SteuerfluchtBloß weg hier

Die Angst vor der Euro-Krise treibt Steuerflüchtlinge in ferne Länder.

Bankenviertel in Hong Kong

Bankenviertel in Hong Kong

Da muss schon etwas Einschneidendes passiert sein, wenn Hans-Lothar Merten so leise Töne anschlägt. Der Bankkaufmann und Autor veröffentlicht seit Jahren einen beliebten Ratgeber für die Geldanlage in Steueroasen. Früher kamen seine Bücher ganz kämpferisch daher, etwa als Handbuch für flexible Steuerzahler betitelt, und voller »attraktiver Auswege« aus der deutschen Steuerhölle. Bei der frisch erschienenen 18. Version aber reiben sich Merten-Kenner die Augen: Neue Einblicke in die Offshore-Welt, steht auf der Titelseite, und weiter: Zurück in die Steuerehrlichkeit? Leser, die das Werk aufschlagen, werden freilich auch diesmal ihren Helden wiedererkennen. »Die westlichen Staaten bekommen ihre Finanzen nicht in den Griff«, poltert Merten zu Beginn des Buches und prangert an: »Nun sollen die Reichen zahlen.«

Das mag zugespitzt sein, aber nicht falsch. Seit die Krise die Staatshaushalte getroffen hat, debattieren Regierungen in ganz Europa über zusätzliche Steuern auf Kapitalbesitz und Erbschaften (ZEIT Nr. 34/12). Und in den Steuerverwaltungen hat das Stopfen von Schlupflöchern Priorität. »Zwischen 2002 und 2008 war in der Bekämpfung der internationalen Steuerflucht kaum etwas passiert«, gibt Pascal Saint-Amans zu, Chef der Anti-Steuerfluchtabteilung der OECD. »Seither aber hat es einen dramatischen Wandel gegeben.«

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Tatsächlich scheint die Jagd auf Steuersünder in vollem Gange. So zählt Saint-Amans seit Ausbruch der Krise 800 neue Doppelbesteuerungsabkommen. Viele Länder haben sich verpflichtet, fremden Steuerbehörden Auskunft über Anleger zu erteilen. Gerade ist eine Phase angelaufen, in der die OECD überprüft, ob solche Informationen wirklich erteilt werden. Mit 13 Ländern, heißt es, sei man unzufrieden, und man werde mehr Druck ausüben.

Auch die Steuerfahnder sind aggressiver geworden. Der deutsche Zoll verschärft die Grenzkontrollen; die Finanzämter erbitten mehrere Hundert Kontenabrufe pro Tag. Es gibt neue Auskunftspflichten bei Banken und aufschlussreiche Datenabgleiche, etwa bei Reisebüros, die Luxusreisen verkaufen. Man nutzt das Gesetz zur Bekämpfung schädlicher Steuerpraktiken und von Steuerhinterziehung, die verschärften Geldwäschegesetze, und den Ankauf von Daten-CDs. »Es muss heute deutlich mehr Grips aufgewendet werden, um Steuern zu vermeiden«, sagt Manfred Lehmann, Vorsitzender der Steuergewerkschaft in Nordrhein-Westfalen, der Interessenvertretung für das Personal der Finanzverwaltungen.

Das Geschäft in Steueroasen scheint nicht beeinträchtigt zu werden

Doch es gibt kaum Anzeichen, dass die Hatz nachhaltig Eindruck macht. Das Geschäft in Steueroasen scheint nicht sonderlich zu leiden, im Gegenteil. Je nach Schätzung halten Reiche aus aller Welt 9 bis 14 Billionen Dollar Vermögen offshore, davon etwa ein Viertel als Bankeinlagen, den Rest als Wertpapiere und sonstige Anlagen. Andere Schätzungen gehen davon aus, dass etwa acht Prozent der privaten Kapitalanlagen weltweit in Steueroasen lagern. Alles sehr grobe Werte, erhoben von Banken, Unternehmensberatungen und Nichtregierungsorganisationen. Doch keiner geht davon aus, dass die Offshore-Vermögen neuerdings schrumpfen.

Die Ökonomen Niels Johannesen von der Universität Kopenhagen und Gabriel Zucman von der École d’économie de Paris untersuchten Anfang des Jahres in einer Studie, wie sich die Anti-Steuerflucht-Aktionen auf die Bankguthaben in Steueroasen auswirkten. Ernüchterndes Ergebnis: zwischen 2007 und 2011 quasi gar nicht.

Was sich wandelte, waren die Lagerorte für das viele Geld. Traditionelle Steueroasen wie die Schweiz und Luxemburg verloren an Attraktivität, dafür floss das Geld an andere Orte, etwa nach Singapur, Hongkong oder auf die Cayman Islands. Die »größte koordinierte Aktion gegen Steuervermeidung, die die Welt je erlebt hat«, habe nach Ansicht der beiden Wissenschaftler dazu geführt, dass Steuerflüchtlinge nun nach Oasen suchten, die mit ihren Herkunftsländern noch kein Abkommen abgeschlossen hätten. Oder dorthin gingen, wo die »kreative« Auslegung der Regeln Schlupflöcher lasse.

