Jobprofile : Das Zitat... und Ihr Gewinn

Ralph Waldo Emerson sagt: Unkraut nennt man die Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt worden sind.

Was passiert, wenn ein Fußballtrainer seinen Torhüter als Mittelstürmer aufstellt, den Außenverteidiger ins Tor kommandiert und den Platzwart im Mittelfeld auflaufen lässt? Der Mittelstürmer schießt vorbei. Der Torwart fängt Fliegen. Und der Platzwart steht bald mit Seitenstechen am Spielfeldrand. Fußballtrainer würden das nicht tun – sie setzen ihre Spieler nach Stärken ein. Und dem Platzwart vertrauen sie den Rasen an, nicht den Ball.

Doch in Firmen werden die Aufgaben oft so vergeben, dass Mitarbeiter nicht tun, was sie am besten können, sondern was ihr Stellenprofil erfordert.

Der Zuschnitt ihres Arbeitsplatzes ignoriert ihre persönlichen Qualitäten. Wenn ein Mitarbeiter seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, denken Chefs fast nie über die Aufgabe nach – aber immer über den Mitarbeiter: seine Mängel, sein scheinbares Versagen.

Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher. In seinem aktuellen Ratgeber Sei einzig, nicht artig! fordert er den Leser auf, nichts mehr nur für andere zu tun, sondern alles für sich selbst.

Doch derselbe Mitarbeiter, der bei Terminarbeit scheitert, weil er so gründlich ist, wäre in der Qualitätssicherung eine Idealbesetzung. Dieselbe Mitarbeiterin, die als Fachkraft dauernd ihre Kompetenzen überschreitet, weil sie unternehmerisch denkt, könnte als Führungskraft glänzen. Und derselbe Sturkopf, der im Kundenkontakt ungeschmeidig ist, wäre ein Aktivposten in schwierigen Verhandlungen mit Zulieferern.

Die Firmen formen die Menschen nach den Stellen, statt die Stellen an den Menschen auszurichten. Im ersten Fall müssen sich die Mitarbeiter verbiegen. Im zweiten schneidet die Firma eine Stelle wie einen Maßanzug auf die Qualitäten eines Mitarbeiters zu. Moderne Führungskräfte wissen: Es gibt keine schlechten Mitarbeiter, wie es laut Ralph Waldo Emerson auch kein Unkraut gibt – es gibt nur Jobprofile, in denen Mitarbeiter ihre Qualitäten noch nicht ausspielen können.

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Stellenbeschreibung

Da wird dem Bewerber das Blaue vom Himmel versprochen, Aufstiegschancen in Aussicht gestellt, die Moral und das Arbeitsumfeld hochgelobt - nur um ihn einzufangen oder der Konkurrenz wegzuschnappen... Und am Ende sieht der neue Mitarbeiter, das nicht nur die Werbung im TV vollkommen an der Realität vorbeiläuft bzw. die Realität verschleiert wird. Oder die Firma wird von einem Mitspieler übernommen - Überraschung... Ein neuer CEO, der den Besen schwingt, hauptsache er kehrt... Das soll es auch geben, und das nicht einmal selten!

Was ich nicht verstehe,

vl bin ich ja der Falsche für Ihre Artikel, aber wenn Fußballtrainer die besseren Führungskräfte wären, warum machen die das dann nicht?

Wer ist in zweiter Instanz dafür verantwortlich?

Wäre statt einer Frauenquote in Vorständen nicht eine Fußballtrainerquote, vl sogar eine FußballtrainerInnen- oder gar eine Fußballtrainerinnenquote (!) denkbar?

Ja wenn's denn der Wirtschaft hilft, ich bin dafür

Kleine Unternehmen müssen das ohnehin so machen

gerade in der Software branche. Da ist man froh über jeden fähigen programmierer der sich zu einem verirrt hat. Eine fussballmannschaft mit insg. 15-20 mann ist von der personalstärke vergleichbar mit so einem kleinen unternehmen. Da kann man als chef noch die stärken und schwächen eines jeden einzelnen persönlich im kopf haben, so wie der fussballtrainer. Die diskussion oben ist IMHO gemüntzt auf grossbetriebe, und dort kann ich mir so einen dirigismus allerdings gut vorsetllen.