So langsam reicht es! Es kann nicht sein, dass alle Probleme dieses Landes der Generation aufgeladen werden, die heute in Deutschland erwachsen wird. Meiner Generation. Den Menschen zwischen 20 und 35 Jahren wird vorgeworfen, dass sie nichts eint, keine Identität, keine Ideologie. Anders als die Nachkriegsgeneration, die 68er oder die Generation Golf hat meine Generation nicht einmal einen Namen.

Hier kommt er: Generation Erblast.

Gerechtigkeit. Um nichts Geringeres geht es auch bei einer Diskussion, die so technisch daherkommt wie die um die Zuschussrente. Was also ist gerecht?

Ist es gerecht, wenn ein Arbeitnehmer, der weniger als 2500 Euro brutto verdient, nach 35 Jahren Arbeit eine Rente unterhalb der Grundsicherung von 688 Euro rausbekommt? Wenn jemand, gerade im Ruhestand, erst mal zum Sozialamt muss? Nein, das ist nicht gerecht! Es verletzt unser Empfinden von einem Arbeitsleben, das in eine würdige Rente münden sollte.

Und doch schafft das, womit Ursula von der Leyen die Altersarmut jetzt bekämpfen will, noch mehr Ungerechtigkeit. Die Arbeitsministerin will Leuten, die lange gearbeitet und für das Alter vorgesorgt haben, 850 Euro Rente garantieren. Für diese Zuschussrente sollen die Beitragszahler mehr abgeben.

Schulden, Umwelt, Demografie – die Dreifaltigkeit meiner Generation

Von der Leyen will die Rente gerechter machen und macht sie ungerechter. Mal abgesehen davon, dass die Zuschussrente die Bedürftigsten gar nicht erst erreicht, verletzt sie auch das Grundprinzip, wonach derjenige, der mehr einzahlt, später auch mehr erhält. Wer sich seine Rente selbst erarbeitet hat, kann am Ende genauso viel bekommen wie einer, der weniger und kürzer eingezahlt hat.

Die größte Ungerechtigkeit ist aber die: Die Zuschussrente stellt das Wohl der Alten über das der Jungen. Nun kann man sagen, das sei in einer alternden Gesellschaft ganz natürlich. Die Demokratie passt sich der Demografie an. Sie nützt jenen am meisten, von denen es die meisten gibt. Und die Alten sind bald in der Mehrheit.

Die Herrschaft der Alten über die Jungen wäre aber die Herrschaft derer, die nicht mehr arbeiten, über die, die arbeiten.

Bestimmt die Demografie die Demokratie, steht irgendwann die Solidarität auf dem Spiel. Der Generationenvertrag gründet auf dem Gedanken, dass die jüngere Generation für die ältere Generation sorgt. Diejenigen, die heute arbeiten, zahlen für diejenigen, die heute Rentner sind. Wer aber gerade anfängt zu arbeiten, weiß, dass er von der gesetzlichen Rente im Alter nicht viel erwarten kann. Wie ist es ihm also zu erklären, dass er jetzt noch mehr geben muss, obwohl er später noch weniger bekommt?

Das Ziel vergangener Rentenreformen war es gerade, die Ruhebezüge zu senken, damit die Beiträge bezahlbar bleiben. Denn immer weniger Beitragszahler müssen immer mehr Rentner versorgen. Gegen die drohende Altersarmut wurde die private Vorsorge erfunden. Doch offenbar geht dieser Plan nicht auf. Entweder waren die Reformen zu hart, oder Riester ist zu schwach. Aber jetzt die Beitragszahler noch stärker zu belasten, das geht nicht.