Leser-Kommentare
  1. "Ich frage mich, ... ob der freie Kapitalverkehr nicht doch mehr kostet als er letzten Endes bringt."

    Nachdem die Kosten "unten" anfallen und die Erträge "oben" ist aus der Perspektive derer die "oben" sind, der freie Kapitalverkehr ein sehr gelungenes Konstrukt.

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  2. "Diese Effizienz gilt es immer wieder zu hinterfragen und zu beweisen. Erst dann ist dem Staat Geld anzuvertrauen."

    Hier schwingt, zusammen mit Ihrer Philippika auf die Beamten, ein großer Mythos mit:

    Menschen im Staatsidenst können nicht mit Geld umgehen - Menschen in der Privatwirtschaft ist das quasi in die Wiege gelegt.

    Beispiele werden zuhauf erzählt - die schlechten immer aus dem Staatshaushalt, die guten aus dem Privaten.

    Drehen wir es doch einmal um: Deutschland ist eine der führenden Industrienationen der Welt, hat eine Top-Infrastruktur, einen hohen Lebensstandart (die Kluft zwischen arm und reich sehe ich wohl, es würde aber dicke für alle reichen) und selbst unser Jammern findet auf höchstem Niveau statt. Und so ganz nebenbei wurde noch die Wiedervereinigung organisiert.

    Ist doch schon toll, was so unfähige nichtsleistende Beamte doch noch auf die Reihe kriegen, oder?

    Und im Privaten? Schauen Sie sich doch mal das Thyssen-Krupp Stahlwerk in Brasilien an. Oder das finnische Kernkraftwerk in Olkiluoto. Siemens ist mit seinen Offshore-Umspannwerken grandios im Verzug und selbst beim Berliner Flughafen wurde die Brandschutzanlage ja wohl nicht von Beamten konzipiert sondern von Ingenieuren.

    Und, um noch einmal auf meinen ersten Kommentar zurück zu kommen: Das globale Finanzsytem wurde nicht von Beamten, sondern von "Leistungsträger" der Privatwirtschaft an die Wand gefahren.

    3 Leser-Empfehlungen
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    beispiel für staatliche Verschwendung braucht man nicht zu suchen, um zu kontern , denke ich..Griechenland , Beck etc.

    Ja wir jammern auf hohem NIveau..vor allem die Beamten.
    Ich jammere nicht. Die Zustände finde ich sehr gerecht.
    Insofern sollten die jammernden Beamten sicherlich nicht höher bezahlt werden. Sie bekommen für ihre "Leistung" ja mehr als genug. Reichtümer anhäufen, wenn man 16 jährigen den Spektralzerlegungssatz (achtung witz) beibringt, ist eben nicht gerechtfertigt. Wäre es dieser Satz oder eben die KOntaktgeometrie könnte man es ja womöglich mit Talent rechtfertigen. Wenn ichs mir überlege: Auch dann wären Reichtümer nicht gerechtfertigt.

    beispiel für staatliche Verschwendung braucht man nicht zu suchen, um zu kontern , denke ich..Griechenland , Beck etc.

    Ja wir jammern auf hohem NIveau..vor allem die Beamten.
    Ich jammere nicht. Die Zustände finde ich sehr gerecht.
    Insofern sollten die jammernden Beamten sicherlich nicht höher bezahlt werden. Sie bekommen für ihre "Leistung" ja mehr als genug. Reichtümer anhäufen, wenn man 16 jährigen den Spektralzerlegungssatz (achtung witz) beibringt, ist eben nicht gerechtfertigt. Wäre es dieser Satz oder eben die KOntaktgeometrie könnte man es ja womöglich mit Talent rechtfertigen. Wenn ichs mir überlege: Auch dann wären Reichtümer nicht gerechtfertigt.

  3. "Beamtenstatus per Zufall
    Ob ein Lehrer den Beamtenstatus erhält, entscheidet bisher vor allem der Notenschnitt im Staatsexamen; außerdem muss eine bestimmte Altersstruktur eingehalten werden. Das heißt, wer als Lehrer in den Höheren Dienst will, darf nicht älter als 45 Jahre alt sein. "Und dann kommt es natürlich noch auf die Planstelle an", so ein Sprecher des Kultusministeriums. Der Bedarf sei entscheidend, eine Beamtenstellen müsse frei sein. Zufall also"

    Wenn 5 Anwärter die gleichen Noten haben und nur eine Beamtenstelle, sind wir wieder nur beim Zufall! Ich kann mir auch kaum vorstellen, das in ganz Bayern, nach den Anwärtern mit den besten Noten gesucht wird!

    Erst Recht erklärt es nicht die unterschiedliche Netto Bezahlung, und die Unterschiede bei Rente und Pension. Gleiche Arbeit und gleiche Verantwortung ist gleich zu Entlohnen. Das schafft der Gesetzgeber noch nicht mal bei den Frauen!

    Äpfel mit Birnen zu Vergleichen, hat schon bei der Mengenlehre nicht Hingehauen.

