In der Regel ist es die Aufgabe einer Verfassung, die Strukturen eines Staates festzuschreiben. Im Fall einer demokratischen Verfassung lautet das Zauberwort Partizipation, also Beteiligung aller Bürger an der politischen Willensbildung. In diesem System fällen Mehrheiten die Entscheidungen.

Der Schwachpunkt dabei ist es, dass Mehrheiten irren können. An diesem Punkt hakt nun ein revolutionäres Politikprojekt aus Kärnten ein. Innovative Interpretationen der Demokratie haben in diesem Bundesland ja Tradition.

Nun entschloss man sich, das schnöde Majoritätsprinzip auszuhebeln und die Partizipation beiseite zu schieben. Und siehe da: Es funktioniert! Demokratie kann also auch heißen: Minderheiten an die Macht. Ein Prinzip, das im Süden der Republik bekanntlich immer als heilige Verpflichtung galt.

Gelebte Randgruppenpolitik zeichnet sich dadurch aus, dass die Mehrheit von der Möglichkeit, einen Irrtum zu begehen, befreit wird, indem gültige Abstimmungen unterbleiben. Es geht aber hierbei nicht um Machterhalt, sondern um die Bewährungsprobe eines bahnbrechenden Instruments, mithilfe dessen das europäische Wesen am Kärntner Modell genesen könnte.

Wenn niemand mehr bei irgendetwas mitmacht, lösen sich sämtliche europäischen Probleme wie von selbst – sogar die scheinbar unlösbare Euro-Krise. Auch privat entstünden neue Lebensmodelle. Der Arbeit zwar fernzubleiben, dennoch ein Gehalt zu beziehen, wäre eine logische Folge. Das führt zu mehr Lebensqualität bei vollen Bezügen.

Schlichte Geister unterstellen den Pionieren bei den Kärntner Freiheitlichen nun, dass sie genau das im Sinn haben: Sie stehlen sich von ihrem Arbeitsplatz im Landtag lediglich deshalb, um unbekümmert in der sozialen Hängematte zu baumeln. Es ist wahrhaft eine Schande, wie Vordenker in Österreich behandelt werden.