Studium: Von wegen Underdogs!
Warum die Fachhochschulen sich vor den Universitäten nicht verstecken müssen.
Die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat Großes vor: Mittelfristig sollen 40 Prozent der Studenten eine Fachhochschule besuchen. Derzeit liegt der Wert bundesweit nur bei etwas mehr als 31 Prozent. Eine gewaltige Verschiebung der Studentenzahlen weg von den Universitäten wäre also die Folge. Vier Gründe, warum diese Entwicklung seit Langem überfällig ist
1. Die Studenten
Die 11. Studierendenerhebung des Bundesbildungsministeriums hat gezeigt, was Studierende vor allem von ihrem Studium erwarten: Praxisnähe und Vorbereitung auf den Beruf. Jeder zweite Studierende gab an, dass ihm die Beschäftigungsfähigkeit nach dem Studium besonders wichtig sei. An den Universitäten fühlen sie sich dabei offensichtlich nicht gut aufgehoben: 40 Prozent der Uni-Studenten forderten dringend einen stärkeren Praxisbezug im Studium. An den Fachhochschulen taten dies nur 25 Prozent.
Gerade wer aus den sogenannten bildungsfernen Schichten kommt, tut sich in Deutschland immer noch schwer, ein Universitätsstudium aufzunehmen. Das liegt zum einen am fehlenden Geld, viel öfter aber eben an unklaren Berufsperspektiven nach dem Studium. Abhelfen können die Fachhochschulen, die mit arbeitsmarktnahen Studiengängen gerade bei denjenigen punkten, die genau darauf achten, welche Jobchancen sich aus dem Studium ergeben. Zudem bieten sie ähnlich wie die Berufsakademien immer häufiger ein duales Studium an, in dem sich die klassische betriebliche Ausbildung mit dem Besuch einer Hochschule verbinden lässt.
2. Die Professoren
Diesen besonderen Praxisbezug an den Fachhochschulen garantieren die Professoren. Sie kommen aus der Berufswelt und haben wenig gemein mit dem Ideal des gelehrten Universitätsprofessors, der sich ein Leben lang auf seine Spezialdisziplin konzentriert, aber mit der Frage seines Studenten nach einem Praktikumsplatz nichts anzufangen weiß. FH-Professoren wissen, was die Unternehmen umtreibt, welche Entwicklungen sie benötigen und vor allem: welches Personal sie suchen. Sie können ihre Studierenden in die Unternehmen schleusen, zum Beispiel, indem sie externe Abschlussarbeiten auf den Weg bringen, Praktika vermitteln oder Forschungskooperationen anschieben.
Mit 18 Stunden pro Woche haben FH-Professoren ein Lehrdeputat, das doppelt so hoch ist wie das ihrer Uni-Kollegen, die meist umso weniger lehren, je erfolgreicher sie in der Forschung sind. Wenn FH-Professoren forschen, fragen sie nicht in erster Linie nach dem Warum, sie fragen nach dem Wie: Wie kann man die Abrechnungsprozesse in Krankenhäusern optimieren? Wie fördert man Frauen in der Sozialen Arbeit? Wie entwickelt man selbstleuchtende Textilien? Mit ihren anwendungsnahen Lösungen tummeln zwar auch sie sich auf internationalen Konferenzen, vor allem aber in den Entwicklungsabteilungen um die Ecke.
3. Die Unternehmen
Eine Befragung unter 1800 Absolventen der Hochschule Niederrhein ergab, dass ein Drittel aller Absolventen, die eine Anstellung gefunden hatten, direkt von einem Unternehmen abgeworben wurde. Sie mussten also nicht eine einzige Bewerbung verschicken. Ein weiteres Drittel verschickte nur eine bis höchstens vier Bewerbungen.







Nach meinem Bachelor als Wirtschaftsingenieur habe ich direkt eine Anstellung als Ingenieur im Umweltbereich gefunden - mit der ersten Bewerbung. Langfristig jedoch muss ein Master drauf gesetzt werden - der Bachelor allein steht einem bei der langfristigen im (Karriere)Weg. Ich werde diesen an einer Universität im Ausland erwerben. Dies tue ich zum einen zum Zwecke der persönlichen Entwicklung, zum anderen um mir die Möglichkeit der Promotion offen zu halten. Dieser Weg steht zwar grundsätzlich auch FH-Mastern offen, doch gehört hier schon eine Portion Glück dazu. An einer deutsche Universität dagegen zieht mich im Moment nichts.
Man merkt schon sehr deutlich, dass die Autoren Präsident und Sprecher einer FH sind. Insbesondere beim Kosten-Vgl. Als ob man einfach Durchschnittswerte verschiedener Studiengänge miteinander vergleichen könnte. An der Uni kostet ein Jura-Abschluss glaub ich ca. 4000€, während einer in Medizin über 100.000€ kostet. Je nachdem, wie teuer die Technik ist, die zur Ausbildung eines bestimmten Berufs gebraucht wird, variiert dieser Wert also beträchtlich. Möglicherweise ist ja der Anteil an günstigeren Studiengängen an den FHs höher. Ein Ausdruck von besonderer Qualität ist es jedenfalls nicht.
Auch die Rechnung der Kosten je Professor ist aus demselben Grunde absurd.
Wenn das einzige Kriterium der Suche nach einem Studium die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind, dann mögen die FHs teilweise Vorteile besitzen. Es ist aber für diese Gesellschaft zu hoffen, dass einige Menschen zwecks Horizonterweiterung studieren und in der Lage sind über die Steuerung der Gesellschaft mittels des Profitprinzips hinauszudenken.
