Finnland: HC statt WC
Das stille Örtchen im Freien als finnischer Herzensbau und Exportschlager
CC BY-SA 2.0: Timo Newton-Syms/Flickr

Freilufttoilette: Ein Klohäuschen nahe der russischen Grenze, in Paljakka, Kuusamo
Jukka Poika ist ein finnischer Reggae-Sänger. Die Mädchen himmeln ihn an, er gewinnt viele Preise. Hän haluu huussin heißt sein neuester Hit, »Er will ein Trockenklo«. Vermutlich meint Poika nicht sich selbst damit, denn ganz bestimmt hat er längst ein Häuschen, ein huussi . Die meisten Finnen verbringen ihre freie Zeit im mökki , der Sommerhütte. Eine halbe Million soll es in Finnland geben – und zu jeder gehört ein stilles Örtchen irgendwo mitten in der Natur.
Ihre Zahl wächst um 8.000 bis 9.000 im Jahr, schätzt Jukka Lindroos, der seit 20 Jahren die Technik optimiert – ein Unternehmen mit Zukunft. In Finnland gibt es Seminare, in denen die Leute über das umweltfreundliche Geschäft aufgeklärt werden. Das Fernsehen zeigt stolze Häuschenbesitzer mit dem neuesten geruchsfreien Ökomodell, und Ende August lud der finnische Trockenkloverband zu einer internationalen Konferenz.
Das stille Örtchen ist den Finnen eine Kindheitserinnerung, eine Herzensangelegenheit, wie das oft eingeritzte Herz in der Tür beweist. Carl Ludwig Engel, der einst das historische Zentrum Helsinkis entwarf, zeichnete ein Plumpsklo mit 18 Sitzen. Die Armee im westfinnischen Niinisalo besaß eines mit 120 Sitzen. Und auf dem Land findet man noch heute familiäre Anlagen aus den Fünfzigern. »Die haben oft drei Löcher, mit einem niedrigeren für Kinder«, erklärt Lindroos.
Sein eigener Schuppen hat nur ein Loch, ist aber himmelblau angemalt. Weil die Farbe so schön ist, aber auch, weil sie Fliegen abhalten soll. Die Tür besteht aus zwei Teilen – ein kleiner Raum mit Weitblick: »Wenn ich mich setze, lasse ich den oberen Teil auf. Dann schaue ich direkt aufs Meer und höre die Vögel zwitschern. Es ist der schönste Platz auf Erden.« Hier komme er auf die besten Ideen, sagt Lindroos und zitiert den Anfang eines Gedichts des Schriftstellers Arvid Järnefelt, das er an die Wand gepinnt hat: »Usein maailmassa avarassa, ei toivon kipinää näy, vaan tässä huoneessa ahtahassa meille aina hyvin käy.« Frei übersetzt heißt das: »Da draußen in der großen Welt verliert sich noch der letzte Funken Hoffnung, aber hier in diesem kleinen Raum sind wir frei von Sorgen.«
Am schönsten seien die frühen, blassen Momente am Morgen, sagt Juhani Seppovaara. »Es ist dann ganz still, und wenn man lange da sitzt, sprechen die Bäume zu einem.« Der ehemalige Banker, jetzt Fotograf und Autor, hat ein Spitzdach auf sein Häuschen gesetzt. Für die Brille nahm er Styropor: »Das hält im Winter schön warm.«
»Das Bauen liegt uns Finnen im Blut«, sagt Seppovaara. Als er mit der Schüssel fertig war, hat er den Bau geschmückt, mit einem Bücherregal (leichte Lektüre), einer Kerze und einem Konterfei des Langzeitpräsidenten Urho Kekkonen.
Gerade hat die Tageszeitung Ilta-Sanomat zum Wettbewerb aufgerufen: Wer hat das schönste Klo im ganzen Land? Das Gewinner-Häuschen wird auf einer Briefmarke verewigt. Eine ähnliche Idee hatte Seppovaara schon vor 15 Jahren. Damals zog er los und fotografierte die Plumpsklos seiner Landsleute. Am Ende hat er zu den Puucees ein Buch herausgegeben. Puu heißt auf Finnisch »Holz« – HC statt WC, wenn man so will. Es steht versteckt im Wald oder auf einem Granitfelsen am Meer. Die Tür knarrt, wenn man sie öffnet, und man kann sie mit einem kleinen Haken schließen. Zieht man die Vorhänge zur Seite, fällt der Blick aufs Wasser. Bei einem ist ein metallenes Waschbecken an die Außenwand geschraubt, ein gelbes Handtuch an einem Nagel flattert im Wind.





Hübsche Glosse, aber sonst?
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Vorurteil geh weg oder ich krieg dich :-))
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Nähdään
Sikasuu
Bist du sicher, mein finnlandfreudiger Sikasuu (Muistatko minulle?^^), dass es eine Glosse ist?
Ich finde die Idee kuhl.
Ich frag nachher mal meine finnischen Freunde hier in Turku und berichte ihnen von dem Artikel.
Kyllä.
Kyllä.
In jeder Statistik liegen sie vor uns: diese Finnen!
Geht es um PISA, Wohlstand, Korruption oder Lebensstandard, selbst bei der Selbstmordrate heisst es: "The Oscar goes to..."
Diesmal nicht! Diesmal haben wir Euch! Über dem eigenen Mief bzw. über dem des Vorgängers zu thronen, während man sein Geschäft verrichtet, ist mitnichten zivilisiert. Cool erst recht nicht und hygienisch zumindest bedenklich.
Beruhigend, dass Jeder seine Schwächen hat...
Es gibt weiterentwicklungen, da wird es in einem Tank schon verrottet.
