Stimmt's?Frieren dünne Menschen schneller als dicke?

...fragt Sibylle Schwarz aus Wellington (Neuseeland). von 

Frieren ist eine subjektive Empfindung. Zwei Menschen mit der gleichen Statur können ein ganz unterschiedliches Kältegefühl haben. Präzisieren wir also die Frage: Kühlt ein dünner Mensch schneller aus als ein dicker?

Es gibt gleich mehrere Gründe, warum man diese Frage eindeutig mit Ja beantworten muss. Erstens, analog zum Vergleich von Männern mit Frauen, haben Dünne eine in Relation zum Volumen größere Körperoberfläche. Und da die Wärme über die Oberfläche abgegeben wird, verlieren sie gespeicherte Wärme schneller.

Anzeige

Zweitens: Gewichtige Menschen müssen mehr arbeiten, um – bei ansonsten gleichen Körperdaten – die zusätzlichen Pfunde zu bewegen. Und Muskelarbeit erzeugt Wärme.

Der dritte, wichtigste Faktor: Fett isoliert. Dicke Menschen haben nicht nur eine Fettschicht direkt unter der Haut, auch jedes ihrer inneren Organe ist in einen Speckpanzer gehüllt. Der schützt insbesondere das Körperinnere vor dem Auskühlen, und dort sitzen die Temperatursensoren.

Der direkte Zusammenhang zwischen der Dicke der Fettschicht und dem Temperaturverlust wurde in vielen Experimenten nachgewiesen, vor allem ging es dabei um die Abgabe von Wärme im Wasser – dort kühlt man sehr viel schneller aus als an der Luft, weil Wasser die Wärme besser leitet. Im Jahr 1960 zum Beispiel wurde an der britischen Universität Cambridge eine Studie durchgeführt, bei der die Probanden eine halbe Stunde bewegungslos in 15 Grad kaltem Wasser ausharren mussten, wobei ihre Temperatur ständig mit einem Rektalthermometer gemessen wurde – sicherlich gibt es angenehmere Experimente. Wer eine Fettschicht von vier Millimetern hatte, kühlte in dieser Zeit um zwei Grad ab, bei acht Millimetern Fett war es nur ein Grad.

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild  |  © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Einen ähnlichen Zusammenhang entdeckten Wissenschaftler, die 1982 griechische Schwammtaucher untersuchten. Die trugen Neoprenanzüge bei ihren Tauchgängen, aber nach einer gewissen Zeit wurde es ihnen zu kalt, und sie begannen heftig zu zittern. Dieser Zitterbeginn hing ganz direkt damit zusammen, wie dick die Fettschicht der Männer durchschnittlich war.

Ob dick oder dünn – Menschen können lernen, mit Kälte umzugehen. Das hat ein Vergleich von Schwimmern und Läufern im Jahr 1979 ergeben. Die Schwimmer waren besser in der Lage, ihre Wärmeregulierung an kalte Wassertemperaturen anzupassen.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Jetzt können sich meine ob des offenen Fensters ständig über Kälte klagenden Kolleginnen ja wunderbar rächen... ich hätte mir noch Infos darüber gewünscht, wie man sich das Frieren denn abtrainiert? Gewohnheit?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sicherlich gibt es auch dicke Menschen, die frieren. Das liegt vor allem daran, dass sie sich oft nicht so gern und viel bewegen wie dünnere Menschen. Obwohl die Fettschicht im Wasser als Wärmepolster dient, hilft uns das als Landbewohner aber leider wenig weiter ;-))

    @Petra2903: Wer viel friert, sollte aktiv werden - das Jammern und Klagen hilft leider nix!

    Für Schreibtischtäter kann ich Pulswärmer und ein Mouse-Pad aus Stoff wärmstens empfehlen, denn dann liegt das Handgelenk mit dem empfindlichen Puls nicht auf der kalten Tischplatte.

    Wärmend ist auch ein Woll-Unterhemd. Da gibt es mittlerweile schöne, sportliche Modelle ohne Oma-Charme. Wenn's ganz arg kommt, eignet sich beheizbare Unterwäsche zum Warm-up.

