Es geht aber auch um die Außenwirkung: Nachdem in der Krise die Banken mit Hunderten Milliarden an Staatsgeldern und mit Billionen-Finanzspritzen von den Zentralbanken gerettet werden mussten, war es einfach nicht mehr öffentlich zu rechtfertigen, dass die Verantwortlichen beim nächsten Mal wieder mit ihren Millionen ungehindert nach Hause ziehen. Laut Vertrag stand ihnen bisher die Vergütung zu – das gälte sogar dann, wenn ihre Aktionen die Weltwirtschaft ganz zum Abstürzen gebracht hätten.

Mit den Clawbacks können Politiker und Aufseher vorzeigen, dass sie nicht untätig geblieben sind. Sie haben die Banker an die Kandare genommen. Beim nächsten Mal wird es anders.

Doch die Diskussion um die Clawbacks lenkt zugleich von den nach wie vor ungelösten Problemen ab. Die führenden globalen Finanzkonzerne sind größer und wichtiger als vor der Krise – ihre Konkurrenten sind entweder weg oder deutlich kleiner geworden. Die Risiken für die Weltwirtschaft, wenn eine dieser Megabanken ins Wanken gerät, sind im derzeitigen Umfeld eher gewachsen. Vor der eigentlichen Lösung dieses Problems aber schrecken sämtliche Aufseher zurück: einer Zerschlagung. Mehr oder minder versteckt, verweisen die Zuständigen vor allem in London und Washington darauf, dass ihre respektiven Bankenstandorte davon geschwächt würden.

Stattdessen propagieren sie lieber lauthals das Clawback.

Was das alles in der Praxis bedeutet, zeigt der Skandal um den sogenannten »Wal von London«. Der Wal war ein Top-Händler der großen amerikanischen Bank JP Morgan Chase, der seinem Arbeitgeber durch Fehlspekulation mehr als fünf Milliarden Dollar Verlust beschert hat.

Erschreckend daran war, dass ein einzelner Händler solche Summen aufs Spiel setzen konnte. Ein klares Versagen der internen Aufsicht bei JP Morgan. Also wurden der Wal und seine Vorgesetzte gefeuert, und die Bank brachte gleich die neue Clawback-Vereinbarung zum Einsatz: Sie forderte von allen Beteiligten Bonuszahlungen zurück. Sicher befriedigend für die Aktionäre von JP Morgan Chase.

Doch der Fall zeigt, dass es darum gar nicht allein geht. Erstens sind offenbar trotz aller Warnungen in der Krise noch immer solch massive Aufsichtsversagen innerhalb von Banken möglich. Es kann einen Giganten unter den Finanzinstituten treffen, so wie JP Morgan. Und wenn es ein wenig schlimmer kommt, dann gerät dieser Gigant ins Taumeln, fällt und löst eine Kettenreaktion aus. Diese Gefahr ist nicht gebannt. Clawback nützt da nicht viel.