Eckart von Hirschhausen"Ich gehe mir ja selbst auch auf den Zeiger"

Der gelernte Arzt Eckart von Hirschhausen ist als medizinischer Entertainer auf allen Kanälen erfolgreich. Das nervt so manchen. Ein Gespräch mit dem Omnipräsenten von  und

Der Comedian und Moderator Eckart von Hirschhausen

Der Comedian und Moderator Eckart von Hirschhausen  |  © Hannes Magerstaedt/Getty Images

DIE ZEIT: Wie viele Eckart von Hirschhausens gibt es eigentlich? Sie treten auf als Arzt, Journalist, Kabarettist, Bestsellerautor, Fernsehmoderator und Redner auf Wissenschaftskongressen – das kann doch eine Person gar nicht alles leisten.

Eckart von Hirschhausen: Ich bin wie das Schaf Dolly und habe mich mehrfach klonen lassen. Und während wir hier reden, liegt der wirkliche Hirschhausen zu Hause im Bett... Nein, ich mache viele verschiedene Dinge, die aber aus derselben Quelle kommen. Nur weil ein Großteil meiner Aktivitäten in der Öffentlichkeit stattfindet, heißt das nicht, dass die Summe übermenschlich ist. Jede Krankenschwester arbeitet härter als ich.

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ZEIT: Und was ist die Quelle des multiplen Hirschhausen?

Hirschhausen: Ich fühle mich wie eine Art moderner Medizinmann, der einerseits medizinisches Wissen hat, aber auch weiß, dass dieses nur transportiert wird, wenn man etwas Show macht, die Emotionen der Menschen berührt. Wissen alleine, das zeigen unzählige Studien, ist überraschend wenig wirksam im Menschen. Das ist letztlich das, was mich vor 20 Jahren bewogen hat, aus dem Krankenhaus auf die Bühne zu gehen.

ZEIT: Jetzt erscheint Ihr neues Buch – mit einer Startauflage von 500.000 Exemplaren. Der Erfolg beim breiten Publikum ist offenbar garantiert. In der bürgerlichen Presse dagegen werden Sie zum Teil als »omnipräsenter Witze-Onkel« geschmäht. Kränkt Sie das?

Hirschhausen: Der Vorwurf der Intellektuellen in diesem Land lautet schnell, das Populäre sei unweigerlich oberflächlich. Wer sich die Mühe macht, meine Bücher zu lesen, entdeckt da sehr viel intelligent verpackte Wissenschaft und ernste Kritik am Medizinbetrieb. Die Bücher sind nicht automatisch deshalb schlecht, weil sie populär sind. Es könnte auch sein, dass sie populär sind, weil sie gut sind. Aber Journalisten haben großen Spaß daran, Dinge als Erste zu entdecken. Und kaum hat jemand Erfolg, wendet sich das Blatt, und Journalisten schreiben darüber, was angeblich faul ist an dem Erfolg. Damit muss man leben. Seit der Antike gilt: Interessant sind Figuren vor allem im Aufstieg und im Fall.

ZEIT: Ihre Bücher handeln vom Glück und von der Liebe. Bleibt das nicht bei Ihrem Lebensstil auf der Strecke? Anders gefragt: Was wollen Sie selbst?

Hirschhausen: Was mich antreibt, ist die Frage, warum wir von all unserem medizinischen und psychologischen Wissen so wenig umsetzen. Das gilt natürlich auch für mich selbst. Ein Wegweiser muss den Weg ja nicht gehen. Aber ich bin in der privilegierten Lage, selbst entscheiden zu können, wann ich Zeit mit der Familie verbringe und wann ich schreibe oder auftrete. Ich fühle mich nicht hilflos einer Maschine ausgeliefert, sondern bin dankbar, dass ich heute mit Leichtigkeit Menschen treffen kann, an die ich als Oberarzt in einem Krankenhaus nie herangekommen wäre.

ZEIT: War Ihnen die Klinik zu wenig Bühne?

Hirschhausen: Nein, ich war sehr gerne Arzt und bin es im Grunde noch heute. Es war Zufall, dass ich seinerzeit nicht direkt übernommen werden konnte. Ich wäre aber vermutlich langfristig in der Klinik vor die Hunde gegangen, denn meine Kreativität hat als Schattenseite auch ein etwas chaotisches Verhalten. Im Krankenhaus ungünstig, auf der Bühne ein Vorteil.

Leserkommentare
    • irridae
    • 20. September 2012 7:43 Uhr

    "Die Bücher sind nicht automatisch deshalb schlecht, weil sie populär sind."

    Nö, falls meine Meinung irgendwen interessiert: E.v.H.'s Bücher sind einfach nur schlecht, weil sie schlecht sind.Lebenshilfe à la carte aus der Reihe "Was wir immer schon wussten und niemand mehr hören kann".

    "Nein, ich war sehr gerne Arzt und bin es im Grunde noch heute."
    Das merkt man. Ich hier oben zeige euch da unten, wo's lang geht. In der Bühnenshow zeigt sich die arzttypische Arroganz. Das zu erforschende Rätsel wäre, warum sich ein Publikum so behandeln lässt. Ich schaue nicht oft hin, aber E.v.H. scheint seine Karriere auf ganze drei Witze zu gründen.

    Dementsprechend besteht das Interview aus Selbstbeweihräucherung. Kürzlich hat hier ein ganz Großer, Woody Allen, gezeigt wie's geht. Das ist Humor.

    Oder ist das jetzt wieder zu frech? Bin mal gespannt, ob das stehenbleibt.