An der Universität bestehen eine Menge Mißstände, die man hier kritisieren könnte, doch an den FHs ist es vermutlich nicht anders.
Wer Dinge hinterfragen will oder wer wissen will, warum etwas funktioniert, ist, wie sogar der Artikel nahelegt, an der Uni besser aufgehoben. Dass dieser Punkt an den FHs vernachlässigt wird, tue ich bedauern und war für mich Grund an der Uni zu studieren.
Ich studiere selber an einer FH und muss sagen, dass der Artikel eindeutig zu einseitig und blumig ist. Für mich liegen die Hauptunterschiede zwischen Uni und FH in der Darstellung der finanziellen Selbstbelastung für die Studenten und durchaus auch im Grad der Praxisnähe.
Die Aufteilung ist mir auch zu einfach. Uni-Studenten sind nicht zwangsweise alle Theoretiker, es sind durchaus auch Praktiker darunter, aber im Durchschnitt eben praxisferner. Das gleiche gilt umgekehrt für die FHler.
Der Vorrechnerei kann ich ebenfalls nicht zustimmen. Die Gehälter schwanken in beiden Bereichen durchaus beträchtlich, ein Durchschnitt sagt da wenig. Die Belastung der Steuerzahler ist bei Unis natürlich höher, weil Unis in der Regel staatlich sind, da ist die Verwendung von Steuergeldern selbstverständlich. Viele FHs hingegen sind in privater Hand, es gibt also auch keine staatlichen Steuergelder. Demnach verlangen diese im Ausgleich höhere, von den Studenten (!) meist monatliche Finanzabgaben. 400€+/Monat sind dabei keine Seltenheit. Für FH-Studenten ist das eine zusätzliche, finanzielle Belastung, da in den wenigsten Fällen das ohnehin fragwürdige BAföG ausreicht und in der Regel ein oder auch zwei Studienkredite benötigt werden. FHler haben also nach dem Abschluss (und v.a. bei Abbruch) einen viel höheren finanziellen Druck. Uni-Studenten haben dafür andere Probleme. In der Uni wird z.B. viel zu viel gepaukt, das macht nicht für alle Berufe Sinn.
Ich stimme dem Autor des Artikels uneingeschränkt zu, wenn er die Vorteile der FHs aufzählt. Interessant finde ich vor allem, dass fast alle Vorteile auf einen höheren Praxisbezug bezogen werden. Das macht die Unterüberschriften 1 bis 3 irrelevant.
Ich studiere selbst an einer FH und plane für meinen Master an eine Uni zu wechseln. Mein Hauptgrund ist der wie auch hier enorm breit ausgetretene und angepriesene Praxisbezug. Eine theoretische oder grundlegende Problembetrachtung bleibt dabei konsequenterweise häufig auf der Strecke. Ich kann mich somit den vorherigen Beiträgen anschließen ein FH-Studium hat auch Nachteile.
Weiterhin halte ich einen Vergleich der Raten von Studenten, welche nach Ihrem Bachelor direkt direkt in die Wirtschaft gehen für wenig interessant. Das traditionelle FH-Studium ist auf eine 4 jährige Ausbildung ausgelegt (Mit Bologna wurde an meiner Hochschule lediglich ein Praxissemester gestrichen und viele Kurse umbenannt) Das heißt früher sind fast 100% der Studenten nach Abschluss direkt in die Wirtschaft gegangen. Bei Unis waren meines Wissens nach 3 Jahre Regelstudienzeit lediglich für das Vordiplom eingeplant. Ein Freund erzählte mir, dass mit Bologna an seiner Uni vor allem eine Menge Kurstitel geändert und die Vordiplomprüfungen durch eine Bachelorarbeit ersetzt wurden. Bei diesen eher geringen Änderungen halte ich die im Artikel genannten Raten für logisch, da im Unistudium nch zwei Jahre für eine ganzheitliche Ausbildung vorgesehen sind.
Ich machte meinen Bachelorabschluss 2011 an einer FH.
Zu dem Zeitpunkt war mein Interesse an einer Uni eher sehr gering.
Erst als ich den Master 2011 begonnen habe und jetzt gerade vor dem Verfassen meine Thesis stehe, merkte ich, dass ich doch an einer Uni meinen Master hätte machen sollen.
Dazu kamen noch persönliche Faktoren, die ich an dieser Stelle nicht erwähnen will.
Warum das Ganze?
Im Master werden an der FH zwar theoretische Grundlagen gelehrt, jedoch war an meiner FH die Spezialisierungstiefe zu gering ("Wieso brauche ich als KI-, Software Engineering- und technikaffiner Ingeneur SAP/ERP Kenntnisse?!") und die Unwissenheit der Professoren ("Was stellen wir denn heute mit den Masteranden an?") zu hoch.
Da habe ich mir wesentlich mehr erwartet, muss ich sagen.
Dennoch habe ich das Gefühl, dass sich in den nächsten Jahren an den FHs das Bewußtsein stark in Richtung Forschung ändern wird, zumindest im Master.
Das rührt daher, weil an meiner und an anderen mir bekannten FHs starke Umstrukturierungen (v.a. im Master) von statten gehen, woran man erkennt, dass Bologna immer noch lange nicht "durch" ist.
Für mich persönlich hoffe ich einfach, dass ich noch eine Chance auf eine wissenschaftliche Laufbahn bekomme. Den Notenschnitt zu einer Promotion bekomme ich theoretisch.
Ob ich dann noch soviel Glück habe und einen Uni-Prof überzeugen kann, das steht NOCH in den Sternen.
Meinungen/Erfahrungen zu diesem Absatz nehme ich gerne entgegen.
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