    Von innen können Sie mit wärmenden Lebensmitteln und scharfen Gewürzen einheizen. Mein heißer Tipp: Ingwertee, am besten morgens eine ganze Kanne voll aufsetzen und über den Tag verteilt trinken.

    Im Büro hilft es auch, den Kollegen zu "besuchen" statt ihm eine Mail zu schicken, beim Herumgehen statt im Sitzen zu telefonieren oder die Treppe statt den Fahrstuhl zu nehmen.

    Naja, und eine gute Portion Humor kann auch nicht schaden! Denn beim Lachen bewegt sich der ganze Körper, so trägt Ihre positive Einstellung auch zum Warm-up bei.

    Wie lange das Fenster im Büro offen steht, darüber sollten Sie sich mit Ihren Kolleginnen gütlichst einigen ;-))

    • Euwie
    • 22. September 2012 11:52 Uhr

    Sie können aber auch sagen, dass bei einer Untertemperatur auch viel Fett verbrannt wird, und damit kann man besonders viel abnehmen...
    Leider nehmen zwar gerade die dünneren so besonders viel ab, aber meistens sind das ja auch ausgerechnet diejenigen, die sich besonders dick vorkommen :-)

    ...während deine kolleginnen frieren ist aber nicht besonders nett. ich hatte bei mir im büro auch mal einen kollegen, der hat das fenster aufgemacht, sobald die sonne schien - egal ob 25, 15 oder 5 grad draussen. ich sass damals mit dem rücken zum fenster, wodurch ich ausser frieren am arbeitsplatz auch noch ständig an verspannungen im rücken- und nackenbereich hatte - obwohl ich schon mit jacke und schal dort sass. da hab ich mich täglich aufs neue gefreut, ins büro zu kommen... natürlich hab ich den kollegen immer wieder geben, das fenster wieder zu zumachen; nach spätestens einer stunde wars wieder offen.

    gegen kurz lüften ist ja nichts zu sagen (kann man ja kaffeepause machen), aber länger aufmachen, wenn andere schon frieren, ist nun mal rücksichtslos.

    Sie können mit Schokolade trainieren! ☺

  2. Sicherlich gibt es auch dicke Menschen, die frieren. Das liegt vor allem daran, dass sie sich oft nicht so gern und viel bewegen wie dünnere Menschen. Obwohl die Fettschicht im Wasser als Wärmepolster dient, hilft uns das als Landbewohner aber leider wenig weiter ;-))

    @Petra2903: Wer viel friert, sollte aktiv werden - das Jammern und Klagen hilft leider nix!

    Für Schreibtischtäter kann ich Pulswärmer und ein Mouse-Pad aus Stoff wärmstens empfehlen, denn dann liegt das Handgelenk mit dem empfindlichen Puls nicht auf der kalten Tischplatte.

    Wärmend ist auch ein Woll-Unterhemd. Da gibt es mittlerweile schöne, sportliche Modelle ohne Oma-Charme. Wenn's ganz arg kommt, eignet sich beheizbare Unterwäsche zum Warm-up.

    Von innen können Sie mit wärmenden Lebensmitteln und scharfen Gewürzen einheizen. Mein heißer Tipp: Ingwertee, am besten morgens eine ganze Kanne voll aufsetzen und über den Tag verteilt trinken.

    Im Büro hilft es auch, den Kollegen zu "besuchen" statt ihm eine Mail zu schicken, beim Herumgehen statt im Sitzen zu telefonieren oder die Treppe statt den Fahrstuhl zu nehmen.

    Naja, und eine gute Portion Humor kann auch nicht schaden! Denn beim Lachen bewegt sich der ganze Körper, so trägt Ihre positive Einstellung auch zum Warm-up bei.

    Wie lange das Fenster im Büro offen steht, darüber sollten Sie sich mit Ihren Kolleginnen gütlichst einigen ;-))

    Antwort auf "Na toll.."
  3. Mich würde interesssieren, wie sich mehr oder weniger Muskulatur auf das Auskühlen auswirkt. Schließlich könnten Muskeln auch isolieren, wenngleich sicherlich nicht so gut, wie Fett.

    Zudem sind Muskeln stärker durchblutet und können durch Arbeit Wärme erzeugen.

