SachbuchTerroristen von nebenan

Warum machen die das? Wolf Schmidt über deutsche Dschihadisten von Albrecht Metzger

Gewaltbereitschaft verstört, besonders in einer Wohlstandsgesellschaft wie der Bundesrepublik. Das Unbehagen steigt, wenn religiöse Motive involviert sind, der Gedanke, für das Kreuz in den Krieg zu ziehen, ist uns längst abhandengekommen. Der Gipfel des Unverständnisses ist jedoch erreicht, wenn jemand sein Leben für eine Religion opfern will. Doch das ist die Realität in diesem Land: Junge Menschen nehmen den Islam an oder entdecken ihn neu und enden in den Bergen Waziristans, um sich für den Dschihad ausbilden zu lassen. Als Nährboden des Extremismus gilt der Salafismus, eine strenge Auslegung des Islams. Anfangs des Jahrhunderts gab es in Deutschland ein paar Hundert Salafisten, mittlerweile sind es einige Tausend. Nicht alle sind gewaltbereit, aber manche doch. Man nennt sie Dschihadisten. Wolf Schmidt, Redakteur für Innere Sicherheit bei der Tageszeitung , hat ein Buch über diese Menschen geschrieben. Sein Ausgangspunkt ist die Frage: Was hat sie radikalisiert? Schmidt versucht eine Antwort auf diese Fragen zu geben, indem er sich Einzelschicksale vornimmt. Er beschreibt den Werdegang junger Dschihadisten, spricht mit Verwandten und Freunden, zitiert aus Ermittlungsakten und geht zu Gerichtsverfahren. Der Stil ist unaufgeregt, was angesichts der Dramatik des Themas nicht selbstverständlich ist. Eine wirklich befriedigende Antwort hat aber auch Schmidt nicht. Dafür sind die Biografien der Personen zu unterschiedlich.

Manche Dschihadisten waren in ihrer Jugend Außenseiter und wurden gehänselt, andere liebten amerikanischen Sport, manche lebten von Hartz IV, als sie sich radikalisierten, andere standen in Lohn und Brot. Spricht Schmidt mit Freunden und Verwandten der Dschihadisten, so ist der Tenor ähnlich: Niemand habe die Anzeichen der Radikalisierung bemerkt. Das gilt zum Beispiel für Arid Uka, einen im Kosovo geborenen Muslim, der im März 2011 den ersten islamistisch motivierten Anschlag in Deutschland verübte, als er zwei amerikanische Soldaten am Frankfurter Flughafen erschoss.

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Extremismusforscher haben drei Phasen der Radikalisierungsprozesse ausgemacht: Am Anfang steht tiefer Unmut über Ungerechtigkeiten, seien sie persönlicher Art (Ausgrenzung) oder politischer Art (die Konflikte in Palästina oder Afghanistan). Dann folgt der Kontakt mit einer Ideologie, die Halt gibt. Der Salafismus unterscheidet klar zwischen gut und böse, er gibt seinen Anhängern das Gefühl, auf der Seite der Wahrheit zu stehen. Gruppendynamik kann weitere Radikalisierung bewirken: Man schaut sich gemeinsam Videos von Gräueltaten der »Ungläubigen« an und lauscht den Predigten von Dschihad-Ideologen. Beides bestärkt das dualistische Weltbild und fördert den Hass auf die »Feinde« des Islams. Ob sie jemals zur Tat schreiten, hängt ab von biografischen Zufällen. Letztlich, so schreibt Schmidt, sei der islamistische Terrorismus ein »Risiko unter vielen«, statistisch betrachtet noch nicht einmal das größte: Seit 1990 sind in Deutschland 150 Menschen durch rechtsextremistisch motivierte Gewalt gestorben, islamistische Attentäter haben bislang zwei Tote auf dem Gewissen.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt Bitte verweisen Sie auf seriöse Quellen für Ihre Behauptungen. Danke, die Redaktion/ls

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    "Unter dem Oberbegriff Salafismus versteht man eine vom Wahhabismus geprägte islamistische Ideologie, die sich an den Vorstellungen der ersten Muslime und der islamischen Frühzeit orientiert. Der Wahhabismus ist eine auf Muhammad Ibn Abdalwahhab (1703-1792) zurückgehende und in Zentralarabien (Najd) entstandene Lehre. Er orientiert sich weitgehend an der hanbalitischen Rechtsschule und vertritt die Reinigung des Islam von späteren "Neuerungen". Der Wahhabismus ist die Staatsreligion Saudi-Arabiens und die einflussreichste ideologische Strömung innerhalb des Salafismus."
    http://www.verfassungssch...

