In den Aufstiegsjahren zerbrach Wulffs erste Ehe. Seine Frau Christiane hatte wenig Lust zu repräsentieren, sie führte lieber ihr eigenes Leben. Glaeseker und seine Frau Vera spielten häufig die Vermittler zwischen den Eheleuten, auch, als sich das Paar trennte. So kam es zu den gemeinsamen Urlauben von Wulffs Exfrau Christiane, der gemeinsamen Tochter Annalena und Olaf Glaeseker beim Partyveranstalter Schmidt, von denen Wulff nichts gewusst haben will.

Als Christian Wulff sich 2006 bei einer Reise in die damalige Pressereferentin der Firma Continental, Bettina Körner, verliebte, wurde es kompliziert. Anfangs sei sie nicht sehr angetan gewesen, schreibt Bettina Wulff in ihrem Buch, doch dann habe Christian Wulffs lockere Art sie überrascht und überzeugt. Der Kontakt ging von Wulff aus, per SMS, ein Medium wie für Wulff gemacht, leise, dezent. Beim ersten Treffen habe zufällig ein Gast am Nebentisch gesessen, der die Bild- Zeitung verständigt habe. Bettina Wulff schildert es als Beginn einer romantischen Affäre, die sich in einen Albtraum verwandelte. Sie, die der Öffentlichkeit als First Lady par excellence erschien, will unter dem Amt vor allem gelitten haben.

Für Glaeseker war die Neue zunächst eine Herausforderung: Trennung von Frau und Kindern, Scheidung – das versprach miese Schlagzeilen für einen konservativen Politiker, der seine Beliebtheit seinem Heile-Welt-Image verdankte. Glaeseker löste die Aufgabe mithilfe der Bild- Zeitung, in der Christian Wulff sowohl die Trennung von seiner Frau als auch die Schwangerschaft seiner neuen Liebe bekannt gab. Vor das Bild der verlassenen Ehefrau schob sich das neue Bild des strahlenden Paars.

Es war aber nicht der alte Verbündete Glaeseker, der im Frühsommer 2010 als Erster von einer aufregenden Neuigkeit erfuhr, sondern Bettina Wulff: Angela Merkel trug Christian Wulff am 1. Juni 2010 das Amt des Bundespräsidenten an. Und Olaf Glaeseker, der eigentlich nie nach Berlin gewollt hatte, ging mit. Bettina Wulff tat es auch. Sie habe, schreibt sie, keine wirkliche Wahl gehabt. Christian Wulff war der Mann im Vordergrund, der Hoffnungsträger; sein Leben, seine Bedürfnisse gaben den Takt an.

Olaf Glaeseker, den Bettina Wulff den »früheren Sprecher meines Mannes« nennt, hatte das Gefühl, dass er verzichten musste. Mit dem Wechsel nach Berlin gab er seinen Titel als Staatssekretär auf, einen eigenen Dienstwagen, er bekam auch nicht mehr Geld. Vor allem aber verlor er an Einfluss. Immer wieder fand sich Glaeseker, der vom Ruf des Allwissenden lebte, in der Situation wieder, nicht gut informiert zu sein. Dass Wulff seine Flitterwochen bei dem Aufsichtsratschef des Versicherungsunternehmens Talanx verbrachte, will Glaeseker erst im Nachhinein erfahren haben – genau wie von dem Urlaub, den Wulff gleich nach seinem Amtsantritt zusammen mit seiner Frau bei dem umstrittenen Unternehmer Carsten Maschmeyer auf Mallorca verbrachte. Wulff habe ihm dies verschwiegen, aus Sorge, er werde ein Veto einlegen und die Reise verhindern. Dann wäre Wulff in eine unangenehme Lage zwischen Sprecher und Ehefrau geraten.

In den Medien, auch denen, die sich jetzt so über die bösen Gerüchte empören, ist Bettina Wulff häufig als eine dargestellt worden, die es auf Promis abgesehen habe, die ihren Mann in den ganzen Glamour hineingetrieben habe. Das Muster ist so alt wie simpel: Dahinter steckt doch bestimmt »sie«. Das blonde Gift. Detailliert beschreibt Bettina Wulff in ihrem Buch die Genese ihrer Partnerschaften. »Ich gehe beim Verlieben nicht nach dem Schema vor ›Reich und berühmt‹! Und wenn ich das sage, tue ich dies im Hinblick auf meine bisherigen Beziehungen.« Bisherige Beziehungen, eine seltsam entrückte Formulierung.

Vielleicht war es genau umgekehrt, vielleicht war Bettina Wulff für ihren Mann das Upgrade seines Lebens.

Mit Andeutungen habe sie versucht, ihrem Mann ihr Unbehagen an ihrer Situation mitzuteilen, schreibt Bettina Wulff, doch der sei zu sehr mit sich beschäftigt und physisch und psychisch nicht in der Lage gewesen, »sich über allem auch noch mit mir auseinanderzusetzen«. Dass er dies heute bereue, mache ihn nahbar und menschlich. »Aber es zeigt vor allem auch die massive Fremdbestimmung bei ihm.« Jahrzehntelang habe er alles Persönliche, alle Gefühle und Bedürfnisse hintangestellt.

Man kann Christian Wulffs Geschichte der politischen Affären auch lesen als die Geschichte eines Mannes, der Ersatzwünsche suchte, weil er zu den eigenen Wünschen keinen Bezug mehr fand. Weil er sich selbst nicht mehr fand. Der erst seinen alten Angstgegner Gerhard Schröder imitierte bis zur Karikatur und dann seiner Frau Bettina imponieren wollte, der Frau, die der Zugang zu einem schöneren Leben sein sollte und die jetzt alles ist, was ihm bleibt. Falls sie bleibt.

Begonnen hat alles – das hat man inzwischen fast vergessen – mit der schlichten Frage, wie Christian Wulff sein Haus in Großburgwedel finanziert und warum er noch als Ministerpräsident im niedersächsischen Parlament nicht die ganze Wahrheit gesagt hatte, als er nach seiner Beziehung zum Ehemann seiner Kreditgeberin gefragt wurde. Wulff wollte die Berichterstattung verhindern oder verzögern und rief am 12. Dezember 2011 Kai Diekmann an, den Chefredakteur von Bild, um sich zu beschweren. Er landete aber auf der Mailbox.