Das erste Mal klaute John, als er 14 war. Dann fing er an, Drogen zu nehmen. Immer wieder musste er ins Gefängnis. Ein anderer, Bryan, war Alkoholiker und obdachlos. Wenn er sich betrank, randalierte er, mehrmals wurde er verhaftet. Und hinter Paul, einem Dritten, liegt eine lange Karriere von Alkoholmissbrauch, Obdachlosigkeit und Haftstrafen.

Diese Männer verbüßten ihre Strafen im Gefängnis der englischen Stadt Peterborough. Der Teufelskreis, in den sie geraten waren, ist nur schwer zu durchbrechen. Vier von fünf Sträflingen werden in England rückfällig. Viele sind Kriminelle auf Lebenszeit. Das schadet nicht nur denen, die in den Abgrund rutschen; es schadet auch der Gesellschaft und kostet den Staat eine Menge Geld.

Findige Sozialunternehmer haben nun in Peterborough, zwei Stunden nördlich von London gelegen, ein Programm aufgebaut, das Kleinkriminellen wie John, Bryan und Paul helfen und sich zudem noch rechnen soll. Das Instrument heißt »Social Impact Bond« – eine Anleihe, die Gutes bezwecken soll.

Das Ganze funktioniert so: Die Sozialprogramme werden nicht durch den Staat, sondern von privaten Investoren oder Stiftungen finanziert. Die Initiative in Peterborough unterstützen 17 Investoren, allesamt Stiftungen, die insgesamt fünf Millionen Pfund investiert haben. Das Geld verwaltet eine Firma namens Social Finance, die es an soziale Organisationen weiterreicht. Die betreuen dann die Häftlinge im Gefängnis und helfen den Entlassenen bei der Job- und Wohnungssuche. Jane Newman, eine Direktorin bei Social Finance, erklärt: »Der Vorteil ist, dass sich soziale Organisationen so auf ihre Arbeit konzentrieren können und nicht damit beschäftigt sind, Geld aufzutreiben.« Um die Investoren zu überzeugen, ihr Geld in solch ein Projekt zu stecken, braucht es Anreize. Bei Social Impact Bonds gibt es neben der Wohltat noch einen zweiten: die Aussicht auf Gewinne. Ist das Projekt erfolgreich, erhält jeder, der Geld gegeben hat, die investierte Summe zurück – plus einer Rendite.

Erfolg heißt im Fall der englischen Häftlinge, wenn die kriminelle Rückfallquote nach sechs Jahren um 7,5 Prozent gesunken ist. Als Vergleich dient eine Kontrollgruppe. Je stärker die Rückfallquote sinkt, umso höher fällt die Rendite aus. Erste geschätzte Ergebnisse gibt es 2014. Bis dahin sind genug Häftlinge entlassen worden, um zu sehen, ob die Programme wirken.

Die Rendite zahlt der Staat, denn der kann durch die sozialen Bonds viel Geld sparen. Er muss die Projekte nicht finanzieren, kann also kein Geld verlieren, wenn etwas schiefläuft. Und wenn Kriminalität gar nicht erst entsteht, muss der Staat nicht für die Folgen aufkommen. »Wir bauen lieber Zäune oben auf der Klippe, als nachher einen Krankenwagen an den Fuß zu schicken«, sagt Jane Newman.

Nur: Passen Rendite und Wohltat zusammen? Oder lockt es Geldgeber, die jetzt im Sozialen Profit wittern? Jane Newman glaubt, vorgesorgt zu haben: »Bei uns legt nur jemand an, der Zeit mitbringt und an ein soziales Ideal glaubt. Zudem ist die Rendite nicht unbeschränkt, da die Investoren maximal 13 Prozent pro Jahr bekommen.« 13 Prozent sind eine Menge in diesen Zeiten. Andererseits können Investoren bei dieser Art von Anleihe alles verlieren.

In Kanada, Australien, Neuseeland und den USA gibt es Projektteams, die derzeit prüfen, ob sich ein Social Impact Bond für sie lohnen könnte. Die Mentalität in angelsächsischen Ländern unterscheidet sich stark von deutschen Vorstellungen des Sozialsektors. »Dort spielen private Geldgeber traditionell eine wichtigere Rolle in der Wohlfahrt«, sagt Judith Mayer von der Technischen Universität München. »In Deutschland übernimmt der Staat viele Aufgaben, und die Gesellschaft verlangt dies auch. Soziale Bonds haben da einen schwierigeren Stand.«