Er ist schon ein sonderbarer Mensch, dieser Werner Herzog, der am 5. September 70 wird. Und das Schönste: Die Hälfte von ihm ist erfunden oder, um es mit den Worten des Regisseurs auszudrücken, in die Form von »ekstatischer Wahrheit« gebracht. Die andere Hälfte wandert als Biografiesplitter durch Interviews und die Erinnerungen von Freunden und Weggefährten, von denen noch keiner behauptet hat, er oder sie habe sich mit diesem Menschen Werner Herzog ausgekannt, der einmal durch einen eisigen Winter nach Paris wanderte, um die inneren Landschaften zu erkunden (Vom Gehen im Eis). Umso mutiger das Unterfangen des Filmkritikers und Radiomannes Moritz Holfelder, die erste Biografie dieses Filmemachers zu schreiben, der es im Ausland immer leichter gehabt hat als im eigenen Land. Kurz und bündig ließ der auf die Anfrage bezüglich einer Zusammenarbeit mitteilen, »dass Werner Herzog anlässlich seines 70. Geburtstages sämtliche Aktivitäten, Ehrungen, Berichte oder dergleichen, auf die er Einfluss hat oder an denen er mitwirken soll, strikt vermeiden will«.

So wurde Holfelders Arbeit, notgedrungen, aber durchaus glücklich, keine autorisierte Biografie, sondern eine Spurensuche. Sie folgt einer strikten Unterscheidung, die der Filmemacher selber einmal getroffen hat, der zwischen dem Privaten (das uns in der Tat nichts angeht) und dem Persönlichen (mit dessen Hilfe man sich der Kunst nähern darf). Es ist, im besten Sinn, ein sehr persönliches Buch entstanden, von dem man nicht unbedingt ein simples »Und dann« erwarten darf, sondern auch ein paar Text-Experimente und Abschweifungen.

Zur ekstatischen Wahrheit des Werner Herzog gehört es, dass die Widerstände und Gefahren eines Projektes nie groß genug sein können. Er sei einer, der behauptet, »alle seine Filme kämen aus dem Schmerz« – Holfelder weist sanft darauf hin, dass die Kunst des Werner Herzog auf solchen Mythos gar nicht angewiesen ist. Dieser »Kino-Visionär« ist einem beim Lesen des Buches nähergekommen. Und schön geschrieben ist es obendrein. Wie will man einem solchen Porträt ein größeres Kompliment machen?