Cube Agree GTC: Von A nach B
Kolja Rudzio fährt mit dem Rennrad Cube Agree GTC die Westschleife des Hamburger Radrennens Cyclassics.
© Hersteller

Cube Agree GTC
Braucht man ein Fahrrad aus Carbon? Oder kann mein altes Rennrad aus Stahl heute noch mithalten? Merke ich überhaupt einen Unterschied, oder ist das bloß eine Marketing-Erfindung?
Die Antwort suche ich auf einem echten Rennkurs, der so genannten Westschleife der Hamburger Vattenfall Cyclassics. Das ist Europas größtes Radrennen, an dem jedes Jahr mehr als 20.000 Radsportler teilnehmen. Ich nicht, ich bin eher Genussradler. Die Westschleife ist 55 Kilometer lang, sie beginnt und endet in Hamburg und muss im wirklichen Rennen in höchstens 2:15 Stunden bewältigt werden, dann kommt der Besenwagen.
Zuerst nehme ich das Cube Agree GTC auf die Strecke. Es hat einen wulstigen Rahmen, grazile Konstruktionen sind mit den Kunststofffasern nicht möglich. Dafür sind sie leicht. Am Anfang bremsen mich Ampeln, der Verkehr, holprige Radwege. Doch hinter Schenefeld, in Schleswig-Holstein, kann ich richtig in die Pedale treten. Und das fühlt sich extrem gut an, leicht und geschmeidig. Selbst das Schalten – man tippt bloß seitlich an die Bremsgriffe. Bei meinem Oldtimer muss ich am Rahmen zwei Hebel umlegen.
Der zweite Teil der Westschleife führt an der Elbe zurück nach Hamburg. Hier merke ich, dass ich noch kein echter Radsportler bin, ich gönne mir Pausen – an der Schiffsbegrüßungsanlage in Wedel und in der Strandperle, einem Lokal am Elbufer. Zu schön, um vorbeizurasen. Nach etwa sechs Stunden trudele ich in der Mönckebergstraße ein, dem Ziel. Eigentlich wollte ich meine Zeit stoppen.
Eine Woche später ein neuer Versuch, jetzt ohne Pausen. Ergebnis: 2:31 Stunden. Nicht schlecht. Dafür, dass ich ohne Windschatten fahre und auf Ampeln achten muss. Dann ist mein Stahlrad dran. Wieder brauche ich mehrere Anläufe – mal kommt ein Päuschen dazwischen, mal ein Sturm –, am Ende schaffe ich 2:14 Stunden. Schneller als mit dem Carbon-Flitzer! Ist es das Training der letzten Wochen? Fast 300 Kilometer bin ich inzwischen gefahren, nicht einmal, sondern fünfmal von A nach B, und habe doch kein richtiges Testergebnis. Sicher ist: Das Rad von Cube fährt sich irrsinnig leicht, ich gebe es ungern zurück. Aber statt in Carbonfasern investiere ich jetzt erst mal in Muskelfasern.
Nachtrag: Kurzentschlossen bin ich bei den Cyclassics gestartet. Mit dem Stahlrad. 1:38 Stunden! Seither grüble ich: Wie schnell wäre ich mit dem Carbon-Rad gewesen?
Technische Daten
Rahmen: Carbon
Reifengröße: 28 Zoll
Gewicht: 8,4 kg
Schaltung: 20-Gang-Kettenschaltung
Bremsen: Seitenzug-Felgenbremsen
Basispreis: 1.399 Euro
Kolja Rudzio ist Redakteur im Wirtschaftsressort der ZEIT











Vielleicht hilft die Betrachtung technischer Aspekte ein wenig weiter. Ein wesentlicher Vorteil eines Carbon-Rades ist zum einen das etwas geringere Gewicht und zum anderen die grössere Steifigkeit. Alle anderen Dinge, wie z.B. die praktischen Brems-Schalthebel, kann man auch an einem Stahlrahmen anbringen.
Ein geringeres Gewicht hilft jedoch nur beim anfahren und am Berg. Der verringerte Rollwiderstand ist vernachlässigbar, denn bei 30 km/h macht der Luftwiderstand 80% oder 90% des Fahrwiderstands aus. Die Steifigkeit sorgt sicherlich für ein besseres, exakteres Fahrgefühl, doch vorwärts bringt einen das nicht.