Bei den älteren Modellen ist es ratsam nach jedem Gebrauch etwas Kalk einzustreuen um den mief zu vermindern.
Die Hygiene leidet nicht, da das Gefäß mindestens 1m unterhalb der Sitzfläche sich befindet und wie schon erwähnt, Kalk einstreuen...
Früher waren doch diese Einrichtungen die größten Tratschbörsen.
Poika ist wohl = Junge. Schwedisch pojke.
...spricht aus Ihrem Kommentar.
Haista paska. (keine Gewähr für die Orthographie...)
Es gibt weiterentwicklungen, da wird es in einem Tank schon verrottet.
Bei den älteren Modellen ist es ratsam nach jedem Gebrauch etwas Kalk einzustreuen um den mief zu vermindern.
Die Hygiene leidet nicht, da das Gefäß mindestens 1m unterhalb der Sitzfläche sich befindet und wie schon erwähnt, Kalk einstreuen...
Früher waren doch diese Einrichtungen die größten Tratschbörsen.
Poika ist wohl = Junge. Schwedisch pojke.
...spricht aus Ihrem Kommentar.
Haista paska. (keine Gewähr für die Orthographie...)
Es gibt weiterentwicklungen, da wird es in einem Tank schon verrottet.
Bei den älteren Modellen ist es ratsam nach jedem Gebrauch etwas Kalk einzustreuen um den mief zu vermindern.
Die Hygiene leidet nicht, da das Gefäß mindestens 1m unterhalb der Sitzfläche sich befindet und wie schon erwähnt, Kalk einstreuen...
Früher waren doch diese Einrichtungen die größten Tratschbörsen.
Poika ist wohl = Junge. Schwedisch pojke.
Kyllä.
Das Hohelied aufs Plumpsklo sollte wohl moderne Erungenschaften für den Klassiker publik machen: das im dünn besiedelten Norden unvermeidbare "Häusl" muss nicht länger ein fragwürdiges Umweltproblem sein, sondern kann (weltweit) ohne Einsatz von (Trink)-Wasser das Feste vom Flüssigen trennen und beide Teile der Wiederverwertung zuleiten.
Und zwar ohne störenden Gestank, der ja erst entsteht, wenn Urin und Kot zusammenkommen!
Für's "Häusl" im Wald gibt es einen Einsatz, der auf das Loch des Plumpsklos gesetzt wird - eine zweiteilige Plastikschüssel, vorne mit einem einem kleinen Becken und einem Ablauf (Richtung Gemüsebeet), hinten ein Trichter, der unten in einem Behälter mit kompostierbarem Papiersack mündet. Der Sitz aus Styropor wird mitgeliefert, kann aber jederzeit mit einem gängigen Modell Brille+Deckel ersetzt werden.
Hinsetzen (und zwar alle, auch die Herren) nach anatomischen Gesichtspunkten: vorne Flüssiges, hinten Festes. Nach der Sitzung eine Handvoll Holzspäne / Sägemehl auf das Feste streuen. Ist der Sack voll, dann wird er im Kompostbehälter entsorgt. Der Inhalt ist trocken und stinkt nicht!
Für Eigenheime und Mietwohnungen im städtischen Bereich gibt es komplette "Separator-Klos" in Prozellan oder Plastik, mit Urin-Tank, Fäkalienbehälter und Lüftungsrohr. Weder Wasser noch Elektrizität werden benötigt. Entsorgung über die Müllabfuhr, Abteilung Kompost. Der Urin wird als hochwertiger Stickstoffdünger eingesetzt.
Allemal besser als WC ...
EHEC läßt grüßen!
EHEC läßt grüßen!
In meiner Kindheit hatte das zweistoeckige Haus meines Grossvaters auf jeder Etage einen Abort.Ausser diesem Sitz mit Loch und Deckel stand immer eine 5l Kanne bereit. Leider roch es immer nach Urin!
Wenn man dann dasass, konnte es passieren, dass ploetzlich und unerwartet ein seltsames Geraeusch in der hinteren Wand auftrat. Das endete immer mit einem PLATSCH.
War es unten voll kam der Absauger!
Das Haus ist inzwischen dreihundert Jahre alt und unter Denkmalsschutz ohne Plumpsklo.
Und in meinem Haus habe ich auch ein Plumpsklo im Badezimmer, sogar mit Wasserspuelung. Ist die Ablage voll, das kann Jahre dauern, kommt auch so ein Entsauger.
Riesige Ersparnisse, es wird keine Klaeranlage gebraucht, vom Leitungssystem ganz zu schweigen.
Salamat poh
Während meines Architekturstudiums wurde ich vor 20 Jahren von einer vollökologischen Professorin über das Kompostklo unterrichtet. Ich kenne auch einige Leute, die eines eingebaut haben, kenne auch eine Wohnsiedlung in Bielefeld, in der (will ich mich nicht festlegen ob so oder so) nur/vorwiegend solche installiert sind. Ein Nutzer sagte mir, ehrlich gesagt, könne es ein oder zweimal im Jahr vorkommen, wenn der Wind ungünstig auf der Entlüftung steht, dass es im WC etwas rieche.
Absauger war gestern, heute braucht den niemand mehr, im modernen Plumpsklo werden die Exkremente zu Komposterde, die Sie in Ihrem Garten verteilen können. Googeln Sie mal Clivus Multrum.
Wie hier auch schon anklang, ist der Vorbehalt gegen Plumpsklos nichts, was von sachlichen Erwägungen geleitet wird. Es hat vielmehr mit nicht überprüften Vorurteilen und Schamgefühlen zu tun. Die meisten Menschen tun die Dinge eben so, wie "man es tun muß". Wer da definiert "wie man es tun muß", wird nicht hinterfragt.
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