Flughafen BERDer Neustart als Farce

Nicht mal als Krisenmanager bewähren sich die Chefs des Berliner Flughafens. Die peinlichste Baustelle Deutschlands wird teurer und teurer von , , , , und

Im Raum der Stille kreischt eine Säge, ein paar Arbeiter arbeiten. Hier, wo nach der Inbetriebnahme des neuen Berliner Großflughafens gebetet werden soll, wo sich Passagiere aus der ganzen Welt treffen werden, um für einen Moment der Hektik des Flugbetriebs zu entkommen, klingt es, wie es auf einer Baustelle klingen sollte: laut, unangenehm, nach Arbeit eben.

Doch der Raum der Stille im ersten Stock des großzügigen Terminal-Neubaus ist derzeit einer der wenigen Räume, in denen sich etwas tut. Vier Männer arbeiten an diesen 150 Quadratmetern. Ein Großteil der übrigen etwa 300.000 Quadratmeter Terminal liegt hingegen da wie ein Patient im Wachkoma: still, regungslos, ohne Energie.

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Was hier stattfindet, ist der Skandal nach dem Skandal um den Flughafen BER. Das Projekt, das Klaus Wowereits Glanzstück und Vermächtnis werden sollte, war schon im Mai zum Gespött der Republik geworden, als die Flughafenverantwortlichen eine Verschiebung des Eröffnungstermins bekannt geben mussten, die ursprünglich für den Juni vorgesehen war. Dabei hätten sie schon seit Monaten ahnen müssen, dass ein verantwortungsvoller Start des neuen Airports nie und nimmer klappen konnte.

Doch wenigstens nach dieser Blamage wollten die Berliner zeigen, dass sie echte Macher sind. »Das Gefährlichste wäre, dass jetzt der Druck aus dem Kessel kommt«, sagte der Regierende Bürgermeister Berlins im Mai. Der Bereichsleiter Planung und Bau der Flughafengesellschaft FBB, Joachim Korkhaus, erklärte: 1000 Arbeiter seien Mitte Juli im Terminal im Einsatz, weitere 3000 im Außenbereich des Flughafens.

Doch sie scheiterten wieder: eine verwaiste Großbaustelle, komplettes Chaos, kaum Fortschritt, dafür immer neue Rechnungen. Und ein Haufen neuer Probleme. Inzwischen wurde auch der Eröffnungstermin im März 2013 gekippt, man plant jetzt für den Oktober nächsten Jahres.

Dieser zweite Skandal besteht in dem katastrophalen Krisenmanagement nach der Verschiebung. Die Verantwortlichen sind wieder die gleichen: die Flughafengesellschaft, der von Politikern dominierte Aufsichtsrat, die drei Flughafen-Eigentümer, also die Stadt Berlin, das Land Brandenburg und die Bundesrepublik Deutschland. Und als wäre nichts geschehen, bestimmen immer noch dieselben Leute die Geschicke des Katastrophenprojekts: Klaus Wowereit als Chef des Aufsichtsrats, sein Aufsichtsratsvize Matthias Platzeck, Aufsichtsratsmitglied und Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Rainer Bomba sowie der Chef der Flughafengesellschaft Rainer Schwarz.

Sie tun es auf eine Weise, die die Steuerzahler teuer zu stehen kommt. Der Berliner Flughafen sollte einmal 2,8 Milliarden Euro kosten. Inzwischen wird offiziell von knapp 4,2 Milliarden Euro ausgegangen, und das Missmanagement der letzten Wochen wird maßgeblich dazu beitragen, dass es wohl nicht einmal bei dieser dramatischen Zahl bleibt. Denn überall tun sich neue Löcher auf. So soll beispielsweise die Fassadenfirma Seele nach Informationen der ZEIT kürzlich den Entwurf ihrer Schlussrechnung eingereicht haben in Höhe von etwa 240 Millionen Euro – und damit mehr als 100 Millionen Euro über Plan. Seele will das nicht kommentieren. Und es dürfte bald noch weitere, ähnliche Schockrechnungen geben. Die Milliarde Nummer fünf ist am Berliner Flughafen quasi schon in Sichtweite.

