Studium : Von wegen Underdogs!
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Die Unternehmen wissen, woran sie bei ihren Fachhochschulabsolventen sind. Man kennt sich, zum Beispiel über die partnerschaftliche Ausbildung im dualen Studium, über Praktika, Stipendien oder die gemeinsam betreute Abschlussarbeit. Dabei sind die FH-Absolventen für die Arbeitgeber keineswegs die billigere Alternative zu den Uni-Absolventen. Bei einer Befragung der Absolventen des Jahrgangs 2009 durch die Forscher des Hochschul-Informations-Systems (HIS) war das Einstiegsjahresgehalt von Fachhochschulbachelors und Uni-Bachelors nahezu identisch.

Wer von der Fachhochschule kommt, fasst mit einem Bachelor-Abschluss schneller Tritt auf dem Arbeitsmarkt. Jeder zweite FH-Bachelor hat ein Jahr nach seinem Abschluss eine Berufstätigkeit aufgenommen, an den Universitäten gilt das nur für etwa jeden fünften. Nur die Hälfte der Fachhochschulstudenten studiert direkt weiter bis zum Master, an den Universitäten tun das dagegen 77 Prozent. Das zeigt: Die ursprüngliche Bologna-Idee eines zweistufigen Studiums mit einem möglichen Berufseintritt schon nach dem Bachelor scheint in Deutschland vor allem bei den Fachhochschulen aufzugehen.

4. Die Gesellschaft

Fachhochschulen sind für den Steuerzahler die günstigere Alternative zu Universitäten. Ein Bachelorabschluss an einer Fachhochschule kostete im Jahr 2009 den Steuerzahler 12.900 Euro. An einer Universität verursachte derselbe Abschluss Kosten von 28.200 Euro. Rechnet man das Gesamtbudget einer Hochschule auf den einzelnen Hochschullehrer um, so erhielten Universitätsprofessoren im Jahr 2009 im Schnitt 579.350 Euro für Forschung und Lehre. Das ist dreimal so viel wie ihre Kolleginnen und Kollegen an den Fachhochschulen, die 172.740 Euro bekamen.

Mit dem finanziellen Mehraufwand werden an Universitäten vor allem die Forschung und die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses bezahlt. Leider nicht bedarfsorientiert. Heerscharen von Wissenschaftlern im Mittelbau stehen nur wenigen frei werdenden Professorenstellen gegenüber. Niemand kann sagen, wer die – nicht zuletzt durch die Exzellenzinitiative mobilisierten – Massen an wissenschaftlichem Nachwuchs jemals aufnehmen, geschweige denn bezahlen soll.

Hans-Hennig von Grünberg ist Präsident, Christian Sonntag Sprecher der Hochschule Niederrhein

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Kommentare

76 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Fachhochschule

Ich kann bestätigen, dass Abosolventen von FH's viel besser geeignet sind für die Arbeitsprozesse in Unternehmen.

Das ist eine der positiven Folgen des Bologna-Prozesses.

Ausgebildete Fachhochschüler sind gern gesehen Mitarbeiter in Unternehmen. Alleine die Studienordnung sorgt dafür, dass das "echte Leben" während des Studiums nicht auf der Strecke bleibt.

Ich kann jedem der gute Mitarbeiter braucht empfehlen, Fachhochschulabsolventen einzustellen.

Es gibt auch Nachteile

Der FH in allen Ehren, aber ein bisschen mehr Contra hätte dem Text auch gut getan. Nur lernt man in Unternehmen - und somit auch in FH - sich halt aufs positive zu konzentrieren und blendet dann andere Dinge einfach mal komplett aus.

Ich gebe zu das der Praxisbezug in einigen Studienrichtungen tatsächlich zu kurz kommt. Nur sollte man bedenken wozu ein Universitätsabschluss da ist. Eben nicht als reiner Ausbildungsabschluss für den Berufseinstieg. Da wäre es doch besser die Unternehmen in die Pflicht zu nehmen die Ausbildungswege zu schaffen die soviel Praxisbezug haben. Z.b. durch ein duales Studium oder der Finanzierung von eigenen FH's.

"Bei einer Befragung der Absolventen des Jahrgangs 2009 durch die Forscher des Hochschul-Informations-Systems (HIS) war das Einstiegsjahresgehalt von Fachhochschulbachelors und Uni-Bachelors nahezu identisch."

--> Mit gutem Grund wurden hier keine Masterabschlüsse verglichen.

