Frieren ist eine subjektive Empfindung. Zwei Menschen mit der gleichen Statur können ein ganz unterschiedliches Kältegefühl haben. Präzisieren wir also die Frage: Kühlt ein dünner Mensch schneller aus als ein dicker?

Es gibt gleich mehrere Gründe, warum man diese Frage eindeutig mit Ja beantworten muss. Erstens, analog zum Vergleich von Männern mit Frauen, haben Dünne eine in Relation zum Volumen größere Körperoberfläche. Und da die Wärme über die Oberfläche abgegeben wird, verlieren sie gespeicherte Wärme schneller.

Zweitens: Gewichtige Menschen müssen mehr arbeiten, um – bei ansonsten gleichen Körperdaten – die zusätzlichen Pfunde zu bewegen. Und Muskelarbeit erzeugt Wärme.

Der dritte, wichtigste Faktor: Fett isoliert. Dicke Menschen haben nicht nur eine Fettschicht direkt unter der Haut, auch jedes ihrer inneren Organe ist in einen Speckpanzer gehüllt. Der schützt insbesondere das Körperinnere vor dem Auskühlen, und dort sitzen die Temperatursensoren.

Der direkte Zusammenhang zwischen der Dicke der Fettschicht und dem Temperaturverlust wurde in vielen Experimenten nachgewiesen, vor allem ging es dabei um die Abgabe von Wärme im Wasser – dort kühlt man sehr viel schneller aus als an der Luft, weil Wasser die Wärme besser leitet. Im Jahr 1960 zum Beispiel wurde an der britischen Universität Cambridge eine Studie durchgeführt, bei der die Probanden eine halbe Stunde bewegungslos in 15 Grad kaltem Wasser ausharren mussten, wobei ihre Temperatur ständig mit einem Rektalthermometer gemessen wurde – sicherlich gibt es angenehmere Experimente. Wer eine Fettschicht von vier Millimetern hatte, kühlte in dieser Zeit um zwei Grad ab, bei acht Millimetern Fett war es nur ein Grad.

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Einen ähnlichen Zusammenhang entdeckten Wissenschaftler, die 1982 griechische Schwammtaucher untersuchten. Die trugen Neoprenanzüge bei ihren Tauchgängen, aber nach einer gewissen Zeit wurde es ihnen zu kalt, und sie begannen heftig zu zittern. Dieser Zitterbeginn hing ganz direkt damit zusammen, wie dick die Fettschicht der Männer durchschnittlich war.

Ob dick oder dünn – Menschen können lernen, mit Kälte umzugehen. Das hat ein Vergleich von Schwimmern und Läufern im Jahr 1979 ergeben. Die Schwimmer waren besser in der Lage, ihre Wärmeregulierung an kalte Wassertemperaturen anzupassen.

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