Wer aber bucht Hotels, die »kinderfrei« zum Konzept erklärt haben? Laut Hotelchef Reiter sind es nicht etwa vergrämte Alte, »im Gegenteil: Im Oma-Alter finden die Leute Babytrubel eher niedlich.« Vielmehr kämen »junge, schicke Paare«. Hört man sich in der Branche um, werden vor allem zwei Gruppen von Gästen genannt: erstens Kinderlose, die sich nicht fremdem Familienleben aussetzen möchten. Und zweitens Menschen, die im Alltag ständig Kinder um sich haben. Lehrer oder Kindergärtnerinnen etwa, deren Ohren eine Ruhepause brauchen.

Was fast alle Gäste verbindet: Sie sind zu zweit unterwegs. So liegt es nahe, dass sich kinderfreie Hotels als Paaridyll inszenieren. Im Romantik Resort Waldesruh im bayerischen Eging am See etwa hängen an den Zimmerdecken Spiegel. Andere Häuser werben mit »Kuscheltagen« und geizen nicht mit Kerzenlicht. Im Cortisen am Wolfgangsee kann sich auch das gesetzte Paar jung und wild fühlen – wenn er mit der Leih-Harley ums Ufer braust und sie sich an seinen Rücken klammert.

Dass die Hotels sich gern als Liebesnester darstellen, hat einen weiteren Vorzug: Es wirkt freundlicher als das nackte Verbot. Denn so clever das Kinderaussperren sein mag – gut fürs Image ist es nicht. Reiter graute in den Wochen nach dem Umstieg fast vor dem Öffnen seiner Post. In über 300 Briefen wurde er als Kinderfeind beschimpft. »Wir waren die Eisbrecher. Eins der ersten großen Hotels in Österreich, das auf Kinderfrei umgestellt hat. Da braucht man ein dickes Fell.« Auch Astrid Stiefel berichtet von wütenden Tiraden: »Da wird man gleich in eine rechte Ecke gestellt.«

Anderswo käme man kaum auf die Idee, aus einer Geschäftsidee auf eine Weltanschauung zu schließen. Das zumindest behauptet der Hotelvermittler Jörg Thurm: »In Spanien und Lateinamerika zum Beispiel sind kinderfreie Hotels gang und gäbe. Ich hab noch nie gehört, dass sich da jemand drüber aufgeregt hätte.« Thurm hat seinen eigenen Weg gefunden, auf den neuen Trend aufzusatteln: Er betreibt die Website www.hotels-ohne-kinder.de, die Hunderte Angebote in Europa, Asien, der Karibik oder Lateinamerika bündelt. Für ihn ist das Konzept »kinderfrei« eine einträgliche Nische. Denn die normale Hotelseite, die er vorher betrieb, blieb fast unbeachtet. »Davon gab es schon zu viele.« Heute erhält er ständig Mails mit Anfragen, »da steht dann dick unterstrichen, das Hotel müsse unbedingt ruhig sein. Keine Kinder. Keine Hunde.« An Kundschaft fehlt es also nicht, eher schon an Hotels.

Das sieht TUI ähnlich. Seit ein paar Jahren betreibt sie die Sensimar-Hotels – eine konzerneigene Marke, in der nur Erwachsene erlaubt sind. Gerade hat sie in Andalusien ein neues Haus eröffnet. Weitere sind geplant. »Die Leute wünschen sich immer mehr Angebote, die genau auf sie zugeschnitten sind«, sagt die TUI-Sprecherin Kathrin Spichala. »Der Markt ist längst nicht ausgereizt.«

Auch die Hotelchefs Reiter und Stiefel sind überzeugt, dass sich ihre Aussperrtaktik auf die Dauer rechnet. Beide verzeichneten zunächst einen Einbruch. Doch allmählich füllen sich die Zimmer. Etwa die Hälfte der Gäste, sagt Stiefel, käme gezielt wegen des Kinderverbots. Sie sieht sich als Teil eines Trends, der über die Ü-16-Frage hinausgeht: Hotels, sagt sie, würden sich stärker spezialisieren. Das eine nehme die Familien. Das nächste die Singles. Und das dritte vielleicht nur Senioren. »Da steht um halb sechs das Abendbrot auf dem Tisch, und dann wird zum Bridge geladen.« Im Urlaub unter sich bleiben – das gilt als Nische mit Zukunft.