AtommüllWeg! Weg!! Weg!!!

Bloß weg mit dem Atommüll. Doch wohin? Eine kleine Geschichte der Entsorgungspolitik – ihrer Illusionen, Fantasien und Lügen von Manfred Kriener

Ein Arbeiter tief im ehemaligen Bergwerk Asse bei Remlingen, in dessen Schächte Atommüll liegt (Archivfoto).

Ein Arbeiter tief im ehemaligen Bergwerk Asse bei Remlingen, in dessen Schächte Atommüll liegt (Archivfoto).  |  © Nigel Treblin/Reuters

Und noch einmal alles auf Start: 52 Jahre nach Inbetriebnahme des ersten deutschen Kernkraftwerks beginnt die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle wieder von vorn. Dabei befinden wir uns in bester Gesellschaft. Während weltweit 429 Reaktoren in 30 Ländern laufen, konnte keine Nation ein Lager in Betrieb nehmen, das die wichtigste Anforderung erfüllt: die Isolierung der Abfälle von der Biosphäre für Zehntausende Jahre. In immer neuen Zwischenlagern und Abklingbecken, in Bohrlöchern und Tanks wird der Müll aufbewahrt. Die »ungelöste Entsorgung« ist zum lexikalischen Begriff geworden, zu einem entscheidenden Einwand gegen die Nutzung der Atomenergie.

Die Beseitigung der strahlenden Abfälle gehörte von Beginn an zu den großen Herausforderungen, seit dem Physiker Enrico Fermi am 2. Dezember 1942 die erste kontrollierte atomare Kettenreaktion in einem Militärlabor in Chicago gelang. Auch die USA als größte zivile und militärische Atommacht besitzen kein funktionstüchtiges Endlager. In den vierziger Jahren praktizierten sie, wie später auch Großbritannien, das Entsorgungskonzept der »fünf V«: Verdünnen, Verteilen, Vergraben, Versickern und vor allem Versenken.

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    Übersicht zu diesem Artikel
    1. Seite 1 Weg! Weg!! Weg!!!
    2. Seite 2 Was ist eine geordnete Beseitigung? Die Entsorgung im All?
    3. Seite 3 An einigen Salzstöcken gibt es unter dem Vorwand der Ölsuche Probebohrungen
     
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    Leserkommentare
    1. Angeblich "haben sich Bund und Länder auf den Neustart für eine transparente Standortsuche verständigt."

      Doch an der praktischen Umsetzung hapert es. Die maßgeblichen Politiker sind wohl überheblich der Meinung, sie könnten das Problem auf die Schnelle mit einem Gesetz lösen. Das muss wegen der fehlenden Sachkenntnis scheitern. Politiker sollten sich auf Politik beschränken.

      Wie wäre es mit einer Entschließung wie 1979 (siehe http://www.bfs.de/de/bfs/...). Damals wurde sich auf Gorleben festgelegt, den heutigen Erkenntnisstand könnte man wie folgt formulieren:

      "Die Regierungschefs von Bund und Ländern kommen überein, dass die Suche nach einem bestmöglichen Endlager für radioaktive Abfälle aus wissenschaftlichen Gründen und insbesondere zur Einhaltung des Strahlenschutzgrundsatzes der Minimierung in allen Bundesländern notwendig ist. Dem liegt zugrunde, dass für eine möglichst sichere Endlagerung die natürlichen geologischen Barrieren mit höchster Priorität herangezogen werden müssen. Eine nur an einem Standort geführte Argumentation zur Langzeitsicherheit kann wegen der enormen Unsicherheiten und des Nichtwissens bei den notwendigen Prognosezeiträumen von einer Million Jahren und mehr keine rationale Entscheidungsgrundlage sein."

      Siehe auch
      http://endlagerdialog.de/...

    2. Historisch fehlt hier der Plan zur deutschen Atombombe. Adenauer war nicht darüber betrübt, dass die USA die Abfälle nicht zurück haben wollte. Er hatte wohl den Plan, mit deutscher Beteiligung eine europäische Atombombe zu entwickeln. Siehe
      http://www.zeit.de/1996/3...

