Was kostet ein Weizenbrötchen, mit Sesam bestreut, mit Rinderhackfleisch, Zwiebeln, Essiggurkenscheiben, Eisbergsalat und Schmelzkäse belegt? In Washington sind es 3,99 Dollar. In Berlin kostet es umgerechnet 4,61 Dollar, in Zürich 6,78 Dollar. Und in Peking müssen die Menschen bei der Burgerkette McDonald’s umgerechnet 2,31 Dollar für einen Big Mac bezahlen. Das sind mehrere Dollar Preisunterschied – für einen Hamburger, der überall auf der Welt gleich zubereitet wird. Nur in Indien, wo die Kuh heilig ist, kommt Hühnchen statt Rindfleisch darauf.

Der Big Mac ist nicht nur ein Burger, er ist auch ein wirtschaftlicher Indikator: In den achtziger Jahren hat das britische Magazin The Economist aufgrund der immer gleichen Beschaffenheit des Hamburgers den Big-Mac-Index entwickelt. Die Überlegung dahinter: Wechselkurse müssten sich so einpendeln, dass sich die Preise für ein identisches Produkt – in Dollar umgerechnet – in zwei verschiedenen Ländern über kurz oder lang angleichen. Auf dieser Grundlage lassen sich Währungen miteinander vergleichen. Zum Beispiel war der Schweizer Franken im Vergleich zum Dollar laut Economist bei der letzten Untersuchung im Juli etwa 52 Prozent überbewertet, der chinesische Yuan dagegen war fast 42 Prozent unterbewertet.

Dass freie Wechselkurse so schwanken, können Anleger ausnutzen. Wer beispielsweise am 1. August 1.000 Euro in norwegische Kronen angelegt und zehn Tage später wieder zurückgetauscht hat, machte 17 Euro Gewinn. Gefragt sind für diese Art der Anlage besonders Fremdwährungskonten, eine auf den ersten Blick denkbar einfache Anlageform: Bei vielen Banken ähneln Fremdwährungskonten einem Tagesgeldkonto, es sind täglich verfügbare Verrechnungskonten, auf denen das Guthaben statt in Euro in US-Dollar, Schweizer Franken oder norwegischen Kronen geführt wird. Ob sich ein Fremdwährungskonto lohnt, hängt von den Konditionen ab – und natürlich davon, wie die Devisen sich entwickeln.

Der Big-Mac-Index lässt darüber hinaus leicht erkennen, wie sich die Währungen langfristig entwickeln. So hat die Staatsschuldenkrise im vergangenen Jahr den Euro im Vergleich zum US-Dollar geschwächt. Im Juni 2011 hatte der Euro im direkten Preisvergleich der Hamburger noch eine Überbewertung von 21 Prozent aufgewiesen. Innerhalb eines Jahres hat die Währung gegenüber dem Dollar dann fast zwölf Prozent verloren.

Viele Anleger sind wegen der Euro-Schwankungen verunsichert und setzen zunehmend auf ausländische Zahlungsmittel. Die Comdirect Bank spürt ein erhöhtes Interesse, ebenso das Bankhaus HSBC Trinkaus. »Wir beobachten seit einigen Jahren eine deutlich wachsende Nachfrage bei unseren Fremdwährungskonten – seit 2009 haben sich die Einlagenvolumina um 350 Prozent gesteigert«, sagt Thomas Pfaff, Vorstandsvorsitzender des Sparkassen Brokers, der Wertpapiergeschäftsplattform der Sparkassen. Die Zinsen variieren dabei sehr stark: Bei der Comdirect Bank wird der südafrikanische Rand mit drei Prozent pro Jahr verzinst, die türkische Lira mit einem Prozent. Der Sparkassen Broker zahlt generell keine Zinsen auf Währungskonten.

Auch die Kosten für ein solches Konto unterscheiden sich: Während die DAB Bank keine gesonderten Gebühren verlangt, sondern über einen Aufschlag bei den Wechselkursen verdient, fällt bei der Comdirect Bank beim Kauf und Verkauf einer fremden Währung eine Gebühr von je einem Prozent des Anlagebetrags an.