlichen Kosten zu den bisherigen Kosten hinzu kommen. Man hat eben auf Vollkostenbasis die doppelten Kapazitäten, wenn es dunkel ist und Windstille herrscht, und man hat die zusätzlichen Netzte. Auf Vollkostenbasis verdoppeln sich die Abschreibungen. Ich empfehle dem Autor eine Einleitung in die Kostenrechnung. Die Kostenartenrechnung auf Vollkostenbasis (das ist die einfachste Form) reicht hier vollkommen aus. Für Wind- und Solarenergie ist auch die Kostenträgerrechnung empfehlenswert.

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    • Jalella
    • 31. August 2012 14:01 Uhr

    Und ich empfehle, mal auf die Kosten zu schauen, die z.B. die Kernenergie-Erzeuger nie tragen mussten und müssen: die Entsorgungskosten; Kosten, die nie anfielen, weil sie von vorneherein über starke Steuersubventionen abgefangen wurden etc.

    Was man von sogenannten Kostenrechnungen zu halten hat, zeigt der Artikel an den verschiedenen Beispielen ja sehr gut. Der Textilunternehmer, der hohe Kosten hat, weil er nicht so viel Energievefschwendet wie die energieintensiven Betriebe, denen die Umlage erlassen wird.

    Ich finde, die ZEIT sollte auf diesen Artikel noch weiter folgen lassen, die sich damit befassen, warum z.B. die energieintensiven Industrieen so bevorzugt werden. Ist es wirklich so, dass man das Hauptsteuermittel der Politik hier versagen läßt, wo es am meisten bringen würde (Energiesparen dort, wo viel verbraucht wird, über "echte" Kostenweitergabe), weil diese Industrieen sonst nicht weiter bestehen könnte (Stichwort Wettbewerbsfähigkeit"), oder gibt es da nicht noch andere Gründe? Soll ja schon vorgekommen sein, dass die Verflechtung von Politik und Wirtschaft für Politiker recht lukrativ ausgegangen ist, oder?

    Redaktion

    Mit den Kosten ist das so eine Sache, Herr Dr. Leineweber. Die variablen Stromgestehungskosten sinken bei Sonne und Wind auf Null. Dafür kommen (längerfristig) zusätzliche Fixkosten für Stromspeicher hinzu. Diese Speicher sind jedoch erst jenseits eines Erneuerbaren-Anteils von 40 Prozent nötig. (Bei geringerem EE-Anteil dienten sie zur Speicherung von Kohlestrom, was nicht zu den Zielen der Energiewende gehört.) Falsch ist die Behauptung, man habe auf Vollkostenbasis "die doppelten Kapazitäten". Haben wir nicht, brauchen wir nicht. Das Kapazitätsproblem tritt nur für eine Übergangsphase auf. Was wir längerfristig brauchen sind Speicher. Und Netze. 20 Mrd € an Investitionen werden hier für die nächsten zehn Jahre genannt. Macht bei einem Stromverbrauch von ca 500 Mrd Kwh x 10? 0,4 Cent pro Kwh bei Umlage auf alle Netznutzer, gut investiert in Infrastruktur statt in importierten Brennstoff! Deshalb steigen die Stromgestehungskosten auch nicht, wenn der EE-Anteil steigt (oder nur unmerklich, wenn man sie mit dem auf Stand 2010 eingefrorenem Kostenniveau des damaligen Kraftwerksparks vergleicht). Allen Kostenrechnern sei der Bericht der Energietechnischen Gesellschaft im VDE empfohlen, die hier herunterzuladen ist:

    https://www.vde.com/de/In...

  6. haben's einmal mehr versemmelt!

    P.S.: Danke für den profunden Artikel.

  7. Das ist eben ein typischer Beitrag, wie man ihn von ZO gewohnt ist. Eine sachliche Diskussionen ist mit 99% der Autoren hier nicht möglich, denn es passt nicht in die simplen Gut-Böse-Schemata, die die meisten Autoren hier pflegen, dass auch Menschen mit anderen Meinungen gute Gründe für ihre abweichenden Meinungen haben. Hier werden Andersdenkenden ja auch gleich Lobbyinteressen angeheftet, es wird ihnen unterstellt, es ginge gar nicht um ein besseres Management der Energiewenden sondern um ihre Beendigung etc.

    Komischerweise haben natürlich die ganzen Unternehmen, die ihr Geld mit erneuerbaren Energien verdienen, nie finanzielle Interessen, denn das sind ja die Guten. Komischerweise werden immer die Folgekosten anderer Energieträger bemüht, aber niemand fragt nach den Kosten der Entsorgung von Solaranlagen. Und natürlich werden nur die Materialien für bewährte Energiequellen teurer, aber ausgerechnet die Ressourcen für Solar- und Windkraftanlagen sollen nicht steigen?

    Dass man dann noch Krokodilstränen darüber weint, dass "die anderen" verkürzt und unsachlich argumentieren würden, ruft dann auch nur noch schallendes Gelächter hervor.

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    • fhirsch
    • 31. August 2012 14:00 Uhr

    "Komischerweise haben natürlich die ganzen Unternehmen, die ihr Geld mit erneuerbaren Energien verdienen, nie finanzielle Interessen, denn das sind ja die Guten."

    Ich glaube, niemand verlangt von einem Unternehmen, dass es keine finanziellen Interessen verfolgen sollte. Deswegen verwundert mich Ihr Kommentar. Aber da sie fragen, ja:

    1. Solar- und Windkraftanlagen zu bauen ist ethisch sauberer als weiter Atommüll und CO2 zu produzieren.

    2. Die, die mehr Strom verbrauchen, sollen auch entsprechend mehr bezahlen.

    Manchmal ist es sinnvoll, sich der grundlegenden Axiome zu besinnen, anstatt die Menschen mit absurden Rechenspielen und Panikmache hinters Licht zu führen.

