Dieser Händedruck! So fest, dass es fast schmerzt. Schon bei der Begrüßung signalisiert Uwe Hück seinem Gegenüber: Du hast es hier mit keinem Weichei zu tun. Was ich anpacke, mache ich mit voller Kraft. Auch beim lockeren Gespräch vermittelt die Körperspannung des 1,90-Meter-Hünen mit dem prägnanten Glatzkopf permanent die Botschaft: Ich bin zum Kampf bereit.

Hück ist der Betriebsratsvorsitzende von Porsche. Bundesweit bekannt wurde der durchtrainierte Schwabe, als er sich in der Übernahmeschlacht gegen Volkswagen an die Seite des damaligen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking stellte. Der David aus dem Süden trat an gegen den Goliath aus dem Norden und dessen mächtige Alliierte – wie den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff und die Kanzlerin Angela Merkel.

Wiedeking, Hück und Co. haben das Spiel im Sommer vor drei Jahren verloren. Volkswagen hat den Spieß umgedreht und Porsche geschluckt. Wiedeking und Finanzchef Holger Härter mussten gehen, wurden »öffentlich hingerichtet«, wie Hück sich heute noch aufregt.

Der Betriebsratschef werde das nicht überleben, unkten seinerzeit die Auguren. Doch da kannten sie Hück schlecht. »Ich bin immer noch da, wie Sie sehen«, sagt er an einem heißen Augustnachmittag in seinem Betriebsratsbüro nahe dem Werkstor in Zuffenhausen. Er genießt das Vertrauen der 12.000 Porscheaner, zumindest der meisten. »Immer gleich wieder aufstehen, wenn man mal hingefallen ist«, sagt er. Das sei sein Lebensmotto.

Anderswo blieb etwas hängen. »Ach ja, der Uwe«, stöhnte ein Kollege von der Frankfurter IG-Metall-Zentrale, als er die Wolfsburger Kollegen so vor den Kopf stieß. Er überzieht manchmal, ist schwer berechenbar. Das ambivalente Image hat sich ins Gedächtnis der Organisation eingebrannt.

»Porsche hat verloren, weil wir am Ende keine Freunde mehr hatten«

Hück lässt das kalt, er ist bereit zu neuen Taten, er hat seine Autobiografie geschrieben, mit einer Botschaft, die weit über die PS-Branche hinausreicht: Volle Drehzahl – Mit Haltung an die Spitze.

In diesem Jahr ist Hück 50 Jahre alt geworden, und längst hat er die Niederlage gegen VW in einen Sieg umgedeutet. Das oberste Ziel, Porsche und VW zusammenzuführen, sei erreicht. Und »Porsche hat heute doppelt so viele Mitarbeiter wie vor drei Jahren«, sagt er. Dass dies eine Erfolgsgeschichte sei, könne doch keiner ernsthaft bezweifeln. Er hebt seine Stimme, seine Halsschlagader schwillt. Wer wagt da noch zu widersprechen?

»Kollegin, hol doch bitte mal die notarielle Urkunde zur Eigenständigkeit von Porsche her«, sagt Hück. Er hat es schriftlich. Die Stuttgarter haben ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen im vereinten VW-Porsche-Reich herausgeholt. Etwa wenn es darum geht, wo ein neues Porsche-Modell gebaut wird.

Hück hat seinen runden Geburtstag groß gefeiert, gleich zweimal: mit 5.500 Kollegen im Betrieb sowie privat mit Familie und illustren Gästen. Die Porsches und Piëchs haben ihm ihre Reverenz erwiesen. Alte Freunde wie der Filmstar Ralf Möller, der Sänger Udo Lindenberg und der SPD-Chef Sigmar Gabriel waren da, Ex-Kanzler Gerhard Schröder hat ihm mit einer Videobotschaft gratuliert. Lauter starke Männer. Denen fühlt er sich nah.

»Gute Freunde empfahlen mir, das Buch zu schreiben«, sagt Hück. Er könne mit seiner Lebensgeschichte in der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion ein Zeichen setzen. Dass eben nicht alles im Leben vom Geldbeutel und von der Herkunft abhänge. Dass einer wie Thilo Sarrazin, der jungen Migranten das Potenzial abspreche, voll danebenliege. Hück, der Kämpfer für die Unterschicht.

Wer auf den 214 Seiten überraschende Einblicke in die Auseinandersetzung zwischen Porsche und VW erwartet, eine radikale Abrechnung mit seinen damaligen Gegnern gar, der wird aber enttäuscht. Warum so zurückhaltend? »Ich wollte die Porsche/VW-Geschichte nicht als Mittelpunkt haben, sonst würde alles andere weggeschoben«, erklärt Hück und blickt auf ein großes Porträt des Firmenpatriarchen Ferry Porsche an der Wand. Aber eine Erkenntnis aus der damaligen Niederlage verrät er: »Porsche hat verloren, weil wir am Ende keine Freunde mehr hatten.« Nach der juristischen Aufarbeitung könnte er sich vielleicht »ein Extra-Buch« darüber vorstellen.

Diesmal geht es um andere Ziele.

»Jungen Leuten Mut machen« will er mit der Geschichte seines Aufstiegs vom Sonderschüler mit Hilfsarbeiterperspektive zum einflussreichen Betriebsrat, der die Zukunft eines Großunternehmens mitgestaltet. Er sieht sich, der Fortbildung sei Dank, gut gewappnet, um auf Augenhöhe mit Vorständen und Großaktionären zu verhandeln.