Zunächst einmal klingt es wie eine gute Idee. Banker, die riskante oder gar unzulässige Geschäfte betreiben, die also sich selbst oder ihre Bank bereichern, ohne sonderlich viel an die Folgen zu denken – die müssen ihre Belohnung dafür später wieder hergeben. Gehalt und Bonus: Bei rückwirkend festgestelltem Banker-Versagen ist dann auch rückwirkend alles wieder futsch.

Es ist die Deutsche Bank, die mit einer solchen Regelung jetzt ausnahmsweise einmal positive Schlagzeilen macht. Die Frankfurter sehen vor, dass Mitarbeiter, die gegen bestimmte Regeln verstoßen, ihre Vergütung bei ihrem aktuellen Arbeitgeber verlieren. Und mehr noch: Sie sollen sogar die Boni früherer Posten zurückgeben müssen.

So etwas heißt im Bankerlatein »Clawback-Regeln«, und auch die UBS, HSBC und die Royal Bank of Scotland haben inzwischen Clawback-Regeln eingeführt. Die Variante der Frankfurter ist allerdings die bisher schärfste Rückholklausel, die je von einem Finanzhaus eingeführt wurde. Man wolle damit die Interessen von Managern und Aktionären auf eine Linie bringen, sagt der Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain.

Ganz freiwillig geschieht das allerdings nicht. Die Bankenaufseher drängen zurzeit in aller Welt darauf. In den USA sind die Clawbacks Teil der sogenannten Dodd-Frank-Finanzmarktreform, ihrerseits eine Folge der Finanzkatastrophe, die im Jahr 2008 mit dem Niedergang der Bank Lehman Brothers ausgelöst wurde.

In den USA haben sie seither viel Ursachenforschung betrieben. Als eine der grundlegenden Motive für das grob fahrlässige – wenn nicht in einigen Fällen sogar kriminelle – Verhalten vieler Banker vor der Krise galt die Strukturierung ihrer Vergütung. An der Wall Street etwa war es bis 2008 durchaus üblich, bis zu 90 Prozent der jährlichen Vergütung als erfolgsabhängigen Bonus auszuzahlen.

So kennt man sie ja auch, die Bankerszene: Alle reden über ihre Boni, alle arbeiten das ganze Jahr lang darauf hin. In der Bonuszeit brummt dann rings um die großen Finanzzentren das Geschäft der Luxusimmobilienmakler und der Ferrari-Vertreter.

Bei einer solchen Kultur ist es kein Wunder, wenn die Banker und Händler an kurzfristigen Erfolgen interessiert sind und wenn sie die langfristigen Folgen ihres Tuns für die Bank oder gar den Rest der Welt dabei ausblenden. Das größte Risiko ist dann: der Verlust des eigenen Bonus. No risk, no fun: So ähnlich lautete das dazugehörige Motto.

Die Regulierer sehen also nicht ganz ohne Grund in den von ihnen empfohlenen Clawbacks eine Erziehungsmaßnahme. Durch die Drohung, dass die Prämie zu einem späteren Zeitpunkt gestrichen werden kann, sollen die Banker angehalten werden, über die Konsequenzen ihres Tuns gründlicher nachzudenken – allein schon zum eigenen Wohl.