Ex-BundespräsidentDie Chronik des Falls Wulf

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, seine Frau Bettina und sein früherer Vertrauter Olaf Glaeseker erlebten Aufstieg und Abstieg. Eine Chronik von 

1998: Der niedersächsische CDU-Spitzenkandidat Christian Wulff verliert die Wahl und stellt daraufhin den Journalisten Olaf Glaeseker als Berater ein.

2003: Wulff wird Ministerpräsident in Niedersachsen, Glaeseker kommt als Regierungssprecher mit.

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2006: Wulffs erste Ehe scheitert, Bettina Körner wird die neue Frau Wulff. Glaeseker setzt das Paar in den bunten Medien ins rechte Licht.

September 2007: Das Land Niedersachsen votiert im Bundesrat gegen eine Steuererhöhung für Versicherungen. Später wird bekannt, dass das Landeskabinett zuvor ein anderes Abstimmungsverhalten vereinbart hatte.

März 2008: Christian und Bettina Wulff verbringen ihre Flitterwochen in der Toskana in einem Haus, das Wolf-Dieter Baumgartl gehört, dem Aufsichtsratschef der Hannoveraner Talanx-Versicherungsgruppe. Baumgartl ist kein persönlicher Freund von Wulff, sondern einer der Sponsoren des Nord-Süd-Dialogs, einer Lobbyveranstaltung von Niedersachsen und Baden-Württemberg.

Oktober 2008: Das Ehepaar Wulff will ein Haus in Großburgwedel kaufen und erhält einen Privatkredit über 500000 Euro von Edith Geerkens, Ehefrau des langjährigen Wulff-Freundes Egon Geerkens.

Dezember 2009: Die Wulffs sind zu Gast beim Ehepaar Geerkens in Florida. Von der Fluggesellschaft Air Berlin nehmen sie ein kostenloses Upgrade in die Businessclass an, Wert: etwa 3000 Euro.

Februar 2010: Im Niedersächsischen Landtag erklärt Ministerpräsident Wulff, er habe in den vergangenen zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen zu Egon Geerkens gepflegt. Den Privatkredit verschweigt er.

März 2010: Wulff löst das private Darlehen durch einen Kredit der BW-Bank, der baden-württembergischen Landesbank, ab. Der Vermittler des Kredits ist sein Freund Egon Geerkens.

Juni 2010: Wulff wird zum Bundespräsidenten gewählt.

Juli 2010: Wulff verbringt seine Ferien auf Mallorca in der Villa des Unternehmers Carsten Maschmeyer – auf dessen Einladung.

Ab Dezember 2010: Es gibt Gerüchte um günstige Konditionen für Wulffs Hauskauf in Großburgwedel.

Dezember 2011: »Bild« veröffentlicht Details zu dem Privatkredit und wirft Wulff vor, dem niedersächsischen Parlament seine Verbindung zu Edith Geerkens verschwiegen zu haben. Der Bundespräsident droht dem »Bild«-Chefredakteur Kai Diekmann auf dessen Mailbox mit »Krieg«, »der Rubikon« sei »überschritten«.

Dezember 2011: Der Bundespräsident räumt sechs Urlaube auf Anwesen verschiedener befreundeter Unternehmer ein.

Dezember 2011: Wulff entlässt Olaf Glaeseker.

Januar 2012 : Der Bundespräsident gibt ARD und ZDF ein Interview und kündigt volle Transparenz an.

Januar 2012: Die Staatsanwaltschaft durchsucht Glaesekers Haus und Büros sowie die Räume des Eventmanagers Manfred Schmidt, der enge Kontakte zu Wulff gehabt haben soll. Glaeseker und Schmidt stehen unter Korruptionsverdacht. Glaeseker soll als Regierungssprecher Schmidts Nord-Süd-Dialog »gefällig gefördert« haben. Als Gegenleistung habe er kostenlos Urlaube auf Schmidts Anwesen gemacht. Schirmherren der Party-Veranstaltungen auf dem Hannoveraner Flughafen waren Wulff und sein baden-württembergischer Amtskollege Günther Oettinger.

Februar 2012: Es wird bekannt, dass der Filmunternehmer David Groenewold 2007 einen Kurzurlaub Wulffs auf Sylt zunächst bezahlt hat; später habe Wulff den Betrag bar beglichen, sagt sein Anwalt. Für eine Firma Groenewolds gewährte das Land Niedersachsen eine nicht beanspruchte Bürgschaft über vier Millionen Euro.

Februar 2012: Die Staatsanwaltschaft Hannover beantragt die Aufhebung der Immunität des Bundespräsidenten. Am Tag darauf tritt der Präsident zurück. Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen Wulff wegen Vorteilsannahme auf.

April 2012: Bettina Wulff zeigt sich zum ersten Mal seit dem Rücktritt ihres Manns wieder in der Öffentlichkeit. Im Rathaus des Berliner Problemstadtteils Neukölln stellt sie die Bilanz der Stiftung Eine Chance für Kinder vor, deren Schirmherrin sie ist.

September 2012: Die ehemalige First Lady klagt gegen Google und gegen Günther Jauch. Jauch hatte aus der »Berliner Zeitung« zitiert, die über das Gerücht berichtet hatte, Bettina Wulff habe früher im Rotlichtmilieu als Escort-Dame gearbeitet. Google schlägt durch seine Autocomplete-Funktion als Ergänzung zum Suchbegriff »Bettina Wulff« Wörter wie »Escort« vor. Jauch hat inzwischen eine Unterlassungserklärung abgegeben.

Der Google-Konzern lehnt ein Einlenken jedoch strikt ab.

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Leserkommentare
  1. Schon erstaunlich, wie vergeßlich selbst "Die ZEIT" ist:

    17. Jan. 2012 ... Das Verfahren gegen Bundespräsident Wulff wegen dessen Drohanruf bei "Bild"- Chefredakteur Diekmann wird eingestellt.
    18. Jan. 2012 ... Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wird wegen des Kredits von Bundespräsident Wulff weder gegen die BW-Bank noch gegen Wulff ermitteln. ......
    24. Jan. 2012 ... Ein Ermittlungsverfahren gegen Wulff wegen des möglichen ... oder das Verfahren einstellen, weil sich der Anfangsverdacht nicht erhärtet hat. ...zwischen dem Kredit der BW-Bank und der Aufsichtsratstätigkeit von Wulff seien ...
    1. Juni 2012 ... Das Berliner Verfahren gegen Christian Wulff wurde eingestellt. Die Staatsanwaltschaft legt ihm seine Kontakte zu Firmen nicht als ...
    10. Okt. 2012 Staatsanwaltschaft Hannover: Keine Ermittlungen wegen Wulffs Flitterwochen. Hannover Christian Wulff wird sich nicht wegen seiner Flitterwochen mit Ehefrau

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  • Schlagworte Christian Wulff
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