Andrea Frank vom Stifterverband betont, dass die Hochschulen in öffentlich-privaten Kooperationen ihre Forschungsinteressen fest im Blick haben müssten. Denn wenn ein Unternehmen ins Haus komme, bestehe automatisch ein Grundkonflikt: Forscher möchten ihre Erkenntnisse veröffentlichen und damit in der wissenschaftlichen Gemeinschaft glänzen; Unternehmen möchten Geld verdienen, also die neuen Erkenntnisse zunächst für die eigene Produktentwicklung nutzen. Ratsam sei es, sagt Frank, diese Interessengegensätze zu Beginn der Kooperation offen anzusprechen und vertraglich so festzulegen, dass Fragen des geistigen Eigentums für beide Seiten zufriedenstellend geregelt sind. "Und wenn dies nicht gelingt, dann sollte eine Universität auch den Mut haben, auf die Kooperation zu verzichten."

Für junge Naturwissenschaftler ergibt sich daraus eine größere Nähe zur Industrie. Nach Ansicht von Dietrich Nelle vom Bundesministerium für Forschung und Entwicklung kann das ein Vorteil für die weitere Karriere sein. "Die Verzahnung nimmt immer mehr zu, und diese Flexibilität erleichtert die Karrierechancen", sagt er. In beide Richtungen bleibe der Weg zurück künftig immer öfter offen. Diesen Trend will die Politik nun noch verstärken. Im Mai hat die Regierung den Entwurf für ein "Wissenschaftsfreiheitsgesetz" verabschiedet, das vor allem in außeruniversitären Einrichtungen wie der Max-Planck- oder der Fraunhofer-Gesellschaft Regularien abbauen soll.

Molekularbotaniker Brennicke freut sich über die Entwicklung: "Nur ganz wenige meiner Studenten werden einen Platz in der universitären Forschung finden. Doch um in einem Unternehmen klarzukommen, müssen sie auch unternehmerischer denken. Je früher sie diese Welt kennenlernen, umso besser."