Ausgerechnet zum Ende der Urlaubssaison wollen Stewardessen und Stewards den Flugverkehr lahmlegen . In Bayern , Baden-Württemberg und einer Reihe weiterer Bundesländer gehen bald die Ferien zu Ende. Muss das jetzt sein? Werden Flugpassagiere nicht ohnehin dauernd von streikenden Lotsen, Gepäckabfertigern und Piloten gepiesackt?

Ja, es muss sein. Abgesehen davon, dass ein Streik ohnehin nie zur rechten Zeit kommt, geht es bei dem drohenden Ausstand der Lufthansa-Flugbegleiter um mehr als bloß die üblichen Lohnprozente. Dieser Konflikt dreht sich um Zumutungen, um Leiharbeit und Kürzungen. Wenn eine Gewerkschaft in so einem Fall nicht kämpft, wann dann?

Die Flugbegleiter haben bereits eine drei Jahre währende Nullrunde hinter sich. Sie mussten mitansehen, dass Leiharbeiter in der Kabine eingesetzt werden, und sie fürchten, in eine Billigtochter der Lufthansa abgedrängt zu werden. Darüber regen sie sich auf.

Andererseits muss die Lufthansa sparen . Die Fluggesellschaft kämpft mit einer Reihe von Problemen: kurzfristig mit gestiegenen Kerosinpreisen, Fluggaststeuern und der Krise in Europa , langfristig mit der wachsenden Konkurrenz von Billigfliegern (easyJet, Ryanair ) und aufstrebenden Qualitätslinien ( Emirates , Singapore Airlines). Wie gehabt kann es bei der Lufthansa daher nicht weitergehen.

Die Frage ist, auf welche Weise sie aus der Krise kommt. Das eingeleitete Sparprogramm setzt an vielen Stellen an, dazu gehören unvermeidlich auch die Personalkosten. Zuletzt habe man angeboten, das Gehalt der Flugbegleiter – das zwischen 1.800 Euro Einstiegslohn und maximal 7.000 Euro für einen Kabinenchef liegt – um 3,5 Prozent anzuheben, heißt es bei der Lufthansa. Allerdings nur gegen Mehrarbeit und bei einem verlangsamten Aufstieg in hohe Gehaltsstufen. Auf Leiharbeit würde dabei verzichtet. Nach Angaben der Gewerkschaft bewirken die Pläne indes Gehaltseinbußen von bis zu 1300 Euro.

Die Details des Tarifgeplänkels sind für Außenstehende kaum nachvollziehbar. Das ist aber auch egal: Ein Streik gehört zu unserem Wirtschaftssystem dazu; es ist auf solche Verhandlungen der Tarifpartner und hin und wieder eine Machtdemonstration angewiesen. Am Ende müssen sich so oder so beide Seiten bewegen, um einen Kompromiss zu finden. Hoffentlich gelingt das schnell.

Ob ihr Flug von Streik betroffen ist, können Lufthansa-Kunden nach Beginn der Arbeitsniederlegunghier erfahren.