Quengelzone"Smart Home"

Marcus Rohwetters unentbehrliche Einkaufshilfe von 

Technikverkäufer haben zwei Lieblingsfloskeln. Die eine ist »Bald werden wir alle...«, die andere heißt »Smart Home«. Schon bald also werden wir alle in Smart Homes wohnen, in intelligenten Häusern. Wenn wir erst die tollen Dinge gekauft haben, die wir kaufen sollen.

Dahinter steckt die Idee, dass sämtliche Haushaltsgeräte und Einrichtungsgegenstände intelligent werden und kommunizieren – mit sich, mit uns, mit wem auch immer. Von internetfähigen Kühlschränken fieberträumen die Hersteller ja schon lange, nun gesellen sich Waschmaschinen, Staubsauger, Kaffeemaschinen und dergleichen dazu. Alle vernetzt. Alle smart.

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Die Folge von Smart Homes ist vermutlich, dass ich jede paar Tage die Software meiner Kücheneinrichtung updaten muss, um sie vor digitalen Gefahren zu schützen. Ich stelle mir vor, wie chinesische Hacker meine Waschmaschine kapern und die Kochwäsche bei 30 Grad laufen lassen, weil ich eine Sicherheitslücke nicht geschlossen habe. Dann bleiben womöglich Schmutzränder.

Der Preis für Sicherheit ist hoch, dabei macht die Dreckwäsche allein schon genug Arbeit. Ich will das gar nicht. Vor allem aber will ich nicht ständig von vernetzten Küchenmöbeln oder dem intelligent gewordenen Zeug in meiner Putzkammer angemailt und zugetextet werden. »Ping – Dein Staubsauger hat Dich bei Twitter erwähnt. Ping – Deine Espressomaschine ist bei Facebook jetzt mit Ilses Bügeleisen befreundet. 23 Handlampen gefällt das.« Alles, nur das nicht.

Hausgerätetechnisch bevorzuge ich es ruhig und dumm. Interessiert sich vielleicht jemand für die Gründung einer Dumb-Home-Bewegung? Besitzer von Häusern, die einfach nur da sind?

Von Verkäufern genötigt? Genervt von Werbe-Hohlsprech und Pseudo-Innovationen? Melden Sie sich: quengelzone@zeit.de

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