    Reicht das jetzt für meine Behauptung, dass der Salafismus von Saudi-Arabien gesteuert wird? Ich bitte um Wiederherstellung meines ursprünglichen Kommentars!

  2. ist doch mehr oder weniger dem Zufall und auch der Dummheit der Akteure zu verdanken. Ich möchte hier an die Sauerland-Attentäter und die Kofferbomber erinnern. Das hätte auch ganz anders ausgehen können. Aber ich befürche, die lernen dazu.

    2 Leserempfehlungen
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    • krister
    • 01. Oktober 2012 22:51 Uhr

    2."2.2. Das es bisher nur 2 Opfer in Deutschland gab,
    ist doch mehr oder weniger dem Zufall und auch der Dummheit der Akteure zu verdanken."

    Sie vergaßen die Polizeiarbeit zu erwähnen.

  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/ls

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    Das Ziel des Islams ist Friede und der Kampf ist in einem selber zu führen. Die meisten Moslems wissen das.
    Die Gewalt hat nichts mit Religion zu tun, sondern ist politisch, das heisst nach aussen orientiert.
    jeder wahrer Gläubiger, ob Moslem, Christ, Jude oder Buddhist und viele mehr wissen, das die Schlacht nicht im Aussen geschlagen wird, sondern bei jedem einzelnen im Inneren.

    warum wurde mein Kommentar gelöscht???!? Braucht der Herr Redakteur Namen? Kann ich liefern!

    Sie wollen selbst nachsehen? Einfach mal ins Studentenwohnheim gehen und ein Gespräch mit den Leuten führen.

    Der Rest sind Einschätzungen, die LEIDER nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, weil sie auf Gesprächen mit potentiellen Interessenten beruhen.

    • immobel
    • 30. September 2012 15:42 Uhr

    "Mittlerweile gibt es in Deutschland einige Tausend Salafisten."

    Die Frage ist doch, wer hat das so entschieden? Gab's da ein Anwerbeabkommen mit gewissen Ländern? Kein klassisches Einwanderungsland dieser Welt würde eine solche Entwicklung zulassen, Deutschland ist immer noch sehr naiv, was diese Leute angeht, obwohl die vor einigen Wochen eindrucksvoll gezeigt haben, was sie von der Gesundheit deutscher Polizisten und der deutschen "Staatsmacht" halten.

    Eine Leserempfehlung
  4. Das Ziel des Islams ist Friede und der Kampf ist in einem selber zu führen. Die meisten Moslems wissen das.
    Die Gewalt hat nichts mit Religion zu tun, sondern ist politisch, das heisst nach aussen orientiert.
    jeder wahrer Gläubiger, ob Moslem, Christ, Jude oder Buddhist und viele mehr wissen, das die Schlacht nicht im Aussen geschlagen wird, sondern bei jedem einzelnen im Inneren.

    Antwort auf "[...]"
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    ... Interpretation des Koran her? Sowas könnte man vielleicht uneingeschränkt von den Suffis behaupten, aber von Wahabiten z.B., für welche es nur den aktiven Jihad gibt? Sorry, der "Islam" ist zu Facetenreich um diesen in die eine oder andere Ecke zu stellen, er ist nun mal nicht pazifitisch noch ist er rein militant aber Fakt ist, der Koran gibt nun mal mehr als an einer Stelle eine einfache Gefechtsanweisung geben alles "Ungläubige" her.

    ..ich auch. Mich stört deer spirituelle Islam nicht, im Gegenteil, das ist ein recht beeindruckendes Gebilde. In meinem vorigen Kommentar hab ich geschrieben manche sind bereit sich zu radikalisieren, aber ich hab eben auch das Gegenteil erlebt: Moslems, die tief in ihrem Glauben verhaftet sind und eine unglaubliche Ruhe ausstrahlen. Das sind Leute, die habe ich sehr gerne zum Nachbarn.

