Zu wenig fürs Essen, zu viel für die Solarindustrie: Es beginnt die überfällige Debatte über Sinn und Unsinn des Ökologismus, und zwar aus berufenem Munde. Greenpeace und BUND fordern ein E10-Verbot, Misereor macht Biosprit für Hunger verantwortlich. Die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast geißelt »Monokultur und Raubbau«, die »mit öffentlichen Geldern gefördert werden«. Katerstimmung auch bei der Solarförderung, wo Umweltminister Altmaier schlichte Arithmetik bemüht: 2020 werde Deutschland knapp dreimal so viel installierte Photovoltaik-Leistung haben, wie der »gesamte Strombedarf an einem sonnigen Sonntagnachmittag« erfordere.

Ökologismus besteht aus drei Strömungen. Eine ist die rationale Erkenntnis der Endlichkeit aller Ressourcen in Zeiten der Bevölkerungsexplosion. Die zweite ähnelt einer religiösen Erweckungsbewegung in der Tradition der Propheten: Der Mensch habe sich wider die Natur versündigt; er müsse umkehren, um den Weltuntergang zu stoppen. Der dritte Teil ist profan: Staatlich verordnete Ökologie ist ein hochrentabler Wirtschaftszweig für alle, die sich an den neuen Besitzständen laben – das Gute als gutes Geschäft.

Zum Beispiel für Bauern und Agro-Riesen, hat sich doch der Maispreis in fünf Jahren fast verdreifacht. Daran sind auch die diesjährige Dürre sowie die Spekulation wie im Georgien-Krieg 2008 schuld. Nur sind solche Zyklen Teil einer politisch gewollten Dauer-Mechanik. Biosprit im Tank ist seit 2005 Gesetz in den USA; seitdem wandern 40 Prozent der Mais-Ernte in die Ethanol-Retorte. In Deutschland gehört nur ein Achtel der Anbaufläche den Energiepflanzen. Doch in beiden Fällen wissen die Erzeuger: Die Kunden können nicht ausweichen; sie müssen uns das Zeug abkaufen, weil der Staat es so will.

In Amerika nennt man das c orporate welfare, Stütze für die Unternehmen. Bei uns können auch Häuslebauer und Handwerker am Euter des Staates saugen. Der subventioniert das Solardach und zwingt die Versorger, den überschüssigen Strom zu Preisen abzunehmen, die der Markt nicht hergäbe. Eine Doppelsubvention mit traumhaften Renditen – und einem zwangsläufigen Überangebot. Wer bezahlt? Wir alle. Auf jeder Kilowattstunde liegen noch einmal 3,6 Cent – vorweg für Solarstrom, den wir im Wolkenheim Deutschland nicht effizient produzieren und kaum brauchen.

Entstanden ist eine unheilige Allianz zwischen den Glaubens- und Geld-Ökologen. Die einen wollen den atomar-fossilen Teufel um jeden Preis austreiben. Den Rendite-Jägern ist der Preis ebenfalls egal, solange ihn die anderen entrichten – Konsumenten, Steuerzahler. Zum wirtschaftlichen Wahnsinn gesellt sich nun die moralische Obszönität. Je ärmer ein Land, desto kritischer die Brotpreise. Je teurer das Soja (Preisverdoppelung seit 2008), desto unerschwinglicher das Protein.

Umweltpolitik ist wie alle Politik: Wer kriegt was wo und wann? Zwangsbewirtschaftung führt immer zu Verknappung (der Nahrung) und Verschwendung (der Subventionen), mithin zur falschen Umverteilung. Zeit für eine neue Allianz, diesmal von schnöden Wirtschaftsliberalen und verantwortungsbewussten Umweltfreunden.