Im Mai dieses Jahres, nach dem Verschieben des Eröffnungstermins, hätte es zwingend eine Stunde null geben müssen. Eine Phase von Innehalten, harter Analyse und anschließend der durchgeplante Neustart, das wäre nötig gewesen. Stattdessen wurden Bauernopfer gesucht und gefunden, statt analysiert wurde verschleiert. Es schlug die Stunde der Nullen. Oder macht man es sich zu einfach, mal wieder nur von Nieten in Nadelstreifen zu sprechen? Am neuen Flughafen Berlin regiert die Politik, und zur Politik gehört es gelegentlich, dass man Zuständigkeiten verwischt, Verantwortlichkeiten delegiert, Vorwürfe versucht zu kontrollieren und auf andere zu wenden, die die eigene Macht gefährden könnten. Man war in den vergangenen Wochen mehr in den Hinterzimmern der Macht beschäftigt als mit der Baustelle, von der ständig neue Probleme gemeldet werden. Zum Beispiel sind zahlreiche Kabeltrassen im Terminal überbelegt, was nun mühsam und teuer korrigiert werden muss. »Ja, ist ’n Problem«, heißt es dazu lapidar in Gesellschafterkreisen.

Das stimmt. So wie fast alles offenbar ein Problem ist an diesem Flughafen.

Der Kardinalfehler, den die Flughafenchefs im Angesicht der Mai-Krise begingen, war der Rauswurf der Generalplaner von der pgbbi, eines Zusammenschlusses von Planungsbüros, zu dem unter anderem das Unternehmen des renommierten Architekten Meinhard von Gerkan zählt. »Das war das Dümmste, was man nur machen konnte«, sagt ein intimer Kenner der BER-Historie. »Das ist, als würde man den Kardiologen aus dem OP schmeißen, während man am offenen Herzen operiert.« Anton Hofreiter, grüner Vorsitzender des Bundestagsverkehrsausschusses, sekundiert: »Die haben ein schnelles Bauernopfer gesucht. Das darf nicht von den wahren Verantwortlichen ablenken, zum Beispiel in der Geschäftsführung und im Aufsichtsrat.«

Leserkommentare
    • Slater
    • 07. September 2012 9:35 Uhr

    immer nur einzelne Politiker im Nachhinein runter zu reden ist eine Sache,
    wichtig wäre aber auch für die Medien,
    gezielt über den allgmeinen Zustand zu informieren,

    jeden einzelnen CDU/SPD-Politiker, etwa Torsten Albig (SPD) neu in SH usw. kann zu 100% dasselbe passieren,
    ausgenommen vielleicht Merkel, die kann sich als einzige mit kompletter Unttätigkeit ausruhen,

    jedes noch aktuelle Projekt, über Stuttgart 21 muss man gar nicht erst reden, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit genauso an die Wand gefahren,
    warum immer erst im Nachhinein, warum wird nicht von Anfang an aufgezeigt was Planung von 5 Mrd. dann bedeuten, nämlich 15 Mrd.?

    man muss erklären, auf welchen Grundlagen das passiert,
    - Undemokratisierung durch Nicht-Wahlen (warum nicht heute abstimmen ob Wowereit zurücktreten soll)
    - Korruption an allen Ecken und Enden, wie bei Wulff bei jedem möglich
    - Intransparenz, keine öffentlichen Verträge, keine öffentlichen Sitzungen des Aufsichtsrat (bei einem staatlichen Flughafen?!) usw.

    all das führt nur zur einzig logischen Konsequenz,
    dass die derzeitige Politik komplett falsch läuft
    und mit den Piraten grundsätzlich besser

  1. Wer in ein paar Jahren die "Ausszeichnung"
    für das am schlechtesten geplante Bauwerk in Deutschland nach dem Jahr 2000 bekommt, ist noch offen.

    Die neue Landebahn in Frankfurt/M. ist unter den Anwärtern,
    und vor allem Stuttgart 21.

    Ich kann mich zur Zeit nur über die Rhetorik der Beteiligten verwundern. Welch ein Glück wohnene sie nicht einen Haus mit Balkenbauweise. Da würde sich so mancher einsturzgefährdent biegen.

  2. deren Politiker, allen voran Wowereit. Wie kann man so arrogant sein zu denken den Vorsitz für einen Flughafenbau leiten zu können. Mit der Klappe schon, aber nicht in Realität. Zu dumm für die Steuerzahler ausserhalb Berlins, daß sie für diese Unfähigkeit noch bezahlen dürfen.

    Höchste Zeit für den Rauswurf, politisch die Person, finanziell aus der TRansferunion.