    Beim politischen Teil des Islams aber handelt es sich genauso um eine Globalideologie, wie beim Kommunismus und Faschismus, die eine Abweichung kennt, alles außer der reinen Lehre ablehnt und damit ein in sich kohärentes Weltbild formt. Gerade das ist sehr anziehend für Menschen, ein ideales Weltbild voller Frieden, Gemeinsinn und einem alles einenden geistigen Überbau - man muss sich nur fest genug an die Regeln halten. Das ganze ist selbstverständlich völlig Anti-demokraisch und eine Versklavung Andersdenkender ohne Rücksicht.
    Leider wollen viele diesen gedanklichen Schritt nicht gehen, da er wie auch das "richtige" Leben der eigenen Spiritualität Arbeit, Härte mit sich selbst und das Eingeständnis Absolutheit der eigenen Fehlbarkeit beinhaltet. Freiheit tut eben manchmal leider weh.

    • krister
    • 01. Oktober 2012 22:50 Uhr

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

  5. ... Interpretation des Koran her? Sowas könnte man vielleicht uneingeschränkt von den Suffis behaupten, aber von Wahabiten z.B., für welche es nur den aktiven Jihad gibt? Sorry, der "Islam" ist zu Facetenreich um diesen in die eine oder andere Ecke zu stellen, er ist nun mal nicht pazifitisch noch ist er rein militant aber Fakt ist, der Koran gibt nun mal mehr als an einer Stelle eine einfache Gefechtsanweisung geben alles "Ungläubige" her.

    Antwort auf "Ziemlich ungenau alles"
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    Deswegen sind Wahabiten und Salafisten keine wirklichen Moslems. Sie machen Terror im Namen des Islams. Gibt es übrigens auch bei den Christen und Juden.

  6. Die Gesellschaft hat verpasst, die Menschen aufzuklären. Stattdessen werden die
    Menschen vor allem die Unwissenden, ( denen das Wissen vorenthalten wird) missbraucht und für die eigennützigen Interessen einiger Machtbesessenen in den Krieg geschickt.
    Das ist das Ergebnis von Bildungsdefizite in unserer Gesellschaft. Es wird an der falschen Stelle gespart.
    Man könnte fast meinen, mit Absicht!

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    Klären Sie uns doch mal auf! Von welcher Gesellschaft sprechen Sie denn? Von Deutschland sicher nicht, denn hier sind die allermeisten aufgeklärt, in jeglicher Hinsicht. Und Bildung wird auch niemandem vorenthalten, im Gegenteil.

  7. Wenn diese Zahl aus der Liste der Zeit stammt, dann sind da auch Fälle ohne politischen Hintergrund und ohne jegliche politische Implikation dabei.
    Die Liste der Motive umfasst: Auslänger, Sinti und Roma, Schwule und Lesben, Behinderte, Obdachlose, "nicht-rechte Personen", "politische Gegner", "Hass auf Aussteiger", "Szene-interne Gewalt", "Machtdemonstration/Selbstjustiz", "Sonstiges" und "keine Angaben".
    Hier nachzulesen.

    Ganz offensichtlich wurden hier alle Straftaten gegen Personen gezählt die von Personen begangen wurden die politisch einem gewissen Spektrum zuzuordnen sind.

    Bei gleichwertiger Zählung dürfte man auf Seiten des salafitischen Terrors auf weit mehr als zwei Tote kommen, da hier alles gezählt werden müsste was an Straftaten von Leuten begangen wurde die dem Salafismus nahestehen (und dazu spricht die Kriminalstatistik eine beredte Sprache).

    Hier wird mal wieder mit zweierlei Mass gemessen.

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    • okmijn
    • 30. September 2012 22:21 Uhr

    Wenn Sie die offiziell anerkannten nehmen sind es immer noch die Hälfe - also mehr als eine Größenordnung mehr als die islamistischen Taten. Die Dunkelfelder dürften aufgrund der Aufmerksamkeiten auch nicht zu einem Ausgleich beitragen.

    Ich lebe in einer kleineren Großstadt mit relativ hohem Migrantenanteil inklusive dabei relativ hohem Anteil an Moslems und ich fühle mich (und das den Zahlen nach zu Recht) nicht besonders gefährdet. Der Straßenverkehr, resistente Keime, die Grippesaison alles um viele Größenordnungen gefährlicher und andere mögliche Gefährder deutlich.

    Das einzige was mich bisher aus dieser Richtung betrifft sind die Eingriffe in meine Freiheitsrechte, die mit der vermeintlichen Bedrohungslage gerechtfertigt wurden.

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  • Schlagworte Taliban | Dschihad | Buch | Sachbuch
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