GesellschaftskritikÜber Humor

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Musiker und Entertainer Helge Schneider

Musiker und Entertainer Helge Schneider  |  ©REUTERS/Tobias Schwarz

Helge Schneider , so steht es in der Zeitung, wurde gerade verlassen von seiner um einige Jahre jüngeren Freundin, so wie Otto Waalkes vor nicht allzu langer Zeit verlassen wurde von seiner um einige Jahre jüngeren Frau. Das ist natürlich eine erschütternde Nachricht für alle Männer, die sich selbst für lustig halten (und von denen gibt es ja nicht wenige, weil Humor eine angeblich sehr attraktive männliche Eigenschaft ist). Dass der Satz, den Frauen gerne zitieren, »wer mich zum Lachen bringt, darf mich auch küssen«, nicht stimmt, wissen diese Männer zwar schon seit der neunten Klasse, zu oft gelang ihnen nur das Erste. Aber ihnen blieb immer noch die Hoffnung, dass, nachdem die Frau – mit welchen Mitteln auch immer – erobert worden war, der Humor der Beziehung helfen könnte.

Denn was ist nützlicher als ein Mann, an dessen Scherzen man sich wärmen kann, wenn man im Winter bei eisigem Ostwind zu zweit auf die verspätete Straßenbahn wartet? Einer, der, wenn man gemeinsam auf einer Party in der Ecke steht, ein paar Witze weiß (»Treffen sich zwei Yetis im Himalaya , sagt der eine: Ich hab Reinhold Messner gesehen. Sagt der andere: Wie, gibt’s den wirklich?«). Sind kleine Kalauer (»Wie, du hast dir das Buch XYZ gekauft – und was machst du nun damit?«), so schlecht ihr Ruf auch sein mag, nicht so überlebenswichtig wie die Packung Kekse – an sich natürlich kein Hochgenuss – im Rucksack jenes Wanderers, der neulich sieben Tage lang in einer Gletscherspalte ausharren musste und überlebte?

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Muss man als Mann (als Frau vielleicht auch, aber vielleicht als Mann noch etwas mehr) nicht in jeder Lebenssituation eine Notreserve an konfektionierten Späßen haben, wenn es ernst wird in der Beziehung? Muss man, wenn die Frau nicht glücklich wirkt, nicht wenigstens versuchen, sie zum Lachen zu bringen, auch wenn es nur der immer gleiche Trick ist, den sie natürlich schon längst kennt? Und muss man beim kleinsten erkennbaren Lächeln von ihr nicht sofort rufen: Siehste, hast gelacht!

Gesellschaftskritik
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Weitere Artikel zur Serie "Gesellschaftskritik". Bitte klicken Sie auf das Bild.  |  © kallejipp

Oder macht sich der Mann, der Humor für einen Beziehungshelfer hält, lächerlich, wie Männer, die von der Natur mit Coolness beschenkt wurden, das gerne behaupten? Das ist nicht ausgeschlossen. Aber auch nicht wahrscheinlich. Im Ernstfall muss man es auch mit Humor versuchen. Der Fall Schneider jedenfalls spricht nicht gegen die These vom rettenden Humor. Denn nur seine Ex weiß, ob er zu Hause zuletzt auch nur noch ansatzweise witzig war.

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    • Serie Gesellschaftskritik
    • Schlagworte Buch | Helge Schneider | Hoffnung | Humor | Natur | Otto Waalkes
    • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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