Banker-BoniAlles wieder futsch

Mehr Banken fordern jetzt Geld von skrupellosen Angestellten zurück. Gute Idee, aber auch eine Ablenkung. von 

Goldman-Sachs-Zentrale in New York

Goldman-Sachs-Zentrale in New York  |  © Getty Images

Zunächst einmal klingt es wie eine gute Idee. Banker, die riskante oder gar unzulässige Geschäfte betreiben, die also sich selbst oder ihre Bank bereichern, ohne sonderlich viel an die Folgen zu denken – die müssen ihre Belohnung dafür später wieder hergeben. Gehalt und Bonus: Bei rückwirkend festgestelltem Banker-Versagen ist dann auch rückwirkend alles wieder futsch.

Es ist die Deutsche Bank, die mit einer solchen Regelung jetzt ausnahmsweise einmal positive Schlagzeilen macht. Die Frankfurter sehen vor, dass Mitarbeiter, die gegen bestimmte Regeln verstoßen, ihre Vergütung bei ihrem aktuellen Arbeitgeber verlieren. Und mehr noch: Sie sollen sogar die Boni früherer Posten zurückgeben müssen.

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So etwas heißt im Bankerlatein »Clawback-Regeln«, und auch die UBS, HSBC und die Royal Bank of Scotland haben inzwischen Clawback-Regeln eingeführt. Die Variante der Frankfurter ist allerdings die bisher schärfste Rückholklausel, die je von einem Finanzhaus eingeführt wurde. Man wolle damit die Interessen von Managern und Aktionären auf eine Linie bringen, sagt der Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain.

Ganz freiwillig geschieht das allerdings nicht. Die Bankenaufseher drängen zurzeit in aller Welt darauf. In den USA sind die Clawbacks Teil der sogenannten Dodd-Frank-Finanzmarktreform, ihrerseits eine Folge der Finanzkatastrophe, die im Jahr 2008 mit dem Niedergang der Bank Lehman Brothers ausgelöst wurde.

In den USA haben sie seither viel Ursachenforschung betrieben. Als eine der grundlegenden Motive für das grob fahrlässige – wenn nicht in einigen Fällen sogar kriminelle – Verhalten vieler Banker vor der Krise galt die Strukturierung ihrer Vergütung. An der Wall Street etwa war es bis 2008 durchaus üblich, bis zu 90 Prozent der jährlichen Vergütung als erfolgsabhängigen Bonus auszuzahlen.

So kennt man sie ja auch, die Bankerszene: Alle reden über ihre Boni, alle arbeiten das ganze Jahr lang darauf hin. In der Bonuszeit brummt dann rings um die großen Finanzzentren das Geschäft der Luxusimmobilienmakler und der Ferrari-Vertreter.

Bei einer solchen Kultur ist es kein Wunder, wenn die Banker und Händler an kurzfristigen Erfolgen interessiert sind und wenn sie die langfristigen Folgen ihres Tuns für die Bank oder gar den Rest der Welt dabei ausblenden. Das größte Risiko ist dann: der Verlust des eigenen Bonus. No risk, no fun: So ähnlich lautete das dazugehörige Motto.

Die Regulierer sehen also nicht ganz ohne Grund in den von ihnen empfohlenen Clawbacks eine Erziehungsmaßnahme. Durch die Drohung, dass die Prämie zu einem späteren Zeitpunkt gestrichen werden kann, sollen die Banker angehalten werden, über die Konsequenzen ihres Tuns gründlicher nachzudenken – allein schon zum eigenen Wohl.

Leserkommentare
    • zappp
    • 11. September 2012 9:36 Uhr

    Sobald ein Konzern beim Schmiergeldzahlen erwischt worden ist, werden die mit Mitarbeiter mit "Compliance" Aktivitäten malträtiert, müssen an Anti-Korruptions-Schulungen teilnehmen und schließlich per Unterschrift Teilnahme und Selbstverpflichtung bestätigen. Eigentlicher Zweck der Maßnahmen ist vor allem, einer Behörde Wohlverhalten vorzugaukeln und die Vorstände bei zukünftigen Fällen aus der Verantwortung zu nehmen. Es war dann ja eindeutig Fehlverhalten der Mitarbeiter, die man auf die Regeln hingewiesen hat.

    An der eigentlichen Unternehmenskultur mit unrealistischen Wachstums- und Renditezielen, die Mitarbeiter und Mittelmanagement erst zu Hazardeuren machen, ändert sich nichts. Wer erfolgreich ist und sich nicht erwischen läßt ist immer noch der Held.

  1. "Ohnehin ist die Tätigkeit eines Bänkers keine Arbeit, denn die wäre produktiv. Einfaches Excel-Datenblatt-Ausfüllen und Zockerei ist nicht produktiv.

    Oder einfach: Geld arbeitet nicht..."

    Diese Einstellung und dieses Denken ist erstens falsch und passt zweitens nicht mehr in die heutige Zeit.

    Danach wären alle Dienste nicht produktiv und natürlich würde auch keiner für diese Dienste zahlen, wenn sie keine Vorteile brächten. Anwälte, nicht-chirurgisch tätige Ärzte, die ja auch nur diagnostizieren und dann empfehlungn ausstellen, alle Berater, wären nicht "produktiv".

    Wir leben halt nicht mehr bei Kleinbonum, wo es nur physische Hinkelsteinproduktion gab.

    Antwort auf "boni..."
  2. "Nachdem in der Krise die Banken mit Hunderten Milliarden an Staatsgeldern und mit Billionen-Finanzspritzen von den Zentralbanken gerettet werden mussten, war es einfach nicht mehr öffentlich zu rechtfertigen, dass die Verantwortlichen beim nächsten Mal wieder mit ihren Millionen ungehindert nach Hause ziehen."

    Und genau diese Millarden will ich wieder haben.

    Wer zockt sollte nicht auch noch das Verzockte/Geld vom Steuerzahler wieder bekommen.

    Laßt uns das Geld von den Banken wieder zurückholen.
    Es ist das Geld unserer Kinder.
    Helft mit und Unterzeichnet meine Petition.

    http://www.avaaz.org/de/p...

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