Drei-Religionen-SchuleMein Gott, dein Gott ...

In Osnabrück ist eine "Drei-Religionen-Schule" gestartet. Das gefällt nicht allen von 

Eigentlich ist es doch eine wunderbare Sache, wenn sich Angehörige verschiedener Religionen an einen Tisch setzen und beschließen, gemeinsam eine Schule zu gründen. In Osnabrück ist das gelungen, Anfang September startete die sogenannte Drei-Religionen-Grundschule, in der muslimische, christliche und jüdische Kinder unter einem Dach lernen werden. Trotzdem verursachte das Vorhaben Unfrieden in der Friedensstadt.

Doch zuerst zur guten Nachricht: Das Bistum Osnabrück, der islamische Landesverband Schura Niedersachsen, die Türkisch-Islamische Union (Ditib) und die Jüdische Gemeinde haben Religionsgrenzen überwunden und einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Die katholische Schulstiftung des Bistums ist Träger der neuen Schule. An ihr sollen die Kinder zu religiöser Toleranz erzogen werden. Winfried Verburg, Leiter der Schulabteilung im Bistum Osnabrück und Initiator des Projekts, sagt: »Sie sollen in der Schule ihre eigene Religion leben und gleichzeitig voneinander lernen, damit es kein Gegeneinander der Religionen mehr gibt.«

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Ergänzen muss man aber, dass das Konzept auch aus der Not heraus geboren wurde. Denn Ort des Projektes ist die Johannisschule, eine ehemalige öffentliche katholische Bekenntnisschule, die von der Stadt getragen wurde. Nach niedersächsischem Landesrecht müssen dabei 80 Prozent der Schüler katholisch sein. Diese Quote wurde schon länger nicht mehr erreicht. Der Schulleiter wandte sich an den Stadtrat; der stand vor der Wahl, sie in eine öffentliche konfessionsfreie Schule umzuwandeln oder sie in die Hände des Bistums zu übergeben. Mit knapper Mehrheit entschied er sich für Letzteres.

An der neuen Schule wird das religiöse Leben im Alltag eine wichtige Rolle spielen und den Terminkalender mitbestimmen. Klassenfeste werde es während des muslimischen Fastenmonats Ramadan nicht geben, auch nicht samstags, wenn Juden den Sabbath feierten, erzählt Verburg, und Schulessen gibt es auf Glastellern, denn Porzellan wird mit der Zeit rau, dadurch könnten die Teller gründlicher von nicht koscheren Essensresten gereinigt werden. Religiöse Feste können die Schüler gemeinsam feiern. Grundsatz sei »die Gleichwertigkeit der Religionen«, sagt Winfried Verburg, »nicht die Gleichartigkeit«. Entsprechend zeigt das Logo der Schule Kreuz, Halbmond und siebenarmigen Leuchter, die zusammen einen Kreis bilden.

»Einen religiösen Mischmasch« werde es aber nicht geben, sagt die Schulleiterin Birgit Jöring. Die Kinder sollen sich der eigenen Wurzeln versichern. So gibt es einen katholischen, einen islamischen und einen jüdischen Religionsunterricht, jeweils mit ausgebildetem Fachlehrer. In Mathe oder Deutsch sitzen die Schüler in einer Klasse.

Hier setzen die Kritiker an, darunter viele Lehrer: Wozu dann der Aufwand? Um eine andere Religion kennenzulernen, brauche es doch keine private Religionen-Schule. Was da auf den Weg gebracht werde, sei schon längst Realität an Osnabrücker Grundschulen, mit Kindern aus vielen Nationen, mit unterschiedlichen Religionen. Natürlich werde da auch voneinander gelernt.

Und das ist die schlechte Nachricht: Keiner der 13 Lehrer der ehemaligen Johannisschule will bei der neuen Religionen-Schule dabei sein. Weil sie nicht überzeugt sind von der Neuartigkeit und Unverwechselbarkeit des Konzeptes, weil sie nicht von einer öffentlichen Schule an eine private wechseln wollen. Sie haben ihre Versetzung beantragt. So werden am 5. September fünf neue Lehrer die 22 Erstklässler begrüßen. Darunter sind neun katholische, acht muslimische Kinder und ein jüdisches Kind. Für das Schuljahr 2013/14 sind bereits 38 Schüler angemeldet.

Wer übrigens den Kooperationsvertrag der Drei-Religionen-Schule nicht unterschrieben hat, ist die evangelische Kirche. Das Konzept entspreche nicht den eigenen Vorstellungen multireligiösen Lernens.

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Leserkommentare
    • KaHe
    • 17. September 2012 18:56 Uhr

    Eine Notlösung, sodass die Katholiken weiterhin ihre Religionsaufassung durchsetzen können.
    Dafür haben sie die Muslime & Juden mit ins Boot geholt.
    Draußen bleiben die Protestanten.

