Roman Polanski-Doku : Vom Fluch des Lebens

Den Dokumentarfilm über Roman Polanski drehte sein Freund Andrew Braunsberg. Das ist kritisch. Doch er zeigt auch ein ungeheuerliches Leben vom Ghetto nach Hollywood.

Kritik wäre leicht zur Hand: Der polnische Filmregisseur spricht in Roman Polanski – A Film Memoir ausgerechnet mit seinem langjährigen Freund und Weggefährten Andrew Braunsberg über sein Leben, was jede distanzierte, skeptische, im besten Sinne: journalistische Herangehensweise ausschließt. Dass der Film trotz seiner stark hagiografischen Tendenz einen durchaus bannt, liegt am Ungeheuerlichen dieses Lebens, das sich nicht in Wohlgefallen auflösen lässt, am mal verzweifelten, mal erregten, mal unendlich traurigen Ringen Polanskis , Erlebnisse zu rekapitulieren, die sich nur mühsam fassen lassen: das Leben im Krakauer Ghetto, die Verschleppung der Mutter in die Gaskammer, das gefahrvolle Untertauchen des Jungen bei Bekannten der Familie, die Filmkarriere unter Andrzej Wajda im kommunistischen Polen , die strahlende Karriere in Hollywood, die Abschlachtung seiner Frau Sharon Tate durch Charles Mansons Schergen, der Missbrauch eines 13-jährigen Mädchens und die anschließende Flucht des Regisseurs nach Paris , um einem umstrittenen Gerichtsverfahren zu entgehen. Wären all diese Lebensstationen nicht gut belegt, man müsste sie in der Zusammenschau als die arg erfindungsreiche und fantastische Fiktion eines Romanautors halten.


Bis heute ist nicht geklärt, welchen Vergehens Polanski sich genau schuldig gemacht hat, als er sich an dem Fotomodel verging . Im Haus von Jack Nicholson gab er der 13-jährigen Alkohol und ein Sedativum und hatte mit ihr Sex. Polanski bekannte sich zum "außerehelichen Geschlechtsverkehrs mit einer Minderjährigen", bestritt aber eine Vergewaltigung. In dem Dokumentarfilm , 33 Jahre nach der Tat gedreht, entschuldigt sich Polanski nun erstmals öffentlich: "Es tut mir aufrichtig leid, welche Auswirkungen diese Sache für ihr Leben hatte." Und: "Sie war ein doppeltes Opfer" – ein Opfer seines Missbrauchs und der Medien. Wie denn überhaupt – was man durchaus als unangemessen empfinden darf – im Film den medialen Folgen der Tat weitaus mehr Beachtung geschenkt wird als der Tat selbst. Nicht das Verbrechen steht hier im Fokus, sondern die böse Presse, die vom Opfer und vom Täter nicht lassen kann – Ursache und Wirkung werden damit beinahe auf den Kopf gestellt. Hier rächt sich die Tatsache, dass ein unbegrenzt wohlmeinender Interviewer am Werk ist.

Der Film wurde größtenteils in der Schweiz gedreht – und zwar während Polanskis Zeit im Hausarrest . Polanski war aufgrund eines internationalen Haftbefehls im Herbst 2009 verhaftet worden, als er in Zürich einen Preis für sein Lebenswerk entgegennehmen wollte. Im Juli 2010 wiesen die Schweizer Behörden den Auslieferungsantrag der USA ab .

Roman Polanski beklagt, ein Fluch sei die Tatsache, dass über sein Leben mehr berichtet worden sei als über seine Filme – ein Satz, der diesem Porträt etwas Selbstparodistisches verleiht. Denn ausgerechnet seine Filme, ihre religionsanarchische Subtilität (Rosemaries Baby), ihr Humor (Tanz der Vampire) und ihre Grausamkeit (Ekel) kommen in dieser Dokumentation so gut wie gar nicht vor. Der Film handelt vom Fluch, dessen Teil er selbst ist.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Na gut, ...

... da das Thema einfach nicht totzukriegen ist, hier die Kurzfassung:

"In a documentary for A&E Television Networks entitled Roman Polanski (2000), Samantha Gailey Geimer stated "…he had sex with me. He wasn’t hurting me and he wasn’t forceful or mean or anything like that, and really I just tried to let him get it over with." She also claimed that the event had been blown "all out of proportion"."

Quelle: http://en.wikipedia.org/w...

Nur weil jemand "charged", also unter Verdacht steht bzw. angeklagt wird, dies oder jenes getan zu haben, muss man daraus nicht schließen, daß jemand für dieses oder jenes für schuldig befunden ("convicted") wurde.

Also: "Unlawful sexual intercourse" *ungleich* "Vergewaltigung". Ende der Geschichte. (Hoffentlich.)