    "Und natürlich werden nur die Materialien für bewährte Energiequellen teurer, aber ausgerechnet die Ressourcen für Solar- und Windkraftanlagen sollen nicht steigen?"

    der stahl für windkraftanlage steigt genauso im preis wie der für fossilbrenner
    die magneten für beide des gleichen
    allein die fossilen co2 speicher machen den unterschied

    das ganze kann man auch für pv durchdeklinieren
    nur das deren grundstoffe etwas verfügbarer sind

    Die Entsorgungskosten von Solaranlagen sind gering und von einem Rücknahmesystem bereits gedeckt! Da könnten sie doch jetzt zufrieden sein?
    Die Entsorgungskosten von Atommmüll, einstürzenden Kohlezechen und Wiederherstellung von Braunkohlegruben nicht annähernd!

    Und richtig alle Unternehmen haben Interessen und deswegen würde ich auch nichts darauf geben was Solarworld zu sagen hat, sondern nur offizielle Statistiken und unabhängig gewonnene Informationen.

    Firma: EnBW, oberster Chef W. Kretschmann, in grüner (Ex?) Kommunist. Der würde doch nie zulassen, dass dieser Konzern
    zum Monopokapitalprofitgierler mutiert.
    Den Privatstrom bekomme ich von der EV-Offenbach. Eine ausgespochene Sozi-Stadt.

    Wieso ist dann der Strom genauso teuer wie von den Manchesterkapital-Profitmaximier-Wendeblockierern?
    Das müsste mir mal einer der Blogger auf leicht fassliche Art erklären. Oder einer der Redagdöre?

  8. Mir ist ziemlich egal, woher die Energie kommt. Ich habe weder einen Atom-, Kohle- oder Sonnenfetisch. Ich will ein gutes Verhältnis aus Sauberkeit, Zuerlässigkeit, Sicherheit und Kosten. Der ganze Subventions- und Planwirtschaftswahn für ALLE Energieträger macht es mittlerweile unmöglich, zu wissen, welche Energie wieviel koste, und sorgt sicherlich nicht für eine effiziente Ressourcenallokation.

    Schon die Tatsache, dass das trübe Norddeutschland mit Solaranlagen zugestellt wird, spricht Bände. Die wären in anderen Ecken der Welt sicher besser aufgehoben. Auch bei der "grünen" Energiewende ist längst nicht alles Gold, was glänzt. Nach den zahlreichen Ökoflops von den Problemem mit Elektroauto (Entsorgungsfrage bei den Batterien, Stromverbrauch) bis zum Biosprit sollte man meinen, dass die Öko-Ideologen bei Zeit-Online einmal zur Besinnung kommen und die Energiewende sachlich begleiten. Aber das passt wohl nicht ins Konzept. Insofern unterscheidet sich ZO überhaupt nicht von den Ideologen der anderen Seiten, gegen die man so gern lauthals schimpft. Das moralische hohe Ross ist völlig unangebracht.

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    Ihrem ersten Absatz kann ich zustimmen, diese Preisverzerrung wird ja auch im Artikel beschrieben.

    Zum zweiten Absatz: jain.
    Die grauenhafte Umsetzung der Energiewende mit nicht zu Ende gedachten Idiotien wie dem Biosprit oder dem Versteifen auf das Batteriegetriebene Elektroauto als einzige Alternative zu fossilem Sprit wird mir hier auch viel zu selten angesprochen.
    Allerdings wird im Artikel dargelegt, dass der Weg mit EEG-Umlage und der massiven Subventionierung der Erneuerbaren nicht Zielführend ist. Von daher finde ich ihre Kritik im Falle dieses Beitrags nicht berechtigt.

    • Karl63
    • 31. August 2012 15:04 Uhr

    jeder Technologiewandel beinhaltet Rückschläge. Ohne die Fähigkeit, solches zu bewältigen wäre Deutschland niemals der Aufstieg zu Europas führender Industrienation geglückt - geschweige denn, diesen Status bis Heute zu halten.
    Eine ganz entscheidende Frage in dem Kontext ist doch, ist hier der Technologiewandel das Problem, oder hängt es mehr daran, dass RWE & Konsorten die bestehenden Oligopole nicht angetastet sehen wollen.
    Keine Frage, rein elektrisch betriebene PKW sind momentan noch ein absolutes Nischenprodukt. Wen wundert es, macht doch die heimische Autoindustrie mit leistungsstarken Verbrennungsmotoren in immer schwereren Gefährten immer noch glänzende Geschäfte. Die Frage ist eher, wie lange die Ölförderung global mit dem weiter steigenden Bedarf mithalten kann und wann der Punkt erreicht ist, wo Öl deutlich teurer wird. Die Typen von Akkus, die für elektrische Fahrzeuge in Frage kommen, stecken auch in Massenprodukten wie Handys oder Laptops. Für deren Recycling gibt es längst ausgereifte Verfahren, insofern ist mir nicht ganz klar wo Sie da ein Problem beim Recycling von Akkus aus elektrisch betriebenen Fahrzeugen sehen.
    Der Betrag beschreibt klar, wo momentan die ökonomischen Fehlentwicklungen der Energiewende liegen. Dafür muss es intelligentere Lösungsansätze geben, als das was momentan geschieht. Mit Fundamentalkritik alleine lässt sich kein Technologiewandel erfolgreich vollziehen.

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