  3. 12. Haftung

    Es wäre wichtig, dass die Aufsichtsratsmitglieder für ihr offensichtliches Verschulden auch mit ihrem privaten Vermögen haften. Erst wenn Wowereit den Rest seiner Tage als Hartz4er verbringen muss, werden künftige Politiker daran erinnert werden, dass Verantwortung auch wahrgenommen werden muss.

    • genius1
    • 07. September 2012 9:46 Uhr

    Warten wir mal ab.

    Stuttgart 21!

    Es kann immer noch schlimmer kommen.

    Alles kein Problem, wenn Entscheider ohne Haftungsrisiko sind!

    Kein Haftungsrisiko, keine Verhaltensänderung bei Entscheidern!

    2 Leserempfehlungen
    • CM
    • 07. September 2012 9:49 Uhr

    Übrigens, Her Amann war auch federführend bei anderen Projekten mit ähnlich gutem Ruf.

    1. Bau der Höchstgeschwindigkeits-Bahntrasse von Köln nach Frankfurt.

    Dort fahren heute sogar Züge.

    Dummerweise ist die Strecke so gebaut, daß dort keine Güterzüge fahren können, sondern stattdessen weiterhin das Rheintal verlärmen.

    Dummerweise ist die Strecke so gebaut, daß die Deutsche Bahn dort ihre gesamten Einnahmen aus den ICE-Fahrten allein für die Wartung der Gleise und Zugfahrwerke ausgeben muß, denn die Abnutzung ist so extrem, daß niemals wirtschaftlich gefahren werden kann.

    2. Ausbau des Frankfurter Flughafens.

    Ein komplettes Flora-Fauna-Habitat plattgemacht, eine ganze Region verlärmt.

    Der Herr Amann sucht sich wirklich immer renommierte Projekte aus.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dass langfristig auch Probleme mit der Standfestigkeit an einigen Stellen zu erwarten sind.

    Allein die Zahl der Probebohrungen wurde bewußt unter das vertretbare Minimum gelegt!

    MfG KM

    Das ist doch nicht Ihr Ernst? Schauem sie mal nach Japan wo, die Hochgeschwindigkeitstrassen so ausgebaut sind, daß man von einem Netz sprechen kann. Bei uns ist das bisher Flickwerk. Nun zu Ihrem Einwand. Wie sollte das gehen, daß Güterzüge und ICE auf einer Trasse fahren? Soll der ICE dann die Güterzüge schieben? Noch einmal nach Japan, dort fahren die Shinganzen "nur" auf eigens dafür gebaute Strecken und dies überall im 20 Minutentakt und dies sehr, sehr pünklich. Das ginge in einem Mischbetrieb überhaut nicht.

    <em>"Dummerweise ist die Strecke so gebaut, daß dort keine Güterzüge fahren können, sondern stattdessen weiterhin das Rheintal verlärmen."</em>

    Warum sollte man auf der gleichen Strecke Züge verkehren lassen, von denen die einen 80 km/h und die anderen 300 km/h fahren? Das wäre der Blödsinn in Tüten.

  4. passiert gar nichts, schon bei der Vergabe war die Staatsanwaltschaft tätig und die Firmen die da wiedermal involviert waren, haben ja schon ein Liste die kleinere Firmen ein Leben lang in D von öffentlichen Vergaben ausgeschlossen würden.

    Auch stellt sich die Frage welche Qualifikation Herr Schwarz und Herr Körtgen haben oder hatten um dort tätig zu werden.

    Der FLughafen zeigt eines der Hauptprobleme D in dieser Zeit auf, Korruption bzw. Nepotismus, Gender und Vitmain B als Hauptvoraussetzungen bei Stellenbesetzungen kann auf die Dauer nicht gut gehen.

    Eine Leserempfehlung
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    • Bashu
    • 07. September 2012 10:23 Uhr

    Es sind die Selbstinszeniere, die es mittels Ellenbogen und Rhetorik bis nach oben schaffen, nicht die Patrioten und vielleicht auch Wissenschaftler, die unser Land eigentlich bräuchte.

    Das traurige ist, dass keine der etablierten Parteien diese doch offensichtliche Klüngelei, Misswirtschaften und Korruption glaubhaft anprangert und Mechanismen vorschlägt, um dies zu beheben. Wenn man als Politiker selbst über diese Mechanismen ins Amt kam, ist das auch kein Wunder....

    Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht mehr, welche Partei man überhaupt noch wählen kann, es wird wohl wieder Pest oder Cholera...

  5. Nehmt die Herren aus der Politik in die persönliche Haftung und solche Geschichten gehören der Vergangenheit an.

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