Hotels : Der letzte Schrei

Weniger Lärm, mehr Umsatz: Viele Hotels erklären sich zur kinderfreien Zone.
Dabei ist es mit Kind doch viel schöner.

Das Dolce Vita sieht gastlich aus. Blumen zieren die Zimmer. Vom Balkon blickt der Urlauber auf Sonnenhänge und Wald. Wenn er so weit kommt. Denn willkommen wird hier nicht jeder geheißen. »In mein Hotel darf niemand unter 17«, sagt Astrid Stiefel. »Ich lasse nicht mal ein Baby hinein.« Die Chefin des Viersternehauses im bayerischen Bodenmais ist mit dieser Gästepolitik nicht allein. Immer mehr Hoteliers in Deutschland und Österreich erlassen »Ü 14«- oder »Ü 16«-Regeln. Selbst große Reiseveranstalter haben Adults-only-Angebote in ihre Kataloge aufgenommen.

Die Hoteliers haben mehrere Gründe, Kinder auszusperren. Der offensichtlichste: Kinder sind keine lukrativen Gäste. Sie nehmen keine Drinks an der Bar, buchen keine Aromaölmassagen. Dafür klecksen sie Marmelade auf den Fußboden. Grapschen mit Schokofingern auf weiße Ledersofas. Selbst Hunde machen weniger kaputt. Eigentlich, so rechnen einem Hoteliers vor, müsste man für Kinder einen Aufpreis verlangen. Stattdessen schlafen sie günstig im Beistellbett.

Schwerer noch wiegt aus Sicht der Hoteliers der mittelbare Schaden. Ein Kind ist nicht gerade ein dezenter Gast. Es kreischt, heult oder tobt durch den Pool. Und vertreibt damit womöglich einträglichere Kundschaft. Diese Erfahrung machte zumindest Karl Reiter in seinem Posthotel Achenkirch in Tirol. Dort stießen zwei Gästegruppen aufeinander: Familien, die er mit einem Hotelkindergarten angelockt hatte. Und Paare, die in dem großen Spa Entspannung suchten. Zunächst versuchte Reiter, einen Kompromiss zu finden. Er erklärte einen Teil des Schwimmbeckens zum »Flüsterpool«. Wies Familien einen eigenen Essensraum zu. Bewährt habe sich das nicht. Die Eltern seien verärgert gewesen, weil ihre Kinder ständig irgendwas nicht durften. Die Mitarbeiter genervt, weil sie die Ordnungshüter geben mussten. Und noch immer hätten Gäste über zu viel Lärm geklagt. »Da beschloss ich: Die Kinder müssen weg.«

Lange halfen sich Hoteliers in solchen Fällen mit einem diskreten Mittel: Sie strichen die Kinderermäßigung. Schon buchten die Eltern anderswo. Doch dieser Trick gelingt kaum mehr. Mittlerweile gebe es etliche Familien, die dann eben den vollen Preis hinlegten, berichten Hoteliers. Heute, da mehr Mütter arbeiten, müssen viele Familien nicht mehr auf den Hunderter achten. Und die Großeltern sind so wohlhabend wie keine Rentnergeneration vor ihnen; Urlaub mit den Enkeln ist ihnen oft jeden Preis wert.

Man könnte meinen, dass Familien von sich aus Häuser meiden, die nicht auf Kinder ausgerichtet sind. Wellnesshotels etwa, in denen Ruhe zum Konzept gehört. Aber auch das, berichten Hoteliers, habe sich gewandelt. Heute bekommen Paare später Kinder und wollen sich oft nicht mehr vom gewohnten Komfort trennen. Sie gehen nicht in die Jugendherberge, wo ein Kreischen mehr oder weniger kaum auffällt. Oder ins Ferienhaus, wo die Kleinen allenfalls Blumenbeete beschallen. »Die nehmen die Kinder einfach mit ins Spa«, sagt Reiter.

