ZEITmagazin: Monsieur Lacroix, Sie haben einmal gesagt: Freiheit, das sind die Grenzen, die man sich selbst setzt. Welche Grenzen setzen Sie sich?

Christian Lacroix: Keine! Mein Motto lautet: Jeden Tag einen kleinen Schritt vorwärts. Wir Franzosen denken momentan sehr realistisch und konkret, aber eigentlich ist es Bestandteil des Menschseins, nach dem Unmöglichen zu streben und nicht innerhalb der Grenzen des Machbaren zu verharren. Man muss daran glauben, dass jeden Tag alles möglich ist, und dafür immer offen und bereit sein. Ich bin und bleibe neugierig. Als Kind träumte ich oft von meiner Zukunft und war mir sicher, dass Großes auf mich wartet. Eine dieser Visionen war es, Kostümdesigner zu werden. 40 Jahre hat die Realisierung dieses Projekts gedauert, und jetzt, mit 62, habe ich es geschafft und bin glücklich.

ZEITmagazin: Aber Sie waren doch vorher bereits ein gefeierter Modedesigner?

Lacroix: Mode war nie meine Sache. Eigentlich hasse ich Nadeln und Scheren. Mein Handwerkszeug sind mein Stift, meine Finger, mein Computer und Papier. Als Modedesigner fühlte ich mich immer ein wenig wie ein Hochstapler. Ich war auf dem Titel vom Time Magazine. Für mich war das wie ein Witz, wenn auch ein guter. Aber es hat mich nie erfüllt.

ZEITmagazin: Als das Modehaus Christian Lacroix pleiteging, waren alle sehr bestürzt.

Lacroix: Ich nicht!

ZEITmagazin: Jeder andere wäre zutiefst deprimiert gewesen. Was hat Sie da gerettet?

Lacroix: Meine Wut. Ich weiß noch, bei meiner letzten Modenschau trug ich einen schwarzen Anzug und ein weißes Hemd. Im Figaro war ein Bild von mir, da sehe ich aus wie ein Dämon. Ich war von den jahrelangen Kämpfen aufgepeitscht und bin es immer noch.

ZEITmagazin: Dabei sagte mal jemand über Ihre Mode, Sie würden für intelligente, selbstbewusste Frauen entwerfen.

Lacroix: Natürlich teilte ich meine Welt mit sehr inspirierenden Damen. Meine Drogen sind Intelligenz, Klugheit und Esprit. Da ich selbst nicht so geistreich und strahlend bin, brauche ich meine Frau Françoise an meiner Seite. Sie gibt mir Struktur. Eine sehr wichtige Person in meinem Leben war auch meine Großtante. Sie war wie eine große Romanheldin, streng, klug, elegant und mutig. Ich trage immer noch einige Haarsträhnen von ihr bei mir, obwohl sie schon vor über 20 Jahren gestorben ist.