Die DFG fördert vor allem Grundlagenforschung. »In Podocarpus leisten wir einen spürbaren Beitrag für Umweltschutz und Entwicklung«, sagt der Marburger Jörg Bendix , Direktor des Projekts. Lassen sich wirtschaftliche Interessen mit dem Schutz der Artenvielfalt vereinbaren?

Die Geografin Julia Gawlik von der Universität Erlangen arbeitet direkt in der Pufferzone des Podocarpus-Waldes an ihrer Dissertation über gestörte Landflächen. Während Deutschland eher artenarme Wälder und wegen seiner langen Weidegeschichte artenreiche Grünflächen habe, sei es in den Tropen Ecuadors genau umgekehrt: »Hier finden wir extrem artenreichen Wald und daneben Weiden, auf denen wenige exotische Gräser dominieren.«

Ein unangetastetes Paradies ist Podocarpus keineswegs. Der Druck der Landwirtschaft ist in allen Randzonen des Schutzgebietes sichtbar. Der Klimawandel trifft auch den Äquatorgürtel. Bergbauprojekte drohen am Horizont. Und nicht zuletzt hat Ecuador mit vier Prozent die höchste jährliche Abholzungsrate in Südamerika. »Unser erstes Transferprojekt dient der Aufforstung degradierter Flächen mit heimischen Arten«, sagt Bendix. In Vorbereitung sind Projekte zur Förderung der Wasserkraft, für ein Weidemanagement mit »intelligenter Düngung« und zur Bekämpfung des aggressiven Adlerfarns, der die Verjüngung der Wälder behindert.

Auch einige eingeführte Grasarten, wie die Setaria sphacelata aus Afrika, haben die Forscher als Problempflanzen im Visier. Die Bauern meinten, das Kraut sei »nahrhaft fürs Vieh«, sagt Julia Gawlik. Doch letztlich schädigt die Pflanze die Böden und das Weidesystem. Aus diesem Grund schicken die Forscher die Gräser nach Deutschland und führen Verdaulichkeitstests durch, um den tatsächlichen Energiewert der Gräser zu ermitteln. Am Ende will man den Bauern mit guten Argumenten besseres Gras für ihre Kühe liefern.

»Man muss das Große und Gute wollen«, beschrieb Humboldt einst den Sinn seiner Forschungsreisen. Auch die heutigen Projekte der 15 beteiligten deutschen Hochschulen sollen kein reiner Selbstzweck sein. Und war der Berliner einst »Vordenker der Globalisierung« und Pionier einer »transdisziplinären Wissenschaft«, wie der Humboldt-Forscher Ottmar Ette bemerkt, so will die Podocarpus-Forschung Beleg für diese Vision sein. Ganz im Sinne des Vordenkers formen Botaniker, Zoologen, Klimatologen, Geografen, Bodenphysiker und Forstwissenschaftler in Südecuador einen multidisziplinären Kreis. Sie vernetzen sich mit Kollegen lokaler Universitäten und verstehen sich selbstbewusst als »Humboldts Nachfahren«.

Alexander von Humboldt und sein Team erreichen an jenem 28. Juli 1802 den botanischen Höhepunkt ihrer fünfjährigen Amerikareise. In den Bergen von Cajanuma dringen die Naturforscher in das Gebiet des heutigen Nationalparks vor. Aber tragischerweise hat die Geschichte der Wissenschaft hier einen Schönheitsfehler. Humboldt ist völlig fixiert auf die Chinarindenbäume, die er nach anstrengendem Marsch im Podocarpus-Wald auch findet. Der lokale Botaniker an seiner Seite, »Don Vicente Olmedo, (...) ein guter, sehr unwissender Mann«, weiß die Expedition nicht besser zu informieren, als den Reisenden zu erzählen, dass die Kühe der Gegend ganze Zitronen verschlängen, die sie – im Magen »abgeschält« – wieder von sich gäben. Humboldt schreibt zynische Sätze über den vermeintlichen Vollidioten von Podocarpus, »der uns den Wasserpfeffer mit der Bemerkung zeigte, es wäre der europäische Felberich«.

Doch auch der »Gott der Wissenschaften« ist nicht in guter Form. Humboldt übersieht die Megabiodiversität von Podocarpus. Der Reichtum fällt ihm nicht auf. Am kommenden Morgen trennt er sich von Don Vicente Olmedo. Drei Tage später verlässt er das Land.