2011 entschied der Hotelchef, Kinder auszusperren. Seither lässt er keinen unter 15 mehr ins Haus, selbst wenn noch Zimmer leer stehen. Auch Dolce-Vita-Chefin Stiefel entschied sich, ihr Verbot nicht nur durchzuhalten, sondern auch jedem mitzuteilen: Ihre Hotel-Website informiert gleich beim Öffnen über die »Kinder über 16 Jahre«-Politik. Trotzdem habe unlängst eine ältere Dame in der Lobby gestanden, die ihre kleinen Enkel einfach als Erwachsene eingebucht habe. »Die dachte wohl: Wenn ich da erst mal stehe, schmeißen die mich nicht raus. Falsch gedacht. Hier schlafen keine Kinder. Nicht mal die, mit denen ich verwandt bin.«

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Kommentare

134 Kommentare Seite 1 von 18 Kommentieren

Ja und Nein,

Natürlich sorgen auch "gut erzogene Kinder" für Trubel, keine Frage. Ich behaupte aber, dass solche Kinder dennoch angenehmer sind als viele Kinder, die heute kaum Grenzen von ihren Eltern vorgesetzt bekommen.

Ich war neulich nach einem langen Tag Abends essen, ungefähr 2m von unserem Tisch entfernt, packte ein kleiner Junge seine Blockflöte aus und trötete damit fröhlich drauf los. Ich schreibe auch bewusst trötete, denn er spielte nicht etwa ein Lied, sondern blies immer und immer wieder den gleichen Ton. Für manche Leute mag das ja unterhaltsam sein, für mich an dem Abend aber der Horror. Der Papa daneben erboste sich dann, dass wir es vorgezogen haben, den Platz zu wechseln...

Aus meiner Sicht liegen die Probleme zu 90% bei den Eltern und nicht bei den Kindern, denn Kinder die Grenzen kennen und mit denen bisher vernünftig umgegangen wurde, führen sich nicht so unerträglich auf, dass man sie nicht aushalten kann, egal ob im Cafe, Restaurant oder Hotel. Trotz (oder vielleicht wegen) tausender Ratgeber und schießmichtot haben viele Eltern einfach kein Gefühl dafür, wie sie mit ihrem Nachwuchs umzugehen haben, sind inkonsequent oder benehmen sich sonst wie haarsträubend. Die Kinder sind dann gewissermaßen die Leidtragenden (direkt wie indirekt).

Die Entwicklung finde ich jedenfalls nicht verkehrt, da man als Reisender so exakter nach den eigenen Bedarfen buchen kann. Andere Hotels können sich ja dann kinderfreundlich präsentieren. So teilt sich eben der Markt auf.

Das ist eine Frechheit!

Wundert man sich da, dass Deutschland ein Nachwuchsproblem hat? Wer wird Ihnen denn später den Hintern abwischen, wer mit seinen Beiträgen ihre Rente zahlen? Genau, die Kinder von heute. Und wem verdanken wir das? Richtig, den Eltern von heute, aber wer will denn noch Kinder haben, wenn man dafür überall diskriminiert wird? Menschen, die sich nicht benehmen können, gibt es in jeder Altersgruppe zu genüge!

mfg

Vorbild

Der Kommentar war nicht weinerlich, sondern kämperisch. Ich hoffe sehr, dass Kinder sich das zum Vorbild nehmen und sich nicht unterkriegen lassen. Insbesondere der Satz

"Menschen, die sich nicht benehmen können, gibt es in jeder Altersgruppe zu genüge!"

ist nur allzu wahr. Wer spricht denn hier über die ganzen anderen Touristen ohne Benehmen, die einem den Urlaub verderben?

Die Jugend liebt heute den Luxus....

Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte. Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die Lehrer.

Warsch nicht von Sokrates, aber schon älter als der akutelle "Verfall"
http://www.zeit.de/2004/1...

Bitte, befinden Sie wie Sie meinen,

aber wundern Sie sich bitte auch nicht über divergierende Einschätzungen.

Mit zwei Adoptivkindern und auch sonst reichlich Kinderkontakt kann ich sehr wohl zwischen "Kind übt noch" oder ist unsicher und dem Eintreten eines abzustellenden Provokationsfaktors unterscheiden.

Und ja, es ist nicht einfach sich mit Kindern auseinanderzusetzen...

MfG KM

Das kann ich nur unterschrieben.