    Beamte halte ich in der Gesamtrechnung, auch nicht für billiger als Angestellte, da gebe ich Ihnen Recht!

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    Antwort auf
  4. beispiel für staatliche Verschwendung braucht man nicht zu suchen, um zu kontern , denke ich..Griechenland , Beck etc.

    Ja wir jammern auf hohem NIveau..vor allem die Beamten.
    Ich jammere nicht. Die Zustände finde ich sehr gerecht.
    Insofern sollten die jammernden Beamten sicherlich nicht höher bezahlt werden. Sie bekommen für ihre "Leistung" ja mehr als genug. Reichtümer anhäufen, wenn man 16 jährigen den Spektralzerlegungssatz (achtung witz) beibringt, ist eben nicht gerechtfertigt. Wäre es dieser Satz oder eben die KOntaktgeometrie könnte man es ja womöglich mit Talent rechtfertigen. Wenn ichs mir überlege: Auch dann wären Reichtümer nicht gerechtfertigt.

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    Sie brauchen nicht zu "kontern". Natürlich kenne ich diese und andere Beispiele staatlicher Verschwendung. Wenn Sie meinen Kommnetar aufmerksam lesen, werden Sie feststellen, dass ich aber bewußt die Gegenseite darstellen wollte gerade, weil man Ihre Sichtweise ständig liest.

    Da Sie auch sonst nicht wirklich auf meine Argumentation eingehen und statt dessen lieber immer wieder über Beamte und speziell Lehrer lästern, beende ich hiermit meinerseits die Diskussion.

    P.S. Das "Jammern auf hohem Niveau" war nicht auf Sie bezogen sondern sollte eine ironische Einflechtung sein und war allgemein gemeint.

    P.S.S Ich bin kein Beamter, aber ich kann pauschale Lästereien über ganze Berufs- oder andere Gruppen nicht leiden.

    Sie brauchen nicht zu "kontern". Natürlich kenne ich diese und andere Beispiele staatlicher Verschwendung. Wenn Sie meinen Kommnetar aufmerksam lesen, werden Sie feststellen, dass ich aber bewußt die Gegenseite darstellen wollte gerade, weil man Ihre Sichtweise ständig liest.

    Da Sie auch sonst nicht wirklich auf meine Argumentation eingehen und statt dessen lieber immer wieder über Beamte und speziell Lehrer lästern, beende ich hiermit meinerseits die Diskussion.

    P.S. Das "Jammern auf hohem Niveau" war nicht auf Sie bezogen sondern sollte eine ironische Einflechtung sein und war allgemein gemeint.

    P.S.S Ich bin kein Beamter, aber ich kann pauschale Lästereien über ganze Berufs- oder andere Gruppen nicht leiden.

  5. ja. EIn jeder wird wohl die Leistung von Lehrern einschätzen können. Vor allem, wenn er promoviert bzw. habilitiert ist in entsprechenden Fächern. Also nur die Ruhe. Insofern sollte man eben noch mehr kürzen bei der Besoldung. Wer unkündbar ist, sollte froh sein, dass er überhaupt mehr bekommt als die Brotdose.
    Dass man natürlich als staatsabängiger Beamter bestimmte Klientelparteien (SPD bzw. Grün fürs GEwisssen) wählt, ist ja schon lange Thema des politischen Feuilletons. ob man das so schreibt..*grübel

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    • ThorHa
    • 20.09.2012 um 22:44 Uhr

    haben eben nicht alle dieselben Möglichkeiten der Steuervermeidung.

    Was haben die berichtenden ZEIT-Journalisten eigentlich erwartet? Streckenweise wirkte der Artikel so, als hätten gestandene Reporter an die Spontanbekehrung aller Steuerhinterzieher geglaubt, samt Selbstanzeige, Vermögensverzicht und öffentlicher Selbstgeisselung.

    Was gibt´s sonst Neues?

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  6. tja, was antwortet man einem Lehrer oder anderen Beamten aus einem Rathaus oder wo auch immer.
    Die BEleidigungen sind schon okay. Das Distinktionsbedürfniss und die Obrigkeitshörigkeit dieser Shcicht lässt sie bei Diss und Habil. natürlicch hellhörig werden. Interessant. SIe entlarven sich selbst :).

    Antwort auf
  7. Sie brauchen nicht zu "kontern". Natürlich kenne ich diese und andere Beispiele staatlicher Verschwendung. Wenn Sie meinen Kommnetar aufmerksam lesen, werden Sie feststellen, dass ich aber bewußt die Gegenseite darstellen wollte gerade, weil man Ihre Sichtweise ständig liest.

    Da Sie auch sonst nicht wirklich auf meine Argumentation eingehen und statt dessen lieber immer wieder über Beamte und speziell Lehrer lästern, beende ich hiermit meinerseits die Diskussion.

    P.S. Das "Jammern auf hohem Niveau" war nicht auf Sie bezogen sondern sollte eine ironische Einflechtung sein und war allgemein gemeint.

    P.S.S Ich bin kein Beamter, aber ich kann pauschale Lästereien über ganze Berufs- oder andere Gruppen nicht leiden.

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    Antwort auf "hinkt..wie immer"

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