    Das nenne ich mal Religions- , ähm, Schulpolitik!

  1. "...weil sie nicht von einer öffentlichen Schule an eine private wechseln wollen..."

    Ehrlich gesagt, sie haben Recht.

  2. Und ich dachte immer, Kinder sollten in der Schule was lernen.

    Darunter sind neun katholische, acht muslimische Kinder und ein jüdisches Kind.

    Die Kinder wird es wohl kaum interessieren, denn ohne diese Unterscheidung in Relegionen, würden sie wohl gemeinsam lernen und auch möglicherweise in ihrer Freizeit etwas unternehmen.

    Aber zum Glück sind ja da noch die Eltern und die Vertreter der jeweiligen Glaubensrichtungen davor.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ein "e" statt eines "i", da war ich zu schnell..

  3. 4. oh,...

    ein "e" statt eines "i", da war ich zu schnell..

    • fegalo
    • 17. September 2012 20:27 Uhr

    Das ist doch ein Projekt für die Eltern.

    Die Kinder müssen gar keine Toleranz lernen, weil sie noch gar nicht wissen, dass man andere Religionen bekämpfen muss.

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    • ztc77
    • 17. September 2012 21:00 Uhr

    Wer Kinder kennt, weiß dass Sie recht haben!!!

    Und übrigens:

    Wer Gott/Allah/Jahwe kennt, weiß es auch!

    • Marobod
    • 18. September 2012 0:22 Uhr

    Kann man nichts hinzufuegen :)

    • GDH
    • 18. September 2012 12:28 Uhr

    Sie haben Recht. Und dann steht im Artikel völlig unhinterfragt (und ohne "")
    "Darunter sind neun katholische, acht muslimische Kinder und ein jüdisches Kind."

    Dieser Satz ist ungefähr so sinnvoll, als würde man schreiben "Neun sozialdemokratische Kinder, acht Liberalisten und ein ökologisch-reformorientiertes Kind".

    Wieso wird hier unhinterfragt hingenommen, dass Eltern ihre Kinder Religionen beitreten, zu denen sie noch gar keine eigene Meinung haben können. Bei politischen Parteien wäre das Geschrei gewiss groß...

    Hätte Herr Schenk nicht wenigstens schreiben können, dass es sich im Kinder von ELTERN MIT EINER GEWISSEN RELIGION handelt? Man muss sich die Vorstellung von der Vererbbarkeit einer Religion ja nicht zu eigen machen, bloß weil manche Gläubige es so sehen.

  4. "Muslimisches Kind", "Katholisches Kind", "jüdisches Kind", wieso drücken Sie den Kindern solche Stempel auf? Hatten die je die Chance, sich aus freien Stücken zu einem dqavon zu bekennen?

    Ich halte es für falsch, Kinder in Schubladen zu stecken. Genau das aber tut diese Schule, genau das tut der konfessionelle Religionsunterricht. Haben wir Angst davor, unsere Kinder könnten sich eine eigene Meinung leisten?

  5. Ich bin der Meinung, dass Religion in der heutigen Zeit an Schulen nichts mehr verloren haben.
    Man könnte Religionen kulturhistorisch abhandeln - oder ab einem bestimmten Alter (6.Klasse ?) alle großen sowie kleineren Religionen gleichberechtigt unterrichten.
    Mir ist schon klar, dass die christliche Religion unsere Gesellschaft seit zwei Jahrtausenden prägt.
    Aber nachdem man feststellen konnte, wieviel Unheil allein durch Religion angerichtet wurde und wird.....
    Bitte - wer reiligiös sein will, soll das sein. In seiner Kirche/Moschee/Synagoge....oder zu Hause.
    Aber nicht in Schulen.

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    Kann ich das nur sagen!
    Ich bin in Hamburg auf eine Schule gegangen, in der der Religionsunterricht große und kleine Religionen behandelt hat, im Abi war eins der Themen sogar "Dialog der Religionen". Für mich war diese Art von Unterricht absolut einleuchtend.

    Warum muss in der Schule Religionsunterricht stattfinden, der nur nur eine Religion behandelt? Reicht es nicht aus, wenn im Elternhaus, in der Freizeit und in der Kirche/Moschee/wasauchimmer Religion gelebt wird? Warum kann in der Schule, in der es um Lernen, Diskutieren und Erfahren geht, nicht - wenn schon Religionsunterricht - dann eben ein wissenschaftlich-untersuchender Ansatz gewählt werden, eben wie an meiner Schule?

    Religion hat an Schulen nichts verloren.

    Das hat mich zu meiner Schulzeit schon massiv gestört, dieser Zwang etwas glauben zu müssen, das man für Firlefanz hält.

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  • Schlagworte Osnabrück | Schule | Religionsunterricht
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