Jedes mal, wenn ich im Restaurant bin und eine Familie ankommen sehe, erfasst mich das nackte Grauen, weil ich weiß, was nun kommt. Ein Kind mit etwas, das nur im entferntesten an Tischmanieren (Manieren im Allgemeinen!) erinnern würde, habe ich schon seit Jahren nicht gesehen. Statt dessen wird rumgeschrien, geweint, Nahrungsaufnahme wird verweigert, das Essen und Besteckteile landen auf dem Fußboden, es wird zwischen den Tischen rumgerannt, auf dem Boden rumgekrochen... Und die Eltern reagieren meistens ueberhaupt nicht. Versucht man sie auf das Verhalten ihrer Kinder anzusprechen, wird man oft noch angepöbelt, anstatt dass das Kind in die Schranken gewiesen wird.

Ich erinnere mich da auch an ein Freiluftkonzert vor einigen Jahren, wo auf dem Stuhl neben mir eine Mutter mit ihrer Tochter im Schoss saß. Die Kleine hat die ganze Zeit meinen Stuhl getreten. Der Mutti war das egal.

Generell habe ich nichts gegen Kinder im Restaurant, Café oder im Hotel, aber bitte, liebe Eltern, erzieht eure Kinder zu sozialen Wesen. Vorherige Generationen haben es geschafft - warum schafft Ihr das nicht?

Absolut d'accord

Ich bin Familienvater und Sozialpädagoge und kann das absolut nachvollziehen. Unseren Hochzeitsurlaub haben wir damals absichtlich in einem kinderfreien Hotel in Tunesien gebucht. Wenn ich ohne Kinder reise, bin ich froh, wenn ich keine sehen und hören muss.

Wenn ich mit der Familie reise, dann eben in ein Familotel oder andere extra auf Kinder und Familien eingerichtete Hotels, dort bin ich dann auch mit Kindern gern gesehener Gast.

@Bettinka

Der Begriff Altersdirkriminierung wurde hier bewusst und in der Tat vor dem Hintergrund seiner juristischen Definition gewählt die besagt, dass niemand wegen seines Alters benachteiligt werden darf. Zu juristischen Auseinandersetzung führt dies zumeist in anderen Rechtsgebieten wie beispielsweise im Arbeitsrecht (z. B. Stellenbesetzung). Ein Vertrag im privatrechtlichen Breich - wie beispielsweise halt ein Beherbergungsvertrag - fällt zunächst unter das BGB welches weiträumigen Gestantugsfreiraum bietet. Diese Freizügigkeitsnorm findet nur dann Einschränkungen, wenn ein höheres Rechtsgut verletzt wird. Bei der Altersdirkriminierung wird hierbei insbesondere Bezug genommen auf das Grundgesetz, nachdem ja nun einmal alle Menschen gleich sind, ob jung oder alt. Kernpunkt ist hier die Würde des Menschen: wenn jemand den Abschluss eines Vertrages anbietet (Vertragsofferte) und einen Vetragsabschluss nur aus Altersgründen ablehnt (ob nun jung oder alt), so ist der abgelehnte Vertragspartner damit in seiner Menschenwürde verletzt - und dies erfüllt den Tatbestand der Altersdiskriminierung. Es bleibt jedermann unbenommen, einen Kinderaufschlag zu fordern, wenn er höhere Aufwendungen aufgrund von individuellen Risiken sieht ("der beckleckerte Teppich"), das ist Teil der unternehmerischen Kalkulation. Ebenso könnte man Schadensersatzansprüche feststellen oder versuchen, diese zu konstruieren - dies wird jedoch schwer zu beziffern sein und die Durchsetzbarkeit ist auch so eine Sache.

wenigstens einer ....

und ich dachte schon, der ganze Bodensee läuft bestimmt jetzt Sturm. Ich habe bewusst einmal polarisiert und den Graubereich zur Diskriminierung versucht aufzuzeigen ("die ganzen Unsympathen vom Bodensee - die sicherlich die Hotelteppiche beflecken") - ich weiss nicht ob die Mitteilung verstanden wurde - vielleicht war die Metapher einfach auf einem zu hohen Abstraktionsniveau angesiedelt (jetzt diskriminiere ich gerade die Zielgruppe der Zeit-Leser ... Nein :-) Aber denken Sie mal nach, das Pendant wäre dann doch so in etwa: ein Hotel, was seine Zimmer nicht an Leute vom Bodensee vermietet - jetzt hats doch hoffentlich laut und deutlich geklingelt :-)