Wesentlich ist also der Luftwiderstand. Zum Beispiel die Anzahl der Speichen. Die Speichen sind die einzigen Teile des Fahrrads, die sich mit doppelter Fahrgeschwindigkeit gegen den Wind stemmen. Eine Reduktion von den üblichen 36 Speichen auf 28 Speichen bringt einen spürbaren Vorteil. Und dann ist da der Luftwiderstand des Carbonrahmens. Er ist deutlich dicker als der Stahl-Klassiker. Also hat er mehr Luftwiderstand.
Sind Einem all diese Betrachtungen zu kompliziert, hilft vielleicht eine sehr einfache Beobachtung: einen dickeren und damit steiferen Rahmen könnte man auch aus Stahl bauen. Doch man tut bzw. tat es nicht. Warum wohl?
der einen über die Berge/Hügel oder Strecke bringt.
Natürlich ist technischer Fortschritt eine feine Sache. Ich möchte mir gar nicht mehr vorstellen wie es war am Rahmen zu schalten. Hände am Lenker und alles im Griff - wunderbare Sache.
3-fach oder Compact?
Nie mehr leiden oder Held sein.
Solche Fragen sind vergleichbar mit Stones oder Beatles, Geha oder Pelikan.
Jetzt hält auch noch die Elektronik Einzug und verbannt die Schaltzüge. Jeder wie es mag.
Ich wurde schon von Pensionären auf einer Gazelle überholt, ließ aber auch schon Carbonräder am Berg hinter mir. Ich persönlich habe aufgegeben die Probleme meiner körperlichen Verfassung am Rad zu suchen.
50 Gramm sparen am Vorbau, dann auch noch die sündhaft teure Sattelstütze, aber hey .. dieses Gewicht muss ich nicht mehr mitnehmen. Ok, ich könnte am eigenen Gewicht was tun, rasiere mir aber die Beine - spart auch.
Was ich damit sagen will?
Wohlfühlen!
Mein erstes Klapprad brachte mich überall hin, heute schaue ich voller Mitleid auf Leute die ein solches aus dem Kofferraum schälen "Muss das denn noch sein, in der heutigen Zeit?"
Ja.
Wenn es selbst schon MTBs mir Elektro gibt, Bitteschön.
Jeder wie er mag.
Glückwunsch überhaupt daran teilzunehmen.
sollte hier nicht unerwähnt bleiben:
Carbonrahmen haben gegenüber Stahl- und Alurahmen wesentlich bessere Dämpfungseigenschaften und bieten deshalb mehr Fahrkomfort. In den letzten Jahren wurden bezüglich des Fahrkomforts Riesenfortschritte gemacht. Die Sitzstreben wurden schlanker und flexibler, die Sattelstützen aus Carbon schlucken Fahrbahnunebenheiten und es gibt 25 mm - Rennradreifen, die bei gleichem Rollwiderstand besser dämpfen als 23 mm - Reifen.
Ich möchte jedenfalls mein Carbonrad nicht mehr gegen einen bockharten Alurenner aus den 90er Jahren tauschen.
Ich freue mich über die vielen interessanten Leser-Kommentare zu dieser kleinen Kolumne! Der Artikel war für das gedruckte ZEIT-Magazin geschrieben, das leider keine Silbe mehr Platz lässt. Sonst hätte ich gerne noch viel mehr geschrieben, auch zum Thema Komfort: Diesen Unterschied spürt man sehr schnell. Jedenfalls ging mir es so, dass ich mich vor allem bei den ersten längeren Fahrten mit dem alten Rennrad (ich habe es erst vor einem Jahr gebraucht geschenkt bekommen) wesentlich schlechter – geradezu gerädert – gefühlt habe als nach den Touren mit dem Carbon-Rad. Ansonsten würde ich denken, dass ein gutes Rennrad aus Aluminium wahrscheinlich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.
Ich freue mich über die vielen interessanten Leser-Kommentare zu dieser kleinen Kolumne! Der Artikel war für das gedruckte ZEIT-Magazin geschrieben, das leider keine Silbe mehr Platz lässt. Sonst hätte ich gerne noch viel mehr geschrieben, auch zum Thema Komfort: Diesen Unterschied spürt man sehr schnell. Jedenfalls ging mir es so, dass ich mich vor allem bei den ersten längeren Fahrten mit dem alten Rennrad (ich habe es erst vor einem Jahr gebraucht geschenkt bekommen) wesentlich schlechter – geradezu gerädert – gefühlt habe als nach den Touren mit dem Carbon-Rad. Ansonsten würde ich denken, dass ein gutes Rennrad aus Aluminium wahrscheinlich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.
