In den vergangenen Wochen ging der Fall der jungen Ruderin Nadja Drygalla durch die Presse. Ihr Freund ist oder war rechtsradikal. Sie selber distanziert sich von diesen Ideen, und obwohl vermutlich sämtliche Recherchefüchse der Republik tagelang jeden Stein umgedreht haben, ist bis heute, wo ich dies schreibe, keine einzige rechtsradikale Äußerung von ihr bekannt geworden. In der tageszeitung stand zu der Sache folgender Kommentar : "Wer sich mit Nazis ins Bett legt, sollte sich über den entstehenden Modergeruch nicht wundern... Bestand ihre fünfjährige Beziehung etwa nur aus Vögeln und Schweigen? Nein, fünf Jahre an der Seite eines Nazikaders bedeuten Zustimmung. Dass die Nazibraut nun um Mitleid, mindestens Verständnis bettelt – geschenkt. Aber dass sie sich mit dem Hinweis zu rechtfertigen versucht, ihr Kaderjunge sei aus der Szene ausgestiegen, ist infam."

Und so weiter. Tut mir echt leid, Kollegen, etwa den gleichen Sound hatten auch die Urteilsbegründungen im Volksgerichtshof. Da waren auch keine Beweise erforderlich, der Schaum vorm Mund des Staatsanwalts reichte aus. Leute können nur für das haftbar gemacht werden, was sie selber tun oder selber sagen – ist dieses Prinzip wirklich so schwer zu kapieren? Man nennt das auch "Rechtsstaat", nur zur Erinnerung. Das andere heißt "Diktatur", da werden immer auch die Lebenspartner eingesperrt.

Mir ist da sofort Sahra Wagenknecht eingefallen, für die ich mal schwer geschwärmt habe, obwohl ich politisch nicht ihrer Meinung bin. Diese Frau ist der Hammer. Gott muss Stalinist sein. Wir wären ein super Paar gewesen, so was wie Arthur Miller und Marilyn Monroe . Aber sie hat dann 1997 einen Kapitalanlageberater und Filmproduzenten geheiratet, der von sich sagte, er sei "eher liberal", und der in Irland lebt, wo die Steuern, zumindest bis vor Kurzem, nicht übertrieben hoch waren. In seinem Blog hat er seine Frau mal "meine exklusive Privatkommunistin" genannt.

Wer sich mit Neoliberalen ins Bett legt, sollte sich über solche Blog-Einträge nicht wundern. Bestand diese mehr als zehnjährige Beziehung etwa nur aus Vögeln und Schweigen? Nein, zehn Jahre an der Seite eines Kapitalisten bedeuten Zustimmung. Dass die Spekulantenbraut sich mit dem Hinweis zu rechtfertigen versucht, sie sei jetzt mit Oskar Lafontaine zusammen, ist infam.

Das ist unterste Schublade, nicht wahr? Ich schreibe das auch nur deswegen, weil sich die Linkspartei im tapferen antifaschistischen Kampf gegen die falsch verliebte Ruderin besonders weit aus dem Fenster gelehnt hat. Ich habe mir dann die Homepage von Sahras Mann angeschaut, sie sind immer noch verheiratet. Er schreibt: "Als Sahra mir von Oskar erzählte, so kam dies für mich nicht als ein Schock, sondern gewissermaßen erwartet... Hätte sie mir allerdings gesagt, es handele sich bei ihrem Schwarm um Helmut Kohl , dann hätte ich mich mit einem Luftgewehr erschossen." Da kann man von Glück sagen, dass Helmut Kohl in ziemlich festen Händen ist.

In Zusammenhang mit der ja durchaus realen Nazigefahr wird einem schnell "Verharmlosung" vorgeworfen, wenn man versucht, nicht hysterisch zu reagieren. Ich erinnere mich da an die Anschläge auf das World Trade Center , 3000 Tote, als die USA mit dem Gefängnis von Guantánamo den Rechtsstaat außer Kraft setzten. Die Empörung in Deutschland war da meiner Ansicht nach berechtigt. Wir sollten uns jetzt, etwa bei einer Ruderin, einfach so vernünftig, maßvoll und rechtsstaatlich verhalten, wie wir es damals den USA empfohlen haben.

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