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    Eckart, sie wissen aber schon, dass Dolly einen Gendefekt hatte - bääh!

    ...könnte zugegeben lustiger sein, allerdings ist an seiner seiner Herangehensweise, medizinische und gesellschaftliche Aspekte unterhaltsam zu verpacken, nicht falsch.

    Ihrem Beitrag sind übrigens auch ein gerüttelt maß an Allgemeinplätzen, ausgenudelte Klischees (Ärzte sind typischerweise arrogant...aha) und ebenfalls ein gerüttelt Maß an Arroganz zu entnehmen. Oder warum stellen Sie ihre kritik so da, als sei sie allgemeingültig?

    Sie mögen Hirschhausen nicht, das bleibt Ihnen unbenommen. Aber stellen Sie doch Ihre Kritik etwas differenzierter dar. So wird das nichts.

  1. Eckart, sie wissen aber schon, dass Dolly einen Gendefekt hatte - bääh!

    • Stejo
    • 20. September 2012 8:32 Uhr

    Der Erfolg von Hirschhausen ist nur als psychologische Schutzfunktion erklärbar. Er ist für viele Menschen die einfachste Möglichkeit sich vormachen zu können sie seien an Bildung interessiert bzw. gebildet ohne dabei Anstrengungen auf sich nehmen zu müssen. Durch den Doktortitel lässt sich leicht ausblenden, dass Hirschhausen inhaltlich wenig von Mario Barth unterscheidet.

    Trotz latentem Größenwahn war dies immerhin der erste "öffentliche Auftritt" von Hirschhausen der zumindest ein Mindestmaß an Reflektion und fachübergreifender Bildung offenbart.

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    • irridae
    • 20. September 2012 9:11 Uhr

    Ich glaube, es ist wie in dem Film von Nanni Moretti. Da wird jede Woche "Doktor Schiwago" geschaut und mit Spannung gewartet, ob es diesmal anders ausgeht.

  2. Wer sich über die Inhalte gewisser 'Blättchen' in Wartezimmern und Friseuren oder über die Inhalte etlicher TV-Sendungen informiert, wird erkennen, daß sie dem intellektuellen und emotionalen Niveau sehr vieler Menschen durchaus entsprechen. Anderes würde die Konsumenten derartiger "Ergüsse" wohl überfordern.

  3. ...könnte zugegeben lustiger sein, allerdings ist an seiner seiner Herangehensweise, medizinische und gesellschaftliche Aspekte unterhaltsam zu verpacken, nicht falsch.

    Ihrem Beitrag sind übrigens auch ein gerüttelt maß an Allgemeinplätzen, ausgenudelte Klischees (Ärzte sind typischerweise arrogant...aha) und ebenfalls ein gerüttelt Maß an Arroganz zu entnehmen. Oder warum stellen Sie ihre kritik so da, als sei sie allgemeingültig?

    Sie mögen Hirschhausen nicht, das bleibt Ihnen unbenommen. Aber stellen Sie doch Ihre Kritik etwas differenzierter dar. So wird das nichts.

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    • irridae
    • 20. September 2012 9:05 Uhr

    wenn es nur ein Klischee wäre.
    Sie sind anscheinend so beleidigt (sind Sie etwa Arzt?), dass Sie meinen Beitrag nicht richtig lesen konnten. Ich habe es sogar ausdrücklich als meine Meinung deklariert, der man sich nicht anschließen muss.

    Was seine Herangehensweise betrifft: Klar, uns Doofen muss man gesellschaftliche und medizinische Aspekte unterhaltsam verpacken, damit wir's kapieren.

    Finde schon die Überschrift ne Zumutung:"Ich gehe mir ja selbst auch auf den Zeiger"
    Dazu kann ich nur sagen: Wer zur Täuschung im Spaßverkehr unechte Ironie herstellt, echte Ironie verfälscht oder unechte oder verfälschte Ironie gebraucht, wird mit 1089 Folgen SCRUBS (Synchronfassung) bestraft.

    • irridae
    • 20. September 2012 9:05 Uhr

    wenn es nur ein Klischee wäre.
    Sie sind anscheinend so beleidigt (sind Sie etwa Arzt?), dass Sie meinen Beitrag nicht richtig lesen konnten. Ich habe es sogar ausdrücklich als meine Meinung deklariert, der man sich nicht anschließen muss.

    Was seine Herangehensweise betrifft: Klar, uns Doofen muss man gesellschaftliche und medizinische Aspekte unterhaltsam verpacken, damit wir's kapieren.

    Finde schon die Überschrift ne Zumutung:"Ich gehe mir ja selbst auch auf den Zeiger"
    Dazu kann ich nur sagen: Wer zur Täuschung im Spaßverkehr unechte Ironie herstellt, echte Ironie verfälscht oder unechte oder verfälschte Ironie gebraucht, wird mit 1089 Folgen SCRUBS (Synchronfassung) bestraft.

    Antwort auf "Hirschhausen..."
    • irridae
    • 20. September 2012 9:11 Uhr

    Ich glaube, es ist wie in dem Film von Nanni Moretti. Da wird jede Woche "Doktor Schiwago" geschaut und mit Spannung gewartet, ob es diesmal anders ausgeht.

    Antwort auf "Überschrift"
  4. schaltet sie automatisch und blitzschnell auf AUS. Schlaues Teil, erspart mit aufkommende Übelkeit.

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  • Schlagworte Eckart von Hirschhausen | Arzt | Medien | Fernsehproduktion
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