1.Carbon macht sich als Material sicher nicht im Flachland bemerkbar, wenn Sie Berge fahren, rechnet sich aber jedes Gramm
2. die Zeit aus dem Rennen ist mit den ersten Zeiten nicht vergleichbar, denn ich nehme mal an, sie sind die Cyclassic Runde wohl kaum alleine ohne Gruppe und Windschatten gefahren
3. sicher macht der Körper in etwa 85%Anteil der Leistungsfähigkeit aus, der Rest ist Material und äußere Bedingungen, sprich ein Profitrikot macht noch keinen Profi
Die alte Erkenntnis: Das entscheidende Bauteil am Fahrrad ist der Antrieb.
Wenn jemand also seinen Carbon-Renner so cool findet, dass er gerne mehr damit trainiert, dann hat es einen Effekt. Alles andere ist nebensächlich.
und dergleichen sind meiner Meinung nach wichtiger als Alu, Stahl oder Carbon.
Ein Billig-Rad aus dem Discounter, das sich mit "Carbon" schmückt und sonst nur mäßige Teile verbaut hat, bringt nicht weiter. Lieber genau das passende Rad mit Rahmenhöhe, Sattel usw. aussuchen.
Und dann trainieren, viel, und richtig :-)
Ich bin sicher mit Ihnen einer Meinung, wenn es um die richtige Größe und haltbare, gut justierbare Komponenten geht.
Aber was die Kugellager angeht, kann ich mir nicht vorstellen, dass das einen entscheidenden Unterschied macht. Ich kenne es allerdings nur aus dem Longboard (Downhill & Slalom) Sport. Und selbst da drehen sich die kleinen Rollen nicht schnell genug, als das ein Satz 400€ Keramikkugellager über Sieg oder Niederlage entscheiden würde. Und seien wir ehrlich: Fahrradkugellager sind deutlich weniger harten Belastungen und Drehzahlen ausgesetzt...
Ich bin sicher mit Ihnen einer Meinung, wenn es um die richtige Größe und haltbare, gut justierbare Komponenten geht.
Aber was die Kugellager angeht, kann ich mir nicht vorstellen, dass das einen entscheidenden Unterschied macht. Ich kenne es allerdings nur aus dem Longboard (Downhill & Slalom) Sport. Und selbst da drehen sich die kleinen Rollen nicht schnell genug, als das ein Satz 400€ Keramikkugellager über Sieg oder Niederlage entscheiden würde. Und seien wir ehrlich: Fahrradkugellager sind deutlich weniger harten Belastungen und Drehzahlen ausgesetzt...
...aber mit einem alten Stahlrad mit Rahmenschaltung mal so nebenbei einen 35 km/h Schnitt gefahren.
Das ist vielleicht einer der Gründe warum ich keinem Wirtschaftsredakteur mehr ein Wort glaube :-).
… im Sog der Carbonschlampen :)
Ja, ja, misstrauen Sie Wirtschaftsredakteuren ruhig, oder Journalisten im allgemeinen, das ist bestimmt nicht verkehrt. Ansonsten: Ich hab kein Auto, nicht einmal mehr eine Monatskarte, fahre einfach gerne viel Rad. Aber den wahnsinnigen Spaß, den so ein Radrennen machen kann (oder fast noch schöner: eine RTF, eine Tourenfahrt), habe ich erst jetzt entdeckt. Kann ich nur empfehlen!
… im Sog der Carbonschlampen :)
Ja, ja, misstrauen Sie Wirtschaftsredakteuren ruhig, oder Journalisten im allgemeinen, das ist bestimmt nicht verkehrt. Ansonsten: Ich hab kein Auto, nicht einmal mehr eine Monatskarte, fahre einfach gerne viel Rad. Aber den wahnsinnigen Spaß, den so ein Radrennen machen kann (oder fast noch schöner: eine RTF, eine Tourenfahrt), habe ich erst jetzt entdeckt. Kann ich nur empfehlen!
Ich bin sicher mit Ihnen einer Meinung, wenn es um die richtige Größe und haltbare, gut justierbare Komponenten geht.
Aber was die Kugellager angeht, kann ich mir nicht vorstellen, dass das einen entscheidenden Unterschied macht. Ich kenne es allerdings nur aus dem Longboard (Downhill & Slalom) Sport. Und selbst da drehen sich die kleinen Rollen nicht schnell genug, als das ein Satz 400€ Keramikkugellager über Sieg oder Niederlage entscheiden würde. Und seien wir ehrlich: Fahrradkugellager sind deutlich weniger harten Belastungen und Drehzahlen ausgesetzt...
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