Wie primitiv die Gentechnik doch bisher war: Forscher haben fremdes Erbgut mit Kanonen in Zellen geschossen. Sie haben Gene in Viren geschleust und dann den Infektionen ihren Lauf gelassen. Zunächst wussten die Wissenschaftler nicht einmal, wie viele Kopien eines Gens sie in das Erbgut einer Zelle eingebaut hatten – und an welchen Stellen. Unsicherheit allerorten. Und Unsicherheit heißt Risiko.

Ein Verfahren, das die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung jetzt erstmals einem breiten Publikum vorstellte, dürfte das ändern. Mit unerreichter Präzision können Forscher ins Erbgut eingreifen, an definierter Stelle und bis hin zum Austausch nur eines einzigen Bausteins. Die Folge: Natur und Konstrukt, sie lassen sich nicht mehr unterscheiden.

Transcription Activator-Like Effector Nuclease (Talen) heißt das Werkzeug, das spezifische Stellen im Erbgut aufspüren und dort neue Informationen einbauen oder Reparaturen durchführen kann. Einer Zuchttomate ist der Geschmack abhandengekommen? Kein Problem, das verlorene Gen lässt sich aus einer schmackhaften Sorte isolieren und wieder am richtigen Ort einsetzen. Eine wenig attraktive Kartoffelsorte ist gegen Pilze resistent? Die Eigenschaft lässt sich leicht auf marktgängige Sorten übertragen. In der Gentherapie werden bisher Viren als eine Art Taxi eingesetzt, um defekte Gene durch intakte Kopien zu ersetzen. Das damit verbundene Risiko könnte entfallen, setzte man Talen zur Heilung ein.

Die Beispiele zeigen: Talen könnte die Gentechnikdebatte grundsätzlich verändern. Es ginge nicht mehr um die Risiken der Methode, sondern nur noch um die Ziele, die wir mit ihr verfolgen. Doch wird das die Debatte in Zukunft auch versachlichen? Das Gegenteil könnte eintreten: Denn was nicht entdeckt werden kann, ist das nicht umso gefährlicher? Schon haben Firmen Lizenzen für das Verfahren erworben. Sie werden uns hintergehen! Und keiner wird ihren Manipulationen auf die Spur kommen! Hilfe!