DIE ZEIT: Wie viele Eckart von Hirschhausens gibt es eigentlich? Sie treten auf als Arzt, Journalist, Kabarettist, Bestsellerautor, Fernsehmoderator und Redner auf Wissenschaftskongressen – das kann doch eine Person gar nicht alles leisten.

Eckart von Hirschhausen: Ich bin wie das Schaf Dolly und habe mich mehrfach klonen lassen. Und während wir hier reden, liegt der wirkliche Hirschhausen zu Hause im Bett... Nein, ich mache viele verschiedene Dinge, die aber aus derselben Quelle kommen. Nur weil ein Großteil meiner Aktivitäten in der Öffentlichkeit stattfindet, heißt das nicht, dass die Summe übermenschlich ist. Jede Krankenschwester arbeitet härter als ich.

ZEIT: Und was ist die Quelle des multiplen Hirschhausen?

Hirschhausen: Ich fühle mich wie eine Art moderner Medizinmann, der einerseits medizinisches Wissen hat, aber auch weiß, dass dieses nur transportiert wird, wenn man etwas Show macht, die Emotionen der Menschen berührt. Wissen alleine, das zeigen unzählige Studien, ist überraschend wenig wirksam im Menschen. Das ist letztlich das, was mich vor 20 Jahren bewogen hat, aus dem Krankenhaus auf die Bühne zu gehen.

ZEIT: Jetzt erscheint Ihr neues Buch – mit einer Startauflage von 500.000 Exemplaren. Der Erfolg beim breiten Publikum ist offenbar garantiert. In der bürgerlichen Presse dagegen werden Sie zum Teil als »omnipräsenter Witze-Onkel« geschmäht. Kränkt Sie das?

Hirschhausen: Der Vorwurf der Intellektuellen in diesem Land lautet schnell, das Populäre sei unweigerlich oberflächlich. Wer sich die Mühe macht, meine Bücher zu lesen, entdeckt da sehr viel intelligent verpackte Wissenschaft und ernste Kritik am Medizinbetrieb. Die Bücher sind nicht automatisch deshalb schlecht, weil sie populär sind. Es könnte auch sein, dass sie populär sind, weil sie gut sind. Aber Journalisten haben großen Spaß daran, Dinge als Erste zu entdecken. Und kaum hat jemand Erfolg, wendet sich das Blatt, und Journalisten schreiben darüber, was angeblich faul ist an dem Erfolg. Damit muss man leben. Seit der Antike gilt: Interessant sind Figuren vor allem im Aufstieg und im Fall.

ZEIT: Ihre Bücher handeln vom Glück und von der Liebe. Bleibt das nicht bei Ihrem Lebensstil auf der Strecke? Anders gefragt: Was wollen Sie selbst?

Hirschhausen: Was mich antreibt, ist die Frage, warum wir von all unserem medizinischen und psychologischen Wissen so wenig umsetzen. Das gilt natürlich auch für mich selbst. Ein Wegweiser muss den Weg ja nicht gehen. Aber ich bin in der privilegierten Lage, selbst entscheiden zu können, wann ich Zeit mit der Familie verbringe und wann ich schreibe oder auftrete. Ich fühle mich nicht hilflos einer Maschine ausgeliefert, sondern bin dankbar, dass ich heute mit Leichtigkeit Menschen treffen kann, an die ich als Oberarzt in einem Krankenhaus nie herangekommen wäre.

ZEIT: War Ihnen die Klinik zu wenig Bühne?

Hirschhausen: Nein, ich war sehr gerne Arzt und bin es im Grunde noch heute. Es war Zufall, dass ich seinerzeit nicht direkt übernommen werden konnte. Ich wäre aber vermutlich langfristig in der Klinik vor die Hunde gegangen, denn meine Kreativität hat als Schattenseite auch ein etwas chaotisches Verhalten. Im Krankenhaus ungünstig, auf der Bühne ein Vorteil.