      Deshalb wurde offensichtlich die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe gebaut. Aus dieser stammen ein Großteil der Abfälle in der Asse http://endlagerdialog.de/... und etwa ein Drittel der für das Endlager Konrad vorgesehenen Abfälle http://endlagerdialog.de/...

      3 Leserempfehlungen
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      Eine sehr gut recherchierte Geschichte. Noch ein kleiner Hinweis: Immer wieder diente Italien als Ausgangspunkt für europäische Nuklearabfälle, die dann unter Mithilfe von Geheimdiensten und Mafiosi irgendwo "verschwanden". Nachzulesen ist das in dem spannenden Buch "Die Müllmafia".

      • zappp
      • 24. September 2012 14:33 Uhr

      Sich der Sorgen um den Müll entledigen, nicht des Mülls selbst. Das war seit Anbeginn der Zweck.

      3 Leserempfehlungen
    3. 4. .....

      Der Artikel dokumentiert eine völlig gescheiterte Problemlösung. Dies liegt jedoch in der Natur der Sache, denn das Problem mit dem Atommüll war von Beginn an zum Scheitern verurteilt.
      Niemand kann solche Zeiträume überblicken, das hätte allen Verantwortlichen klar sein müssen.

      Es zeigt aber auch sehr schön auf, wie kurzsichtig Politiker handeln und sich um die Konsequenzen für die nachfolgenden Generationen herzlich wenig kümmern.

      Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass die nachfolgenden Generationen für diese verantwortungslose Art der Politik genauso viel Verständnis haben werden, wie wir für die Inquisition übrig haben.

      9 Leserempfehlungen
    4. Gerade wegen solchen Meldungen muss man die Energiewende auch ernsthaft durchführen und nicht halbherzig.
      Wenn wir noch nicht einmal in der Lage sind, das einzulagern, was wir bislang verbraucht haben, stellt sich doch die Frage, wo der Atommüll hin soll, der noch kommen wird.
      Da bleibt nur ein Ausstieg aus der Atomenergie so schnell wie möglich und das nicht nur national sondern international (Japan lässt grüßen).

      6 Leserempfehlungen
      • klunjes
      • 24. September 2012 14:55 Uhr

      Und wenn wir nicht genug von dem strahlenden Sondermüll selber haben, holen wir ihn halt von woanders her. Wie gestern Abend der Fall: die radioaktiv strahlenden Restmüll-Atomeier aus Sellafield wurden ordnungsgemäß dem AKW Grohnde ins Zwischenlagernest gelegt. Darauf einen...!

      3 Leserempfehlungen
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      • lemax11
      • 24. September 2012 15:04 Uhr

      Dies dürfte wohl unser eigener Müll sein, der von uns (Deutschen) in die dortige Wiederaufbearbeitungsanlage geschickt wurde.

      • Slater
      • 24. September 2012 14:59 Uhr

      würde man von diesem Thema aus aus irgendeinem Grund an die Piratenpartei denken, wäre der erste Vorwurf gleich wieder, dass diese keine 'Lösung' dazu haben, genauso wie z.B. zum Euro/ zu den Staatsschulden,

      es sind eben menschen-/ politikgemachte Mammutprobleme, zu denen auch all die anderen Parteien in 10-100 Jahren vielleicht sehr viel Text, Strategien, Aktione und Kosten beigetragen haben, aber auch noch nie eine Lösung,

      anfangen müsste es immer mit Ehrlichkeit, dass es keine Wohlfühllösung gibt, zumindest noch nicht bekannt und nicht gerade hochwahrscheinlich, und dass man ein echtes Langzeitproblem vor sich liegen hat,

      der zweite Schritt wäre Verstaatlichung aller Atom-Energieversorger, Einbehaltung derer 10 Mrd. Gewinn pro Jahr für die nächsten 30 Jahre, sowie hoffentlich schon vorhandener gewisser Rücklagen, so viel zu klein sie auch immer sein mögen

      Eine Leserempfehlung
      • lemax11
      • 24. September 2012 15:04 Uhr

      Dies dürfte wohl unser eigener Müll sein, der von uns (Deutschen) in die dortige Wiederaufbearbeitungsanlage geschickt wurde.

      3 Leserempfehlungen
      Antwort auf "Entsorgungsirrsin"

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