Wolfgang Herrmann ist auf der Jagd. Zehn neue Mitarbeiter sind mit ihm unterwegs, er hat sie extra eingestellt dafür, dass sie mit ihm auf die Pirsch gehen. 100 neue Professoren will die Technische Universität München (TUM) haben, nur die Besten, und die gilt es aufzuspüren. Bei dieser Jagd möchte Wolfgang Herrmann, der Universitätspräsident, nichts dem Zufall überlassen. Denn er braucht sie, die hervorragenden Professoren.

Durch die Exzellenzinitiative hat die TU München genug Geld dafür bekommen, 165 Millionen Euro für die Spitzenforschung. Wie aber findet man die besten Forscher der Welt? »Gerade wenn es um Topberufungen aus der Wirtschaft geht, fehlen uns bislang leider oft die entsprechenden Kontakte«, sagt Herrmann. Damit er sie in Zukunft hat, gibt es diese zehn neuen Mitarbeiter. Sie arbeiten in einer Abteilung, die sich Berufungsstab nennt und in erster Linie dafür da ist, die besten Forscher der Welt aufzuspüren und zu umwerben. Wie Wolfgang Herrmann legen sich viele deutsche Hochschulrektoren immer stärker ins Zeug, um Spitzenforscher an ihre Universität zu locken.

Denn eine Professur lediglich auszuschreiben reicht heute längst nicht mehr, um einen Wissenschaftler mit internationalem Ruf zu gewinnen. Schließlich buhlen oftmals nicht nur verschiedene Hochschulen um ihn, sondern auch Industrieunternehmen. Mittlerweile sind Berufungen zum Wettbewerb geworden, Elitewissenschaftler werden fast schon wie Prominente umgarnt: Unterhändler werden losgeschickt und Antrittsgeschenke für die Forschung in Millionenhöhe verteilt.

Millionenschwere Fonds

Die Uni Köln und die RWTH Aachen haben inzwischen Büros in New York, um Kontakte zu Topforschern aufzubauen, sich an US-Universitäten zu präsentieren und aussichtsreichen Nachwuchs anzuwerben. In Karlsruhe und Konstanz hat SAP-Mitgründer Hans-Werner Hector millionenschwere Fonds aufgelegt, um die Forschungsbedingungen für umworbene Professoren zu verbessern.

Als erster Hochschulrektor Deutschlands will Herrmann in Zukunft sogar mit einer Personalberatung zusammenarbeiten, um Spitzenleuten aus der Wirtschaft eine Professur schmackhaft zu machen. Um zudem international besser rekrutieren zu können, will die TUM mit der Initiative TUM.Global daran arbeiten, stärker in anderen Ländern präsent zu sein. So plant man, die bestehenden Standorte in Peking, Mumbai, Singapur und São Paulo zu Recruitment-Centern auszubauen. Zusätzlich sollen neue Büros in Brüssel, Tokio, New York und Kairo eröffnet werden. Bei teuren Berufungen, insbesondere aus dem Ausland, teile er sich schon mal mit dem Helmholtz Zentrum und der Max-Planck-Gesellschaft die Kosten – sie kooperieren mit der TU München, so Herrmann. Mehr noch als ums Gehalt gehe es vielen Forschern aber um die Ausstattung ihrer Institute.