" Jeder zweite FH-Bachelor hat ein Jahr nach seinem Abschluss eine Berufstätigkeit aufgenommen, an den Universitäten gilt das nur für etwa jeden fünften. Nur die Hälfte der Fachhochschulstudenten studiert direkt weiter bis zum Master, an den Universitäten tun das dagegen 77 Prozent."

--> Vorteil? Nachteil? Ich dachte wir brauchen hochausgebildete Fachkräfte. Woher nehmen, wenn keiner mehr nen Master macht und alle schon nachm Bachelor aufhören?

Qualifikation

>--> Vorteil? Nachteil? Ich dachte wir brauchen hochausgebildete Fachkräfte. Woher nehmen, wenn keiner mehr nen Master macht und alle schon nachm Bachelor aufhören?

Die Aussage, dass Bachelor an (Fach)Hochschulen häufiger direkt nach dem Bachelor in den Beruf einsteigen, heißt 1. nicht, dass sie geringer qualifiziert sind und 2. nicht, dass sie nach ein paar Jahren Arbeitsleben, mit dem Master beginnen.
Die Vorstellung, dass man sofort nach dem Ende seines Studiums zur Fachkraft wird, ist, denke ich, auch seit einiger zeit überholt.

Ich verstehe die Aufregung nicht

Es hat doch niemand etwas gegen "Grundlagenforschung" gesagt.
Es wurde lediglich erwähnt, dass auch angewandte Forschung und praxisnahe Lehre ihre Berechtigung haben und dass dies den Interessen von Studenten und Unternehmen entgegenkommt.

Beides schließt sich nicht aus. Es kommt mir übrigens oft so vor, als ob gerade Universitätsprofessoren gerne auf ihre Kollegen aus der angewandten Forschung herabblicken.

>es ist sicherlich leichter, sich mit vorhandenen theoriekenntnissen in die praxis einzuarbeiten als mit guten praxisfertigkeiten die theorie nachzuholen.

Das ist kein Naturgesetz. In beiden Fällen muss man unter Umständen die Denkstrukturen umstellen. Dass eine Denkstruktur "lecihter" ist als die andere, ist aber nicht gegeben. Ich lasse mich gerne durch geeignetes Datenmaterial eines Besseren belehren. Also nur zu.

ein kleines Gedankenspiel.

Also dass die Theorie für die Praxis unabdingbar ist, lässt sich wunderbar im Krankenhaus sehen. Da kommen dann die jungen Ärzte frisch von der Uni mit einem riesigen Wissensfundus, aber wenig Erfahrung, aber die schaffen es dennoch meistens gute Mediziner zu werden. Wenn man erst die Praxis brauchen würde, bräuchte man keine Medizinstudenten, man könnte eine Schwester einfach nach n Jahren Berufserfahrung zum Arzt machen.

Übrigens wird hier häufig Forschung mit Entwicklung gleichgesetzt, das ist aber nicht so ohne weiteres zulässig, Entwicklung verfolgt ein spezielles Ziel, Forschung möchte nur das warum verstehen, die Anwendbarkeit ergibt sich dann eventuell erst nach Jahrhunderten.

Spitzengehälter?

Wie sieht's denn mit den Einstiegsgehältern von Masterabsolventen aus? Wie viel verdienen Absolventen auf der höhe ihrer Karriere?

Und wie wurden die Durchschnittsgehälter ermittelt? Wurden dabei spezifische Fächer gegeneinander geprüft oder flossen alle angebotenen Fächer mit ein, was ziemlich sinnlos wäre, da die Universitäten im Gegensatz zu FHs einen generellen Bildungsauftrag haben, der auch finanziell eher wenig erfolgreiche Laufbahnen mit einschließt (bildende Künste, Geschichte, Archäologie etc.)?

Auch ich kann das so bestätigen

Nach meinem Bachelor als Wirtschaftsingenieur habe ich direkt eine Anstellung als Ingenieur im Umweltbereich gefunden - mit der ersten Bewerbung. Langfristig jedoch muss ein Master drauf gesetzt werden - der Bachelor allein steht einem bei der langfristigen im (Karriere)Weg. Ich werde diesen an einer Universität im Ausland erwerben. Dies tue ich zum einen zum Zwecke der persönlichen Entwicklung, zum anderen um mir die Möglichkeit der Promotion offen zu halten. Dieser Weg steht zwar grundsätzlich auch FH-Mastern offen, doch gehört hier schon eine Portion Glück dazu. An einer deutsche Universität dagegen zieht mich im Moment nichts.