    • Taranis
    • 22. September 2012 10:17 Uhr

    Auf der Startseite wird die Frage zwischen Männern und Frauen aufgeworfen und im Artikel nicht weiter darauf eingegangen. Würde man der Logik des Artikels folgen, so müssten Frauen die in der Regel mehr Unterhautfett haben also weniger schnell frieren als Männer.
    Der Autor hat in seiner Schilderung völlig die Muskelmasse außer acht gelassen. Auch im Ruhezustand verbrauchen Muskeln mehr Energie als Fett und produzieren damit aktiv mehr Wärme. Der vermeintlich höhere Verlust kann dadurch ausgeglichen werden.
    Auch interressant ist wie sich das Gefäßsystem auf die Umgebungstemperatur einstellt um nicht unnötig Wärme in die Periferie zu pumpen und hier kommen wir zur Frage von Petra2903. Weniger schnell frieren lässt sich mit Saunabesuchen und der anschließenden Abschreckung trainieren. Letztendlich trainiert man damit die Fähigkeit des Körpers speziel der Blutgefäße sich auf verschiedene Umgebungstemperaturen anzupassen. Laienhaft ausgedrückt, wenn der Körper die kalte Umgebung wahrnimmt und aufhöhrt mit übertriebenen Blutmengen die äußersten Hautschichten zu heizen, verliert man auch weniger Wärme. Es kommt dabei zu keiner Unterversorgung mit Blut sondern hängt lediglich mit dem Wärmehaushalt zu sammen. Im Umkehrschluß wird einem auch weniger schnell zu warm, weil der Körper durch Erweitern der Gefäße besser in der Lage ist Wärme in heißer Umgebung abzugeben.

    Aber all das hätte ich mit eigentlich vom Artikel gewünscht statt über Rektalthermometer zu sprechen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was Taranis hierzu geschrieben hat, unterstütze ich vollkommen.
    Ich hätte mir gewünscht, dass hier der "Mythos" verworfen wird, dass Frauen zwangsläufig schneller frieren als Männer oder zumindest auf das Thema mehr eingegangen wird. Frauen haben von Natur aus eine bessere Isolierschicht als Männer, da sie prozentual gesehen mehr Körperfett haben. Natürlich bedeutet das auch nicht zwangsläufig, dass sie weniger schnell frieren. Das alles hängt von mehr Faktoren als Körpermasse, Fett und Muskeln ab und lässt sich nicht so leicht in einem so knappen und recht schwammigen Artikel erklären.

  4. ... nur das wichtigste fehlt. Wie von Karin Hertzer schon angedeutet, ist bei den Dünnen im Winter die Nahrungsaufnahme das wichtigste.

    Bei Kälte helfen eben nur Kalorien ( inzwischen Joule oder andere ).

    Am schnellsten geht das mit Zucker, oder andere Lebensmittel die viel davon enthalten z.B. Schockolade.

    Manche trinken auch Schnaps.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    allerdings erweitert der Alkohol die Blutgefäße & der Körper kühlt letztlich noch schneller aus.

  5. frieren auch aus Eitelkeit mehr und schneller, weil sie sich nicht warm genug anziehen.
    "Da seh´ ich sonst so dick aus."..heisst es .
    Dort wo eine dicke Daunenjacke angemessen wäre,wird zum Hebstblouson gegriffen.
    Das wäre doch auch mal ein Forschungsansatz-ginge auch ohne Thermometer.

    • Euwie
    • 22. September 2012 11:52 Uhr

    Sie können aber auch sagen, dass bei einer Untertemperatur auch viel Fett verbrannt wird, und damit kann man besonders viel abnehmen...
    Leider nehmen zwar gerade die dünneren so besonders viel ab, aber meistens sind das ja auch ausgerechnet diejenigen, die sich besonders dick vorkommen :-)

    Antwort auf "Na toll.."
  6. allerdings erweitert der Alkohol die Blutgefäße & der Körper kühlt letztlich noch schneller aus.

    Antwort auf "Stimmt ja alles ..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Stimmt's?
  • Schlagworte Körper | Übergewicht | Schwimmen | Medizin | Psychologie | Wissenschaft
Service